Abgeschlossenes Projekt

Lernende Energie-effizienz-Netzwerke

Von 30 Pilot-Netzwerken (LEEN) zu 100 und mehr Netzwerken (LEEN 100plus)
Wirtschaft
Information
Beratung
Qualifikation
© Projekt LEEN100plus
Projektinformationen
Förderprogramm 
Projektnehmer 
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. und Stiftung für Ressourceneffizienz und Klimaschutz (STREKS)
Projektlaufzeit 
01. Nov. 2008 bis 31. Dez. 2018
Förderkennzeichen: 
03KS0036
03KE0001 A / B
Fördersumme in € 
9.261.024
3.319.108
  • Ein wichtiger Baustein der LEEN-Netzwerke sind Betriebsführungen bei den Teilnehmerbetrieben.
    © Fraunhofer ISI / Franz Warnhof

Erfahrungsaustausch zum Kostensparen

Unternehmen haben ein klares Ziel: die eigenen Energie­kosten senken und somit Kosten sparen. In Netzwerken und unbürokratischen Treffen können sie viele Tricks lernen.

Auf einen Blick

Diese Erkenntnis hatte das Fraunhofer-Institut für System- und Innovations­forschung (ISI) zunächst im Projekt 30 Pilot-Netz­werke gemacht: Hier entwickelte das Team das in der Schweiz entwickel­te Konzept der Ler­nenden Energie­effizienz-Netzwerke (LEEN) in Deutsch­land weiter und verbrei­tete es. Mit dem inno­vativen Netz­werk-Konzept LEEN tauschten sich bran­chenüber­grei­fend Betriebe regel­mäßig zu Energie­effizienzmaß­nahmen und Zielen aus. Das ISI unter­stützte von 2008 bis 2014 zunächst Netzwerk-Initia­torinnen und -Ini­tia­to­ren wie lokale Wirtschafts­ver­einigungen oder Energie­­versor­ger bei Auf­bau und Betrieb von Pilot-Netzwerken und begleitete den Prozess wissen­schaftlich. Nach vier Jahren Laufzeit machte das ISI im Projekt LEEN 100plus die opti­mierte LEEN-Methode zusammen mit der Stiftung für Ressourceneffizienz und Klima­schutz (STREKS) bundesweit bekannt.

  • Was sollte das Projekt erreichen?

    30 Pilot-Netzwerke:

    • Weiterentwicklung des LEEN-Konzepts und der Berechnungstools;
    • Verbreitung des Ansatzes in Deutschland durch den Aufbau von 30 Pilot-Netzwerken;
    • Schulung von Moderatorinnen und Modera­toren und energietechnischen Beraterinnen und Beratern;
    • Verdoppelung der jähr­lichen Energie­effi­zienz­steigerung in Betrieben im Vergleich zum Durchschnitt von ein auf zwei Prozent im Jahr.

    LEEN 100plus:

    • Erweiterung des LEEN-Instrumentariums um die Aspekte erneuerbare Energien, Flexibi­lisierung der Stromnachfrage und Strom­eigen­­erzeugung sowie ISO 50001 und 16247;
    • Förderung weiterer zehn Netz­werke und Ver­pflichtung zur Akquisition weiterer 30 Netz­werke, um Mitte 2017 die Marke von 100 ope­rativen Energieeffizienz-Netzwerken mit 1.200 Betrieben zu erreichen.  

Herausforderung Energieeffizienz in Unternehmen

Hohe Strompreise, Ressourcenknappheit, Klima­wan­del: Sie erzeugen Veränderungsdruck im pro­duzie­ren­den Gewerbe. Durch ausgeklügelten Energie­einsatz könnten in jedem Betrieb Kosten gesenkt wer­den. Den­noch betrug zwischen 2002 und 2012 der durch­schnittliche Anstieg der Energie­effizienz in deutschen Firmen nur etwa ein Prozent. Die Palette der Einspar­optionen ist den Energie­verant­wortlichen oft bekannt. Die Auswahl einer geeigneten Lösung scheitert jedoch häufig an Zeitmangel und an der kom­plizierten Inves­ti­tionslogik von Umwelt­techno­logien. Das schreckt viele Ent­scheiderinnen und Entscheider ab. Das Fraun­hofer-Institut für System- und Inno­vations­forschung (ISI) baute auf das Pro­jek­t 30 Pilot-Netz­werke (LEEN) auf und wollte in LEEN 100plus zusammen mit der Stiftung für Ressourcen­effi­zienz und Klimaschutz (STREKS) und dem In­sti­tut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien (IREES) deutsche Unter­neh­men anregen, im Rahmen von Ler­nenden Energie­effizienz- und Kli­ma­schutznetz­werken Tricks und Kniffe auszu­tauschen und durch deren Umsetzung Ener­gie­kos­ten und Treibhausgas­emis­sio­nen zu senken. Sie banden kleine, mittlere und große Unter­nehmen ein.

LEEN – eine etablierte Methode…

Die Lernenden-Energieeffizienz-Netz­werke beruhen auf einem regelmäßigen, professionell mo­de­rierten Erfahrungsaustausch zwischen circa zehn bis 15 Be­trieben, die ein Netzwerk bilden. Der Ablauf eines LEEN-Netz­werks gliedert sich in drei Phasen:

In der Gründungsphase (drei bis neun Monate) lädt ein Netzwerk­trä­ger (zum Beispiel eine Energieagentur) zu einer Informationsver­anstal­tung und zur Gründung des Netzwerks ein. Die Teilneh­menden am Netzwerk unter­schreiben gemeinsam feierlich eine Absichts­erklärung (Letter of Intent).

In Phase eins (sechs bis zehn Monate) finden erste Treffen und gemeinsame Betriebsbegehungen statt. Mit energie­tech­nischen Bera­te­rinnen und Beratern (etB) identifizieren die teil­neh­menden Betriebe pro­fi­tab­le Energie­­effi­­zienzmaß­nahmen. Der dafür ent­wickel­te Daten­erhe­bungs­­bogen ist der erste Schritt hin zum Energieaudit. Die etB erzeugen daraus eine volle energietechnische Bewer­tung mit Maß­nahmen­über­sicht, und die Be­trie­be identifizieren gemeinsam mit den etB mögliche Energie- und CO2-Einsparungen.

In der darauffolgenden Phase zwei treffen sich die Un­ter­nehmen drei bis viermal pro Jahr jeweils in ei­nem der Betriebe und besprechen die Erfahrungen. Hier kön­nen die Unternehmen umgesetz­te Maßnah­men prä­sen­tieren oder Fachfragen diskutieren. Eine zerti­fizier­te Moderatorin oder ein zertifizierter Moderator leitet die regelmäßigen Treffen und koordiniert dazu pas­sen­de Fachvorträge.

Die Teilnehmenden bauen so ein Ver­trauensverhältnis zueinander auf und lassen sich von Vorreiterbetrieben inspirieren.

Das LEEN-Netzwerk­managementsystem ist der ein­heitliche Qualitätsstandard. Es unterstützt die Un­ter­nehmen bei Ent­schei­dungen und bei der jährlichen Überprüfung der Einsparziele. Nach zwei bis vier Jah­ren ent­scheiden sich die teilnehmenden Unter­neh­men, ob das Netz­werk weitergeführt wird – einige bestehen inzwischen seit bis zu zehn Jahren.

…wird zum einfach umsetzbaren Standard

Der im Pilot-Projekt entwickelte Stan­dard­ansatz LEEN bot alles für die erfolg­rei­che Um­set­zung eines Netz­werks: digitale Info­pakete zur Initi­ie­rung von Netz­wer­­­­ken, vier jährliche Betreuungs­ge­spräche und eine Hotline für das Netz­werk­team, eine Liste an Fachrefe­rentinnen und -refe­ren­ten und eine Handreichung für die Öffent­lichkeits­arbeit der Netzwerkträger. Des Weiteren entwickelte das Projektteam rechner­ge­stützte Investitionshilfen für die Betriebe.

„Es gibt bei jeder Firma Potenziale. Wir waren anfänglich auch sehr überzeugt von uns selber, haben gedacht, so viel wird es da wohl nicht geben. Und in Folge der Initialberatung haben wir doch hier noch erhebliche Potenziale finden können, sodass eine durchschnittliche Einsparung von zehn Prozent durchaus realistisch ist.“

Lars Greiner, Elastorsa GmbH

Zum Ende der Pilotphase wurde von ISI und IREES die LEEN GmbH gegründet, um die Qualität und den blei­ben­den Erfolg der Netzwerke zu sichern. Sie or­ga­ni­siert Weiter­bildungen und betreut Anpas­sungen des LEEN-Managementsystems. Die STREKS hatte zum En­de der Pilot­phase im Projekt Modell Mari:e ein LEEN-Modell speziell für KMU entwickelt und ließ die Er­fah­rungen ebenso in LEEN 100plus einfließen.

  • Was hat das Projekt erreicht?

    30 Pilot-Netzwerke:

    • Aufbau von 30 Netzwerken mit 366 Be­trie­ben;
    • durchschnittlich zehn wirtschaftliche Ener­gieeffizienzmaßnahmen pro Betrieb, 180.000 Eu­ro Reduzierung der Energiekosten pro Betrieb und Jahr, CO2-Minderung von 2,4 Prozent pro Jahr und Energie­effizienz­steigerung von 2,1 Prozent pro Jahr;
    • Schulung von insgesamt mehr als 100 Mo­de­ratorinnen und Moderatoren und etB.

    LEEN 100plus:

    • Erweiterung des LEEN-Instrumentariums um die Aspekte erneuerbare Energien, Flexi­bili­sie­rung der Stromnachfrage und Strom­eigen­erzeugung sowie ISO 50001 und 16247;
    • Aufbau von Regionalpartnerschaften, Pro­zess­technikforen und Ausbau des Kon­takts zu weiteren Initiatorinnen und Initiatoren;
    • Förderung weiterer 10 Netzwerke und Unter­stützung der Aktivitäten anderer Netzwerk-Formate;
    • weitere Schulungen unter anderem zur Web-Anwendung leenize, Erreichen eines Pools von etwa 120 Moderatorinnen und Moderatoren und 120 etB.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

In den Jahren 2014 bis 2018 kamen verschiedene As­pek­te hinzu, zum Beispiel neue Themen (wie Strom­eigen­erzeu­gung und Solarthermie) oder metho­dische Hinweise zur schnel­­le­ren Gründung von Netzwerken. Das Monito­ring-Tool wurde nutzer­freund­licher und online verfüg­bar und ver­zahnt unter dem Namen leenize Audit, Monitoring, Be­richte und Berech­nungs­hilfen. Neben ge­misch­­ten Netz­werken ent­standen auch Branchen- und Konzern-Netz­werke. Zusätzlich zu bun­desweiten Jahreskon­fe­ren­zen und Workshops konnten sich Teilnehmende in Prozess­tech­nik-Foren zu aus­ge­wähl­ten Pro­zess­­techniken austauschen.

  • Wie ging es weiter?

    Die Pilot-Netzwerke sind oft immer noch aktiv. Weitere Bundes- und Landesförderung zu­sätz­lich zu LEEN 100plus ermöglichte die Gründung vieler weiterer Netzwerke und die Geschäfts­stelle Energieeffizienznetzwerke bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) GmbH. Die LEEN GmbH ist mittlerweile international aktiv, unter anderem in Österreich und auf dem Balkan.

Beitrag zum Klimaschutz

Berechnungen aus dem Projekt 30 Pilot-Netzwerke zeigten, dass der Ansatz wirkt: Die Be­richte der betei­lig­ten Netzwerke zeigen eine durch­schnitt­liche Steige­rung der Energieeffizienz um jähr­lich 2,1 Prozent und eine Minderung der jährlichen CO2-Emis­sionen um 2,4 Prozent auf. Durch das ge­sam­te Verfahren konnten die Unternehmen somit die Rate der Effizienz­steige­rung verdoppeln bis verdreifachen.

Tipps und Tricks für interessierte Institutionen

In beiden Projekten war das LEEN-System mit seiner Kombination aus Praxisorientierung und wissen­schaft­lichen Begleit­forschung ein voller Erfolg. Die regel­mä­ßig stattfindenden Treffen motivierten die Unter­neh­men bei der Stange zu bleiben. Ener­gieaudits gaben Orientierung bei den Effizienzmaßnahmen. Bei der Initiierung und Durchführung neuer Netzwerke kön­nen Interessierte heute auf einen großen Erfah­rungs­schatz aufbauen.

Eigenschaften der Netzwerk-Initiatorinnen und Initiatoren

Wenn die Initiatorinnen und Initiatoren neu­trale und wirtschaftsnahe Einrichtungen vertreten (zum Bei­spiel Kammern, Energieagenturen, oder kom­munale Wirtschaftsförderung), genießen sie oft bereits das Vertrauen der Betriebe. Die Initiatorin oder der Initiator sollte – um glaubwürdig zu sein – kein eigenes Gewinn- oder Verkaufsinteresse haben.

Personelle und zeitliche Ressourcen

Für das Gewinnen von Unternehmen sind persönliche Gespräche entscheidend. Diese sind zeitaufwändig. Für das Initiieren eines Netzwerks muss ausreichend Zeit und Personal vorhanden sein. Vor der Ansprache von Unternehmen sollten bereits bestehende Projekte und Strukturen bekannt sein – vielleicht können Inter­essier­te sich eher dort ein­bringen, als parallel ein neues Netzwerk aufzubauen.

  • Checkliste der Erfolgsfaktoren

    • Unternehmen persönlich aber neutral und professionell ansprechen, möglichst auf der Führungsebene;
    • genügend personelle Ressourcen zur Betreuung des Netzwerks bereitstellen;
    • Unternehmen mit mindestens 500.000 Euro Energiekosten im Jahr aus gemischten Branchen auswählen;
    • Austausch mit anderen Netzwerken suchen.

Strategien der Teilnehmergewinnung

Der persönliche Kontakt ist der wichtigste Zugang zu den Unternehmen – sei es über den Netzwerkträger, die Moderatorin oder den Moderator oder Insti­tu­tio­nen des Vertrauens. Wichtig sind gute Kenntnisse über Unternehmens-Netzwerke und Potenziale der Energieeffizienz in Unternehmen.

Kommunikation im Netzwerk

Klassische Öffentlichkeitsarbeit erwies sich für die Netzwerke als nicht zielführend. Der Kern ist die per­sönliche Ansprache von potenziellen Mitgliedern und die professionelle und effiziente inter­ne Kommuni­kation durch Erfahrungs­austausch, einen inter­nen Bereich auf der Webseite, Treffen und Newsletter.

Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die teilnehmenden Betriebe eines Netzwerks nicht mehr als 50 Kilometer voneinander entfernt angesiedelt sind.

Schlüsselpersonen in den Betrieben

In den Unternehmen sollten sowohl das Fachpersonal (Energieverantwortliche) als auch die Betriebsleitung angesprochen werden. Die Mischung von Branchen im Netzwerk hilft, denn wenn sich Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Branchen treffen, ist es leichter, sich offen auszutauschen, als wenn direkte Wettbewerber an einem Tisch sitzen. Dies ist nur nach vorheriger Zustimmung der betroffenen Konkurrenz­betriebe möglich.

Argumente für die Beteiligung im Netzwerk

Folgende Argumente bewogen Unternehmen zur Teil­nahme:

  • Förderung des Netzwerks durch öffentliche Träger (zum Beispiel Bundesumweltministerium, Bundesländer, Kommunen);
  • mögliche Kostenminderung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch wirtschaftliche Effizienzmaßnahmen;
  • Übernahme von Verantwortung für nachhaltige regionale Entwicklung, die mit potenzieller Steigerung des Images als lokal verankertes Unternehmen und regionaler Vorreiterschaft verbunden ist;
  • Angebot einer Analyse der energetischen Ist-Situation und der energetischen Schwachstellen im eigenen Betrieb;
  • hilfreiche Kontakte und Erfahrungsaustausch, neue Anregungen sowie die Bestätigung eigener Ideen.

Konkurrenz der Netzwerkansätze

Die Rahmenbedingungen des LEEN-Ansatzes änderten sich über die Laufzeit der Projekte durch die Gründung der Initiative Energie­effizienz-Netzwerke (IEEN) von 20 Verbänden, dem Bundesumwelt- und dem Bun­des­wirtschafts­ministe­rium so­wie das Pflicht-Audit für Nicht-KMU. Die IEEN baut massiv auf den Vorarbeiten des Projektteams auf und nutzt einen ähnlichen Ansatz, setzt aber weichere Kriterien an und ist damit kostengünstiger für die Unternehmen. Die Zertifi­zie­rung im Rahmen von LEEN wird nicht zur Erfüllung der Auditpflicht anerkannt, aber reduziert die Ver­füg­barkeit der etB. Diese beiden Umstände er­schwer­ten die Akquise von Betrieben im zweiten Projekt deutlich. Dies sollte bei der Planung weiterer Vorhaben berücksichtigt werden. Anderer­seits können die Betriebe unter den gewach­senen Verhältnissen besser das für sie pas­sende Netz­werk auswählen. Eine Kooperation mit den Unter­zeichner-Verbänden der IEEN besteht und noch wäh­rend der Laufzeit von LEEN 100plus fanden erste gemeinsame Veran­staltungen statt.

  • Klimaschutz braucht Initiative

    Die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums unterstützt seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Die Förderung erstreckt sich von der Ent­wicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Maßnahmen. Die guten Ideen aus den Projekten tragen dazu bei, den Klimaschutz vor Ort zu verankern. Hiervon profitieren Verbrauche­rinnen und Verbraucher, Kommunen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen.

 

Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. und Stiftung für Ressourceneffizienz und Klimaschutz (STREKS)

48.1323241
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