Nahaufnahme Klimaschutz
April 2017

Daria Paluch, Klimaschutzmanagerin in der Verbandsgemeinde Wörrstadt

Ob es sich um Energietipps, vorbildliche Maßnahmen oder die Termine des „Wörrstädter Energietisches“ handelt – in der Verbandsgemeinde kommt der Klimaschutz jetzt druckfrisch in sämtliche Haushalte. Im März 2017 erschien die erste Ausgabe des eigens entwickelten lokalen Umweltmagazins. Es ist nur eine der vielen Erfolgsgeschichten, von denen Klimaschutzmanagerin Daria Paluch zu berichten weiß.
Zitat
„Seit wenigen Tagen bin ich auch privat elektrisch unterwegs. Denn auch das gehört meiner Meinung nach zu unserem Job: nicht nur Wasser predigen, sondern auch Wasser trinken.“

SK:KK: Klimaschutzmanagerin, ist das Ihr Traumberuf?

Daria Paluch: Es wurde zu meinem Traumberuf. Dadurch, dass die meisten Stellen für Klimaschutzmanagerinnen und -manager in der kommunalen Verwaltung erst neu geschaffen wurden, ging es mir wie vielen meiner Kolleginnen und Kollegen: Wir wussten nicht genau, was auf uns zukommt. Aber genau das sehe ich heute zugleich als einen großen Vorteil an. Denn dadurch hatte ich die Möglichkeit, Schwerpunkte mitzubestimmen und mein Aufgabenfeld von Beginn an mitzugestalten.

Die Vielfältigkeit des Jobs ist das, was mir am besten gefällt. Mir ist es sehr wichtig, nicht nur Projekte zu initiieren und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, sondern auch Maßnahmen vom Anfang bis zum Ende komplett zu begleiten. Ich bin sehr glücklich darüber, dass das hier bei der Verbandsgemeinde Wörrstadt möglich ist.

SK:KK: Worüber haben Sie sich zuletzt besonders gefreut?

Daria Paluch: Ganz besonders hat mich die reibungslose Umsetzung einer ausgewählten Maßnahme im Bereich Mobilität und die hiermit verbundene Unterstützung der politischen Gremien gefreut. So konnten wir mittlerweile vier unserer Dienstfahrzeuge durch elektrisch betriebene Fahrzeuge ersetzen. Im Mai werden wir die ausgewählte Maßnahme mit der Errichtung einer Ladesäule auf dem Parkplatz unseres Rathauses – ausgestattet mit vier Ladepunkten – erfolgreich abschließen können.

Ein weiteres Projekt, auf welches wir sehr stolz sind, ist die Veröffentlichung der ersten Ausgabe unseres Umweltmagazins im März 2017. In unserer „Lenkungsgruppe Klimaschutzkonzept“ haben wir lange überlegt, mit welchem Instrument wir die Bürgerinnen und Bürger in unserer Verbandsgemeinde am besten erreichen können. Daraufhin haben wir uns für ein eigenes Magazin entschieden. In diesem informieren wir unter anderem zur aktuellen Klimaschutzarbeit, zeigen Best-Practice Beispiele von Bürgerinnen und Bürgern sowie Firmen aus der Verbandsgemeinde. Auch Energietipps spielen eine wichtige Rolle.

Des Weiteren nutzen wir das Magazin dazu, unsere „Wörrstädter Energietisch“-Termine zu veröffentlichen. Verteilt wird das Magazin an alle Haushalte in der Verbandsgemeinde Wörrstadt. Derzeit planen wir zwei Ausgaben pro Jahr. In der ersten Ausgabe haben wir einen Wettbewerb zur Namensfindung für das Magazin ausgelobt. Bis zum 31.07.2017 können noch Namensvorschläge eingereicht werden.

SK:KK: Welche Funktion hat der „Wörrstädter Energietisch“?

Daria Paluch: Mit dem „Wörrstädter Energietisch“ haben wir im Herbst 2014 eine erfolgreiche Informationsplattform eingerichtet. Hier informieren wir im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen zu allen energie- und umweltrelevanten Themen. Im Jahr 2016 haben wir das Angebot um gemeinsame Besichtigungen ausgebaut. So haben wir zum Beispiel letztes Jahr den Energiepark in Mainz und die Einweihung eines Bürgerwindrads im Hunsrück besucht. Die Resonanz war wirklich überwältigend. Sie hat unsere Vermutung bestätigt, dass wir die Wichtigkeit und die Herausforderung, die der Klimaschutz mit sich bringt, dem Einzelnen nur dann näherbringen können, wenn wir zeigen wie es möglich ist und eben nicht nur darüber reden.  

SK:KK: Bei der Erarbeitung des integrierten Klimaschutzkonzeptes haben viele Bürgerinnen und Bürger in unterschiedlichen Workshops mitgewirkt. Konnte diese gute Bürgerbeteiligung auch jetzt in der Umsetzungsphase aufrechterhalten werden?

Daria Paluch: Ich bin immer wieder überrascht, wie engagiert die Bürgerinnen und Bürger in der Verbandsgemeinde Wörrstadt sind. Wir stellen sehr häufig fest, dass wir die besten Umsetzungsbeispiele für Klimaschutz bereits hier vor Ort haben. Nicht umsonst stellen wir genau diese Beispiele in unserem Magazin vor

SK:KK: Wie gelingt Bürgerbeteiligung aus Ihrer Sicht besonders gut?

Daria Paluch: Meine Erfahrung ist, dass die persönliche Ansprache das wirksamste Instrument ist. Es sind die zufälligen bilateralen Gespräche, etwa am Ende von Veranstaltungen, die dazu führen, dass die Beteiligung erhöht, die Besucherzahl gesteigert und die notwendige Sensibilisierung für den Klimaschutz geschaffen wird.

Ebenso wichtig ist es, gut funktionierende Beispiele aufzuzeigen. Und da wir hier in Rheinhessen sind, ist es mindestens genauso wichtig, dies in geselliger Atmosphäre bei Weck, Worscht und Woi (Brötchen, Wurst und Wein) zu tun. Wir haben beispielsweise ein Klimafest unter dem Motto „100 % Klimaschutz in geselliger Atmosphäre“ veranstaltet. Neben Elektroautos zum Anfassen und einer Ausstellung zum Thema „Klimaschutz und Nahrung“ gab es an diesem Tag kostenfreie E-Bike Probefahrten. Das Konzept hat funktioniert und das Klimafest war ein riesiger Erfolg.

Außerdem haben wir seit über einem Jahr ein eigenes Förderprogramm in der Verbandsgemeinde. Wir bezuschussen den Austausch der Heizungspumpe gegen eine Hocheffizienzpumpe in Ein- bis Zweifamilienhäusern mit 150 Euro. Der Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern, der hierdurch automatisch entsteht, ist ein absoluter Mehrwert für den Klimaschutz. Denn die Gespräche führen oftmals über den Austausch der Pumpe hinaus. Außerdem haben wir eine Filmreihe zu allen energie- und umweltrelevanten aber auch sozialen Themen gestartet. Die Filmreihe wird dabei maßgeblich von unserer lokalen Agenda und mir organisiert und begleitet. Da wir in der Verbandsgemeinde selbst kein Kino haben, sind wir sehr dankbar, dass das Kino in Alzey uns mit der Bereitstellung der Räumlichkeiten und bei der Filmvorführung unterstützt.

SK:KK: In der Region Rheinhessen-Nahe sind mittlerweile rund 20 Klimaschutzmanagerinnen und -manager tätig. Tauschen Sie sich untereinander aus und arbeiten zusammen?

Daria Paluch: Ich bin überzeugt davon, dass Netzwerkarbeit das A und O für erfolgreichen Klimaschutz ist. In den vergangenen zwei Jahren haben wir an dem Aufbau eines regionalen Netzwerkes gearbeitet, welches federführend von der hiesigen Energieagentur koordiniert wird. Unser Netzwerk dient dabei nicht nur dem Erfahrungsaustausch und der Weiterbildung, sondern wir organisieren auch gemeinsame Projekte und treten in der Öffentlichkeit als Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager der Region Rheinhessen-Nahe auf. Im Moment planen wir unser gemeinsames Projekt für dieses Jahr, welches wir in der jährlichen und landesweiten Aktionswoche der Energieagentur Rheinland-Pfalz unterbringen werden. Vergangene Projekte sind zum Beispiel gemeinsame Fahrrad-touren oder Klimakoch-Aktionstage.

SK:KK: Zu den thematischen Schwerpunkten in der Verbandsgemeinde Wörrstadt zählt die Elektromobilität. Was ist hier geplant bzw. welche Maßnahmen konnten neben den oben erwähnten schon umgesetzt werden?

Daria Paluch: Unser Fuhrpark ist bereits überwiegend elektrisch. Insgesamt haben wir drei rein elektrisch betriebene Fahrzeuge und zwei Plug-in-Hybride. Für die Überwachung des ruhenden Verkehrs setzt die Verbandsgemeinde Wörrstadt bereits seit 2012 erfolgreich ein Elektrofahrzeug ein. Geladen werden unsere Dienstfahrzeuge derzeit an einer Wallbox und einer Ladesäule. Demnächst wird die Ladesäule aus der ausgewählten Maßnahme hinzukommen. Mit diesen Ladestationen stehen uns auf unserem Gelände zehn Ladepunkte zur Verfügung. Darüber hinaus werden aktuell vor unserem Verwaltungsgebäude eine öffentlich zugängliche Ladesäule und eine E-Bike-Ladestation errichtet.

Außerdem beschäftigen wir uns gegenwärtig intensiv mit dem Thema der Mitarbeitermobilität. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zukünftig den Weg zur Arbeitsstätte elektrisch zurücklegen, werden die Möglichkeit erhalten, ihr Fahrzeug kostenfrei an unserem Verwaltungsgebäude zu laden. Für Außentermine werden Fahrräder und E-Bikes zur Verfügung gestellt und in den nächsten Monaten startet obendrein das erste elektrische Bürger-Carsharing.

SK:KK: Und worin liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für eine zukunftsweisende Mobilität? Wie begegnen Sie diesen?

Daria Paluch: 2017 steht, wie kein anderes Jahr zuvor, im Zeichen der Elektromobilität. Ich finde diesen Umbruch, den wir derzeit erleben, mehr als spannend. Die Elektromobilität wird in den nächsten Jahren vieles verändern – sie wird zu einem Umdenken führen und sie wird das uns bekannte Straßenbild erheblich verändern. Die Herausforderungen, die ich aktuell sehe, liegen in einer zukunftsweisenden Standortplanung und dem flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Ich bin mir aber auch sicher, dass wir uns in zwei bis drei Jahren nicht mehr über unzureichende Reichweiten und lange Ladezeiten unterhalten werden. Strom aus Erneuerbaren Energien zu tanken wird unser Alltag werden. Die Menschen werden ihre Autos zu Hause und an den Autobahn-Schnellladesäulen laden. Das Einzige was sich ändert, ist der Kraftstoff, den wir tanken.

Seit wenigen Tagen bin ich auch privat elektrisch unterwegs. Auf die Erfahrungen in den nächsten Monaten freue ich mich sehr. Denn auch das gehört meiner Meinung nach zu unserem Job: nicht nur Wasser predigen, sondern auch Wasser trinken.

Porträt
Name

Daria Paluch

Ausbildung

Wirtschafts-und Umweltjuristin, LL.B. , Umweltingenieurin, M.Eng.

Kontaktdaten

Zum Römergrund 2-6
55286 Wörrstadt

daria.paluch@vgwoerrstadt.de
Tel. 06732/60150-71

Bundesland

Rheinland-Pfalz

Verbandsgemeinde Verbandsgemeinde Wörrstadt (im Landkreis Alzey-Worms)
Einwohnerzahl und Größe der Verbandsgemeinde Der Verbandsgemeinde gehören die Stadt Wörrstadt sowie zwölf eigenständige Ortsgemeinden an, die ca. 29.000 Einwohner zählen.
Meine Verortung in der Kommune

Fachbereich Bauen und Umwelt

Ich bin Klimaschutzmanagerin für...

die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes.

Projektlaufzeit

01/2015 – 12/2017

Highlights der vergangenen Monate

Ausgewählte Maßnahme im Bereich Mobilität

Zertifizierung als dena-Energieeffizienz-Kommune

Teilnahme am European Energy Award

Zum Römergrund 2-6
Wörrstadt
55286
8.1200570
49.8470280
Förderprogramm