Nahaufnahme Klimaschutz
August 2017

Jan Heinichen, Klimaschutzmanager des Landkreises Gotha (Thüringen)

Ob im Bereich der Elektromobilität oder beim Thema kommunales Energiemanagement – im Landkreis Gotha nimmt der Klimaschutz immer mehr Fahrt auf. Eine wichtige Schnittstelle für sämtliche Klimaschutzaktivitäten bildet Jan Heinichen. Er ist Klimaschutzmanager des Landkreises und bemüht sich insbesondere um die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch zwischen den 47 landkreiszugehörigen Gemeinden.
Zitat
„Klimaschutzarbeit ist eine spannende Querschnittsaufgabe. Eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, etwa im Bereich der Klimaschutz-Bildungsarbeit, der energetischen Gebäudesanierung oder des Ausbaus der Elektromobilität sowie deren Verstetigung sind erforderlich, um die bestehenden Treibhausgasminderungspotenziale heben zu können.“

SK:KK: Inwiefern unterscheidet sich das Klimaschutzmanagement eines ganzen Landkreises von dem einer einzelnen Stadt?

Jan Heinichen: Der Landkreis Gotha ist mit seinen rund 135.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in 47 Gemeinden, darunter fünf Städten, vier Verwaltungsgemeinschaften und zwei erfüllenden Gemeinden, der bevölkerungsreichste Landkreis Thüringens. Als Klimaschutzmanager stehe ich mit ganz unterschiedlichen Verwaltungen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt. Das sind zum einen die Verwaltungen der Städte und deren hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch kleine Gemeinden, in denen die Bürgermeisterinnen oder Bürgermeister ehrenamtlich tätig sind. Meine Aufgabe ist es, durch Netzwerkarbeit den Erfahrungsaustausch auszubauen. Mit dem „Kommunalen Energie- und Klimaschutzforum“ des Landkreises Gotha haben wir zum Beispiel eine Plattform geschaffen, welche sowohl der Beratung der Kommunen – etwa im Bereich der energetischen Sanierung der Straßenbeleuchtung und der unterschiedlichen Fördermöglichkeiten – als auch der Vernetzung und dem Informationsaustausch zwischen den Kommunen dient.

SK:KK: Der Landkreis Gotha zählt im industriellen Sektor zu den führenden Regionen in Thüringen. Welche Bedeutung hat der Klimaschutz in diesem Umfeld?

Jan Heinichen: Viele Industrieunternehmen im Landkreis Gotha engagieren sich bereits aktiv für den Klimaschutz. So erhielt beispielsweise ein Unternehmen für die Entwicklung eines innovativen Hybrid-Elektro-Nutzfahrzeuges, das für energieeffiziente Arbeitsabläufe in Kommunen entwickelt wurde, den „Thüringer Energieeffizienzpreis 2016“. Anfang des Jahres wurde außerdem der erste Förderbescheid aus dem Thüringer Programm zur Förderung des Eigenstromverbrauchs an ein Unternehmen aus dem Landkreis Gotha für den Bau einer Photovoltaikanlage übergeben. Dabei wird der erzeugte Strom im eigenen Betrieb genutzt und nicht ins öffentliche Netz eingespeist. Auch im Bereich der Elektromobilität sind einige Unternehmen schon sehr aktiv.

Generell ist für viele Unternehmen schon die Senkung der Betriebskosten ein wichtiger Anreiz für Klimaschutzinvestitionen. Allerdings besteht im Hinblick auf die Energieeffizienz noch immer ein enormes Potenzial zur Senkung von Energiekosten und Treibhausgasemissionen – etwa durch die Einführung eines betrieblichen Energiemanagements oder die Umrüstung auf hocheffiziente Beleuchtungssysteme. Darüber hinaus bietet die Nutzung von Industrieabwärme große Chancen. Das seit Mai 2017 im Internet veröffentlichte Abwärmekataster der Thüringer Energieagentur (ThEGA) zeigt diese Potenziale in vielen Unternehmen deutlich. Hier gilt es, den Austausch im Rahmen der bereits bestehenden Energieeffizienznetzwerke auszubauen, um das vorhandene Abwärmepotenzial noch besser nutzen zu können.

SK:KK: Der Landkreis Gotha ist auch bei Touristen sehr beliebt. Wie sieht es in diesem Zusammenhang in puncto Klimaschutz aus?

Jan Heinichen: Die Zahl der Touristen, die Elektrofahrräder nutzen, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Gerade bei längeren Anstiegen, etwa im Thüringer Wald, sind die Akkus der E-Bikes schneller entladen als im Flachland. So wird derzeit im Landkreis Gotha am Aufbau eines Netzes öffentlicher Ladestationen für Elektrofahrräder gearbeitet. Die erste öffentliche E-Bike-Ladestation mit ausreichend dimensionierten Schließfächern, in denen neben Ladegerät und Akku auch Helm und Gepäck Platz finden, wurde noch vor der aktuellen Fahrradsaison eröffnet. Weitere Stationen sind derzeit in Planung.

Auch bei den Ladesäulen für Elektro-Autos ist derzeit einiges in Bewegung. Die im Landkreis aktiven Energieversorgungsunternehmen errichten mit der Förderung von Bund und Land ein Netz von öffentlichen, rund um die Uhr zugänglichen Ladestationen, die keine vorherige Anmeldung beim Energieversorger erfordern. Damit können diese auch leicht von Touristen genutzt werden. Außerdem ermöglichen viele Hotels ihren Gästen, ihre Elektroautos in der Hotelgarage aufzuladen. Auch die Verwaltung des Landkreises besitzt bereits Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge in ihrer Flotte, die am Landratsamt mit Strom aus Erneuerbaren Energien geladen werden.

SK:KK: Ein eigens eingerichtetes Klimaschutzportal des Landkreises informiert über dessen Klimaschutzengagement. Welche weiteren Wege nutzen Sie in der Öffentlichkeitsarbeit?

Jan Heinichen: Wir versuchen, die Bevölkerung sowohl über Printmedien, wie zum Beispiel das Amtsblatt des Landkreises Gotha oder lokale Tageszeitungen, als auch über die Internetseite des Landkreises sowie in den sozialen Medien zu erreichen. Auch auf den Internetseiten der Presse wird über die Klimaschutzaktivitäten im Landkreis berichtet.

Für die Bewerbung der Energiemesse des Landkreises nutzen wir zusätzlich Plakate und Flyer, die an verschiedenen Stellen in den Kommunen des Landkreises ausgehängt und ausgelegt werden. Die Energiemesse bietet mir als Klimaschutzmanager eine gute Gelegenheit, aktiv auf die interessierten Besucherinnen und Besucher zuzugehen und Fragen bezüglich des Einsatzes Erneuerbarer Energien und von Speichertechnologien im eigenen Haus, der energetischen Sanierung und rund um die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten zu beantworten.

Wir planen außerdem eine eigene Ausstellung und Workshops zum Thema Klimaschutz speziell für Schulklassen. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler den Zusammenhang zwischen Ernährung und THG-Emissionen interaktiv und an verschiedenen Stationen erfahren können.

SK:KK: Die kommunalen Verwaltungen der 47 Gemeinden spielen eine Schlüsselrolle im Klimaschutzprozess des Landkreises. Wie finden Sie hier Mitstreiterinnen und Mitstreiter?

Jan Heinichen: Zuletzt habe ich zum Beispiel sehr gute Erfahrungen gemacht, als ich im Rahmen einer Informationsveranstaltung für die Kommunen des Landkreises, auf eine Schulung der Thüringer Energieagentur hingewiesen habe. Diese Schulung dient der Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltungen zu „Kommunalen Energiemanagern“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an dieser Schulung teilnahmen, berichteten im Anschluss mit Begeisterung von dem hohen Einsparpotenzial in den exemplarisch untersuchten Liegenschaften. So profitieren die Kommunen durch Einsparung von Energiekosten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten eine zertifizierte Zusatzqualifikation. Zudem werden energiebedingte Treibhausgasemissionen dauerhaft reduziert, da sich der Einspareffekt in jeder Jahresbilanz fortschreibt. Die positiven Rückmeldungen motivieren wiederum andere Kommunen, die Schulung zum „Kommunalen Energiemanager“ für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu nutzen.

  • Christel Friedrich nutzte mit Unterstützung von Drei-Gleichen-Bürgermeister Jens Leffler, Landrat Konrad Gießmann und Ortsteilbürgermeister Karsten Ullrich (v.l.) die Möglichkeit, den Akku ihres Rades an der 1. öffentl. Ladestation für E-Bikes zu laden
    © Landratsamt Gotha
  • Der Landrat Konrad Gießmann (links) lässt sich eines der beiden Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge vorführen, mit denen die Verwaltung Treibhausgasemissionen bei Dienstfahren reduzieren will.
    © Landratsamt Gotha
  • Plakat für die Energiemesse des Landkreises Gotha 2017
    © Landratsamt Gotha
  • Preisverleihung im Rahmen des Deutschen Klimapreises für das Schülerprojekt des von-Bülow-Gymnasiums Neudietendorf
    © umweltstiftung.allianz.de
  • Eine der permanent öffentlich zugänglichen Elektroladesäulen im Landkreis Gotha.
    © Landratsamt Gotha
  • Einweihung einer öffentlichen E-Bike-Ladestation
  • Landrat Konrad Gießmann lässt sich eines der neuen, in der Verwaltung eingesetzen Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge vorführen
  • Deutscher Klimapreis für Schülerprojekt des von-Bülow-Gymnasiums Neudietendorf
Name Jan Heinichen
Ausbildung Dipl.-Geograph
Kontaktdaten

Landratsamt Gotha

18.-März-Straße 50 (Zugang: Emminghausstr. 8)

99867 Gotha

Tel: 0 3621 214-299

E-Mail: bau.kreisentwicklung@kreis-gth.de

Bundesland Thüringen
Landkreis Landkreis Gotha
Einwohnerzahl und Größe des Landkreises

Einwohner: 135.231 (Stand 30.06.2016)

Fläche: 936 km²

Meine Verortung im Landkreis

Amt für Bauverwaltung und Kreisentwicklung

Sachgebiet Kreisentwicklung und Regionalplanung

Ich bin Klimaschutzmanager für…

die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzepts für den Landkreis Gotha und seine Kommunen.

Projektlaufzeit

01.04.2016 – 31.03.2019
Highlights der vergangenen Monate

Energetische Sanierung der Straßenbeleuchtung in den Kommunen des Landkreises

Vermittlung der Ausbildung „Kommunale/r Energiemanager/in“ für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gebäudeverwaltung in mehreren Kommunen des Landkreises

Errichtung einer öffentlichen E-Bike-Ladestation, weitere sind in Planung

Etablierung eines Kommunalen Energie- und Klimaschutzforums als Informations- und Austauschplattform für die Kommunen des Landkreises (Bisherige Themen: Energetische Sanierung der Straßenbeleuchtung, Bundes- und Landesfördermittel für kommunale Klimaschutzaktivitäten)

Überarbeitung der Klimaschutz-Internetseite des Landkreises (u. a. Energieberatungsangebote, Fördermöglichkeiten)

Vorbereitung der Energiemesse des Landkreises

Energiesparpakete mit Energiekostenmonitor und Tipps zum Energiesparen zur Ausleihe in Bibliotheken und im Medienzentrum des LandkreisesBildungsprojekt und Ausstellung zum ökologischen Fußabdruck in Schulen

Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt des Landkreises

Klimaschutzkonzept

Klimaschutzportal

Internetauftritt des Landkreises

 

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