Nahaufnahme Klimaschutz
Juni 2017

Farima Tehranchi, Klimaschutzmanagerin der Stadt Frankenberg (Eder)

Klimaschutz ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf, so die Überzeugung von Farima Tehranchi. Sie ist seit Januar 2015 als Klimaschutzmanagerin in der hessischen Stadt Frankenberg (Eder) tätig. Ob auf Messen, Ausstellungen, Vortragsreihen oder Aktionstagen – mit großer Ausdauer spricht sie die Bürgerinnen und Bürger immer wieder gezielt an, um sie zum Beispiel für Sanierungsmaßnahmen an den eigenen Wohnhäusern zu gewinnen.
Zitat
„Ich möchte möglichst viele Menschen motivieren, Initiative für den Klimaschutz zu ergreifen und eine lebenswerte Umwelt für kommende Generationen mitzugestalten.“

SK:KK: Sie sind seit 2015 als Klimaschutzmanagerin in Frankenberg tätig. Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, die es zu meistern gilt?

Farima Tehranchi: Klimaschutz ist mehr als ein Schlagwort, es ist ein gesellschaftliches Ziel und muss auch als ein solches verstanden und kommuniziert werden. Technische Maßnahmen und Verbesserungen sind nur ein Teil des Klimaschutzes. Von entscheidender Bedeutung ist vor allem die Veränderung des menschlichen Verhaltens.

Viele Studien und Umfragen belegen, dass der Schutz unserer Umwelt und des Klimas von einem großen Teil der Bevölkerung als eine der wesentlichsten Herausforderungen unserer Zeit gesehen wird. In der Realität steht dem bedauerlicherweise eine eher zurückhaltende Bereitschaft gegenüber, die eigenen Gewohnheiten und das Handeln zu reflektieren, um bewusste Entscheidungen im Sinne des Klimaschutzes zu treffen.

SK:KK: Wie lässt sich diese Diskrepanz überbrücken?

Farima Tehranchi: Man muss die Sichtweisen der Bürgerinnen und Bürger erkennen und verstehen, um anschließend mit passenden kommunikativen Instrumenten gezielt darauf reagieren zu können. Klimaschutz ist ein Querschnittsthema und beinhaltet unterschiedliche Aspekte. Es verlangt, mit verschiedenen Akteuren in unterschiedlichsten Teilgebieten zu agieren, diese einzubinden und für den Klimaschutz zu begeistern. Viele Projekte und Aktionen laufen dabei parallel, um möglichst viele Synergien zu nutzen. Klimaschutz ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf und erfordert ein Höchstmaß an Geduld und Ausdauer.

SK:KK: Öffentlichkeitsarbeit nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein. Mit welchen Ideen und Maßnahmen wenden Sie sich in Frankenberg an die Bürgerinnen und Bürger?

Farima Tehranchi: Ziel der Öffentlichkeitsarbeit zum Klimaschutz ist es, ein entsprechendes Bewusstsein zu fördern und folgerichtig eine Verhaltungsänderung der Bürgerinnen und Bürger zu bewirken. Die Öffentlichkeitsarbeit umfasst ein breites Spektrum an Möglichkeiten und beinhaltet verschiedene passive wie aktive Elemente. Ein wesentlicher Meilenstein in Frankenberg war die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für die Energieberatung, bei der umfangreiche Informationsmedien verschiedenster Art bereitstehen.

Neben dieser passiven Form ist es von essentieller Bedeutung, aktiv auf die Bürgerinnen und Bürger zuzugehen. So wurden in der Vergangenheit mehrere Ausstellungen, Messen und Vorträge rund um das Thema Umweltschutz und Gebäudesanierung veranstaltet, die durch großes Interesse und Zulauf honoriert wurden.

Öffentlichkeitsarbeit fängt in Frankenberg aber auch schon früher an. Unter dem Oberbegriff Umweltbildung werden bereits in den Kindergärten altersgerechte Lehrveranstaltungen durchgeführt. Auf diese Weise wollen wir das Interesse an der Umwelt wecken und den Sinn dafür schärfen. Im besten Fall wird dieses Interesse dann automatisch durch die Kinder und Schülerinnen und Schüler an die elterliche Generation weitergetragen und erhöht so zusätzlich die innergesellschaftliche Verbreitung.

Andere erfolgreiche öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen waren der „Thermografische Spaziergang“, sowie die Dokumentation spannender Geschichten rund um lokale Gebäudesanierungen aus Sicht der Bauherren.

SK:KK: Gibt es Formen der Öffentlichkeitsarbeit, die aus Ihrer Erfahrung heraus weniger erfolgsversprechend sind?

Farima Tehranchi: Aus meiner Sicht gibt es keine Maßnahmen, von denen ich strikt abraten würde. Sicherlich gibt es weniger öffentlichkeitswirksame Maßnahmen und wiederum andere, mit denen man mehr Bürgerinnen und Bürger erreicht und mitnimmt. Letztere erreicht man aus meiner Erfahrung heraus am besten indem man unvermittelt Kontakt mit ihnen aufnimmt. Wir sind bei vielen Veranstaltungen und Messen sowie bei Vorträgen in der Stadt mit unserem Klimaschutzstand vor Ort und nutzen diese Anlaufstelle, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.

SK:KK: Das Gesicht von Frankenberg ist durch Fachwerkhäuser und Altbauten geprägt. Deren Sanierung stellt Hauseigentümerinnen und -eigentümer in der Regel vor große Herausforderungen. Wie begegnen Sie diesen?

Farima Tehranchi: Keine Frage, die Sanierung von Fachwerk erfordert besondere Erfahrung, spezielles Wissen und eine Betreuung durch Fachleute. Zudem kommen erhöhte gesetzliche Auflagen hinzu, die beachtet werden müssen. Allerdings gilt auch: Es gibt viele technische Möglichkeiten, dieses Kulturgut zu erhalten und zugleich Energie einzusparen. Denkmalschutz und ein geringerer Energieverbrauch sind kein Widerspruch! Darum stehen wir interessierten Bürgerinnen und Bürgern beratend und mit weiterführenden Informationen zur Seite. Es ist wichtig aufzuzeigen, dass es nicht nur Hürden gibt, sondern dass Bauherr und Bauherrin auch auf eine Reihe spezieller Fördermöglichkeiten für die Sanierung denkmalgeschützter Bauten zurückgreifen können.

SK:KK: Mit welchen weiteren Angeboten motivieren Sie generell Hauseigentümerinnen und -eigentümer zu Sanierungsmaßnahmen?

Farima Tehranchi: Neben den bereits erwähnten Veranstaltungen nutzen wir gezielt die örtliche Presse und unsere eigene Homepage, um die Bürgerinnen und Bürger über Möglichkeiten der energetischen Gebäudesanierung und über die Frage der Wirtschaftlichkeit solcher Investitionen zu informieren. Dort zeigen wir gute Beispiele energetischer Gebäudesanierung aus Frankenberg und Region und gehen dabei auf existierende Fördermöglichkeiten ein.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem ein initialer Erstkontakt der Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer mit Handwerkern wichtig ist, die im Bereich energetischer Sanierung geschult und erfahren sind. Wenn beide Seiten erkennen, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit eine klare Win-win-Situation schafft, ist es nur rational, dem auch nachzugehen. So kann ein kleiner initialer Impuls im besten Fall dazu führen, dass sich die energetische Gebäudesanierung flächendeckend verstärkt und durch den auftretenden Netzwerkeffekt eine Art Automatismus entsteht.

  • © Tehranchi
  • Vortragsveranstaltung –„Fassaden Dämmung in der Kritik“
    © Stadt Frankenberg (Eder)-Tehranchi
  • Die Eröffnung der Passivhaus-Ausstellung mit Herrn Bürgermeister Rüdiger Hess (links) und anderen regionalen Akteuren
    © Karin Fey - Hessische Energiespar-Aktion
Porträt
Name

Farima Tehranchi

Ausbildung

M.Eng. (Facility Management) Dipl.-Ing. (Architektur)

Kontaktdaten

Hessen

Gemeinde

Stadt Frankenberg (Eder)

Einwohnerzahl und Größe der Stadt Frankenberg

18.400

124,87 km2

Meine Verortung in der Kommune

Stadtbauamt

Ich bin Klimaschutzmanagerin für...

...die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzepts und des Teilkonzepts „Klimaschutz in eigenen Liegenschaften“

Projektlaufzeit

15.01.2015-31.12.2017

Highlights der vergangenen Monate

- Aktion „Grüne Energie für die Mitte“
- Vortragsreihe rund um das Thema „Klimaschutz und Energiesparen“
- Aktionstag „Energieberatung“
- Infos und Energieberatung rund um die energetische Sanierung
- Teilnahme an der regionalen Messe “bauen, wohnen, leben“ mit den Schwerpunkten „Energetische Gebäudesanierung“ und „Nachhaltigkeit und Konsumverhalten“
- Thermografie-Spaziergang
- Einführung Gebäudeleittechnik in eigenen Liegenschaften
- Energie-Theater für Vorschulkinder

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