Abgeschlossenes Projekt

vhs goes green

Entwicklung eines nachhaltigen Organisationsprozesses zur Senkung der Treibhausgasemissionen an Volkshochschulen
Verbraucher
Information
Qualifikation
Beteiligung
Logo des Projekts "vhs goes green"
© Thüringer Volkshochschulverband e.V.
Projektinformationen
Förderprogramm 
Projektnehmer 
Thüringer Volkshochschulverband e.V. Sächsischer Volkshochschulverband e.V. Volkshochschule Coburg Stadt und Land gGmbH
Projektlaufzeit 
01. Jan. 2015 bis 30. Apr. 2017
Förderkennzeichen: 
03KF0010A/B/C
Fördersumme in € 
192.442
  • Auslage des Informationsmaterials während der Fachtagung des Projektes
    © Thüringer Volkshochschulverband e.V
  • Frau Dörte Ratzmann (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) eröffnet die Fachtagung vhs goes green
    © Thüringer Volkshochschulverband e.V
  • Stoffbeutel auf Tisch
  • Person am Rednerpult

Klimaschutz an Volkshochschulen

Einrichtungen der Erwachsenenbildung können doppelt zum Klimaschutz beitragen: einerseits über die Realisierung ihrer eigenen Einsparpotenziale, andererseits über das Angebot von Schulungsmaßnahmen.

Auf einen Blick

Mit dem Projekt vhs goes green zeigten fünf Institutionen, wie die Volkshochschulen (VHS) mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Organisation auf klimafreundliches Handeln umstellen können. Dazu entwickelten der Thüringer Volkshochschulverband e.V., der Sächsische Volkshochschulverband e.V., die Volkshochschule Coburg Stadt und Land, die Kreisvolkshochschule Weimarer Land und die Volkshochschule Unstrut-Hainich-Kreis gemeinsam ein praxisnahes Konzept für Klimaschutz- und Umweltmanagement in Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Das Konzept umfasst sowohl Schulungen und Maßnahmen, die sich an das VHS-Management richten, als auch solche, die Kursleiterinnen und Kursleiter und Schülerinnen und Schüler betreffen – beispielsweise der Einsatz von Recyclingmaterialien im Unterricht. Mit den gezielten Veränderungen in Abläufen und Prozessen sparten die beteiligten Institutionen bis zu 30 Prozent ihrer bisherigen CO2-Emissionen.

Klimaschutz leben und lehren

Volkshochschulen erreichen als öffentlich geförderte Bildungsinstitutionen in kommunaler Einbindung breite Bevölkerungsschichten. Zu ihren Unterrichtsinhalten gehört auch die Umweltbildung, die Menschen zu klimafreundlichen Verhaltensänderungen anregen will. Doch obwohl die VHS umweltfreundliches Verhalten lehren, wurden dementsprechende Maßnahmen vom eigenen Personal und in den eigenen Gebäuden und Abläufen bislang nur eingeschränkt umgesetzt – und große Potenziale zur Reduzierung der eigenen CO2-Emissionen blieben ungenutzt. Das Projekt setzte auf beiden Ebenen an: Als Institutionen mit Vorbildfunktion sollten die beteiligten Volkshochschulen Nachhaltigkeit sowohl vermehrt lehren, als auch vorleben. Am Beispiel der Abläufe in ihren eigenen Einrichtungen kreierten sie eine universell nutzbare Blaupause, mit der VHS und andere Institutionen ihre Organisationsprozesse auf Klimaschutz ausrichten können.

Klimafreundlich in vier Schritten

Im Kern beruht das neu erarbeitete Organisationskonzept auf einer systematischen und verbindlichen Herangehensweise, die aus dem Qualitätsmanagement bekannt ist. Den Anfang bei der Erarbeitung des Konzepts machte die Ist-Analyse: Eine externe Dienstleisterin erfasste die Ausgangsdaten für die teilnehmenden Einrichtungen. Die Firma stellte Fragen wie: Wo werden bereits Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt? Wo fallen die größten Emissionen an? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Auf Grundlage dieser Daten entwickelte ein zweiter externer Partner, ein auf Qualitätssicherung spezialisiertes Unternehmen, ein allgemeines theoretisches Modell des Organisationskonzepts. In der anschließenden Phase erprobten die beteiligten Einrichtungen das Modell. Die testweise Umsetzung erfolgte in drei Schritten: Ausarbeitung von individuellen Zielen und Maßnahmen, für die Umsetzung erforderliche Schulung und Kommunikation sowie am Ende Monitoring, Bewertung und Nachbesserung. Je nach Ist-Situation setzten die Einrichtungen beispielsweise Maßnahmen zur Reduktion des Stromverbrauchs um oder stellten in der Beschaffung auf Recyclingpapier und Green IT um.

Das Projektteam nutzte die Rückmeldungen und Erfahrungen der beteiligten VHS aus der Praxis, um das Organisationskonzept weiter zu schärfen. Daraus entstand ein praxisnaher Leitfaden zur Umsetzung klimaschonenden Handelns in VHS. Insgesamt produzierte das Projekt damit ein Organisationskonzept mit einem schlanken Qualitätsmodul, das an alle gängigen Qualitätsmanagementsysteme anschlussfähig ist und die Grundlagen und Kernindikatoren der europäischen Eco Management and Audit Scheme (EMAS) Normen erfüllt.

„Der Aufwand, der für die Implementierung des Qualitätsmoduls notwendig ist, ist über- schaubar…. Ziel war, ein System zu entwickeln, das für die Praxis anwendbar ist.“

Holger Schreiber, Thüringer Volkshochschulverband e.V.

Sensibilisierung aller Beteiligten…

Parallel zur Entwicklung des Organisationskonzepts wandte sich vhs goes green direkt an diejenigen, die unmittelbar zum klimaschonenden Handeln beitragen. Das Projektteam forderte Mitarbeitende und Kursleitende in den VHS und in den Landesverbänden sowie Kursteilnehmende zum Mitdenken und zur aktiven Teilnahme an der Entwicklung des Projektes auf. Ziel war die Sensibilisierung für klimaschonendes Handeln.

…durch eine Fülle von Veranstaltungen

Für die Sensibilisierung nutzte das Projekt interne Team- und Vorstandssitzungen sowie lokale, regionale und nationale Veranstaltungen. Über 2.000 Interessierte besuchten die Fachtagungen, Vorträge, Schulungen, Workshops, Kinoprogramme und Volkshochschulkurse. Beispielsweise entwickelte die Weimarer Kreisvolkshochschule ein eigenes Angebot zum ressourcenschonenden Handeln für die Zielgruppe der Migrantinnen und Migranten. Auch die Weiterbildung des Lehrpersonals zum Thema Klimaschutz kam nicht zu kurz. Kursleitertage in Sachsen und Thüringen mit Workshops und einer Ausstellung sowie weitere Ideenwettbewerbe schufen bei ihnen ein neues Bewusstsein für Klimaschutzbelange.

Zum Abschluss eine Fachtagung

Die Fachtagung „Nachhaltigkeit – ein Thema für die Erwachsenenbildung“ am 3. April 2017 in Erfurt schloss das Projekt vhs goes green ab. Die beteiligten Institutionen berichteten ausführlich über ihre Ergebnisse und Erfahrungen. Die Vorträge und Workshops sind als gut aufbereitete Dokumentation auf der Webseite bis heute einsehbar.
 

  • Was sollte das Projekt erreichen?

    • Entwicklung und Erprobung eines Organisationskonzepts mit Qualitätsmodul, das klimaschonendes Handeln in und von Volkshochschulen unterstützt;
    • Senkung der CO2-Emissionen um 10 Prozent über alle fünf Projektpartnerinstitutionen hinweg;
    • Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Volkshochschulen mit Hilfe von Veranstaltungen und Schulungen für klimaschonendes Handeln;
    • Sensibilisierung von mindestens 700 Bürgerinnen und Bürgern für die Not- wendigkeit der Senkung von Treibhausgasemissionen und Vermittlung von Handlungsoptionen, um die Reduzierung im Alltag zu erreichen.
  • Was hat das Projekt erreicht?

    • Entwicklung, Erprobung und Anpassung eines Organisationskonzepts mit integriertem Qualitätsmodul für klimaschonendes Handeln in VHS;
    • Senkung der CO2-Emissionen an den Projektstandorten;
    • Durchführungen von Schulungen, Workshops und Wettbewerben bei den beteiligten Institutionen;
    • Integration von Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsthemen in das Lehrprogramm der drei beteiligten Volkshochschulen und Durchführung von Veranstaltungen mit über 700 Teil- nehmerinnen und Teilnehmern;
    • Bekanntmachung des Organisationskonzeptes bei 2.258 Vertreterinnen und Vertretern betroffener Organisationen durch lokale, regionale und bundesweite Aktivitäten;
    • Vorstellung der Projektergebnisse im Rahmen von Tagungen und Konferenzen.
  • Wie ging es weiter?

    Interessierte können nach wie vor den Leitfaden zur Umsetzung klimaschonenden Handelns in Einrichtungen der Erwachsenenbildung und ein Excel-Werkzeug zur Berechnung der CO2-Emissionen der Einrichtung auf der Projektseite herunterladen.

Beitrag zum Klimaschutz

Ziel war es, bei den beteiligten Institutionen eine Absenkung der CO2-Emissionen um 10 Prozent zu erreichen. Die erreichen Einsparungen gestalteten sich bei den fünf Projektpartnern über den Projektverlauf sehr unterschiedlich. Sie realisierten zwischen 2014 und 2016 eine Reduktion ihrer CO2-Emissionen im Bereich Strom zwischen 1,5 und 39 Prozent und im Bereich Wärme zwischen 1,2 und 17,5 Prozent.

  • Checkliste der Erfolgsfaktoren

    • Leitfaden und bereitgestellte Werkzeuge nutzen;
    • Organisationskonzept systematisch aufbauen und an die Gegebenheiten in der eigenen Institution anpassen;
    • Unterstützung durch die Leitungsebene sicherstellen;
    • Mitarbeitende, Kursleiterinnen und Kursleiter sowie Kursteilnehmende über verschiedene Aktionen in Klimaschutzaktivitäten einbinden.


Tipps und Tricks für interessierte Institutionen

vhs goes green ermuntert Volkshochschulen und andere Institutionen der Erwachsenenbildung, eine Herangehensweise für den Klimaschutz zu wählen, die alle Bereiche des organisationalen Handelns betrachtet. Sämtliche betrieblichen Prozesse sollten sich an Nachhaltigkeitskriterien orientieren.

Viele Hinweise und eine Checkliste

Der im Internet verfügbare Leitfaden weist hierfür den Weg und erläutert das Organisationskonzept mit integriertem Qualitätsmodul. Der Aufbau des Leitfadens folgt dem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis. Der Leitfaden erläutert zunächst Notwendigkeit und Gründe für klimaschonendes Handeln. Danach beschreibt er, warum systematische Qualitätssicherung die Grundlage für eine tragfähige, CO2-sparsame Veränderung in den Organisationsabläufen ist. Das letzte Drittel der nur digital erhältlichen Broschüre stellt das Qualitätsmodul im Detail vor. Interessierte Institutionen erhalten hier Informationen zu den einzelnen anstehenden Schritten wie dem Check zur Ausgangslage, Werkzeuge der Ziel- und Aktionsplanung, Beispiele für Schulungs- und Kommunikationsmaßnahmen sowie Hilfen für das Monitoring und die Bewertung des Nachhaltigkeitsmanagements. Auf der Webseite gibt es außerdem eine Excel-Datei zur CO2-Bilanzierung.

Einfach und für alle Institutionen nutzbar

Das Organisationskonzept ist für alle Einrichtungen der Erwachsenenbildung nutzbar – ob mit oder ohne bestehendes Qualitätsmanagement. Institutionen, die bereits über ein Qualitätsmanagementsystem verfügen, können mit dem Qualitätsmodul weitere Ziele und Indikatoren der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitspolitik in ihr bestehendes System integrieren, da das Modul an alle gängigen Qualitätsmanagementsysteme anschlussfähig ist. Institutionen, die noch nicht über ein Qualitäts- oder Umweltmanagementsystem verfügen, können mit dem Organisationskonzept ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement einrichten, das die zentralen Normen und Anforderungen des europäischen EMAS III und der DIN ISO 14001 integriert. Ein systematischer, gut durchdachter Aufbau ist wichtig, da die meisten Institutionen die Kernprozesse nur einmal beschreiben und etablieren. Diese gelten dann solange, bis die Einrichtung eine Weiterentwicklung beschließt. Die Orientierung am Leitfaden gewährleistet Praxisnähe und geringen Implementierungsaufwand.

Mit Führung und Vision

Für eine erfolgreiche Anwendung des einfach aufgebauten Qualitätsmanagementsystems fällt der Leitung der jeweiligen Bildungseinrichtung eine besonders wichtige Rolle zu. Sie muss die Durchsetzung der vereinbarten Regelungen aktiv unterstützen und Raum für das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen. Bereits zu Prozessbeginn sollte die Einrichtung außerdem ihr Leitbild auf Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit ausrichten. Sie vermittelt so ein nach außen sichtbares Zeichen für das Engagement der Institution.

Gemeinsam für den Klimaschutz

vhs goes green bezog Mitarbeitende, Kursleitungen und Kursteilnehmende intensiv in den klimafreundlichen Umstellungsprozess in den eigenen Einrichtungen ein. Dies erwies sich als wichtiger Pfeiler des Projekterfolges und als Inspirationsquelle. Besonders viel Erfolg hatte ein Ideenwettbewerb, bei dem eine große Fülle an Vorschlägen zusammenkam: Sind Snack- und Getränkeautomaten wirklich nötig? Wer dreht die Heizung nach Kursende herunter? Kein Plastikbesteck bei Veranstaltungen! Die im Internet dokumentierten Ergebnisse des Ideenwettbewerbs vermitteln wertvolle Anregungen für weitere klimafreundliche Schritte und Prozesse.

Thüringer Volkshochschulverband e.V.
Sächsischer Volkshochschulverband e.V.
Volkshochschule Coburg Stadt und Land gGmbH

50.9639
11.6135
Saalbahnhofstraße
Jena
  • Thüringen
07743