Projekt

Stromspar-Check Kommunal

Einkommensschwache Haushalte leisten einen Beitrag zum Klimaschutz
Verbraucher
Klimaschutz
Stromspar-Check
Das Stromspar-Check-Projekt existiert in verschiedenen Ausprägungen bereits seit 2008. Das Projekt „Stromspar-Check Kommunal“ wurde vom 1. April 2016 bis zum 31. März 2019. durchgeführt. Es beinhaltete verschiedene erfolgreiche Maßnahmen gegen die Energiearmut von Personen und für den Klimaschutz. Rund 325.000 Haushalte mit geringem Einkommen – vor allem Beziehende von Arbeitslosengeld II, Wohngeld oder Sozialhilfe – nutzten die kostenlosen Beratungsangebote. Dadurch konnten die Haushalte insgesamt 350 Millionen Euro und mehr als 550.000 Tonnen CO2 einsparen. Weiterhin leistete das Projekt in zahlreichen Quartieren und Kommunen eine erfolgreiche Netzwerkarbeit, denn es richtete sich an alle Akteurinnen und Akteure, die Klimaschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen.
Projektinformationen
Förderprogramm 
Projektnehmer 
Bundesverband der Energie- und Klimaschutz­agenturen Deutschlands (eaD) e.V., Deutscher Caritasverband e. V.
Projektkontakt 
Projektlaufzeit 
01. Apr. 2016 bis 31. Mär. 2019
Förderkennzeichen: 
03KE0029 A/B
Fördersumme in € 
27.783.381

Auf einen Blick

Verbundpartner und Förderung: Der „Stromspar-Check Kommunal“ war ein Verbundprojekt des Deutschen Caritasverbandes (DCV) und des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD). Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI).

Zielgruppen: Das Projekt richtete sich an Menschen mit geringem Einkommen, die beispielsweise Transferleistungen oder Wohngeld bezogen oder ihr zur Verfügung stehendes Einkommen unter der Pfändungsfreigrenze lag.

Projektinhalte: Das Projekt „Stromspar-Check Kommunal“ wurde in mehr als 150 Städten und Gemeinden durchgeführt. In diesem Rahmen berieten Stromspar-Teams Menschen mit geringem Einkommen zu den Themen Energie- und Wassersparen, Heizen und Lüften. Die kostenlosen Beratungen fanden in den Wohnungen der Interessierten statt – was nicht nur Kosten, sondern auch die Umwelt geschont hat.

Die Beratungen führten ehemals langzeitarbeitslose Menschen in Beschäftigungsförderung als Stromsparhelferinnen und Stromsparhelfer durch. Sie wurden zuvor umfassend energiefachlich durch professionelle Energieberaterinnen und Energieberater geschult. Die Stromsparhelferinnen und Stromsparhelfer erhielten zudem durch den Beschäftigungsträger vor Ort ein intensives Training zur Weiterentwicklung ihrer sozialer Kompetenzen. Die beiden Ausbildungen wurden durch das Bundesprojekt zur Verfügung gestellt.

Die Stromspar-Teams besuchten die Menschen zu Hause, maßen den Strom- und Wasserverbrauch von Geräten und analysierten das Verbrauchsverhalten der Bewohnerinnen und Bewohner. Sie gaben praktische Tipps, wie man allein durch Verhaltensänderungen und ohne bauliche Maßnahmen Energie einsparen und das Klima schützen kann. Zudem brachten sie Energie- und Wassersparartikel im Wert von durchschnittlich bis zu 70 Euro mit, die direkt eingebaut wurden. Zu diesen „Soforthilfen“ gehörten unter anderem LED, schaltbare Steckdosenleisten, Kühlschrankthermometer, Durchflussbegrenzer, wassersparende Duschköpfe, Hygrometer, Zeitschaltuhren und Zugluftstopper.

Wenn die Stromspar-Teams bei der Beratung feststellten, dass das vorhandene Kühlgerät älter als zehn Jahre alt war und gegenüber einem in Größe und Bauart vergleichbarem Gerät der Klasse A+++ ein Einsparpotenzial von mindestens 200 Kilowattstunden pro Jahr aufwies, konnte der Haushalt einen Gutschein im Wert von über 150 Euro erhalten. Dieser konnte beim Neukauf eines Kühlgerätes der Klasse A+++ und der fachgerechten Entsorgung des alten Geräts eingelöst werden.

Wirkungen des Stromspar-Checks: Der „Stromspar-Check“ wirkte in vier Politikfeldern und verknüpfte sie durch Win-Win-Lösungen. Die Projektbeteiligten gestalteten dadurch die Umsetzung der sozial gerechten Energiewende entscheidend mit.

1.    Sozialpolitik
•    Kosteneinsparungen für beratene Haushalte,
•    Ersparnis für Kommunen und Bund (Kosten der Unterkunft),
•    Rückgang von Zahlungsausfällen für Energieversorger und Vermeidung von Stromsperren.

2.    Bildungspolitik
•    Befähigung der Zielgruppe zur aktiven Beteiligung an Energiewende und Klimaschutz,
•    Hilfe zur Selbsthilfe.

3.    Klimapolitik
•    Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Ausstoß,
•    Beitrag zu Klimaschutzzielen Deutschlands und der EU.

4.    Arbeitsmarktpolitik
•    Qualifizierung von langzeitarbeitslosen Menschen in einem zukunftsfähigen Beschäftigungsfeld,
•    Heranführung an und Vermittlung in den Arbeitsmarkt.

  • Was sollte das Projekt erreichen?

    • Durchführung von 129.000 Stromspar-Checks,
    • Tausch von 7.000 Kühlgeräten mithilfe des Kühlgeräte-Gutscheins,
    • Aufbau von zehn Quartiersstandorten zur verstärkten Ansprache von Alleinerziehenden und Rentnerinnen und Rentner mit geringem Einkommen,
    • Förderung der kommunalen Vernetzung durch Aufbau sogenannter Lenkungskreise und Modelle anteiliger Finanzierung,
    • Modellhafte Ausweitung der Beratungsleistung um vertiefende Themen,
    • Modellhafter Einbau von Soforthilfen zur Wärmeeinsparung.

  • Was hat das Projekt erreicht?
    • Beratung von 113.041 Haushalten,
    • Tausch von 12.395 Kühlgeräten gegen Geräte der Klasse A+++
    • erfolgreicher Aufbau von zwölf Quartiersstandorten und signifikante Steigerung des Erreichens von Alleinerziehenden und Rentnerinnen und Rentner mit geringem Einkommen,
    • erfolgreiche politische Verankerung in Kommunen durch die Etablierung von 22 Lenkungskreisen und 16 Modellen anteiliger Finanzierung,
    • Fortführung und Ausweitung der Beratung zu vertiefenden Themen sowie den Einbau von Soforthilfen zur Wärmeeinsparung im Folgeprojekt „Stromspar-Check Aktiv“ (siehe unten).

     

  • Wie ging es weiter?
    • Folgeprojekt „Stromspar-Check Aktiv“ (Laufzeit: 1. April 2019 bis 31. März 2022),
    • Kombination der bewährten Elemente des „Stromspar-Checks“ Vor-Ort-Beratung auf Augenhöhe, Kühlgerätetausch, kommunale Netzwerkarbeit, Beratung zum Heizen und Lüften mit dem neuem Schwerpunktthema „Klimaschutz im Alltag“.

     

  • Beitrag zum Klimaschutz

    Die „Stromspar-Check“-Projekte haben gezeigt, dass durch niedrigschwellige Angebote Haushalte signifikante Einsparerfolge in der Größenordnung von 16 Prozent des Jahresverbrauchs von Energie und Wasser erzielen können. Das Projekt „Stromspar-Check Kommunal“ leistete damit einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele der Bundesregierung in einer Bevölkerungsgruppe, die sonst nur schwer oder gar nicht erreicht wird.

    Durch die verschiedenen Beratungen und den Einbau von Soforthilfen wurden im Projekt „Stromspar-Check Kommunal“ 313 Kilogramm CO2 pro Haushalt und Jahr eingespart. Durch den Kühlgerätetausch wurden weitere 224 Kilogramm CO2 pro Haushalt und Jahr weniger freigesetzt. Die erzielten jährlichen Einsparungen pro Haushalt lagen damit über den avisierten Zielen. Über den Zeitraum der Soforthilfen und Lebensdauer der neuen Kühlgeräte hinweg konnten in allen beratenen Haushalten zusammen folgende Einsparungen erzielt werden:
    •    CO2-Reduktion durch Soforthilfen: 178.605 Tonnen,
    •    CO2-Reduktion durch den Kühlgerätetausch: 21.072 Tonnen.

    Hervorzuheben ist, dass der sogenannte Rebound-Effekt in den am betroffenen Haushalten nicht eingetreten ist. Das bedeutet, dass der durch die Beratung und die Soforthilfen erzielte Einspareffekt nicht durch Anschaffungen von neuen Geräten kompensiert wurde. Dass die erzielte CO2-Einsparung eine echte Reduktion darstellt, macht den Beratungsansatz im gesamtgesellschaftlichen Vergleich besonders nachhaltig.

    Neben dem klimapolitischen waren auch sozialpolitische und bildungspolitische Aspekte mit dem Projekt eng verbunden. Ihr Beitrag zum Klimaschutz: Die Stromsparhelferinnen und Stromsparhelfer sowie beratenen Personen wurden nachhaltig für das Thema Klimaschutz sensibilisiert und zu einem klimaförderlichen Verhalten angeregt. Zudem erhielten sie die Teilhabe an Klimaschutzzielen und -maßnahmen. Die Verbindung von umweltthematischen und sozialen Aspekten ermöglichte in der Zielgruppe die langfristige Akzeptanz und Notwendigkeit von Energieeffizienz und energiesparendem Verhalten im Sinne der Energiewende.

  • Tipps und Tricks für interessierte Institutionen

    •    Eine erfolgreiche Kooperation zwischen zwei gesellschaftlichen Verbänden mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen (Wohlfahrtsverband und Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen) gelingt durch engen Austausch auf Leitungs- und Arbeitsebene, erfordert aber auch geeignete Projektsteuerungsmechanismen.
    •    Gesellschaftliche Herausforderungen, wie Energiearmut, Klimawandel und Langzeitarbeitslosigkeit, müssen im politischen und gesellschaftlichen Diskurs stärker zusammengedacht werden, um adäquate Lösungen zu finden und echte bürgerschaftliche Teilhabe an gesellschaftlichen Großprojekten wie der Energiewende zu ermöglichen.
    •    Eine zielgruppengerechte Ansprache gelingt vor Ort am besten durch Akteurinnen und Akteure die das Vertrauen der Zielgruppe genießen und sie über verschiedene Wege erreichen (zum Beispiel lokale Wohlfahrtsverbände).
    •    Der Ansatz einer Beratung auf Augenhöhe ist für den Projekterfolg elementar.
    •    Herausfordernd ist: Die positive öffentliche Wahrnehmung vor Ort und die nachgewiesenen Einspar- und Beratungserfolge erleichtern nicht in allen Fällen die Sicherung einer dauerhaften Finanzierung durch andere Akteurinnen und Akteure, beispielsweise aus Kommunen und der Wirtschaft. Das Projekt ist daher auch künftig auf eine öffentliche Finanzierung durch Bundesmittel angewiesen. Es erfüllt eine gesellschaftliche Funktion, die am freien Markt nicht „gehandelt“ werden kann.

  • Checkliste der Erfolgsfaktoren

    •    Kombination aus sozialfachlicher und energiefachlicher Expertise durch die Verbundpartner DCV und eaD,
    •    guter Zugang zur Zielgruppe durch die Umsetzung des „Stromspar-Checks“ vor Ort mit lokalen Trägern, in der Regel ortsansässige Wohlfahrtsverbände, und die Beratung auf Augenhöhe durch Stromsparhelferinnen und Stromsparhelfer,
    •    Kombination aus Beratung zu Verhaltensänderungen und sofort wirksamer Unterstützung zur Energieeinsparung in Form von Soforthilfen und Kühlgerätetausch,
    •    einheitliche Projektstandards und Monitoring zur bundesweiten Qualitätssicherung,
    •    Ansatz der politischen Verankerung in Form von Lenkungskreisen führt zu einem erheblichen Ausbau der Kooperationspartner des Projekts, zu einer deutlich besseren politischen Wahrnehmung und vereinzelt auch zu ergänzenden Finanzierungen.

 

 

 

Bundesverband der Energie- und Klimaschutz­agenturen Deutschlands (eaD) e.V., Deutscher Caritasverband e. V.

48.00418
7.8544813
Karlstraße
Freiburg
  • Bundesweit
79104
Stromspar-Check Kommunal: Schon viel(e) erreicht und noch mehr vor
Bundesumweltministerium erhöht Fördermittel für Stromspar-Checks in den Kommunen
Haushalte in Trier profitieren vom Stromspar-Check
Filmdoku zeigt Stromspar-Check in der Praxis
Stromspar-Check: Einkommensschwache Haushalte haben 300 Millionen Euro in 10 Jahren eingespart
NKI-Sommertour macht Station beim Tag der offenen Tür des Bundesumweltministeriums in Berlin
Svenja Schulze übergibt Förderbescheid für bundesweiten „Stromspar-Check“