Nahaufnahme Klimaschutz
März 2018

Johannes Götting, Klimaschutzmanager der Stadt Nordhausen

Ob Food-Sharing, schulfreie Erntetage oder die Wiederverwendung von Werkstoffen – in der Nordhäuser Zukunftszeitung beschreibt ein Redaktionsteam engagierter Bürgerinnen und Bürger, wie das Leben in der Kreisstadt im Jahr 2038 aussehen könnte. Für Klimaschutzmanager Johannes Götting ist die aktive Beteiligung der Nordhäuser Bürgerinnen und Bürger ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg der Energiewende.
Zitat
„Aktiver Klimaschutz ist die Chance für Nordhausen, die Energiewende gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger selbst in die Hand zu nehmen und eine zukunftsfähige Energieversorgung vor Ort zu organisieren.“

SK:KK: Erst im Bereich Public Affairs/ Nachhaltigkeit in einem großen Unternehmen in Hamburg, nun als Klimaschutzmanager in Nordhausen – wie haben Sie den Wechsel erlebt?

Johannes Götting: Generell birgt der Klimaschutz in Nordhausen sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Mit der Umsetzung der Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept profitieren die Bürgerinnen und Bürger langfristig von einer klimafreundlicheren und lokaleren Energieversorgung. Der Ausbau von Erneuerbaren Energien wie Wind und Biomasse senkt die Treibhausgasemissionen und fördert die Wertschöpfung in Nordhausen.

Natürlich ist die Arbeit einer öffentlichen Verwaltung stärker von der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Politik geprägt als es in einem Unternehmen der Privatwirtschaft der Fall ist. Letztendlich aber stärken das Engagement und der Dialog mit verschiedenen Interessengruppen, beispielsweise bei der Errichtung einer Biomethan-Anlage oder dem Ausbau des Fernwärmenetzes, den lokalen Zusammenhalt für die Herausforderung Klimaschutz in Nordhausen. Mit dem Nordhäuser Energieforum hat sich über viele Jahre eine Konferenz in der Stadt etabliert, die mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung zentrale Themen lokaler Energie- und Klimabelange diskutiert. So wurden zum Beispiel im Jahr 2016 aktuelle Fragen zum Klimawandel und zur Klimaanpassung in Thüringen erörtert.

SK:KK: Erfolgreicher Klimaschutz benötigt viele Unterstützerinnen und Unterstützer. Sie haben zuletzt gute Erfahrungen mit der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Zukunftszeitung für Nordhausen gemacht. Was steckt dahinter?

Johannes Götting: Die Zukunftszeitung ist das Ergebnis einer intensiven Beteiligung und Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern Nordhausens im Rahmen des Wettbewerbs Zukunftsstadt. Dabei hat die Stadtverwaltung in vier Zukunftswerkstätten mit Interessierten Ideen zu unterschiedlichen Themen entwickelt: etwa wie die aktuellen Herausforderungen der Energie- und Wertstoffwende, der Stadt-Land-Mobilität sowie des gemeinsamen Handelns hierzu gestaltet werden können. Daraufhin hat eine Bürgerredaktion einige der Ideen aufgegriffen und Texte aus der Perspektive des Jahres 2038 verfasst. Die Berichte blicken aus der Zukunft zurück und berichten über den Auftakt im Jahr 2016, Nordhausen zur ModellStadtRegion für den energetischen Wandel 2030+ zu gestalten und sie beschreiben, was sich seitdem verändert hat.

SK:KK: Wie sieht das Leben in Nordhausen aus der Perspektive von 2038 aus? Welche Visionen werden in der Zukunftszeitung beschrieben?

Johannes Götting: Die Visionen zielen unter anderem darauf ab, dass wir den energetischen Wandel in der Stadt und Region Nordhausen durch Teilen beziehungsweise gemeinsames Handeln positiv beeinflussen können. Die Artikel beschreiben das Vermeiden von Abfall durch Food-Sharing ebenso wie schulfreie Erntetage oder das Recycling von Baumaterialen, welches dafür sorgt, dass Wertstoffe im Kreislauf gehalten und Emissionen vermieden werden. Auch Themen wie Elektro-Carsharing oder die elektrisch-betriebene Sonderfahrt auf den Gleisen der Harzer Schmalspurbahn von Nordhausen auf den Gipfel des Brockens kommen zur Sprache.

SK:KK: Sind die dargestellten Ideen aus heutiger Sicht realistisch? Worin liegen die größten Herausforderungen?

Johannes Götting: Im Rahmen einer Quartiersstudie für den Stadtteil Nordhausen Nord haben wir einen Entwicklungspfad für eine 100 Prozent erneuerbare Zukunft entwickelt. Eine Analyse der Energiesektoren Strom, Wärme und Mobilität zeigt, wo die größten Anstrengungen nötig sein werden und wie eine wirtschaftlich darstellbare, zukunftsfähige Energieversorgung aussehen kann. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist in diesem Quartier und in Nordhausen bereits auf einem guten Stand. Sowohl private als auch kommunale Unternehmen investieren in Ladesäulen im Stadtgebiet. Den vom Land Thüringen prognostizierten und anvisierten Bau von neun Schnellladesäulen im Stadtgebiet werden wir bereits vor 2020 erreichen. Trotz dieses Erfolges wird es für eine Mobilitätswende wichtig sein, elektrisches Laden auch für Bewohnerinnen und Bewohner im Mietwohnungsbau zu ermöglichen. Hierzu kooperiert die kommunale Wohnungsgesellschaft bereits mit einem von Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Nordhausen gegründeten Unternehmen, das Ladesäulen errichtet und darüber hinaus eine Carsharing-Flotte mit Elektromobilen an mehreren Wohnquartieren für die Mieterinnen und Mieter bereithält.

SK:KK: Welche weiteren Vorteile birgt die Kooperation mit der Hochschule Nordhausen für Ihre Projekte und Maßnahmen?

Johannes Götting: Die Hochschule war als wissenschaftlicher Partner federführend an der Erarbeitung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes 2050 beteiligt. Die wissenschaftlichen Empfehlungen für den Ausbau des Fernwärmenetzes in Nordhausen setzen wir aktuell in der Praxis um. Mit dem Forschungsschwerpunkt GreenTec besitzt die Hochschule Nordhausen das Know-how, anwendungsbezogene Lösungen in den Themenfeldern Energieeffizienz und Einsatz Erneuerbarer Energien zu erforschen. Im Rahmen von Abschlussarbeiten untersuchen wir zudem Fragen der Stadtentwicklung. So wurden zum Beispiel die Bewohnerinnen und Bewohner in einem Nordhäuser Einfamilienhaus-Quartier nach der Investitionsbereitschaft in Solarmodule auf dem eigenen Dach befragt. Mit der Arbeit als Klimaschutzmanager kann ich den Austausch zwischen Forschung und öffentlicher Verwaltung koordinieren, so dass Forschungsergebnissen der Weg in die Praxis geebnet werden kann.

SK:KK: Öffentlichkeitsarbeit nimmt einen wichtigen Stellenwert im Rahmen Ihrer Tätigkeit ein. Wie erreichen Sie unterschiedliche Zielgruppen, wie zum Beispiel Schulkinder?

Johannes Götting: Die Stadtverwaltung Nordhausen veröffentlicht bereits seit über acht Jahren ein Hausaufgabenheft für Grundschülerinnen und Grundschüler. Inzwischen wurde das Hausaufgabenheft von einer überregionalen Thüringer Arbeitsgruppe weiterentwickelt. In dem jetzt unter dem Titel Mörchenheft auch in Jena, Weimar, Erfurt sowie dem Landkreis Nordhausen und dem Ilm-Kreis verteilte Hausaufgabenheft macht Kiki Karotte die Lernenden kindgerecht mit Nachhaltigkeitsthemen vertraut. Im Schuljahr 2016/2017 behandelte der tägliche Schulbegleiter die Themen Klima und Energie. Die größte Herausforderung bei der Mitarbeit an dieser Ausgabe bestand für mich darin, komplexe Themen wie Energieerzeugung und deren Auswirkungen auf das Klima pädagogisch wertvoll und nah an der Lebenswelt der Kleinsten aufzubereiten. Herausgekommen sind neben einem Hausaufgabenheft wertvolle Seiten und Spiele mit Tipps zum Umgang mit Energie im Alltag sowie Informationen über die Umweltauswirkungen der Verkehrsmittelwahl.

  • Die Biomethananlage in Nordhausen
    @ EVN Biomethan GmbH
  • Die Windkraftanlage versorgt Nordhausen mit erneuerbarem Strom
    © Windkraft Thüringen GmbH & Co. KG
  • Die Nordhäuser Zukunftszeitung
    © IBA Thüringen
Name / Ausbildung

 

Johannes Götting, Nachhaltiges Wirtschaften (M.A.)

 

Kontaktdaten

Stadtverwaltung Nordhausen
Markt 1
99734 Nordhausen

Dienstgebäude: Lutherplatz 5 (Postgebäude / Eingang Ecke Waisenstraße)

Tel.: 03631 696-332
Fax: 03631 696 87-332

E-Mail:  klimaschutz@nordhausen.de

Bundesland Thüringen 
Kreis Stadt Nordhausen
Einwohnerzahl und Größe des Landkreises

Ca. 42.217 Einwohner (31.12.2015)
auf ca. 105,3 km²

 

Unsere Verortung in der Gemeinde Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung Sachgebiet Umwelt und Grünordnung

Wir sind Klimaschutzmanagerin und Klimaschutzmanager für…

Die Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes 2050 der Stadt Nordhausen

 

Projektlaufzeit

02/2016 – 01/2019

Highlights der vergangenen Monate •    Beteiligung der Energieversorgung Nordhausen an Windkraftprojekten in Thüringen
•    Auszeichnung der Biomethan-Anlage in Nordhausen im Rahmen der Energie-Gewinner Kampange des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz
•    Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität
•    Hausaufgabenheft für Grundschüler Energie/ Klima im Schuljahr 2016/2017
•    Energiebedarfs- und Potenzialanalyse für das Quartier Nordhausen Nord
•    Weiterbildung zum kommunalen Energiemanager bei der Thüringer Energie- und GreenTech Agentur (ThEGA)

(Einspar-)Effekte (mit Vergleichsjahr)

  • CO2
  • Strom
  • Sonstiges
  • evtl. Kosten
  • Beteiligung an Windparkprojekten in Thüringen
    Erzeugung Erneuerbarer Strom: 4.749 MWh jährlich
    Einspareffekt: 2.484 t CO2-Äquivalente jährlich
  • Erzeugung Biomethan-Anlage:
    27 Mio. kWh jährlich
  • Versorgung von zwei Blockheizkraftwerken mit Biomethan zur Wärmeerzeugung in zwei Fernwärmeversorgungsgebieten
    Einspareffekt: 7200 t CO2-Äquivalente jährlich
Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt des Kreises

www.klimaschutz.nordhausen.de

 

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