Abgeschlossenes Projekt

TOP 100 - Umweltzeichen für klimarelevante Produkte

Verbraucher
Information
Projektinformationen
Förderprogramm 
Projektnehmer 
Öko-Institut e. V.
Projektlaufzeit 
01. Sep. 2008 bis 31. Dez. 2008
Förderkennzeichen: 
03KS0074
03KS0074-1
Fördersumme in € 
352.070
2.899.031

Kriterien für klimafreundliche Produkte

Seit 30 Jahren setzt der Blaue Engel Maßstäbe für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen und ist damit das älteste Umweltzeichen der Welt. Jetzt schützt er auch das Klima.

Auf einen Blick

Das Umweltzeichen „Blauer Engel – schützt das Klima“ kennzeichnete 2008 in 23 Produktgruppen besonders energie­­sparende und klimaschonende Produkte. Das Projekt TOP 100 knüpfte an dieser Stelle an und wie­tete das Umweltzeichen auf weitere Produkt­gruppen mit Schwerpunkt Klimaschutz aus.

Unter­nehmen können mit dem Blauen Engel ihr Enga­ge­ment im Umweltschutz einfach und über­zeugend kommunizieren und so den Weg zum aus Umwelt­schutz­sicht besseren Produkt weisen. Der Blaue Engel prägte und prägt damit auch die produktbezogene Umweltpolitik in Deutschland. Weil nur die aus ökolo­gischer Sicht bes­ten Produkte das begehrte Zeichen bekommen kön­nen, löste dies in der Wirtschaft immer wieder einen Wettbewerb um Innovationen aus. Dieser Effekt macht den Blauen Engel auch für die Zukunft so bedeutend.

Von 33 auf 100 Produktgruppen

Im Jahr 2008 entwickelte das Institut für angewandte Ökologie e.V. (Öko-Institut) im Projekt TOP 10 zusätz­lich zu den bereits bestehenden 23 Produktgruppen Vergabekriterien für zehn weitere klima­relevante Pro­duk­tgruppen. Durch das Projekt TOP 100 sollte das Produkt­portfolio „Blauer Engel – schützt das Klima“ von 33 auf insgesamt 100 Produktgruppen ausge­weitet werden.

Mit der Ausweitung des Blauen Engels sollte die Ver­gleich­barkeit der Produkte verbessert und den Konsu­mentinnen und Konsumenten die Möglichkeit gegeben werden, energie­effiziente und klima­freund­liche Geräte gezielt nachzufragen.

Darüber hinaus sollte die Zusammenarbeit mit Her­stel­lerinnen und Herstellern sowie dem Handel gesucht werden, um die Entwicklung und Vermark­tung von höchst effizienten Produkten voranzutreiben.

Die Entwicklung der Kriterien

Der Blaue Engel wird grundsätzlich für Produktgrup­pen definiert. Als Beispiel: Die Produktgruppe Arbeits­platz­computer umfasst Desktop-PCs, Nettops, Thin-Clients und Small Scale Server. Im Rahmen des Projek­tes wurden insgesamt 67 verschiedene Produktgrup­pen untersucht und für 64 von ihnen Kriterienkataloge (so genannte Vergabegrundlagen) für das Umwelt­zeichen „Blauer Engel – schützt das Klima“ entwickelt. Diese Vergabe­grundlagen umfassen zum Beispiel Kri­terien bezüglich des Energiever­brauchs, der Lang­lebigkeit und der Material­qualität. Die Produktgrup­pen wurden in Abstimmung mit dem Umweltbundes­amt ausgewählt.

Untersucht wurden große und kleine Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Informations- und Kommu­nikations­­technik, Beleuchtung, Heizen und Warm­wasser, Haustechnik, Mobilität und Sonstige. Um das Umweltzeichen zu definieren, waren für jede Produkt­­gruppe folgende Schritte nötig:

  • Schritt 1: Produktanalyse

    Zunächst analysierte und bewertete das Öko-Institut die am Markt angebotenen Produkte innerhalb der Produktgruppen mit der sogenannten PROSA-Methode. Für die Produkte, Produktgruppen oder Dienstleistungen wurde jeweils eine orientierende PROSA-Kurzstudie erstellt. Diese beinhaltete neben einer Markt- und Umfeld-Analyse auch eine Untersuchung der Ökobilanz, eine Lebenszykluskostenrechnung sowie eine Nutzerinnen- und Nutzeranalyse.
  • Schritt 2: Entwicklung von Vergabegrundlagen

    Auf Basis der PROSA-Analyse leitete das Öko-Institut für jede Produktgruppe Vergabekriterien ab und fasste sie in einem Entwurf zusammen. Für die Ableitung von Vergabekriterien wurde gemäß ISO 14024 geprüft, welche Umweltauswirkungen für die potenzielle Vergabe eines Klimaschutz-Umweltzeichens relevant sind. Neben Energieverbrauch und Treibhauseffekt wurden in diesem Verfahren auch andere Umweltauswirkungen wie Ressourcenverbrauch, Eutrophierungspotenzial, Lärm und Toxizität betrachtet.
  • Schritt 3: Umweltzeichen

    In der dritten Stufe entschied die Jury Umweltzeichen über die finale Ausgestaltung der Kriterien.

Die verabschiedeten Vergabegrundlagen können auf der Webseite des Blauen Engels eingesehen werden. Dort können Herstellerinnen und Hersteller auch die Genehmigung für die Verwendung des Zeichens für ihr Produkt beantragen.

  • Was sollte das Projekt erreichen?

    Im Projekt TOP 100 sollten Vergabekriterien für klimarelevante Produktgruppen entwickelt werden, um das Produktportfolio auf etwa 100 Produkte und Dienstleistungen auszuweiten. Damit sollte die Vergleichbarkeit der Produkte verbessert und den Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit gegeben werden, energieeffiziente und klimafreundliche Geräte gezielt nachzufragen. Langfristig sollten so ökologische Produktinnovationen gefördert und CO2-Emissionen reduziert werden, die durch den Stromverbrauch elektrischer Geräte entstehen.

  • Was hat das Projekt erreicht?

    Insgesamt konnte das Produktportfolio des Blauen Engels auf rund 100 Produkte und Dienstleistungen aus unterschiedlichen Produktgruppen ausgeweitet werden.

    Auf Basis der Erkenntnisse der PROSA-Studien und der abgeleiteten Kriterien für ein Umweltzeichen wurden für 77 Produktgruppen Einkaufshilfen als Unterstützung der Beratung von Verbraucherinnen und Verbrauchern erstellt. Darüber hinaus konnten die Ergebnisse der Arbeiten in TOP 100 auch für die Weiterentwicklung des Europäischen Umweltzeichens genutzt werden, zum Beispiel im Rahmen des Ökodesign-Prozesses oder der Revision des EU-Energielabels. Soweit Produktgruppen aus TOP 100 und TOP 10 hier betroffen waren, wurden die Erkenntnisse aus den Projekten in die Prozesse eingebracht.

  • Wie ging es weiter?

    Die Informationen und Materialien zum Projekt sind weiterhin auf der Internetseite www.oekotop100.de/cms/ verfügbar und können heruntergeladen werden.

Beitrag zum Klimaschutz

Im Rahmen des Projektes wurden die Einspar­poten­ziale untersucht, die sich für einen Haushalt hinsicht­lich Energieverbrauch und CO2-Emissionen ergeben, wenn Blauer Engel-Produkte im Gebrauch sind. Diese wurden auf Zwei-Personen-Haushalte und den durch­schnittlichen deutschen Strommix des Jahres 2010 bezogen. Der klimafreundliche „Blauer Engel-Haus­halt“ ist mit 21 Produkten ausgestattet, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind und deren Vergabe­grundlagen im Rahmen der Projekte TOP 10 bezie­hungs­weise TOP 100 entwickelt wurden. Der „gewöhn­liche“ Haushalt ist im Unterschied dazu mit konventionellen Produkten gleicher Funktion ausgestattet.

Der Vergleich ergab eine Minderung des CO2- Ausstoßes von fast einer Tonne pro Jahr im „Blauer Engel-Haushalt“ (974 Kilogramm CO2-Aquivalent pro Jahr). Bei der Quantifizierung der Einspar­potenziale für Büros wurden der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen eines klimafreundlichen mit denen eines gewöhnlichen Arbeitsplatzes verglichen. Bei sieben Blauer Engel-Produkten ergab sich eine CO2-Äqui­valent-Minderung von 136 Kilogramm pro Jahr beziehungsweise von 31 Prozent pro Büro.

„Der Blaue Engel ist zu einer Marke geworden und steht für konkretes Engagement im Umweltschutz.“  Prof. Dr. Andreas Troge, ehemaliger Präsident des Umweltbundesamtes (UBA)

  • Checkliste der Erfolgsfaktoren

    Bessere Vermarktung gegenüber Verbraucher­innen und Verbrauchern, zum Beispiel durch:

    • Hervorhebung der Vorzüge des Umwelt­zeichens; mediales Marketing;
    • Erstellung von Einkaufshilfen und Checklisten für Verbraucherinnen und Verbraucher;
    • Prominente Schirmherrschaft.

    Bessere Vermarktung gegenüber Herstellerinnen und Herstellern sowie Händlerinnen und Händlern, zum Beispiel durch:

    • direkte Ansprache von Herstellerinnen und Herstellern, um Vergabekriterien in die Produktentwicklung miteinzubeziehen;
    • Einbindung von Blauer Engel-Produkten in Marktübersichten (zum Beispiel Stiftung Warentest, www.ecotopten.de);
    • Auslobung eines Blauer Engel-Preises für Unternehmen, die sich in herausragender Weise für das Umweltzeichen eingesetzt haben.

Tipps und Tricks für interessierte Institutionen

Der Blaue Engel ist ein freiwilliges Umweltzeichen. Die Herstellerinnen und Hersteller beantragen die Zer­ti­fi­zierung ihrer Produkte beim Zeicheninhaber, dem Bundes­umwelt­ministerium. Das machen sie nur, wenn sie sich einen Nutzen versprechen und im Blauen Engel eine Aufwertung ihres Produktes sehen. Je höher das Interesse an klima­freundlichen Produkten ist, desto eher lassen die Unternehmen ihre Produkte zertifizieren. Das Umweltzeichen muss also sowohl bei den Firmen als auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern noch bekannter gemacht werden.

Komparative Vorteile suchen und kommunizieren

Eine Diffusions­analyse im Rahmen des Projektes offenbarte wie die Wahrnehmung des Umwelt­zeichens verbessert werden könnte. Demnach finden Umwelt­zeichen vor allem dann eine hohe Akzeptanz, wenn Entwicklung und Vergabe der Kriterien von einer unabhängigen Einrichtung durch­geführt werden und für die Verbraucherin und den Verbraucher nachvoll­ziehbar sind. Beides trifft auf den Blauen Engel zu. Allerdings konkurriert der Blaue Engel mit vielen anderen Qualitäts- oder Umweltsiegeln, was die Einordnung für die Konsumentinnen und Konsu­men­ten erschwert. Sie müssen verstärkt über die Vorteile des Blauen Engels gegenüber anderen Kennzeich­nungen informiert werden, denn der Blaue Engel berücksichtigt, im Gegensatz zu vielen anderen, alle relevanten Umweltanforderungen.

Bessere Vermarktung von Blauer Engel-Produkten gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern

Folgende Maßnahmen wurden im Rahmen des Pro­jektes identifiziert und teilweise bereits umgesetzt, um die Nachfrage nach Blauer Engel-Produkten bei Verbrauc­herinnen und Verbrauchern zu verbessern: Hervorhebung der Vorzüge des Umweltzeichens gegenüber Energieverbrauchskennzeichnungen; YouTube Film-Spots zur Vermarktung; Präsentation bei Großveranstaltungen; Erstellung von Einkaufs­hilfen und Checklisten (zu finden auf www.oekotop100.de/cms/); Schirmherrschaft beispielsweise durch die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler, die Bundespräsidentin oder den Bundespräsidenten oder die Umweltministerin oder den Umweltminister.

Bessere Vermarktung des Umweltzeichens gegenüber Herstellerinnen und Herstellern sowie dem Handel

Die Analyse der derzeitigen Verwendung des Blauen Engels macht deutlich, dass auch die produzierenden Unternehmen sowie Händlerinnen und Händler das Zeichen noch besser einsetzen könnten. Insbesondere für die Herstellerinnen und Hersteller könnte hervor­gehoben werden, dass die Vergabekriterien richtungs­weisend für neue Produkt­entwicklungen und Innova­tionsziele sein können.

Die Unternehmen sollten früh­zeitig in den Prozess der Entwicklung der Ver­gabe­kriterien mit eingebunden werden, damit sie ihre Produkt­entwicklung entspre­chend ausrichten, und schneller ökologische Vorreiter­produkte, sogenannte Top-Runner, auf den Markt bringen können.

Weitere Ideen, die formuliert und teilweise umgesetzt wurden, waren die Einbindung von Blauer Engel-Produkten in Marktübersichten (zum Beispiel Stiftung Warentest, www.ecotopten.de); die Auslobung eines Blauer Engel-Preises für Unternehmen, die sich in herausragender Weise für das Umweltzeichen eingesetzt haben; die direkte Ansprache von Händlerinnen und Händlern, um den Anteil an Blauer Engel-Produkten in deren Sortiment zu erhöhen.

Öko-Institut e. V.

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  • Baden-Württemberg
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