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15. Mär. 2017

Nachlese: Difu-Dialog zur Zukunft der Städte: Klimaschutz – Lohnendes Engagement oder nur Mehrarbeit und Kosten?

Welche Kosten erzeugt Klimaschutz vor Ort und für wen? Welche Nutzen stehen dem gegenüber und wie können diese sichtbar gemacht werden? Diese Fragen standen im Fokus des „Difu-Dialogs zur Zukunft der Städte“ am 15. März in Berlin.
Kommunen
Auch wenn ein anfängliches Stimmungsbild im Publikum zeigte, dass Klimaschutz bereits als lohnendes Engagement wahrgenommen wird: Zielkonflikte zwischen Klimaschutz und anderen kommunalen Anliegen bestehen durchaus. Im Laufe des Abends wurden sie in der Diskussion zwischen Podium und Publikum, die von Christine Krüger und Corinna Altenburg vom Service- und Kompetenzzentrum: Kommunaler Klimaschutz (SK:KK) geleitet wurde, vertieft erörtert.
  • Die Podiumsbesetzung (v.l.n.r.): Dr. Fritz Reusswig (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung), Wibke Werner (Berliner Mieterverein), Dagmar Birkelbach (Koordinationsstelle Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf)
    © Sibylle Wenke-Thiem | Deutsches Institut für Urbanistik
  • © Sibylle Wenke-Thiem | Deutsches Institut für Urbanistik
  • Angeregte Diskussion nach den Vorträgen

So betonte Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dass der kommunalen Ebene eine wichtige Schlüsselrolle im Klimaschutz zukommt  – insbesondere vor dem Hintergrund unzureichender internationaler Verpflichtungen. Kommunen sind jedoch von gesetzlichen Rahmenbedingungen abhängig und in allgemeine Diskurse eingebettet, die ihren Handlungsspielraum einschränken. Als Beispiel dient der Kostenbegriff in der Klimaschutzdebatte, der zu negativ besetzt sei, schließlich erzeugten Kosten an anderer Stelle einen Mehrwert und seien damit nichts anderes als Investitionen, beispielsweise in Gesundheit und lebenswerte Städte. Diese positiven Effekte sichtbar zu machen, ist gleichzeitig eine Chance für die kommunale Ebene, da diese konkrete klimafreundliche Angebote für ihre Bürgerinnen und Bürger gestalten könne

Im Rahmen der Veranstaltung wurden in weiteren Beiträgen bestehende Zielkonflikte zwischen Klimaschutz und sozialer Nachhaltigkeit aus anderen Blickwinkeln beleuchtet. So führt energetische Sanierung oftmals zu enormen Mietsteigerungen und in Großstädten nicht selten zu Verdrängung. Diese Problematik hob vor allem Wibke Werner vom Berliner Mieterverein hervor und forderte eine Änderung der Gesetzeslage, um einen Missbrauch der Modernisierungsumlage auf Kosten der Mieterinnen und Mieter zu verhindern.

Ein Lösungsansatz stellt sozial gestalteter Klimaschutz dar, der flexibel auf Quartiers- und Bezirksebene gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet wird. Gute Erfahrungen hat damit Dagmar Birkelbach von der Koordinationsstelle Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf gemacht – trotz knapper Kassen. Der Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf im Südwesten der Stadt hat bereits viel Erfahrung sowohl in der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen als auch mit Klimakonzepten gesammelt. Durch vielfältige Projekte, unter anderem durch die sogenannten Energiesparpartnerschaften, einem Contracting-Modell, gelang es, im Bezirk rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 einzusparen. Derzeit werden allerdings auch die Grenzen des Contracting-Modells sichtbar und die Experten waren sich einig: um die langfristigen Klimaneutralitätsziele in Berlin zu erreichen, muss Berlin verstärkt in erneuerbare Energien und in eine urbane Wärmewende investieren.