Projekt des Monats Oktober 2015: UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V.

Wenn 60 Firmen in einem Industriegebiet gemeinsame Sache machen...
© Zero Emission GmbH
Vor gut zehn Jahren eroberte der Fisch Nemo die Herzen der Kinozuschauer. Für ebenso positive Schlagzeilen sorgt in Berlin derzeit ein ambitioniertes Klimaschutzprojekt gleichen Namens.

Denn hinter NEMo verbirgt sich die Initiative „NEMo Null Emission Motzener Straße“, mit der sich ein Zusammenschluss von mehr als 60 Unternehmen in einem Berliner Industriegebiet zum Ziel gesetzt hat, die CO2-Emisssionen bis 2050 um mehr als 95 Prozent zu reduzieren. Wichtige Grundlage dafür ist ein Klimaschutz-Teilkonzept, dessen Erstellung das Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative fördert.

Das gemeinsame Engagement für ganz unterschiedliche Belange ist im Industriegebiet Motzener Straße im Berliner Stadtbezirk Tempelhof-Schöneberg schon zu einer kleinen Tradition geworden. Vor zehn Jahren gründeten eine Handvoll Unternehmer vor Ort das UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V. Ziel war es, die eigenen Standortbedingungen zu verbessern und Möglichkeiten zu nutzen, gemeinsam Kosten zu sparen. Das gelang mit großem Erfolg. Im Verbund konnten beispielsweise günstigere Konditionen mit Sicherheits- und Reinigungsfirmen oder auch im Bereich der Telekommunikation ausgehandelt werden. Auch der gemeinsame Öleinkauf half den einzelnen Firmen, ihre Kosten zu senken. Ein Gebietskindergarten und regelmäßige Netzwerktreffen sind weitere Beispiele für das Engagement des UnternehmensNetzwerks, dem mittlerweile mehr als 60 Firmen angehören.

Förderung eröffnet neue Perspektiven im Klimaschutz

Klimaschutz spielte in den vergangenen Jahren ebenfalls eine wichtige Rolle am Industriestandort Motzener Straße. Dabei handelte es sich allerdings eher um Maßnahmen einzelner Betriebe als um gemeinsame Projekte. „Die Förderung durch das Bundesumweltministerium bietet uns nun die große Chance, unseren Fokus noch viel intensiver auf den Klimaschutz zu richten“, erklärt Ulrich Misgeld, 1. Vorsitzender des UnternehmensNetzwerks Motzener Straße e.V..

Das langfristige Ziel der Klimaschutzinitiative am Industriestandort ist mit dem markanten Projektnamen „NEMo Null Emission Motzener Straße“ klar definiert. Als erste Etappe sollen bis 2020 die CO2-Emissionen bereits um 40 Prozent reduziert werden. Was das für den Standort in konkreten Zahlen bedeutet, wird derzeit in einer umfassenden Energie- und CO2-Bilanz sowie einer Potenzialanalyse ermittelt. Darauf aufbauend gilt es während der einjährigen Projektlaufzeit von Januar bis Dezember 2015 natürlich auch einen konkreten Maßnahmenkatalog zu entwickeln.

Klimaschutz entlastet die Kassen und stärkt die Gesundheit

Während das Klimaschutz-Teilkonzept noch bis Ende 2015 unter der Federführung der Zero Emission GmbH erarbeitet wird, lässt man am Industriestandort im Gewerbegebiet jedoch keine Zeit unnötig verstreichen. Schon längst hat man hier die Umsetzung einer Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen angeschoben – wie etwa den gemeinsamen Einkauf von sogenanntem „Grünen Strom“, der zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammt. Auch dabei profitiert einmal mehr nicht nur die Umwelt: die Kassen der beteiligten Firmen werden entlastet. „Die gebündelte Nachfrage ermöglicht es uns, attraktivere Konditionen mit den Stromanbietern auszuhandeln“, verdeutlicht Gabriele Isenberg-Holm, Leiterin der Geschäftsstelle des UnternehmensNetzwerks. Langfristig könnten die Unternehmen im Industriegebiet ihren Energiebedarf unabhängig von externen Versorgern decken. Im Juli beteiligten sich 30 Firmen an einem vom UnternehmensNetzwerk initiierten ersten Workshop zum Thema „Dezentrale Energieversorgung im Industriegebiet Motzener Straße“, auf dem diese Möglichkeit ausgiebig diskutiert wurde.

Saal mit Menschen in Sitzreihen und eine Frau präsentiert das Netzwerk mit Hilfe einer Powerpoint

Infoveranstaltung zum Netzwerk

© UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V.

Etwa 15 Personen sitzen um einen Tisch in U-Form und vorne präsentiert ein Mann das Netzwerk mit Hilfe einer Powerpoint

Workshops und Austausch zum Stand des Netzwerkes

© UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V.

Ein anderes Beispiel für das Engagement des UnternehmsNetzwerks ist die NEMo-Aktion „E-Bike-Pendeln“. Und das bedeutet, dass inzwischen bereits die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus sieben Unternehmen ihren Weg zur Arbeit mit Elektrorädern zurücklegen – und damit eine umweltbewusste und zugleich wesentlich kostengünstigere Alternative zum PKW nutzen.

Unter dem Motto „Hecken statt hacken“ wurde im September eine weitere NEMo-Aktion gestartet. Dahinter verbirgt sich eine umfangreiche Begrünungsaktion am Industriestandort. Schwerpunkt der Aktion liegt auf Heckenpflanzungen an den Grundstücksgrenzen der einzelnen Unternehmen, entlang von Straßen, Zäunen und Plätzen. „Ziel der Begrünung ist eine Verbesserung des Kleinklimas durch eine verbesserte Sauerstoffproduktion und Staubfilterung“, so Gabriele Isenberg-Holm.

„Wir sind dabei – wir sparen CO2

Eine der Hauptaufgaben des UnternehmensNetzwerks liegt darin, die einzelnen Firmen mit ins Boot zu holen. Viele der mehr als 200 Betriebe sind bereits mit großem Engagement mit von der Partie und haben Banner mit dem Slogan „Wir sind dabei – wir sparen CO2“ an ihren Firmensitz gehängt. „Wir versuchen immer wieder wichtige Überzeugungsarbeit zu leisten und den Betrieben zu verdeutlichen, dass sich die Zukunftsfähigkeit unseres Industriestandortes durch Klimaschutzmaßnahmen sichern lässt“, fasst die Ulrich Misgeld zusammen. „Wir wollen den Unternehmen zeigen, dass mit ein bisschen Engagement viel möglich ist“, so Gabriele Isenberg-Holm. Als für alle sichtbares Zeichen für den Handlungsbedarf und erste Erfolge soll in Kürze ein „Emission-o-meter“ vor Ort aufgestellt werden – welches die CO2-Bilanz in Form einer Stele öffentlichkeitswirksam darstellt.

Auf einen Blick 

Antragsteller

Berlin / UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V.

Bundesland und Größe

Berlin / Gewerbegebiet Motzener Straße 112,5 ha ca. 180 Firmen

Gefördertes Projekt im Rahmen der NKI

Klimaschutzteilkonzept

Förderbaustein Kommunalrichtlinie:

Klimaschutzteilkonzept „Klimaschutz in Industrie- und Gewerbegebieten“

Projektzeitraum: 01/15 – 12/15

Angestrebte Effekte: Reduktion des CO2-Ausstoßes um 95 Prozent bis 2050 im Vergleich zu 1990

Ansprechperson

UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V.
Geschäftsstelle
Gabriele Isenberg-Holm
Motzener Straße 12-14
12277 Berlin

Tel.: 030/74781358
geschaeftsstelle@motzener-strasse.de