Nahaufnahme Klimaschutz
Dezember 2017

Masterplan-Kommune Lüchow-Dannenberg

Auch kleine Landkreise können Großes leisten! Bestes Beispiel ist der Landkreis Lüchow-Dannenberg, der mit seinen rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern als Deutschlands kleinster Landkreis gilt. Als Masterplan-Kommune zählt Lüchow-Dannenberg zu den bundesweiten Vorreitern im Klimaschutz. Im Mittelpunkt sämtlicher Aktivitäten steht dabei die Klimaschutzleitstelle Lüchow-Dannenberg. Hier laufen bei Masterplanmanagerin Franziska Dittmer, Klimaschutzmanager Hans-Albrecht Wiehler sowie Sara Tege als Expertin für Öffentlichkeitsarbeit alle Fäden zusammen.
Zitat
Es gilt Impulse zu setzen, einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, auf das Thema aufmerksam zu machen und vor allem jede Menge Spaß dabei zu haben!

SK:KK: Herr Wiehler, gemeinsam mit Franziska Dittmer und Sara Tege bilden Sie die Klimaschutzleitstelle Lüchow-Dannenberg. Wie kam es zu diesem Dreierteam?

Hans-Albrecht Wiehler: Dass wir hier als dreiköpfiges Team arbeiten können, ist das Ergebnis eines langjährigen und engagierten Vorgehens vieler unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure. Zahlreiche private und kommunale Initiativen setzen sich schon seit mehr als 20 Jahren für den Schutz des Klimas bei uns im Landkreis ein und gaben 2010 den Anstoß für das Klimaschutzkonzept. Mit diesem Konzept in der Hand stieg 2015 auch die Verwaltung mit mir als Klimaschutzmanager aktiv in den Klimaschutzprozess ein. Nach erfolgreicher Bewerbung im Wettbewerb „Masterplan 100 % Klimaschutz“ kam bereits ein Jahr später Franziska Dittmer als Masterplanmanagerin hinzu. Seit 2017 komplettiert Sara Tege unser Team. Sie ist für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

SK:KK: Worin liegt Ihre Hauptaufgabe als Klimaschutzleitstelle?

Hans-Albrecht Wiehler: Eines unserer wichtigsten Projekte im vergangenen Jahr war die Erstellung des „Masterplans 100 % Klimaschutz in Lüchow-Dannenberg“. Zurzeit sind wir damit beschäftigt, die ersten der insgesamt über 30 Maßnahmen ins Rollen zu bringen. Wir müssen Teams zusammenstellen, Finanzierungen sichern, Arbeitspakete und Fahrpläne festlegen und politische Umsetzungsbeschlüsse erwirken.
Grundsätzlich sehe ich unsere Hauptaufgabe darin, „Klimaschutz zu managen“ – das heißt, dass wir mit klassischen Managementmethoden die Herausforderungen des Klimaschutzes in allen Bereichen unseres Landkreises angehen müssen. Unser Ziel ist, alle betroffenen Personen mitzunehmen und sie zu „Klimaschützerinnen und Klimaschützern“ zu befähigen.

SK:KK: Welche unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkte gibt es?

Hans-Albrecht Wiehler: Wir haben unsere Aufgaben in die Handlungsfelder Mobilität, Gebäude und Siedlungsentwicklung, Landnutzung, Energie, Bildung und Verwaltung unterteilt. Diese Handlungsfelder haben Franziska Dittmer und ich untereinander aufgeteilt. Sie erfordern ein gewisses Spezialwissen und vor allem einen persönlichen Akteurskontakt. Regionalwirtschaft und Suffizienz sehen wir als handlungsfeldübergreifende Prinzipien, die möglichst überall integriert werden sollen. Ein ganz wichtiger Bereich ist natürlich das Thema Kommunikation beziehungsweise Öffentlichkeitsarbeit. Wir sind stolz darauf, dass wir mit Sara Tege eine Fachfrau auf diesem Gebiet für uns begeistern konnten.


SK:KK: Frau Dittmer, Mobilität hat einen hohen Stellenwert im ländlichen Raum. Welche Maßnahmen stehen hier auf Ihrer Agenda?

Franziska Dittmer: Alle unsere Aktivitäten zielen darauf ab, dass wir auch im ländlichen Raum eine Mobilitätswende erreichen. Also weg vom „jeder fährt einzeln im Auto von A nach B“ hin zu gemeinschaftlicher Mobilität und Radverkehr. Kurze Wege lassen sich auch auf dem Land gut mit dem Rad erledigen, nur ist das in der Mobilitätskultur weniger verankert als in Städten. Für etwas längere und anstrengendere Radstrecken eignen sich Elektrofahrräder hervorragend. Ich kenne einige – vor allem junge – Menschen, die sich anstelle eines Zweitwagens ein Elektrofahrrad angeschafft haben. Das schont nicht nur das Klima, sondern auch den Geldbeutel.

SK:KK: Und wie sieht es mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aus?

Franziska Dittmer: Wie in vielen ländlichen Regionen ist dieser bisher vor allem auf die Beförderung von Schülerinnen und Schülern ausgerichtet. Daher suchen wir nach Ansätzen, wie wir den ÖPNV auch für andere Zielgruppen attraktiver gestalten können. Mit der Option der kostenlosen Fahrradmitnahme, die nächsten Sommer bei uns starten soll, können wir erste Erfahrungen sammeln. Ein weiterer neuer Baustein sind Mitfahrbänke, das heißt speziell markierte Sitzbänke auf denen die Bürgerinnen und Bürger auf eine private Mitfahrgelegenheit warten können. In Wustrow und der Samtgemeinde Gartow sollen im kommenden Sommer erste Mitfahrbänke zum gemeinschaftlichen Fahren anregen. Aber auch Bürgerbusse und Carsharing können zur Mobilitätswende beitragen. In Zernien gibt es zum Beispiel schon einen erfolgreichen Bürgerbusverein.

Generell ist es wie bei allen Klimaschutzmaßnahmen: Es braucht jemanden, der konkrete Projekte in die Hand nimmt und umsetzt. Unsere zentrale Aufgabe ist es daher, eine Mobilitätsagentur einzurichten. Diese soll die Mobilitätswende in Lüchow-Dannenberg unter anderem durch Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen, durch Mitmach-Aktionen, Kampagnen und Unterstützung bei bestehenden Mobilitätsinitiativen voranbringen.

SK:KK: Können Sie schon absehen, welche Herangehensweise besonders erfolgsversprechend ist?

Franziska Dittmer: Wir stehen ja gerade erst am Anfang. Aber womit wir tatsächlich bereits gute Erfahrungen gemacht haben ist das Ausprobieren! Viele Menschen sind neugierig darauf, neue Mobilitätsformen zu testen, haben aber nicht die Gelegenheit dazu oder benötigen einen kleinen Anstoß. Ich selbst habe gerade einer Bekannten für zwei Wochen mein Elektrofahrrad geliehen. Sie war so überzeugt davon, dass sie sich daraufhin ein gebrauchtes Elektrofahrrad zugelegt hat. Damit fährt sie inzwischen regelmäßig zur Arbeit und nutzt ihr Auto immer seltener. Ein solches Angebot möchte ich auch über die Mobilitätsagentur etablieren. Gerade hier im ländlichen Raum ist es wichtig, dass die Menschen neue Mobilitätsformen ausprobieren können. Nur so können sie sich auch davon überzeugen, dass Pedelecs, Elektroautos & Co. alltagstauglich sind.

SK:KK: Welche weiteren speziellen Herausforderungen aber auch Chancen bietet aus Ihrer Sicht der ländliche Raum generell für den Klimaschutz?

Franziska Dittmer: Zu den Herausforderungen zählen insbesondere die geringe Besiedelung und der demographische Wandel. Oft wohnen nur noch ein bis zwei Personen in großen Häusern und auf riesigen Höfen. Aufgrund dieser Entwicklung haben wir einen relativ hohen Heizenergie- und Mobilitätsbedarf.

Als Chance bringt unser Landkreis in diesem Zusammenhang etwas ganz Wichtiges mit: das kreative Engagement der Bürgerinnen und Bürger sowie eine große Gemeinschaftlichkeit, Solidarität und Mithilfe untereinander. Nicht nur in der Mobilität, sondern auch im Bereich Wohnen entwickeln sich vielerorts Gemeinschaftsprojekte, die gute Lösungen für die sozialen und ökologischen Herausforderungen bieten. Genau diese Akteurinnen und Akteure und Prozesse wollen wir durch unsere Arbeit unterstützen.

SK:KK: Vernetzung spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, unterschiedliche Akteurinnen und Akteure einzubeziehen. Welche Wege gehen Sie hier?

Sara Tege: Mit dem „Klimapakt Lüchow-Dannenberg“ planen wir ein großes Netzwerk von örtlichen Unternehmen, Bürgerinnen und Bürgern, Institutionen, Vereinen und Initiativen aufzubauen. Das Ziel ist, neue Wege einzuschlagen, um die Lebensbedingungen in unserer Region klimafreundlich zu gestalten. Klimaschutz braucht die Ideen, die Erfahrung und die Motivation aller. Daher lautet unser Motto auch „Gemeinsam. Hier. Jetzt.“. Die Idee des Klimapakts haben wir durch die Masterplan-Kommune Flensburg erhalten, dort konnte ein sehr erfolgreiches Netzwerk etabliert werden. Wir hoffen auf vergleichbare Erfolge bei uns in Lüchow-Dannenberg.

SK:KK: Die Klimaschutzleitstelle informiert über den attraktiven Internetauftritt klimpakt.org über ihre Aktivitäten. Welche anderen Kanäle nutzen Sie?

Sara Tege: Wir arbeiten sehr eng mit den örtlichen Medien zusammen, von Lokalzeitungen über einen lokalen Radiosender bis hin zu privaten kleinen Magazinen. Neben unserer Website nutzen wir jetzt auch Facebook. Auf diese Weise hoffen wir, auch eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. Des Weiteren sind wir seit kurzem bei Twitter aktiv. Dort sind wir in einem engen Austausch mit anderen Masterplan-Kommunen und Klimaschutzinitiativen. Wir stehen bei Facebook, Twitter & Co. zwar erst am Anfang, freuen uns aber auf eine tolle interaktive Zukunft in den sozialen Netzwerken.

  • Gruppenbild, das beim Besuch von Bundesministerin Hendricks entstanden ist (Frau Dittmer schräg hinter Frau Hendricks, dahinter Herr Wiehler und rechts neben Frau Hendricks ist der Landrat Jürgen Schulz
    © Sara Tege
  • Sara Tege
    © Stefan Gregorowius
  • Herr Wiehler erklärt am Tag der offenen Tür einer jungen Frau die Einstellungen an einem S-Pedelec bevor es zur Probefahrt losgeht
    © Sara Tege
  • Frau Dittmer als Moderatorin bei den Sofa-Gesprächen (hier Thema Mobilität) während einer Veranstaltung im Sommer
    © Sara Tege
  • Franziska Dittmer
    © Jenny Raeder
Namen / Ausbildung

Hans-Albrecht Wiehler (Klimaschutzmanager)
MSc. Forstwissenschaften, MBA Nachhaltigkeitsmanagement

Franziska Dittmer (Masterplanmanagerin)
Umweltwissenschaft (B.Sc.), Nachhaltiges Wirtschaften (M.A.)

Sara Tege (Öffentlichkeitsarbeit)
„Literatur, Kultur, Medien“ & Sozialwissenschaften (Bachelor of Arts)

Kontaktdaten

Salzwedeler Str. 13, 29439 Lüchow

Tel: 05841 971–9201

E-Mail: klimaschutz@luechow-dannenberg.de

Bundesland Niedersachsen
Landkreis Lüchow-Dannenberg
Einwohnerzahl und Größe des Landkreises Einwohner: 50.128 (Stand 31.12.2015)
Fläche: 1.220,46 km²
Unsere Verortung in der Gemeinde Stabsstelle Regionale Entwicklungsprozesse, Klimaschutzleitstelle

Ich bin Klimaschutzmanager / Masterplanmanagerin für…

Hans-Albrecht Wiehler: Siedlungsentwicklung, Landnutzung, Energie, Regionalwirtschaft

Franziska Dittmer: Mobilität, Bildung, Suffizienz, Verwaltung

Projektlaufzeit

Hans-Albrecht Wiehler: 01. Juni 2015 – 31. Mai 2018

Franziska Dittmer: 01. Juli 2016 – 31. Mai 2020

Highlights der vergangenen Monate

Beschluss des Kreistages, den Masterplan 100 % Klimaschutz als verbindliche Leitlinie für den kommunalen Klimaschutz und die Kreisentwicklung anzuerkennen

Tag der offenen Tür im Oktober 2017 mit Informationen zu geplante Klimaschutzmaßnahmen, Beratungsangeboten, Testfahrten mit Elektroautos und Pedelecs

Erfolgreiche Teilnahme der Stadt Hitzacker bei der bundesweiten Aktion STADTRADELN 2017

Internetlink zum Konzept und zum Internetauftritt des Landkreises

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