Nahaufnahme Klimaschutz
Mai 2017

Eva Mutschler-Oomen, Gemeinden Bahlingen, Endingen und Forchheim

Eva Mutschler-Oomen, Klimaschutzmanagerin für die Gemeinden Bahlingen, Endingen und Forchheim. Ob bei der Einführung eines kommunalen Energiemanagements oder der Erstellung von Sanierungsplänen – als Klimaschutzmanagerin für Bahlingen, Endingen und Forchheim sucht Eva Mutschler-Oomen nach den Einsparpotenzialen in gleich drei Gemeinden. Dabei hat sie längst nicht nur die großen Projekte, sondern auch die kleinen Schritte im täglichen Leben im Fokus.
Zitat
„Klimaschutz bedeutet für mich, täglich mit kleinen (Fort)schritten zufrieden zu sein: ein gutes Gespräch mit einem Hausmeister, ein Bürger, der seine Heizungspumpe tauscht, ein Kind, das sich Gedanken über die Flugananas macht. Diese Dinge sind oft nicht bilanzierbar, aber die Basis für ein gesellschaftliches Umdenken.“

SK:KK: Sie sind als Klimaschutzmanagerin für drei Gemeinden zuständig. Bedeutet das auch dreifache Arbeit? Oder überwiegen die Synergien?

Eva Mutschler-Oomen: Beides. Auf der einen Seite bedeuten drei Gemeinden auch drei unterschiedliche Organisationsstrukturen, Zuständigkeiten und jeweils andere Kolleginnen und Kollegen. Allerdings kommt mir hier vor Ort entgegen, dass Endingen und Forchheim eine Verwaltungseinheit bilden und Forchheim als kleinste der von mir betreuten Gemeinden eine überschaubare Zahl an öffentlichen Gebäuden hat. Das macht zum Beispiel die Einführung eines kommunalen Energiemanagements einfacher. Synergien gibt es ganz klar im Bereich der Fördermittelrecherche, bei der Erstellung und Aktualisierung der Internetseiten, bei Mitteilungen für die jeweiligen Amtsblätter oder bei der Organisation von Beratungen und Veranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger.

SK:KK: Worin liegen die größten Herausforderungen im Klimaschutzmanagement für drei Gemeinden?

Eva Mutschler-Oomen: Mein Büro ist im Hauptamt von Endingen, und damit in der größten der drei Kommunen. In Bahlingen bin ich stundenweise und in Forchheim nur nach Bedarf. Da die konkreten Projekte und Themen in den drei Gemeinden unterschiedlich sind, ist das „Switchen“ zwischen den Gemeinden manchmal anstrengend. Außerdem bin ich in der Gemeinde, in der mein Büro ist, natürlich viel präsenter und bekomme wesentlich mehr mit.

Die größte Herausforderung liegt sicherlich darin, Ruhe zu bewahren. Der Start in drei Gemeinden benötigt meiner Meinung nach dreimal so viel Zeit wie in einer einzelnen Gemeinde. Da ist es wichtig, Geduld zu haben. Mein Ziel ist, in allen drei Gemeinden ein kommunales Energiemanagement einzuführen – auf diese Weise lassen sich schließlich hohe Einsparungen erzielen. Das bedeutet zu Beginn sehr viel Arbeit. Ich hoffe allerdings, dass es nach und nach einfacher wird. Inzwischen habe ich schon mehr Routine bekommen. Und für manche Schulungen oder Veranstaltungen habe ich mittlerweile Ideen und Konzepte in der Schublade, die ich an geeigneter Stelle nur noch herausholen muss.

SK:KK: Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Voraussetzungen für eine gelungene interkommunale Kooperation im Klimaschutz?

Eva Mutschler-Oomen: Eine gute und klare Kommunikation der Kommunen untereinander ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Was macht man zusammen? Welche Prioritäten setzt jede Kommune für sich? Was für die eine Kommune ein wichtiges Anliegen ist, muss es nicht zwangsläufig auch für die andere sein, „nur“ weil sie zusammen ein Klimaschutzkonzept erstellt haben.

SK:KK: Zu Ihren Schwerpunkten zählt die Einführung eines kommunalen Energiemanagements. Wie gehen Sie hier vor?

Eva Mutschler-Oomen: Zunächst habe ich mir einen Überblick über die öffentlichen Gebäude verschafft und mir deren Verbräuche in den letzten Jahren angeschaut. Die größeren Verbraucher standen und stehen natürlich im Fokus. Nach und nach nehme ich auch kleinere hinzu. Jetzt versuche ich – auch durch die Erstellung von Sanierungsfahrplänen für einzelne Gebäude – eine Prioritätenliste von Maßnahmen zu erstellen. Da gehört natürlich auch dazu, abzuschätzen, mit welchen gering-investiven Maßnahmen ich etwas erreiche. Schließlich können die investiven Maßnahmen nicht sofort und vor allem nicht gleichzeitig umgesetzt werden. Aber ich bin ganz klar auf der Suche nach den größeren Einsparpotentialen – vor allem finanziell. Man steht schon unter einem gewissen Druck, da sich die Stelle schnell rechnen soll, am liebsten im ersten Jahr – was utopisch ist. Ich hoffe ich bin noch hier, wenn meine Arbeit Früchte trägt.

SK:KK: Welche Themen sind aus Ihrer Sicht besonders geeignet, um auch die Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz zu sensibilisieren?

Eva Mutschler-Oomen: Ich persönlich versuche das vor allem über alltägliche Themen. Zu den Energiewendetagen im letzten September zum Beispiel gab es regionalen Bioeintopf, eine Upcycling-Werkstatt hat ihre Objekte vorgestellt und die Kinder haben aus Getränkepackungen Geldbeutel gebastelt. Außerdem hatten die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, eine Einschätzung ihrer Stromrechnung im Hinblick auf die Nutzung und Größe ihrer Wohnung oder ihres Hauses einzuholen.

Und wenn mir jemand erzählt, er könne ja gar nicht viel für den Klimaschutz tun, weil er kein Geld habe, um sein Haus zu sanieren, dann frage ich ihn, ob er denn wenigstens im Supermarkt auf die Plastiktüte verzichten könnte oder das Licht immer ausmacht, wenn er aus dem Zimmer geht.

SK:KK: Sie besuchen regelmäßig Netzwerktreffen und tauschen sich mit Klimaschutzmanagerinnen und -managern anderer Gemeinden aus. Wie wichtig ist dieser Austausch für Ihre eigene Tätigkeit?

Eva Mutschler-Oomen: Sehr wichtig. Wir haben hier in der Region eine tolle Runde, die sich alle acht Wochen trifft. Zudem gibt es einmal jährlich ein großes landesweites Treffen. Vor allem die regionale Runde ist für mich hilfreich. Inzwischen kennen wir uns untereinander sehr gut. Dadurch kann man im Alltag schnell mal zum Hörer greifen oder per Mail in der Runde abfragen, ob jemand in diesem oder jenem Bereich schon Erfahrungen gesammelt hat. Wenn man eine Mail schreibt, bekommt man innerhalb von 24 Stunden so viel nützliches Wissen und praktische Tipps, wie man im Alleingang vermutlich nur über mehrere Tage hätte zusammentragen können oder über eine Recherche im Internet gar nicht erst gefunden hätte.

Porträt

Name

Eva Mutschler-Oomen

Ausbildung

Dipl.-Ing. Landschaftplanung (TU Berlin)

MBA Sustainability Management (Leuphana Universität Lüneburg)

Kontaktdaten

Stadtverwaltung Endingen
Bürgerhaus
St. Jakobsgässli 4
79346 Endingen

Mutschler-oomen@endingen.de
Tel. 07642/6899-60

Bundesland

Baden-Württemberg

Gemeinden

Bahlingen, Endingen, Forchheim

Einwohnerzahl und Größe der Gemeinden

Bahlingen: 4.300 Einwohner, Endingen: 9.200 Einwohner, Forchheim: 1.400 Einwohner

Meine Verortung in der Kommune

Organisatorisch: Hauptamt

Räumlich: Bürgeramt

Ich bin Klimaschutzmanagerin für...

…die Umsetzung des interkommunalen Klimaschutzkonzeptes der drei Gemeinden.

Projektlaufzeit

1.2.2016 – 31.1.2019

Highlights der vergangenen Monate

Aufbau eines kommunalen Energiemanagements für alle drei Kommunen

Teilnahme an der Fortbildung der KEA zum „energiemanager kommunal“

Durchführung von Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen:

- Informationsabend zum Thema energetische Sanierung

- „Klimafrühstück“ für Kinder im Rahmen der Ferienspielaktion

- Aktion auf dem Marktplatz im Rahmen der baden-württembergischen Energiewendetage gemeinsam mit ehrenamtlichem Arbeitskreis

- Informationsabend zum Thema „Energie sparen“ beim Gewerbeverein

Initialberatungen für Bürgerinnen und Bürger

Begleitung der meisten aktuellen, städtischen Bauvorhaben bei Fragen rund um das Thema Energie

St. Jakobsgässli 4
Endingen
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48.1426600
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