Nahaufnahme Klimaschutz
Oktober 2017

Andreas Winterkemper, Klimaschutzmanager der Stadt Hagen

Andreas Winterkemper ist Klimaschutzmanager in Hagen. Die Stadt gilt als das „Tor zum Sauerland“ und ist Sitz der einzigen staatlichen Fernuniversität in Deutschland. Mit seinem Engagement sorgt Andreas Winterkemper dafür, dass sich Hagen auch im Klimaschutz einen Namen macht.
Zitat
„Klimaschutz ist eine Jahrhundertaufgabe. Meiner persönlichen Meinung nach sollte diese Aufgabe daher weltweit zu einer Pflichtaufgabe in den Kommunen werden, mit entsprechender finanzieller Unterstützung seitens der übergeordneten politischen Ebenen.“

SK:KK: Herr Winterkemper, das Integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt Hagen umfasst 34 Maßnahmen, von denen 14 als prioritär gelten. Wie gelingt es Ihnen angesichts der Fülle der Aufgaben, möglichst viele Klimaschutzmaßnahmen anzuschieben?

Andreas Winterkemper: Ganz wichtig für die Umsetzung ist, dass ich nicht alles alleine machen muss. Im Gegenteil: Bei uns sind viele unterschiedliche Fachbereiche aus der Stadtverwaltung involviert. Bei einigen Projekten habe ich den Hut auf und mache die Hauptarbeit, bei anderen ist es genau umgekehrt. Dann liegt meine Aufgabe vor allem darin, die Kolleginnen und Kollegen nach besten Kräften zu unterstützen – ebenso wie diese mir auch immer wieder helfen.
Generell ist unser Ziel, möglichst viele der Maßnahmen gemeinsam mit Partnern zu entwickeln und in die Startlöcher zu bringen. Daher suche ich immer wieder das Gespräch mit möglichen Unterstützerinnen und Unterstützern.

SK:KK: Welche inhaltlichen Schwerpunkte gibt Ihnen das Integrierte Klimaschutzkonzept vor?

Andreas Winterkemper: Vorrangig sollen Maßnahmen in den Bereichen nachhaltige Mobilität und Energieeffizienz entwickelt werden. Daher habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit zunächst eine Handlungsstrategie erarbeitet und nach möglichen Projektpartnern geschaut. Dann habe ich grob festgelegt, welche der prioritären Maßnahmen, wann und mit wem entwickelt und umgesetzt werden können. Dieser „Fahrplan“ bietet mir eine gute Orientierung.

SK:KK: Welches sind die größten Hürden, denen Sie tagtäglich begegnen?

Andreas Winterkemper: Es ist nicht immer leicht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Unternehmen oder die Bürgergesellschaft für den kommunalen Klimaschutz zu begeistern und engagierte Menschen für die Projektarbeit zu gewinnen. Hagen ist eine Stärkungspaktkommune, das heißt die Stadt ist dazu verpflichtet, ihren Haushalt langfristig wieder solide aufzustellen und Schulden abzubauen. In der Folge stellen fehlende Personalressourcen und die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen für Hagen inzwischen große Herausforderungen dar.
Umso mehr freue ich mich, wenn es dennoch gelingt, Kolleginnen und Kollegen aus der Stadtverwaltung in die Arbeit einzubinden und gemeinsam Projekte umzusetzen.

SK:KK: Auf dem Ausbau des Radverkehrs liegt ein besonderer Fokus des Integrierten Klimaschutzkonzepts. Dabei spielt auch das gemeinsame Vorgehen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) eine wichtige Rolle. Können Sie uns diese überregionale Zusammenarbeit näher erläutern?

Andreas Winterkemper: Hagen engagiert sich zusammen mit 14 weiteren Kommunen in einem gemeinsamen Verbundvorhaben, das durch den Bundeswettbewerb „Klimaschutz im Radverkehr“ gefördert wird. Das Ziel des Vorhabens: den  Mobilitätsverbund durch hochwertige neue Fahrradabstellanlagen zu stärken. Die beteiligten Kommunen bauen derzeit moderne Fahrradboxen, Sammelabstellanlagen und Fahrradparkhäuser auf. Weitere 1048 Stellplätze im Gebiet des VRR sind geplant. Integraler Bestandteil des Vorhabens ist ein elektronisches Schließsystem für verschiedene Fahrradabstellanlagen, die zentral, lokal oder regional vernetzt sind. Der Systemzugang zu den Abstellanlagen soll über das eTicket des VRR ermöglicht werden – und perspektivisch über das Smartphone.

Auf dem Hagener Stadtgebiet werden wir mit Bundesförderung und städtischen Mitteln 34 moderne Fahrradboxen an den drei Bahnhöfen Heubing, Hohenlimburg und Vorhalle sowie am Hauptbahnhof errichten. Der VVR übernimmt dabei eine koordinierende Funktion für alle 15 Kommunen. In Abstimmung mit den Kommunen entwickelt eine Agentur zudem eine markante Word-Bild-Marke für die Anlagen sowie eine Web-Oberfläche. Der VRR in leitender Funktion leistet immense Arbeit und lädt Projektgruppen und Lenkungskreise zu regelmäßigen Treffen ein. Diese professionelle Herangehensweise der Kolleginnen und Kollegen in Gelsenkirchen schätze ich sehr.

SK:KK: Welche weiteren Aktivitäten sind für Radverkehrsmobilität besonders hervorzuheben?

Andreas Winterkemper: Seit fast zwei Jahren wollen wir am Hauptbahnhof mit verschiedenen Akteuren sowie der Deutschen Bahn AG eine Radstation errichten. Vor kurzem ist endlich Bewegung in dieses aufwendige Projekt gekommen. Ich hoffe, dass ich dieses Vorhaben gemeinsam mit einem Projektträger noch bis zur Umsetzungsreife entwickeln kann. Außerdem hat unser Planungsamt  ein Ingenieurbüro mit der Erarbeitung eines Radverkehrskonzeptes für die Gesamtstadt beauftragt.

SK:KK: Gibt es Chancen, Ihre Stelle über das Frühjahr 2018 hinaus fortzuführen?

Andreas Winterkemper: Eine feste Verstetigung meiner Stelle ist zwar leider noch nicht gelungen, ich arbeite momentan  jedoch einen Aktionsplan für ein zweijähriges Anschlussvorhaben aus und bereite den Antrag zur Förderung durch das Bundesumweltministerium (BMUB) vor. Ausschlaggebend für den einstimmigen Ratsbeschluss zur Fortführung meiner Stelle war dabei nicht nur die voraussichtliche Übernahme von rund 56 Prozent der Personal- und Sachkosten durch das BMUB, sondern auch der Zuschuss des hiesigen Energieversorgers Mark E-AG von anteilig 34 Prozent an den Personalkosten. Somit verbleiben für die Stadt selbst nur zehn Prozent der Gesamtkosten meiner Stelle.

SK:KK: Als Klimaschutzmanager einer finanzschwachen Kommune sind Sie immer wieder auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Wie beurteilen Sie die Förderlandschaft in Deutschland?

Andreas Winterkemper: Grundsätzlich bin ich darauf bedacht, bei der Förderung von Maßnahmen über Programme der Europäischen Union, des Bundes oder des Landes Nordrhein-Westfalen eine möglichst hohe Förderquote für die Stadt zu erzielen. Der verbleibende Eigenanteil der Stadt soll möglichst gering sein. Aus diesem Grund pflege ich bereits während der Entwicklung von Projekten den Austausch mit potentiellen Fördermittelgebern und prüfe, ob für die anvisierte Maßnahme gegebenenfalls eine Kumulierung mit Drittmitteln und Zuschüssen aus anderen Programmen möglich ist. Die Förderprogramme, die für die Finanzierung  von Klimaschutzprojekten maßgeblich sind, sind aus meiner Sicht ausreichend – in einigen Fällen, in denen es um Investitionen geht, ist aber noch Luft nach oben.

Klimaschutz ist eine Jahrhundertaufgabe. Meiner persönlichen Meinung nach sollte diese Aufgabe daher weltweit zu einer Pflichtaufgabe in den Kommunen werden – mit entsprechender finanzieller Unterstützung seitens der übergeordneten politischen Ebenen. Ich wünsche mir, dass das Engagement für den Klimaschutz in Hagen auch über die Anschubfinanzierung durch das Bundesumweltministerium hinaus weitergeführt wird. Die Erfolge, die wir bereits erzielen konnten, zeigen, dass der Einsatz für unser Klima sich lohnt. Und dass das Sparen von Energie letztlich für den Privaten, den Gewerbetreibenden,wie auch für eine Stadt gut ist für den Geldbeutel, weiß mittlerweile wohl jeder! 

  • Tag der Umwelt am 24. Juni 2017: Infostand des Umweltamtes
    © Umweltamt der Stadt Hagen
  • Tag der Umwelt am 24. Juni 2017: Nutzung der Lastenräder wird geprobt
    © Umweltamt der Stadt Hagen
  • Tag der Umwelt 2015: Eröffnung der Aktion Stadtradeln
    © Umweltamt der Stadt Hagen
  • Tag der Umwelt 4. Juni 2016: Mehr Kilometer für Stadtradeln!
    © Umweltamt der Stadt Hagen
Name Andreas Winterkemper
Ausbildung

Dipl.-Ing. Raumplanung

Kontaktdaten

Stadt Hagen

Rathausstraße 11

58095 Hagen
Tel: 02331 207-4786

Fax: 02331 207-2469

E-Mail: andreas.winterkemper@stadt-hagen.de

Bundesland Nordrhein-Westfalen
Gemeinde Stadt Hagen
Einwohnerzahl und Größe der Gemeinde Einwohner: 194.677 (Stand 30.06.2017)
Fläche: 160,3 km²
Meine Verortung in der Gemeinde Umweltamt

Ich bin Klimaschutzmanagerin für…

die Umsetzung und Fortführung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes (IKSK) der Stadt Hagen

Projektlaufzeit

15. April 2015 – 14. April 2018
Highlights der vergangenen Monate

Einsatz eines Projektflyers, um Projektpartner zu gewinnen

 

Initiierung einer Serie mit Klimaschutztipps im Stadtanzeiger

 

Einwerbung von Fördermitteln für das Projekt "34 neue Radboxen für Hagen"

 

Radiokampagne: "Hagen braucht Klimahelden - auch Dich!"

 

Impuls an den Wirtschaftsbetrieb Hagen, den Umweltbonus für den Kauf von E-Autos zu beantragen

 

Mitgestaltung der Aktion STADTRADELN und der Umwelttage 2015, 2016 und 2017, Mitwirkung beim 2. Hagener Tag der Elektromobilität

 

Gründung einer Arbeitsgruppe "Elektromobilität"

 

Unterstützung des Fachbereichs Stadtplanung beim Verfahren zur Flächennutzungsplan-Teilflächenänderung "Windenergie"

 

Teilnahme am European Energy Award

 

Ratsbeschluss zur Fortführung des Klimaschutzmanagements

Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt der Gemeinde

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