Nahaufnahme Klimaschutz
November 2018

Felix Schmigalle, Klimaschutzmanager des Ilm-Kreises in Thüringen

Von Mitfahrbänken über E-Autos bis zum „Möhrchenheft“: Im thüringischen Ilm-Kreis trägt der Klimaschutz zur regionalen Entwicklung bei und stärkt den Zusammenhalt. Klimaschutzmanager Felix Schmigalle hat viele Ideen, um Kommunen und Unternehmen künftig noch stärker zu unterstützen.
Zitat
„Den ländlichen Raum zu stärken, ist eine Herzensangelegenheit von mir! Gerade im Klimaschutz bekommen Städte oft die meiste Aufmerksamkeit. Dabei ist der ländliche Raum so wichtig, um im Klimaschutz voran zu kommen.“

SK:KK: Herr Schmigalle, Sie sind jetzt seit gut drei Jahren Klimaschutzmanager im Ilm-Kreis. Wie war Ihr Weg dorthin?

Felix Schmigalle: Der Klimaschutz und insbesondere die erneuerbaren Energien haben mich schon seit meinem Studium gepackt. Der kommunale Klimaschutz war sogar das Thema meiner Abschlussarbeit. Ich habe meinen Master in „Regionalentwicklung und Naturschutz“ an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde gemacht, später einen Bioenergiehof aufgebaut und geleitet sowie als Regionalmanager in Thüringen und Bayern gearbeitet. Für meine Tätigkeit als Klimaschutzmanager in Thüringen war ich also bestens vorbereitet, zumal ich in Weimar aufgewachsen bin.

SK:KK: Sie arbeiten in einer ländlichen Region, die von Erfurt bis zum Rennsteig reicht. Sie haben Regionalentwicklung studiert und beschäftigen sich auch in Ihrer jetzigen Arbeit leidenschaftlich mit dem Thema Klimaschutz im ländlichen Raum. Warum?

Felix Schmigalle: Den ländlichen Raum zu stärken, ist eine Herzensangelegenheit von mir! Gerade im Klimaschutz bekommen Städte oft die meiste Aufmerksamkeit. Dabei ist der ländliche Raum so wichtig, um im Klimaschutz voran zu kommen. Viele Menschen auf dem Land sind auf ihr Auto angewiesen. Mobil zu sein und gleichzeitig das Klima zu schützen, ist hier eine große Herausforderung. Zugleich gibt es im ländlichen Raum so viel Potenzial, um erneuerbare Energien auszubauen – sei es durch Windkraft, Biogas oder Freiflächen für Photovoltaik. Die Menschen hier sind oft sehr stark verwurzelt. Sie kümmern sich um ihre Region, sie sind zusammen in Vereinen – sie können also gut vor Ort für den Klimaschutz aktiviert werden.

SK:KK: Auch wirtschaftlich kann der Klimaschutz viel dazu beitragen, die Region zu stärken. Wie sind Sie hier als Klimaschutzmanager eingebunden?

Felix Schmigalle: Der Klassiker ist die Umstellung der Beleuchtung auf LED. Die Einsparungen sind schnell in den Kommunen spürbar und die frei werdenden finanziellen Mittel schaffen Spielräume für die Entwicklung vor Ort. Mit unserer regionalen Energiegenossenschaft „Bürgerkraft Thüringen eG“ bieten wir zudem die Versorgung mit erneuerbaren Energien zu günstigen Preisen an. Und wir verknüpfen die Erneuerbaren mit dem für die ländliche Region so wichtigen Thema Mobilität, indem wir etwa in Gräfenroda und auf unserem Landratsamt Photovoltaikanlagen installieren, die Strom für die Nutzung in den Gebäuden erzeugen und zugleich Elektrofahrzeuge für das Carsharing aufladen. Durch klimafreundliche Mobilität die Menschen in der Region zu halten – das wollen wir auch mit den 31 Mitfahrbänken erreichen, die wir ab dem kommenden Frühjahr im Kreis aufstellen werden.

SK:KK: Sie machen sich dafür stark, dass schon den Kleinen Klimaschutz nahegebracht wird: Das „Möhrchenheft“ kommt bei den Grundschülerinnen und -schülern im Landkreis richtig gut an! Was steckt dahinter?

Felix Schmigalle: Das „Möhrchenheft“ ist ein nachhaltiges Hausaufgabenheft, das Kindern anschaulich den Klima- und Umweltschutz nahebringt. Ich bin überzeugt, dass das Thema Klimaschutz früh vermittelt werden sollte und über die Kinder können wir auch die Eltern einbinden. Wenn es uns gelingt, die Themen mit erlebbaren Projekten im Kreis zu verknüpfen, können wir viel erreichen. So stellen wir im „Möhrchenheft“ zum Beispiel die Frage: „Wie kommst du zur Schule?“ Das ist auch für die Eltern ein Anstoß, das Mobilitätsverhalten zu hinterfragen. Und wir zeigen dann konkret erfahrbare Alternativen auf, etwa mit dem E-Mobilitätsangebot in Gräfenroda und im Landratsamt.

SK:KK: Sie arbeiten seit März 2015 als Klimaschutzmanager im Ilm-Kreis, und das mit viel Erfolg: Die Fortsetzung Ihrer Arbeit soll  auch nach dem Auslauf der Förderung im Frühjahr 2020 durch eine Festanstellung gesichert werden. Wenn Sie Ihre bisherige Tätigkeit Revue passieren lassen: Was hat Ihnen den Einstieg erleichtert, welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

Felix Schmigalle: Mir hat es sehr geholfen, mit einem Projekt zu starten, das schnell Erfolg zeigte. Das war für mich das „Möhrchenheft“. Mich hat es sehr motiviert, zu sehen, wieviel wir damit in der Umweltbildung bewegen. Und es hat geholfen, mich im Kreis bekannt zu machen und Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen. Die Schwerpunkte meiner Arbeit sind weiterhin die erneuerbaren Energien und die klimafreundliche Mobilität. Auf diesen Feldern haben wir schon viel in Bewegung gebracht.

SK:KK: Sie arbeiten im thüringischen Arnstadt, in der Nähe des Industriestandortes „Erfurter Kreuz“. Das haben Sie genutzt, um auch einige spannende Unternehmensinitiativen zum Klimaschutz voranzubringen.

Felix Schmigalle: Ja, seit einigen Jahren nimmt die Bereitschaft der Unternehmen im Kreis zu, sich für den Klimaschutz in der Region zu engagieren. Mit Unternehmen im Gewerbegebiet „Erfurter Kreuz“, das größte in Thüringen, ist ein dezentrales Kälte- und Wärmenetz geplant, das allein mit Biomasse betrieben wird. Auch beim Thema Mobilität haben wir mit Unternehmerinnen und Unternehmern viel erreicht, zum Beispiel wurden Job-Fahrräder angeschafft und die Buslinien besser getaktet.

SK:KK: In den gut dreieinhalb Jahren Ihrer Tätigkeit ist nicht immer alles glatt gelaufen. Welche Hürden müssen und mussten Sie meistern?

Felix Schmigalle: Den Klimaschutz wirklich fest in der Verwaltung zu verankern, ist ein langer Prozess. Da hakt es immer wieder. Die nötigen Veränderungen und Projekte anzustoßen und umzusetzen, ist in den engen Strukturen der Verwaltung oft schwer. Auch die vielen administrativen Aufgaben nehmen leider viel Zeit in Anspruch, die mir dann für konkrete Projekte fehlt. Deshalb wollen wir im Ilm-Kreis noch in diesem Jahr die ersten Schritte gehen, um eine Energie- und Klimaschutzagentur zu gründen. Mit mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wollen wir dann noch umfänglicher als Klimaschutzdienstleister für unsere Kommunen und Unternehmen da sein.

SK:KK: Das sind ehrgeizige Pläne. Wenn Sie einen Blick in die Glaskugel werfen: Was wird sich in den nächsten Jahren in Sachen Klimaschutz im Ilm-Kreis tun?

Felix Schmigalle: Unser Klimaschutznetzwerk im Landkreis wird noch enger zusammenarbeiten und weiter wachsen. In den größeren Städten werden wir noch mehr Projekte realisieren, die für alle Kommunen im Ilm-Kreis Vorbild sein können, vor allem bei der Elektromobilität und in der Bildung. Wir werden uns noch stärker damit beschäftigen, wie alle Bürgerinnen und Bürger den Klimaschutz in ihr eigenes Leben integrieren können. Und der Klimaschutz in der Landwirtschaft wird mehr Gewicht bekommen. Persönlich wünsche ich mir, mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an meiner Seite zu haben, um viel machen und erreichen zu können!

  • Das „Möhrchenheft“ kommt bei den Grundschüler_innen gut an!
    © Landratsamt Ilm-Kreis
  • Mit dem E-Carsharing Angebot wird die Mobilität im Ilm-Kreis nachhaltiger.
    © Landratsamt Ilm-Kreis
  • Mit Klimaschutzbechern setzt sich Felix Schmigalle im Ilm-Kreis für die Reduzierung von Müll ein.
    © Landratsamt Ilm-Kreis
  • Eine Grundschulklasse sitzt mit der Landrätin Petra Enders und Felix Schmigalle im Halbkreis um einem Tisch. Auf dem Tisch sind die Möhrchenhefte aufgestellt.
  • Felix Schmigalle und drei weitere Leute stehen neben einem E-Fahrzeug.
  • Vier farbige Becher stehen nebeneinander.
Name / Ausbildung

Felix Schmigalle

International Forest Ecosystem Management (B.Sc.),
Regionalentwicklung und Naturschutz (M.Sc.)

Kontaktdaten

Landratsamt Ilm-Kreis
Ritterstraße 14
99310 Arnstadt


Tel: 03628 738-119
Fax: 03628 738-111

 
E-Mail: f.schmigalle@ilm-kreis.de
Webseite: ilm-kreis.de/klimaschutz

Bundesland Thüringen 
Kommune Ilm-Kreis
Einwohnerzahl und Größe des Landkreises

ca. 108.000 Einwohnerinnen und Einwohner
843,71 km²

Unsere Verortung in der Gemeinde Arnstadt (Kreisstadt und Sitz der Kreisverwaltung)

Wir sind Klimaschutzmanagerin und Klimaschutzmanager für…

Die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts des Ilm-Kreises seit 2015

Projektlaufzeit

03/2015 - 03/2018: Erstvorhaben Klimaschutzmanagement
04/2018 - 04/2020: Anschlussvorhaben Klimaschutz

Highlights der vergangenen Monate •    Beschaffung von zwei E-Fahrzeugen für den kommunalen Fuhrpark inkl. Carsharing Schnittstelle
•    Umsetzung von fünf Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Liegenschaften mit der Bürgerenergie-genossenschaft „Bürgerkraft Thüringen eG“
•    Fertigstellung Klimaanpassungskonzept mit der Landesenergieagentur
•    Bewilligung von 31 Mitfahrbänken für 8 Gemeinden im Thüringer Wald
•    Umsetzung des dritten „Möhrchenheftes“ (Hausaufgabenheft) und Bereitsstellung an 80 % aller Grundschülerinnen und Grundschüler im Ilm-Kreis  
•    Schaffung eines E-Carsharing Angebotes im ländlichen Raum (Oberes Geratal) mit dem Namen „Geratalstromer“
•    Aufstellung einer Richtlinie zur nachhaltigen Beschaffung im Landratsamt gemeinsam mit dem Verein „Zukunftsfähiges Thüringen e.V.“

(Einspar-)Effekte

CO2: 50.000 Tonnen (2015 - 2018)
Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt des Kreises

ilm-kreis.de/klimaschutz

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