Abgeschlossenes Projekt

Neustart fürs Klima

Klimaschutz- und Konsumberatung für Neubürger/innen in sechs Modellkommunen
Verbraucher
Information
Beratung
Beteiligung
Projektinformationen
Projektnehmer 
Verbraucherzentralen Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Öko-Institut e.V.
Projektkontakt 
Projektlaufzeit 
01. Jul. 2012 bis 30. Jun. 2015
Förderkennzeichen: 
03KSF022A-G
Fördersumme in € 
2.400.629
  • Beratung in der Verbraucherzentrale in Hamburg
    © Verbraucherzentrale Hamburg e.V.
  • Paderborn übernahm viele Ansätze aus den Modellkommunen – und ergänzte eigene Ideen
    © Verbraucherzentrale NRW e.V.
  • Beratung in der Verbraucherzentrale in Hamburg
  • Paderborn übernahm viele Ansätze aus den Modellkommunen – und ergänzte eigene Ideen

Neubürgerinnen und Neubürger zum Klimaschutz motivieren

Umzüge sind eine Gelegen­heit, bisherige Routinen aufzugeben oder zu überdenken, und damit auch ideale Zeitfenster, um Weichen für neue, klima­schonen­dere Verhaltensweisen zu stellen.

Auf einen Blick

Hier setzt das Projekt Neustart fürs Klima an. Verbraucherzentralen aus sechs Bundesländern entwickelten ein Begrüßungsangebot für Neubür­gerin­nen und Neubürger, das diesen verschiedenste Mög­lich­­kei­ten aufzeigt, wie sie an ihrem neuen Wohnort einen klimafreund­licheren Lebensstil führen können. Über die Einwohnermelde­ämter und Stadver­wal­tungen gaben die Verbraucherzentralen den Zugezo­genen Informationen zur klima­freund­lichen Mobilität, regio­nalen Lebensmitteln und anderen nachhaltigen Ver­haltensweisen an die Hand. So konnte der Neustart gleich klimafreundlicher gestaltet werden.

Gute Orientierung von Anfang an!

Das Projekt erprobte in Zusammenarbeit mit den Kommunen verschiedene Formate der Vermittlung von Informationen zum klimafreundlichen Leben an Neubürgerinnen und Neubürger – vom Neubürger­brief über Stadtrund­gänge bis hin zu Info-Abenden. Sechs Verbraucher­zentralen in den Städten Alzey und Wörrstadt, Bonn, Dillingen an der Saar, Hamburg, Halle an der Saale und Kassel nahmen daran teil. Wissenschaftliche Unter­stützung leistet das Öko-Institut.

Die inhaltlichen Schwer­punkte lagen in den Bereichen Ernährung, Energie und Mobilität. Es gab Informa­tionen zum regionalen Lebensmittel­einkauf, zum Stromsparen und geeigneten Fahrwegen für Fahrrad­fahrerinnen und -fahrer. Das Neubürgerpaket enthielt außerdem praktische Wegbegleiter wie kostenlose Stadtpläne, Listen mit Mobilitätsangeboten und Einkaufs­möglichkeiten. Die Informationen wurden durch Angebote wie Gutscheine für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) oder für den Einkauf im Biomarkt ergänzt. Während des Projektes wurden die vor­handenen Materialien von insgesamt fünfzehn Kommunen auf die eigene Region übertragen und dort für Neubürgerinnen und -bürger genutzt.

Der Projektablauf: Testen, Optimieren und in die Breite tragen

In den Modellkommunen Alzey, Wörrstadt, Bonn, Dillingen (Saar), Halle, Hamburg und Kassel wurden die Methoden zur Ansprache der Betroffenen zunächst erprobt und dann auf Basis der Erfahrungen an einem einheitlichen Schema ausgerichtet. Um den Transfer der Ergeb­nisse zu fördern wurde ein Leitfaden für Kommunen entwickelt: „Gelegenheiten nutzen! Neubürger beim Klimaschutz mitnehmen.“ Neben der Darstellung der zentralen Rolle der Bürgerinnen und Bürger im kommunalen Klimaschutz enthält er eine Anleitung zur Standortanalyse und Entwicklung einer indivi­duellen Kommunikations­strategie in der Kommune.

Außerdem beschreibt der Leitfaden Maßnahmen wie das Neubürger­paket, die sich in der Praxis bewährt hatten. Darüber hinaus wurden Maßnahmen­steck­briefe, Checklisten, Broschüren und Flyer erarbeitet, die auch nach Ablauf des Projektes auf der Projekt­webseite zur Verfügung stehen. So können weitere Kommunen von den Erfahrungen profitieren und die Materialien sowie das Vorgehen entsprechend ihrer Bedürfnisse vor Ort planen und einsetzen. Schließlich diskutierten Projekt­partnerinnen, Projektpartner und Kommunen Projektergebnisse, Erfahrungen sowie Tipps und Tricks zur Motivation von Bürgerinnen und Bürgern für den Klimaschutz in einer bundesweiten Fachtagung.

Die passenden Formate der Kommunikation…

Die Neubürgerinnen und Neubürger sollten möglichst früh erreicht und angesprochen werden. Drei Wege der Ansprache erwiesen sich als hilfreiche Bausteine für die lokalen Konzepte in den Modellkommunen.

… Informieren und neugierig machen

Das Projekt wählte bestimmte Orte und Veranstal­tungen aus: Einwohnermeldebehörden, Integrations­kurse oder Erstsemestertage an den Hochschulen. Ergänzend wurden persönlich adressierte Neubürger­briefe als Willkommensgruß durch die Kommune ver­sendet. Die Neugier auf den neuen Wohnort und das klare Bedürfnis für Orien­tierung der Zugezogenen verschafft diesen Informa­tionen ein besonders offenes Ohr.

… ins Gespräch kommen

Stadtführungen, Fahrradtouren und ähnliche Mitmach-Angebote ermöglichten den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern das aktive Kennenlernen der Stadt und ihrer Infrastruktur - und auch den Kontakt mit anderen Neubürgerinnen und Neubürgern oder der einheimischen Bevölkerung. Mit diesem Gemeinschaftserlebnis verbanden die Teilnehmenden das Angenehme mit dem Nützlichen – welch gute Motivation, das klimafreundliche Verhalten als Routine zu etablieren.

„Die Kresse-Tütchen waren an diesem Stand ein ideales Give-away. Die Besucher des Standes nahmen sie gern mit und konnten zu Hause gleich selbst gärtnern. Ich habe selbst am Stand frisches Bauernbrot mit Kresse probiert und konnte so Regionalität und Saisonalität erschmecken.“  Dr. Ruth Gütter, Oberlandeskirchenrätin, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

… Handeln im Alltag einfach machen

Bei dem dritten Weg ging es darum, klimafreundliches Alltagsverhalten innerhalb der Kommune anhand von Beispielen zu vermitteln. Hier zeigten die Ver­brau­cher­­zentralen, dass effektive Klimaschutzmaßnahmen oftmals leicht umzusetzen sind – und dabei mehr leis­ten, als nur das Klima zu schützen. Ein Strom­anbie­ter­­wechsel oder die Nutzung von ÖPNV- oder Car­sha­ring-Angeboten haben beispielsweise auch einen finan­ziel­len und oder sozialen Mehrwert. Vertiefende, themen­spezifische Veranstaltungen (zum Beispiel Koch­aben­de) trugen dazu bei, klima­schonende Hand­lungs­alter­nativen auszuprobieren und im Alltag umzusetzen.

  • Was sollte das Projekt erreichen?

    • Beratung für Neubürgerinnen und Neubürger zu Mobilität, Energiesparen und klimafreundlichen Lebensmitteln;
    • Übertragung der Erfahrungen aus dem Projekt durch einen Leitfaden und in kommunale Netzwerke als Grundlage zur Nachahmung in allen Kommunen bundesweit.
  • Was hat das Projekt erreicht?

    • Direkte Umsetzung in sechs Modellkommunen mit nachgewiesenen CO2-Einsparungen;
    • Nachahmung in 15 weiteren Kommunen;
    • weiteres Interesse in 26 Kommunen.
  • Wie ging es weiter?

    Die Projektergebnisse wurden im Leitfaden „Gelegenheiten nutzen!“ dokumentiert. Der Leitfaden kann leider nicht mehr heruntergeladen werden.

Beitrag zum Klimaschutz

Der Klimaschutzbeitrag in diesem Projekt ist schwer zu messen. Denn bei einem Umzug verändert sich der persönliche CO2-Fußabdruck fast automatisch. 261 Erfassungsbögen dokumentierten Beratungsgespräche über die Projektlaufzeit von 2012 bis 2015. Aus deren Auswertung ergab sich eine Einsparung von rund 747 Tonnen CO2. Das sind immerhin fast drei Tonnen pro Beratung. Darüber hinaus wurden schriftliche Beratungen und mündliche Nachfragen von rund 2.000 Interessentinnen und Interessenten zu einzel­nen Themen beantwortet. Diese Kurzberatungen führten zu einer Einsparung von etwa 300 Tonnen CO2.

Über eine Online-Erhebung, die bis zum Ende des Jahres 2014 lief, konnten die Aussagen von 324 Neubürgerinnen und Neubürgern zum klimascho­nenden Verhalten ausgewertet werden. Darüber ergab sich eine Verringerung der CO2 -Emissionen um 433 Tonnen. Unter den angebotenen Themenfeldern erwies sich der Bereich der Ernährung am bedeut­samsten. Bilanziert konnten durch eine Ernährungs­umstellung auf saisonale und regionale sowie eher fleischarme Kost und durch den Umstieg auf Bioprodukte eine CO2-Einsparung von 139 Tonnen realisiert werden. Der zweitwichtigste Bereich ist die Mobilität. Hier wurde durch den Verzicht auf das Auto und den Umstieg auf Fahrrad oder öffentliche Verkehrs­mittel eine Einsparung von 121 Tonnen realisiert.

  • Checkliste der Erfolgsfaktoren

    • Differenzierte und persönliche Ansprache;
    • Berücksichtigung der kommunalen Situation;
    • konkrete Anreize und Angebote bieten;
    • aktive Ansprache mit guten Materialien und Positivbotschaften.

Tipps und Tricks für interessierte Institutionen

Die Nachahmung des Projektes in weiteren Kommunen ist relativ einfach zu realisieren. Dabei sollten jedoch die Erfahrungen aus dem Projekt genutzt werden.

Neubürgerinnen und Bürger da abholen wo man sie trifft – und mit relevanten Informationen

Genauso wie die bestehende Bevölkerung sind die Neubürgerinnen und Neubürger keine homogene Gruppe. Vielmehr gehören sie unterschiedlichen Milieus an, deren Interesse (an klimarelevanten Themen) ebenfalls sehr verschieden ist. Wichtig ist daher, neben dem Klimaschutz, auch andere positive Effekte des klimafreundlichen Verhaltens zu erläutern, zum Beispiel den finanziellen Mehrwert oder Zuge­winn an Lebensqualität, der Nutzung von Carsharing-Angeboten oder des ÖPNV entsteht.

Die gezielte Platzierung der Angebote und Infor­ma­tio­nen an Orten, die von Neubürgerinnen und Bürgern frequentiert werden (zum Beispiel Treff­punkten von Studierenden wie der Mensa) und die persönliche Ansprache steigern den Erfolg der Maß­nahmen. Bei der schriftlichen Kontaktaufnahme erhöht ein persönlicher Willkommensgruß der Bürger­meisterin oder des Bürgermeisters die Effektivität.

Berücksichtigung der kommunalen Situation

Damit die Aktion sinnvoll ist, sollten die besonders nützlichen Informationen gut recherchiert sein. Dazu gehören neben den Klimaaspekten die Bevölkerungs­struktur, die administrative Verankerung des Klima­schutzes sowie die Handlungsmöglichkeiten und die Infrastruktur in der Kommune.

Gleichzeitig sollten interessierte Institutionen überprüfen, welche Kooperationen und Netzwerke besonders gute Anknüpfungspunkte bieten können. Insbesondere gibt es in jeder Kommune lokale Organisationen in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Sport und Kultur. Diese können wertvolle Hinweise liefern, um die richtigen Medien und Kommunikations­kanäle zu nutzen und dafür die richtigen Formate zu wählen, oder selbst als Multiplikatorinnen und Mulitplikatoren dienen.

Konkrete Angebote, die Spaß machen

Routinen etablieren und verstärken sich durch positive Erlebnisse. Daher sollten Informationen mit konkreten Handlungs­an­ge­boten und Anreizen kombiniert werden. Das kann die Nutzung des ÖPNV durch das Schnupperticket, die Probefahrt mit dem E‑Bike, ein Carsharing-Tag oder ein Gutschein für den Wochenmarkt sein. Formate des gemeinsamen Erlebens wie Kochabende, Marktbesuche oder Stadt­rundgänge bieten einen emotionalen Zugang und verbinden die Informations­vermittlung mit positiven sozialen Erlebnissen. Das „gute Leben“ sollte einfach umsetzbar und mit einem persönlichen Mehrwert verbunden sein – zum Beispiel mit Spaß!

Aktive Ansprache mit guten Materialien und Positivbotschaften

Im Leitfaden für Kommunen wird unter anderem die Einrichtung von Informationsständen zum Ausprobieren und Experimentieren empfohlen. Der Info-Stand „Stand by“ kann auf Strom­spar­poten­ziale von Haushaltsgeräten aufmerksam machen, der Info-Stand „Regionaler Einkauf“ kann die Wahr­neh­mung für nichtrecycelbare Verpackungen schärfen und den Nutzen regionaler Einkäufe verdeutlichen. Spielerische Zugänge über Quiz und Gewinnspiele machen neugierig und motivieren zum Mitmachen. So können auch wenig interessierte Menschen für Klimaschutz-Themen gewonnen werden.

Die Projektstruktur: Eine tragfähige Kooperation kompetenter Partnerinnen und Partner

Für die erfolgreiche Ansprache von Neubürgerinnen und Neubürgern ist Neutralität und Unabhängigkeit ein wichtiges Kriterium. Genau dieses wird den Verbrau­ch­er­­zentralen attestiert. Sechs von ihnen kooperierten in diesem Projekt. Auch die Modell­kommunen waren wichtige Projektpartner, die die lokale Kommuni­ka­tion und die Umsetzung der Maßnahmen zur An­­spra­che der Zugezogenen unterstützten. Bürger­meister­innen und Bürger­meister waren wichtige Akteure in kleinen Kommunen, in größeren Kommunen wurde mit den Umweltbehörden kooperiert. Für die fachliche Betreuung war das Öko-Institut verantwortlich.

Verbraucherzentralen Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Öko-Institut e.V.

51.21746
6.789539999999988
Mintropstraße
Düsseldorf
  • Nordrhein-Westfalen
40215