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Landeshauptstadt Magdeburg

25.000 Euro Preisgeld für Klimaanpassung durch stadtklimatische Baubeschränkungsbereiche
Kommunen

Die Auszeichnung wurde für Aktivitäten der Landeshauptstadt zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels vergeben. Durch die Festlegung von städtischen Bereichen, in denen nicht oder nur noch unter bestimmten Auflagen gebaut werden darf, werden ausreichende Flächen zur Kalt- und Frischluftzufuhr erhalten

  • Stadtkarte Magdeburg
    © hearts&minds/Difu

Zukünftige Lebensverhältnisse sichern

Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ist eine lebendige Metropole. Doch mit steigender Einwohnerzahl kommt es zu einer städtebaulichen Verdichtung, verbunden mit Gebieten starker Überhitzung. Die Stadt hat deswegen Bereiche festgelegt, in denen nicht beziehungsweise nur noch unter bestimmten Auflagen gebaut werden darf. Diese Baubeschränkungsbereiche sichern die Versorgung belasteter Siedlungsräume mit frischer und kalter Luft. Kaltluft wird vor allem bei Nacht, durch Verschattung oder Verdunstung über Grün- und Freiflächen gebildet.

Video zum ausgezeichneten Projekt

 

Herr Holger Platz (Beigeordneter Dezernat I - Umwelt, Personal und Allgemeine) zur Verwendung des Preisgeldes:

„Die Sicherung von Kaltluftleitbahnen durch Baubeschränkungsbereiche ist ein wichtiger Baustein, den die Landeshauptstadt Magdeburg im Rahmen ihres Masterplans Klimaschutz und ihres Klimaanpassungskonzeptes umsetzt. Das Preisgeld soll dafür eingesetzt werden, den Anteil von Lastenrädern und E-Lastenrädern in Magdeburg zu erhöhen und so Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten. Denkbar sind z.B. Zuschüsse für den Erwerb von Lastenrädern, aber auch die Ertüchtigung von Grundstücken als Abstellflächen.“

2013 hat die Stadt ihre klimatologische Situation durch eine Klimaanalyse und ein Fachgutachten zum Klimawandel untersuchen lassen. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden eine „Klimafunktionskarte" und eine „Planungshinweiskarte“ erarbeitet und unter Berücksichtigung bestehenden Baurechts schließlich stadtklimatische Baubeschränkungsbereiche herausgearbeitet. Grundsätzlich sollen innerhalb dieser Bereiche keine neuen Bauvorhaben realisiert werden. Festgelegt wurde, wie mit einzelnen Eingriffen und den Auswirkungen auf Kaltluftschneisen umzugehen ist. Demnach sollte die Durchflussbreite einer Kaltluftleitbahn 300 Meter betragen, die Kernzone einer Kaltluftleitbahn – das heißt die inneren 100 Meter als Bereich mit der höchsten Strömungsdynamik – ist immer von Bebauung freizuhalten. Kaltluftleitbahnen, die bereits einen hohen Gebäudeanteil aufweisen, sollen unabhängig von ihrer Breite nicht noch stärker in ihrer Funktionalität eingeschränkt werden. Im Falle einer neuen bzw. zusätzlichen Bebauung in einem Leitbahnsystem müssen kompensierende Maßnahmen erfolgen, die sich möglichst direkt auf diesen Frischluftkorridor beziehen.

Klimaanpassung verbindlich machen

Welche städtischen Bereiche nach welchen Grundsätzen für die Frischluftzufuhr freigehalten werden müssen, diskutierte und entschied eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe. Umweltamt, Stadtplanungsamt und Liegenschaftsservice der Stadt waren ebenso eingebunden wie ein Ingenieurbüro. Diese Kooperation ermöglichte einen Abgleich der Baubeschränkungsbereiche mit parallel in Bearbeitung befindlichen Planwerken, wie dem Regionalen Entwicklungsplan, dem Landschaftsplan und der Wohnbaulandentwicklung. Außerdem führte die gemeinsame Arbeit in den Fachbereichen zu einem besseren Verständnis für die Themen Stadtklima und Klimawandel.

Auch die politische Ebene wurde in den Diskussionsprozess einbezogen. Der Stadtrat beschloss die Einbindung der stadtklimatischen Baubeschränkungsbereiche in die Flächennutzungsplanung. Dadurch erhalten Stadtklimaaspekte zukünftig einen größeren Stellenwert bei der Planung. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels schafft Magdeburg durch die Festlegung auf den Erhalt und die Qualifizierung von Freiflächen Verbindlichkeit für die zukünftige Sicherung von gesunden Wohn- und Lebensverhältnissen vor Ort.

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Ansprechpartner:
Rolf Warschun
Landeshauptstadt Magdeburg
Umweltamt
Tel.: 0391/5402481
E-Mail: umweltamt@magdeburg.de

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