Nahaufnahme Klimaschutz
Januar 2018

Florian Diepold-Erl, Klimaschutzmanager des Landkreises Garmisch-Partenkirchen

Florian Diepold-Erl ist Klimaschutzmanager im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und damit in einer Region, die durch starke Gegensätze geprägt ist. So hat zum Beispiel nicht nur der Skitourismus einen hohen Stellenwert, sondern auch die traditionelle Almwirtschaft. Im Interview erklärt er, welche Schwerpunkte der Landkreis im Klimaschutz setzt.
Zitat
„Mein Ziel ist, auf bestehendes Engagement und Strukturen aufzubauen und nach regional passenden Lösungen zu suchen. Ich sehe mich dabei vor allem als Ideengeber, Motivator und Unterstützer.“

SK:KK: Sie sind seit September 2016 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen tätig und damit der erste Klimaschutzmanager auf Landkreisebene. Gab es bestehende Strukturen, auf die Sie aufbauen konnten?

Florian Diepold-Erl: Vor mir gab es innerhalb des Landkreises bereits im Markt Murnau eine Klimaschutzmanagementstelle, in deren Rahmen sehr viele Maßnahmen auf den Weg gebracht wurden. Zugleich stimmen sich alle Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager Oberbayerns und aus dem Oberland regelmäßig ab und planen gemeinsame Projekte, wie zum Beispiel den Klimafrühling Oberland.

Außerdem gibt es sehr aktive Kommunen mit Arbeitskreisen sowie ein Tourismus- und Regionalmanagement auf Landkreisebene, das gemeinsamen Projekten und Ideen sehr aufgeschlossen gegenübersteht. Diese Strukturen bieten mir gute Kooperationsmöglichkeiten.

SK:KK: Sie sind für insgesamt 22 Gemeinden zuständig. Wie gelingt es angesichts dieser großen Anzahl, zu allen Gemeinden Kontakt zu halten?

Florian Diepold-Erl: Grundlage meiner Arbeit ist ein integriertes Klimaschutzkonzept für 15 Gemeinden. Mein Ziel ist, Angebote für alle 22 Gemeinden zu schaffen. Ich habe das Glück, dass unsere Kommunen untereinander sehr gut vernetzt sind. Regelmäßige Dienstbesprechungen der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ermöglichen mir, meine Themen anzubringen. Außerdem versende ich Newsletter und biete immer wieder Veranstaltungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten an. Trotz der Unterschiede im Landkreis gibt es sehr viele Themen, wie etwa Mobilität oder Sanierung, die für alle Kommunen gleichermaßen relevant sind und Synergien ermöglichen.

SK:KK: Welche Synergien sind das?

Florian Diepold-Erl: Unsere Region ist sehr traditionsbewusst und naturverbunden. Somit steht jegliches Wirtschaften und Handeln sehr häufig unter der Maxime der Nachhaltigkeit – angefangen beim Häuserbau bis hin zur Land- und Forstwirtschaft. Basierend auf diesen Werten ergeben sich für mich sehr fruchtbare Kooperationen mit dem Regionalmanagement, den Tourismusverbänden, der Wirtschaftsförderung und natürlich den Naturschutzverbänden. Aber auch die kommunalen Energieversorger sind wichtige und treibende Akteure.
Zudem haben wir als touristisch orientierter Landkreis an der Grenze zu Österreich immer mehr Probleme mit dem hohen Verkehrsaufkommen bei der An- und Abreise und dem Transitverkehr. Hier haben wir die Chance, den Öffentlichen Personennahverkehr sowie den Tourismus neu auszurichten und zu gestalten.

SK:KK: Insbesondere der Skitourismus ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor im Landkreis. Wie lässt sich das mit dem Klimaschutzgedanken übereinbringen?

Florian Diepold-Erl: Natürlich besteht hier ein gewisser Konflikt. Der Skitourismus ist im Landkreis Garmisch-Partenkirchen nicht wegzudenken. Aktuell ist immerhin kein Ausbau der Skigebiete geplant und die Anlagen sowie angebundene Gastronomiebetriebe werden sehr energieeffizient betrieben. Die größten Ansatzpunkte für meine Tätigkeit ergeben sich im Bereich der An- und Abreise der Touristinnen und Touristen sowie der Mobilität in und zwischen den Orten.

SK:KK: Ist es da in Bezug auf den Sommertourismus einfacher?

Florian Diepold-Erl: Ja, hier ist das Angebot sehr viel ausdifferenzierter. Im Wander- und Radtourismus ist eine deutliche Entwicklung im Sinne des Klimaschutzes zu erkennen. Vor allem die Etablierung der E-Bikes und Pedelecs haben eine richtige “Radlwelle“ losgetreten. Um diesen Enthusiasmus zu nutzen, setzen wir derzeit gemeinsam mit dem Regionalmanagement ein Radwegekonzept mit dem Titel „Klimafreundliche Wege durch den Landkreis“ um. In diesem Bereich sind auch die Kommunen sehr aktiv. Auf dem Staffelsee soll in Zukunft ein Elektroboot für die Rundfahrten eingesetzt werden. Zur diesjährigen Landesausstellung in Ettal können die Gäste öffentlich anreisen und vor Ort bereitgestellte Pedelecs nutzen.

SK:KK: Neben dem Tourismus kommt der Landwirtschaft eine hohe Bedeutung zu. Gibt es spezielle Maßnahmen und Projekte, mit denen Sie sich an die Landwirtinnen und Landwirte wenden?

Florian Diepold-Erl: Bei der Energiewende hat sich gezeigt, dass gerade die Landwirtinnen und Landwirte zu den Pionierinnen und Pionieren zählen. Sie haben die ersten Photovoltaikanlagen montiert und sich schon frühzeitig mit Biogas- oder Hackschnitzelanlagen auseinandergesetzt. Hinzu kommt, dass es hier noch sehr viel Almwirtschaft gibt. Die Versorgung und Bewirtschaftung in diesem Bereich ist seit jeher sehr effizient, am Klima orientiert und oft autark. Inzwischen greifen immer mehr Handwerksbetriebe auf dieses Wissen zurück.

SK:KK: Ein tolles Angebot hat das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten im Landkreis entwickelt. Hier können interessierte Landwirtinnen und Landwirte kostenlos eine Verbrauchsanalyse sowie eine Energieberatung in Anspruch nehmen. Gibt es weitere Schwerpunkte, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Florian Diepold-Erl: Ich versuche den Bereich Bildung und Information immer mehr auszubauen. In diesem Jahr planen wir eine Aufstellung sämtlicher Bildungsangebote im Landkreis, beginnend bei spielerischen Veranstaltungen in Kindertagesstätten bis hin zu kostenlosen Fachvorträgen in Gymnasien.

Ein großer Glücksfall ist, dass wir mit dem Schneefernerhaus auf der Zugspitze eine der weltweit renommiertesten Klimaforschungsstationen haben, die der Region aktuelle Forschungsergebnisse zum heimischen Klima zur Verfügung stellt.

Großen Wert legen wir auch auf die Schulung unserer und der kommunalen technischen Angestellten. Außerdem werden wir gemeinsam mit der Volkshochschule und der Verbraucherzentrale Bayern im Laufe des Jahres Praxisseminare für Bürgerinnen und Bürger anbieten, bei denen das Energiesparen und einfache Sanierungsmaßnamen im Vordergrund stehen.  

 

  • E-Automobil im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
    © Gabriela Königbauer
  • Klimagipfel aller Klimaschutzmanager und Klimaschutzmanagerinnen sowie Beauftragten im Oberland
    © Landratsamt Garmisch-Partenkirchen
  • Menschen versammeln sich um ein E-Auto, die Türen des Autos sind geöffnet
  • Zehn Erwachsene stehen vor einem verschneiten Alpenpanorama


 

Name Florian Diepold-Erl
Ausbildung

Lehramt Gymnasium Deutsch, Geographie
Universität Stockholm: Nachhaltige Stadt- und Regionalplanung

Kontaktdaten

Tel. 08821 751-401
E-Mail: klimaschutz@lra-gap.de

 

Bundesland Bayern
Landkreis Garmisch-Partenkirchen
Einwohnerzahl und Größe des Landkreises

86.569 (Stand 31.12.2016)
Fläche: 1012 km2

Meine Verortung im Landkreis Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, Bauamt

Sie sind Klimaschutzmanager für…

den Landkreis Garmisch-Partenkirchen und die Landkreiskommunen

Projektlaufzeit

September 2016 – Oktober 2019
Highlights der vergangenen Monate  

Projekt „Wander-e-Auto“: Jede interessierte Kommune bekommt für sechs Wochen kostenlos ein Elektrofahrzeug inklusive Ladesäule zur Verfügung gestellt, welches im Fahrzeugpool sowie von den Bürgerinnen und Bürgern und Gästen genutzt werden kann.

Vom 20.02.2018 bis zum 03.02.2018 bietet der „Klimafrühling Oberland 2018“ eine Plattform für Veranstaltungen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen, Vereinen und Unternehmen im Bereich Klimaschutz.

Umstellung des Fahrzeugpool vom Landratsamt: vier Elektroautos und zwei Elektrofahrräder

Hausmeisterschulung für Haustechnikerinnen und Haustechniker des Landratsamtes und der Kommunen

Kommunales Energiemanagement: Erfassung der Energieverbräuche der Liegenschaften

Klimagipfel auf der Zugspitze mit allen Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanagern sowie Klimaschutzbeauftragten der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und den jeweiligen Gemeinden

Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt des Landkreises

www.lra-gap.de
www.lra-gap.de/de/klimaschutz.html (derzeit im Umbau)
www.klimafrühling.de

Förderprogramm
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