Nahaufnahme Klimaschutz
Februar 2017

Thomas Freitag, Klimaschutzmanager der Stadt Pirna

Ob Carsharing Angebote, die Nutzung von Ökostrom in kommunalen Liegenschaften oder die Sanierung der Straßenbeleuchtung mit LED – Klimaschutzmaßnahmen spielen in Pirna schon länger eine wichtige Rolle. Jetzt hat die Stadt ihr Engagement noch einmal verstärkt: Seit Oktober 2016 ist Thomas Freitag als Klimaschutzmanager vor Ort im Einsatz.
Zitat
„Ich bin stolz darauf, auf lokaler Ebene meinen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten zu können. Das ist für mich der Ansporn meiner täglichen Arbeit.“

SK:KK: Wie verliefen die ersten Monate im neuen Job?

Thomas Freitag: Der Organisationsablauf und die Verantwortlichkeitsstruktur einer Kommune unterscheiden sich stark von der freien Wirtschaft. Daher habe ich anfangs einige Zeit benötigt, dies zu durchschauen. Man hat mir jedoch von Anfang an das Gefühl gegeben, dass ich zukünftig eine wichtige Aufgabe in der Stadt übernehme. Daher war der Start für mich sehr positiv! Das spannende an der Arbeit als Klimaschutzmanager ist die Vielzahl der Aufgaben und Betätigungsfelder. Ich muss mich demzufolge zwar gut organisieren, kann mir meine Arbeit aber so einteilen, wie ich möchte. Die Schwierigkeit dabei ist, nicht zu viel auf einmal zu wollen.

SK:KK: Sie waren zuvor im Bereich der Energieberatung in Dresden tätig. Inwiefern ergeben sich daraus Synergien für Ihre jetzige Aufgabe?

Thomas Freitag: In meiner vorherigen Tätigkeit habe ich vor allem Unternehmen im Bereich Energieeffizienz/Energiemanagementsysteme beraten. Große Anknüpfungspunkte zu meiner Arbeit als Klimaschutzmanager ergeben sich dabei im Bereich des Kommunalen Energiemanagements, insbesondere im Energiedatencontrolling sowie in der energetischen Optimierung der eigenen Liegenschaften. Außerdem bin ich natürlich mit dem gesamten Themenkomplex sehr vertraut und daher selbst in der Lage, die Pirnaer Bürger in Energieeffizienzfragen, zu Fördermöglichkeiten und gesetzlichen Grundlagen zu beraten.

SK:KK: In welchen Bereichen des Klimaschutzes steht Pirna schon jetzt ganz gut da?

Thomas Freitag: Pirna nimmt seit 2009 am European Energy Award teil. Somit gibt es schon ein etabliertes Team, das sich mit Fragen zum Klimaschutz beschäftigt. So werden beispielsweise Energieverbrauchsdaten schon länger monatlich erfasst und ausgewertet, die dann wiederum in die Energieberichte der Stadt einfließen.

Außerdem wurden aus dem eea-Kreis heraus auch in den vergangenen Jahren bereits Klimaschutzmaßnahmen angestoßen und umgesetzt. Dazu zählen zum Beispiel die Nutzung von Ökostrom in den kommunalen Liegenschaften, die teilweise Umrüstung auf LED-Straßenbeleuchtung und Carsharing-Angebote. Das macht es für mich einfacher, an diese Organisationsstrukturen anzuknüpfen und Projekte fortzuführen und auszubauen.

SK:KK: Und in welchen Bereichen sind noch größere Anstrengungen nötig?

Thomas Freitag: Das Pirnaer Stadtgebiet wird teilweise mit Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung versorgt. Bisher gibt es allerdings noch keine langfristig ausgerichtete Strategie, wie Pirna zukünftig mit (Wärme)-Energie versorgt werden soll. Möglichkeiten liegen zum Beispiel im Ausbau des Fernwärmenetzes, im Einsatz Erneuerbarer Energieträger oder einer teilweisen Dezentralisierung der Wärmeerzeugung.

Außerdem gilt es die Nutzung regenerativer Energien bei der Stromerzeugung auszubauen. Zu diesem Thema beginnen wir derzeit mit den Stadtwerken in Verbindung zu treten, um gemeinsam eine Strategie zu entwickeln. Darüber hinaus besteht im Bereich der Straßenbeleuchtung noch ein großes Potenzial, um sowohl Energie als auch Kosten einzusparen. Dieses wird bisher nur in sehr geringem Maß ausgeschöpft.

SK:KK: Zu den Schwerpunkten des in 2012 verabschiedeten Klimaschutzkonzeptes zählt auch der Bereich Mobilität. Welche Projekte stehen hier auf der Agenda?

Thomas Freitag: Neben dem Klimaschutzkonzept hat die Stadt Pirna im Jahr 2015 auch den „Verkehrsentwicklungsplan 2030“ beschlossen. Das Thema Mobilität ist von großer Bedeutung. Als erstes Großprojekt soll die Altstadt ab Mitte 2017 mit dem sogenannten City-Bus erschlossen werden – bisher verkehren dort keine öffentlichen Verkehrsmittel.

Daneben gibt es einige Projektideen zur Verbesserung der Elektromobilitätsinfrastruktur, wie etwa die Errichtung von Ladesäulen, freies Parken für Elektrofahrzeuge oder die Umstellung des verwaltungseigenen Fuhrparks. Außerdem soll das Car- und Bikesharing in Pirna weiter ausgebaut werden, was zunehmend besser von der Bevölkerung angenommen wird. Nicht zuletzt ist auch der Ausbau der Radwege ein zentrales Thema, um den Verkehr in der Stadt zu reduzieren.

SK:KK: Wie gelingt es in Pirna, die Bevölkerung zu erreichen und für Klimaschutzmaßnahmen zu motivieren?

Thomas Freitag: Die Bürgeransprache ist sicherlich eines der schwierigeren Themen in meiner Tätigkeit. Unsere Erfahrung ist, dass die Pirnaer Bevölkerung am besten über gedruckte Medien, wie das Amtsblatt oder lokale Tageszeitungen zu erreichen ist. Rückmeldungen zum Beratungs- und Informationsangebot kamen stets nach Veröffentlichungen in Zeitungen und weniger nach Mitteilungen im Internet. Allerdings entsprechen die Beratungszahlen generell noch nicht ganz unseren Erwartungen. Im Februar 2017 werden wir eine Wanderausstellung zum Thema „Energetische Sanierung“ in unserer Stadtbibliothek eröffnen. Wir hoffen, auf diese Weise mehr Menschen für das Thema zu interessieren. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale werden wir den Besucherinnen und Besuchern dort auch ein Beratungsangebot vor Ort anbieten.

SK:KK: Worin liegen Ihrer Meinung nach generell die größten Herausforderungen für erfolgreichen Klimaschutz?

Thomas Freitag: Das wichtigste ist, dass man die einzelnen Akteure von der Notwendigkeit der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen überzeugt. Häufig herrscht eine gewisse Skepsis gegenüber geplanten Maßnahmen. Hinzu kommt, dass die Nachteile für bestimmte Personengruppen in der öffentlichen Wahrnehmung oft im Vordergrund stehen. Wenn etwa bisher für Anwohner genutzte Parkflächen künftig für Carsharing oder Elektrofahrzeuge bereitgestellt werden sollen, regt sich nachvollziehbarer Protest. Hier gilt es die Vorteile der Maßnahmen von Beginn an klar zu kommunizieren. Darüber hinaus ergeben sich aus der Haushaltslage von Kommunen heraus immer wieder Hürden. Größere Investitionen müssen stets langfristig und umfassend geplant werden.

Porträt
Name

Thomas Freitag

Ausbildung

Studium der Verfahrenstechnik (Dipl.-Ing.) an der TU Dresden

Kontaktdaten

Stadt Pirna
Fachgruppe Stadtentwicklung
Am Markt 1/2
01796 Pirna

Tel.: 03501-556277
Mail: Thomas.Freitag@pirna.de
klimaschutz@pirna.de

Bundesland

Sachsen

Landkreis

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Einwohnerzahl und Größe der Kommune

Ca. 40.000 Einwohner

Ca. 53 km²

Meine Verortung in der Kommune

Fachgruppe Stadtentwicklung

Ich bin Klimaschutzmanager für...

die Umsetzung des 2012 beschlossenen Integrierten Klimaschutzkonzeptes der Stadt Pirna.

Projektlaufzeit

10/2016 - 09/2019

Highlights der vergangenen Monate

Beginn der Einführung „Kommunales Energiemanagement“

Initiierung von Mobilitätsprojekten (Erweiterung des Carsharing-Angebots, Installation einer Ladesäule für Elektroautos)

Organisation Wanderausstellung „Energetische Sanierung“

Fortschreibung Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Pirna

Am Markt 1/2
Pirna
01796
13.9419620
50.9624940
Förderprogramm
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