Nahaufnahme Klimaschutz
November 2017

Bernadette Kurte, Klimaschutzmanagerin der Stadt Offenburg

Bernadette Kurte ist bereits seit fünf Jahren Klimaschutzmanagerin in Offenburg. In dieser Zeit hat sie viel erreicht und kann bei der Umsetzung von Maßnahmen auf ein breites Netzwerk von Partnerinnen und Partnern zählen.
Zitat
„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Dieses Zitat von Kafka beschreibt meines Erachtens nach die Aufgabe der Klimaschutzmanagerin und des Klimaschutzmanagers. Es bedarf gesellschaftlicher Veränderungen, um den Klimawandel aufzuhalten und wir müssen dafür neue Wege ausprobieren.“

SK:KK: Nachdem das Bundesumweltministerium Ihre Stelle als Klimaschutzmanagerin drei Jahre gefördert hat, wurde diese in 2015 verstetigt. Was waren die Argumente dafür?

Bernadette Kurte: In drei Jahren können Prozesse lediglich angestupst werden. Wenn man noch zwei Jahre Anschlussförderung aufsetzt, läuft vielleicht die eine oder andere weiterreichende Maßnahme. Um im Klimaschutz jedoch wirklich erfolgreich zu sein, müssen eingefahrene Gewohnheiten und Strukturen aufgebrochen werden. Und das dauert länger als fünf Jahre.

SK:KK: Dennoch gibt es viele Maßnahmen, die Sie bereits erfolgreich auf den Weg bringen konnten. Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz?

Bernadette Kurte: Wir haben gemeinsam mit den Expertinnen und Experten aus dem Wohnungsbau und der Energieberatung ein Förderprogramm für die energetische Sanierung entwickelt. Wer sein Haus energetisch saniert, erhält zusätzlich zu den Fördermitteln vom Bund für jedes eingesparte Kilogramm CO2 einen Euro von uns. Anfangs startete das Förderprogramm ziemlich schleppend – wir haben dann die Förderbedingungen mehr an die Bedürfnisse der Häuslesanierer angepasst. Inzwischen sagen mir Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer immer häufiger: Wir wären die Sanierung weniger ambitioniert angegangen, hätten wir nicht noch die Förderung der Stadt erhalten. Inwiefern wir mit der Förderung über Mitnahmeeffekte hinaus auch Anreize schaffen konnten, soll eine externe Evaluation Ende 2018 aufzeigen.

SK:KK: Welche Partnerinnen, Partner und Verbündete haben Sie bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten in Offenburg?

Bernadette Kurte: Bereits mit der Erstellung des Klimaschutzkonzepts 2011 wurde ein Klimaschutzbeirat eingerichtet. In ihm sind Vertreterinnen und Vertreter von großen Offenburger Unternehmen, die beiden Energieversorger, an denen die Stadt beteiligt ist, die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft, die Umweltverbände, die Hochschule Offenburg sowie sachkundige Bürgerinnen und Bürger vertreten.

Bei der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen arbeite ich mit unterschiedlichen Partnerinnen und Partnern zusammen – je nachdem, wen wir erreichen wollen. Im Rahmen der jährlichen Energietage sind es zum Beispiel die Energieversorger sowie die Ortenauer Energieagentur und Zukunft Altbau. Das ist auch die Gruppe, mit denen ich in Projekten und Kampagnen zum Schwerpunkt energieeffizientes Bauen, energetisch Sanieren oder moderne Haustechnik zusammenarbeite. Die Messe Offenburg ist ebenfalls Partner bei den Energietagen, da wir diese im Rahmen einer großen Verbrauchermesse organisieren. Für Nachhaltige Mobilität hingegen sind es die Verkehrsbetriebe, die unseren Stadtbus betreiben, das hiesige CarSharing- und das BikeSharing-Unternehmen, der Verkehrsclub Deutschland VCD, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC oder auch das BUND-Umweltzentrum Ortenau.

SK:KK: Darüber hinaus ist das „Offenburger Netzwerk Nachhaltigkeit“ ein wichtiger Partner. Wie kam es zu diesem Zusammenschluss?

Bernadette Kurte: Das „Offenburger Netzwerk Nachhaltigkeit“ hat sich über die gemeinsame Arbeit in der Erwachsenenbildung und die gemeinsame Ausgestaltung der Volkshochschul(VHS)-Filmgespräche gegründet. In diesem Aktionsbündnis sind außer mir, als Vertreterin der Stadtverwaltung, die VHS Offenburg, das BUND-Umweltzentrum Ortenau, die Bürgerinitiative Umweltschutz Offenburg e.V, die Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau, das Offenburger Büro des Katholischen Bildungszentrums Freiburg, der Offenburger Weltladen Regentropfen e.V. sowie der BUND Ortsverband Ettenheim vertreten. Unabhängig davon arbeite ich in verschiedenen Projekten mit dem BUND-Umweltzentrum Ortenau zusammen, gerne zum Beispiel bei Projekten mit Kindern und Jugendlichen oder bei Aktionen und Projekten, die auf ein nachhaltiges Konsumverhalten zielen. Gemeinsam mit dem Weltladen haben wir das Format „Klimacafé“ entwickelt, in dem wir die Themen Klimaschutz und Fairness im Handel zusammenbringen.

SK:KK: Mit welchen Maßnahmen gelingt es aus Ihrer Sicht besonders gut, auch die Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz zu interessieren und zum Handeln zu motivieren?

Bernadette Kurte: Davon ausgehend, dass man erst etwas verstehen muss, bevor man vernünftig handeln kann, versuche ich, die Menschen über Information zu erreichen – etwa mit Vorträgen, Filmen oder Infoständen. Allerdings erkenne ich auch, dass ich auf diese Weise nur wenige erreiche – nämlich die, die sich informieren wollen. Gute Erfahrungen habe ich gemacht, indem ich Informationen mit persönlichen Erfahrungsberichten von Offenburger Bürgerinnen und Bürgern verbunden habe. So wurde zum Beispiel die Reihe „Ich bin Klimaschützer“ im städtischen Mitteilungsblatt, bei der Bürgerinnen und Bürger erzählen, was sie persönlich für den Klimaschutz unternehmen, recht gut angenommen. Anklang findet auch ein persönlicher Bericht von von Menschen, die Sanierungsmaßnahmen am Eigenheim umgesetzt haben, sich ein Elektroauto zugelegt haben oder Ähnliches.

Bei den letzten Energietagen haben wir Upcycling-Basteln angeboten, das kam sehr gut an. Dabei ergaben sich viele gute Gespräche über Konsum und Klimaschutz. An der Stelle haben wir etwas ganz Konkretes angeboten anstatt, wie sonst so oft, das gesamte Klimaschutzpaket vom Stromsparen über Fahrradfahren bis hin zum Einkauf auf dem Wochenmarkt auszupacken.
Ansonsten bin ich davon überzeugt, dass vor allem finanzielle Anreize eine entscheidende Rolle spielen. Die wenigsten Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer sanieren ihr Haus, weil sie das Klima schützen möchten. Ausschlaggebend sind finanzielle Einsparungen und Fördergelder. So sind auch die Ausleihzahlen im CarSharing um mehr als 50 Prozent gestiegen, nachdem wir Tarifvergünstigungen über die Offenburger „Einfach Mobil“-Karte eingeführt haben.

SK:KK: Welches sind die größten Hürden, denen Sie tagtäglich gegenüberstehen?

Bernadette Kurte: In vielen Abteilungen in der Stadtverwaltung Offenburg ist die Arbeitsbelastung sehr hoch. Das führte schon häufiger dazu, dass einige Projekte und Maßnahmen immer wieder verschoben werden mussten und andere Projekte nur durch den übermäßigen persönlichen Einsatz der entsprechenden Kolleginnen und Kollegen in die Umsetzung gehen konnten. Beides ist nicht schön.

Ich persönlich gewöhne mich nur schwer an das Rollenverständnis von Kolleginnen und Kollegenbei der gemeinsamen Projektbearbeitung. Für mich sind viele Projekte eine Win-win-Situation mit gleichberechtigten Partnerinnen und Partnern. Kolleginnen und Kollegen sehen sich dagegen oft als jemand, der mir zuarbeitet oder mir einen Gefallen tut. Das kann zu Missverständnissen führen, die den Projektverlauf unnötig verzögern.

SK:KK: Welche Bedeutung hat der European Energy Award für Offenburg?

Bernadette Kurte: Vielen Bürgerinnen und Bürgern aber auch dem Gemeinderat ist nicht bewusst, mit welchem Engagement sich die Stadtverwaltung in verschiedenen Bereichen für den Klimaschutz einsetzt – und das nicht erst seit der Verabschiedung des Klimaschutzkonzepts, sondern im Radverkehr seit den 1980er Jahren und in den eigenen Liegenschaften seit den 1990er Jahren. Über die Zertifizierung mit dem European Energy Award wurde uns von einem unabhängigen und unbestechlichen Dritten bestätigt, dass wir vieles richtig machen, und das können wir auf diese Weise auch dem Gemeinderat und der Bevölkerung kommunizieren.  

 

  • „Kein CO2“-Menschenkette zu den Energietagen 2014
    © Messe Offenburg Ortenau/Guido Gegg
  • Klimacocktail 2016: Podiumsgespräch mit Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker
    © Christoph Breithaupt
  • Mobilitätsstation Technisches Rathaus
    © Charlotte Nicaise
  • Laufbus zur Grundschule Elgersweier
    © Stadt Offenburg
  • Upcycling auf den Energietagen 2017
    © Stadt Offenburg
Name Bernadette Kurte
Ausbildung

Diplom-Geografin

Kontaktdaten

Stadt Offenburg

Hauptstr. 90

77654 Offenburg
Tel: 0781 82-2444

E-Mail: bernadette.kurte@offenburg.de

Bundesland Baden-Württemberg
Gemeinde Offenburg
Einwohnerzahl und Größe der Gemeinde Einwohner: 59.954 (Stand 30.06.2017)
Fläche: 78,38 km²
Meine Verortung in der Gemeinde Abteilung Stadtentwicklung, Fachbereich Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung

Ich bin Klimaschutzmanagerin für…

die Umsetzung und Fortführung des Integrierten Klimaschutzkonzepts (IKSK) der Stadt Offenburg

Projektlaufzeit

01. September 2012 – 31. August 2015
Highlights der vergangenen Monate Erstmals ausgezeichnet mit dem European Energy Award

 

Fertigstellung der energetischen Sanierung der Waldbachschule zur Passivhausschule

 

Gründung vom „Offenburger Netzwerk Nachhaltigkeit“

 

Konzeption und Umsetzung eines Neubürgerbegrüßungspakets „Nachhaltige Mobilität“

 

Professoren Science Slam zu Nachhaltigkeitstagen

 

Mobilitätstag unter dem Motto „Ohne (eigenes) Auto einfach mobil in Offenburg“

 

Upcycling-Möbelbau-Workshop mit Auszubildenden; Energietage mit dem Schwerpunktthema „Upcycling – gelebter Klimaschutz“

 

Kampagne „Klimafit im Quartier“ zur Förderung der energetischen Sanierung

 

Start des VHS-Kurses „Werden Sie klimafit“ von Fesa e.V., IFPRO, WWF und REKLIM

Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt der Gemeinde

Stadt Offenburg

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