Allgemeine Information

Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog

25.000 Euro Preisgeld für Projekt "Wie aus (viel) Wind Wärme wird"
Kommunen

Die Auszeichnung wurde für die Nutzung von sonst abgeregelter Windkraft zur Strom- und Wärmeerzeugung vergeben. Dazu wurden in Haushalten der Gemeinde alte Heizkessel zu modernen Power-to-Heat-Anlagen umgebaut.

  • Windenergie wird zur Erzeugung von Wärme für Haushalte genutzt.
    © hearts&minds/Difu

Vorreiter der Wärmewende

Wie aus sonst ungenutztem Wind Wärme wird, macht die 160 Personen starke Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog vor. Ganz im Nordwesten Deutschlands, direkt an der Bahnstrecke nach Sylt gelegen, weht der Wind hier nahezu beständig. Stromgewinnung durch Windkraft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Dennoch gibt es für die 24 Windräder des bürgereigenen Windparks immer wieder Zwangspausen, sogenannte Abregelungen. Sie sind der Tatsache geschuldet, dass die öffentlichen Stromnetze weniger Leistung aufnehmen können, als die Windkraftanlagen erzeugen. Und das bedeutet, dass die vorhandene Windenergie nicht in vollem Umfang genutzt werden kann. Um dies zu ändern, hat die Gemeinde ein kooperatives Projekt initiiert. Ihre Partner: der Bürger-Windpark Lübke-Koog, das Institut für Wärme und Oeltechnik, die ARGE Netz, die AktivRegion Nordfriesland Nord und die ee-Nord. Die Lösung des Problems liegt in der Nutzung des sonst abgeregelten Windstroms zur Wärmeerzeugung. Im Kleinen gibt es solche Systeme bereits, sie auf eine ganze Kommune auszuweiten, ist hingegen technologisches Neuland.

Video zum ausgezeichneten Projekt

>> Weitere Videos und eine barrierefreie Version des Films (mit Untertitel) finden Sie hier...

Bürgermeister Christian Nissen zur Verwendung des Preisgeldes:

"Im Rahmen unseres neuen geplanten Vehicle-to-home Projektes mit der Nutzung von E-Autos als Speichereinheit, werden wir eine bidirektionale Schnellladesäule installieren."

Bürgerschaft zum Mitmachen mobilisiert

Zur Umsetzung der Ideen wurden flexible Stromverbraucherinnen und -verbraucher gesucht, die durch den Einsatz moderner Hybridheizungen, sogenannter Power-to-Heat-Anlagen, Energie aus verschiedenen Quellen zur Stromnutzung und zum Beheizen ihrer Wohnhäuser nutzen können. Auf einer Versammlung, die im Oktober 2017 stattfand, und an der viele Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde teilnahmen, wurde das Konzept vorgestellt und nach Haushalten gesucht, die bereit waren, ihre alten Heizungen gegen eine neue Hybridanlage einzutauschen. Auf Anhieb gab es 13 Zusagen, der Umbau erfolgte bis Ende 2018. Die neuen Heizungsanlagen wurden in ein virtuelles Kraftwerk eingebunden, über das sie ferngesteuert werden können. Hier laufen die Erzeugungsdaten von Windkraft-, Photovoltaik- und Biomasseanlagen aus der Region in Echtzeit zusammen. Bei zu viel Windstrom werden die Heizspindeln der Hybrid-Heizungen im Lübke-Koog eingeschaltet und die Windräder müssen nicht mehr aus dem Wind genommen werden. Steht kein abgeregelter Strom zur Verfügung, laufen die Heizungen mit stromunabhängigem Heizöl. Auch beim Einsatz dieses fossilen Brennstoffs gibt es eine Innovation: Bei einigen ausgewählten Gebäuden wurde dem klassischen Heizöl zusätzlich ein neuer, treibhausgasreduzierter flüssiger Brennstoff beigemischt. Dieser wird vorwiegend durch die Hydrierung von Bioabfällen, wie beispielsweise Altspeisefetten, hergestellt und gehört damit zu den erneuerbaren Biobrennstoffen, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen.

Um ihre Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme am Projekt zu motivieren, hat die Gemeinde auf verschiedene Kommunikationswege gesetzt. Der Startschuss fiel mit der Informationsveranstaltung im Oktober 2017, eine Website bündelt alle relevanten Informationen, unter anderem stellt hier eine Videoreportage die Wind-Wärme-Modellregion anschaulich vor. Mit einem Auskunfts- und Abwicklungsservice stand und steht allen Umbauwilligen eine kostenlose Unterstützung zur Beantragung staatlicher Fördermittel zur Heizungsmodernisierung zur Verfügung. Die Beratungsstelle koordiniert als zentraler Ansprechpartner den Erfahrungsaustausch zwischen den teilnehmenden Haushalten und den lokalen Fachhandwerkern und überwacht die technischen Umbauarbeiten in den Wohngebäuden. Das Projekt zeigt die technischen Möglichkeiten und den Mehrwert von ansonsten abgeregelten Strommengen aus der Windkraft zur Wärmeerzeugung modellhaft auf. So können die Vorteile des speicherbaren Energieträgers Heizöl mit denen des schwankenden Windstroms kombiniert werden, um mehr erneuerbare Energie aus der Region in der Region zu nutzen und damit CO2 einzusparen. Allein durch den Austausch veralteter Heizkessel durch effiziente Heiztechnik werden jährlich bis zu 30 Prozent weniger Energie und Treibhausgase ausgestoßen. Damit ist die Gemeinde mit diesem bundesweit einmaligen Projekt ein Vorreiter der Wärmewende.

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Ansprechpartner:
Christian Nissen
Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog
BGM
Telefon: 04668-357
E-Mail: clnfwlk@gmx.de

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