Nahaufnahme Klimaschutz
September 2017

Manuela Zirngibl, Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Wiesent (Bayern)

Das Leben auf dem Land mit seinen Herausforderungen und Vorzügen ist Manuela Zirngibl zutiefst vertraut. Sie selbst stammt aus dem Landkreis Regensburg und nutzt diesen Vorteil nun für ihre Tätigkeit als Klimaschutzmanagerin der bayrischen Gemeinde Wiesent.
Zitat
„Heute entscheiden wir, wie wir morgen leben werden. Als Klimaschutzmanagerin möchte ich dazu beitragen, die richtigen Anker zu setzen.“

SK:KK: Sie sind seit Juli 2016 als Klimaschutzmanagerin in Wiesent tätig. Wie sieht Ihr Fazit nach einem Jahr in dem für Sie neuen Berufsfeld aus?

Manuela Zirngibl: Mittlerweile konnte ich gut Fuß fassen und habe viele der Bürgerinnen und Bürger von Wiesent persönlich kennengelernt. Es ist für mich nach wie vor spannend, die Theorie des Studiums auf die Belange unserer kleinen Dorfgemeinde anzuwenden. Was ich dabei am meisten schätze, ist die Bandbreite der Anforderungen. Sie erstreckt sich von technischen und ingenieurswissenschaftlichen Fragestellungen über pädagogische und psychologische Aspekte bis hin zu gestalterischen Tätigkeiten, etwa im Kommunikationsdesign. Denn in einer kleinen Gemeinde mit begrenzten Mitteln muss jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter meist mehrere Bereiche abdecken.  

SK:KK: Mit rund 2.500 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Wiesent eine sehr kleine Gemeinde. Welche Chancen aber auch besonderen Herausforderungen birgt das für Ihre Arbeit?

Manuela Zirngibl: Die Vielfalt der Aufgaben ist eine große Bereicherung für mich. Auch, dass ich so unmittelbar in die Dorfgemeinschaft eingebunden bin, ist sicherlich eine Besonderheit kleinerer Kommunen. Dadurch entwickeln sich persönliche Kontakte, über die oftmals auf direktem Weg und relativ spontan kleinere Maßnahmen initiiert werden können. Diese „kurzen Wege für den Klimaschutz“ setzen sich in der überschaubaren Gemeindeverwaltung fort. Auf der anderen Seite sind unsere Möglichkeiten natürlich auch begrenzt, beispielsweise wenn Fördervoraussetzungen mit Mindestinvestitionen gekoppelt sind, die den Budgetrahmen einer kleinen Gemeinde sprengen.

SK:KK: Welchen Stundenumfang hat Ihre Stelle?

Manuela Zirngibl: Ich habe eine Halbtagsstelle, das heißt die wöchentliche Arbeitszeit liegt bei 19,25 Stunden. Das hat für mich den Vorteil auch noch einen Lehrauftrag für Ingenieursmathematik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg wahrnehmen zu können.

SK:KK: Hilft es Ihnen im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern, dass Sie selbst auch aus dem Landkreis Regensburg kommen?

Manuela Zirngibl: Ja, ich stamme aus einer benachbarten Gemeinde und empfinde es durchaus als Vorteil, wenn man die „gleiche Sprache“ spricht, aber trotzdem nicht aus dem Ort kommt und unvoreingenommen auf jeden zugehen kann. Das Leben auf dem Land mit seinen Herausforderungen und seinen Vorzügen ist mir zutiefst vertraut.

Die meisten Menschen, mit denen ich bisher auf unseren verschiedenen Veranstaltungen in Kontakt gekommen bin, sind aufgeschlossen und diskussionsoffen für die Themen des Klimaschutzes. Sie berichten gerne von ihren Erfahrungen und bringen auch neue Ideen mit ein. Kritik wird oftmals sehr direkt zum Ausdruck gebracht. Schwierig einzuschätzen ist die „schweigende Mehrheit“.

SK:KK: Welchen Vorbehalten gegenüber dem Thema Klimaschutz begegnen Sie, etwa seitens der Landwirtinnen und Landwirte?

Manuela Zirngibl: Ich bin in einer Handwerkerfamilie aufgewachsen. Mein Vater war Schmied, Sanitärinstallateur und Spengler. Eine Landwirtschaft nebenher gehörte dazu. Inzwischen ist die Zahl der bäuerlichen Betriebe massiv geschrumpft. Landwirtinnen und Landwirte fühlen sich von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt. Den Klimaschutz nehmen sie in diesem Zusammenhang oft eher als Einschränkung und zusätzliche Schwierigkeit wahr. Daher begegnen sie dem Thema recht kritisch. In einer ländlichen Gemeinde ohne großartige Infrastruktur oder Industrie –  nur 10 Prozent der Gemeindefläche sind als Siedlungs- und Verkehrsfläche ausgewiesen – liegt in der Bewirtschaftung von Wald und Boden eines der größten Potenziale für den Klimaschutz. Denn ob Böden zur Treibhausgassenke oder -quelle werden, liegt an ihrer Beschaffenheit und der Art und Weise ihrer Bewirtschaftung.

SK:KK: Mit welchen Projekten und Maßnahmen haben Sie besonders gute Erfahrungen in Wiesent gemacht?

Manuela Zirngibl: Für die Menschen in Wiesent stehen aktuell ein geplanter Steinbruch mit dem dazugehörigen Schwerlastverkehr sowie die Trassenfestlegung der Gleichstrompassage „SüdOstLink“ im Fokus der Aufmerksamkeit. Die Sorge um die Natur vor der Haustür, um die Schönheit unserer Region „Vorderer Bayrischer Wald“ und natürlich um die eigene Gesundheit bewegt unsere Bürgerinnen und Bürger sehr. Beim Klimawandel dagegen handelt es sich um ein schwer zu fassendes weitgehend abstraktes Phänomen, welches in seiner Dringlichkeit noch nicht ausreichend wahrgenommen wird.

Den größten Erfolg versprechen meines Erachtens nach jene Klimaschutzprojekte und -maßnahmen, die schon jetzt den Alltag der Menschen unmittelbar aufwerten sowie einfach und kostengünstig umzusetzen sind. Mit unserer Thermografieaktion haben wir beispielsweise viele erreicht, die sich visuell einen Eindruck von etwaigen Wärmebrücken ihres Gebäudes verschaffen wollten und in dem Zusammenhang auch an einem weiterführenden Gespräch interessiert waren. Die erstmalig durchgeführte Aktion „STADTRADELN“ hat ebenfalls breiten Zulauf erfahren. Gerade auf dem Land führt das Radfahren eher ein Schattendasein und wird fast ausschließlich als Freizeitaktivität wahrgenommen. Die Chancen, die E-Bikes oder Pedelecs für Berufspendlerinnen und -pendler in die umliegenden Ballungszentren eröffnen, werden erst ansatzweise genutzt. Damit einhergehen muss natürlich auch eine angemessene Infrastruktur für den Radverkehr, denn unsere Landstraßen sind größtenteils Rennstrecken für immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer und lebensgefährlich für alles, was keine Knautschzone hat.

Ein Projekt, das es in der Form für die gesamte Region nur in Wiesent gibt, ist unsere „eMesse“, die wir zusammen mit dem Landkreis Regensburg ausrichten und die in diesem Jahr unter dem Motto „Energie gewinnen-speichern-nutzen“ steht. Viele Eigentümerinnen und Eigentümer von Photovoltaikanlagen fragen sich, welche Nutzungsmöglichkeiten nach dem Auslaufen der Einspeisevergütung für sie sinnvoll wären. Deshalb greifen wir das Thema auf und bieten jenen Ausstellerinnen und Ausstellern ein Podium, die den gesamten Kreislauf von der regenerativen Energiegewinnung über die Batteriespeicherung  bis hin zur Nutzung mittels Elektrofahrzeugen abdecken.

SK:KK: Welche Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden Sie in Wiesent? Gab es bereits bestehende Netzwerke, auf die Sie aufbauen können?

Manuela Zirngibl: Ich bin in der glücklichen Lage vor Ort einen Arbeitskreis engagierter und fachlich versierter Ehrenamtlicher vorzufinden, der sich zeitgleich mit der Erstellung des Integrierten Klimaschutzkonzepts vor fünf Jahren gegründet hat. Dieser Arbeitskreis hatte auch schon im Vorfeld Projekte angestoßen, zum Beispiel die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED. Unser Ziel ist es, den Arbeitskreis auszubauen und attraktiv für alle Wiesenter zu machen. So können wir die Anliegen der Bevölkerung im Arbeitskreis angehen und gleichzeitig die Belange des Klimaschutzes nach außen tragen.

 

Name Manuela Zirngibl
Ausbildung

Montessori Zertifikat

angestrebter Studienabschluss: MSc. env. (Masterarbeit momentan noch in Bearbeitung)

Kontaktdaten

Gemeinde Wiesent

Bahnhofstraße 15

93109 Wiesent
Tel: 09482 90958-24

E-Mail: manuela.zirngibl@realrgb.de

Bundesland Bayern
Gemeinde Wiesent
Einwohnerzahl und Größe der Gemeinde Ca. 2.500  Einwohnerinnen und Einwohner 
26,7 km²
Meine Verortung in der Gemeinde Klimaschutz und Energiebildung

Ich bin Klimaschutzmanagerin für…

die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes

Projektlaufzeit

1. Juli 2016 – 30. Juni 2019
Highlights der vergangenen Monate

Infoabende für Bürgerinnen und Bürger zur energetischen Sanierung und zur Permakultur

 

Thermographieaktion im Januar 2017

 

Kinoabend „Tomorrow“ mit anschließender Podiumsdiskussion

 

Ausflug zum Nahwärmenetz Lupburg mit Führung durch das BHKW und Besichtigung der Biogasanlage

 

Kasperletheater und Experimente im Kindergarten zum Klimaschutz

 

Filmszene zum Klimaschutz im Rahmen der „Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE)“

 

Aktion „Stadtradeln“ erstmalig für Wiesent

 

E-Car-Sharing in der Gemeinde

 

„Nimm-Zwei“-Aktion: Tausche Autoschlüssel gegen Pedelec

 

Lastenrad zum Ausleihen für den Kindergarten bzw. die Eltern

 

Anschaffung eines neuen Elektroautos für den Bauhof

 

Große Bürgerumfrage zum Energieverbrauch und Konsumverhalten

 

Beantragung der Ausgewählten Maßnahme „Heizungsumstellung der Schule auf Erneuerbare Energieträger“

 

Geplant: Wiesenter eMesse „Energie gewinnen-speichern-nutzen“ für die gesamte Region Regensburg

Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt des Landkreises

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