Projekt des Monats

Klimaschutz Kommunal: Klimaschutz in Flensburg: Eine ganze Stadt auf Kurs

Der Klimapakt Flensburg e.V. bildet die Plattform für gemeinsames Handeln zur Eindämmung des Klimawandels
Kommunen
In der schleswig-holsteinischen Küstenstadt Flensburg ist Klimaschutz nicht allein Sache der Stadtpolitik, sondern auch eine freiwillige Selbstverpflichtung von ortsansässigen Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Organisationen unter dem Dach eines Vereins. Der Klimapakt Flensburg e.V. beteiligt sich an der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen und wirbt durch Öffentlichkeitsarbeit und Angebote an die Bevölkerung für die ambitionierten Ziele der Stadt im Klimaschutz.

Flensburg, mit rund 90.000 Einwohnern größte Stadt im Landesteil Schleswig, liegt an der gleichnamigen Förde nahe der Grenze zu Dänemark. Die Stadt ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum für den "hohen Norden" Schleswig-Holsteins, mit einer Strahlkraft auch in das benachbarte Dänemark. Geprägt wird das Stadtbild durch eine teils sehr steile Hanglage und den bis ins Stadtzentrum reichenden Hafen. 

Im Jahr 2008 hat sich der Klimapakt Flensburg e. V. gegründet. Initiatoren waren ein Professor der Universität Flensburg, der Vorstand einer Wohnungsbaugenossenschaft  sowie der damalige Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner. Zu den Vollmitgliedern des Vereins – Jahresbeitrag: 5.000 Euro – gehören Energieversorger, Wohnungsbaugesellschaften, Busunternehmen, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen, große Industrieunternehmen und die Stadtverwaltung. Privatpersonen können ab einem Jahresbeitrag von 36 Euro Fördermitglied werden, Unternehmen zahlen bis zu 1.000 Euro für die Fördermitgliedschaft. Der Verein hat sich im Klimaschutz ehrgeizige Ziele gesetzt: CO2-Neutralität Flensburgs bis zum Jahr 2050 und Halbierung des Energieverbrauchs bis 2050 gegenüber 1990. Konzeptionell verankert und bestätigt wurden diese Ziele mittlerweile auch durch das "Integrierte Klimaschutzkonzept für Flensburg" und die Teilnahme der Stadt am bundesweiten Programm "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz".

Öffentlichkeitsarbeit und Motivation zum Mitmachen

Die Mitglieder verpflichten sich zu Klimaschutzmaßnahmen in ihrem Verantwortungsbereich, etwa zu umfangreichen energetischen Sanierungen, Energierückgewinnung oder klimafreundlicher Mobilität. Der Klimapakt hat von Beginn an ein Projekt- und Medienbüro in seine Arbeit einbezogen und dieses mit vereinsübergreifender Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnenplanung beauftragt. Der Verein initiiert zum Beispiel stadtweite Projekte und Wettbewerbe, setzt sie um und macht sie für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar. Er sensibilisiert die Flensburgerinnen und Flensburger durch Kampagnen für den Klimaschutz und motiviert zum Mitmachen. In den Jahren 2010 und 2011 beteiligte sich der Verein durch das Klimapakt-Mitglied Universität Flensburg aktiv an der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts. Die Vereinswebseite bietet Tipps und Tricks rund ums Energiesparen. Im Download-Bereich findet sich auch ein animierender und animierter "Imagefilm" zum Klimapakt.

Etappen auf einem klaren Kurs: Das integrierte Klimaschutzkonzept und der Masterplan 100 Prozent Klimaschutz

Flensburg verfolgt beim Klimaschutz einen klaren Kurs. Die Stadt will bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen (THG) bezogen auf das Jahr 1990 um 30 Prozent verringern. Für 2050 plant Flensburg, "CO2-neutral" zu sein – das heißt: Es soll nur so viel Kohlendioxid freigesetzt werden, wie vorher durch nachwachsende Rohstoffe gebunden wurde.

Das integrierte Klimaschutzkonzept, 2011 vom Stadtrat verabschiedet, liefert den strategischen Handlungsplan, um die Ziele zu erreichen. Die Stadt beantragte und erhielt dafür vom Bundesumweltministerium Förderung nach der Kommunalrichtlinie. Flensburg ist darüber hinaus seit Mai 2012 als eine von 19 Vorreiter-Kommunen am Programm "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz" des Bundesumweltministeriums beteiligt.

Insgesamt 19 Gemeinden und Landkreise wurden vom Bundesumweltministerium im Jahre 2011 ausgewählt, ab Mai 2012 an dem Programm "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz" teilzunehmen. Das Bundesumweltministerium begleitet diese Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung von Konzepten, deren Ziele eine Treibhausgas-Reduzierung von 95 Prozent und eine Senkung des Endenergiebedarfs um 50 Prozent bis 2050 sind. Mit diesen besonders ambitionierten Zielen unterstützen die Kommunen die Klimaschutzanstrengungen der Bundesregierung. 
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Die Stadt entwickelte in der ersten Phase des Vorhabens, 2012 und 2013, einen umfassenden Masterplan. Dieser vertieft und erweitert das integrierte Klimaschutzkonzept. Zu dem Ziel der CO2-Neutralität tritt nun die Halbierung des Endenergieverbrauchs bis 2050 (verglichen mit 1990) hinzu. Das Masterplan-Konzept enthält neben einem langfristigen Handlungsplan bis 2050 auch Klimaschutzprojekte, die bis 2016 in Flensburg durchgeführt werden. In der zweiten Phase des Vorhabens, von 2013 bis 2016, arbeitet ein Team bestehend aus drei Klimaschutzmanagern und einer Fachkraft für Projektadministration an der Umsetzung der Projekte. Der Masterplan empfiehlt, das integrierte Klimaschutzkonzept vor allem um solche Maßnahmen zu ergänzen, die auf Verhaltensänderung abzielen und so z.B. zu einer nachhaltigen Mobilität beitragen. Bis 2050 soll die Hälfte der Flensburgerinnen und Flensburger klimafreundlich mit Bus, Bahn, Rad, zu Fuß oder mittels Carsharing unterwegs sein – und dies ohne Komforteinbußen. An dieser Stelle kommt erneut der Klimapakt ins Spiel. Eine Stadt mit der Größe Flensburgs ist als Markt für professionelle Carsharing-Anbieter vergleichsweise wenig attraktiv. Doch Vereinsmitgliedern ist es mit beharrlicher Netzwerkarbeit gelungen, einen Anbieter zu motivieren, sich in Flensburg zu engagieren. Start des Systems ist im März 2015. Um auf breiter Front Verhaltensänderungen in Richtung klimafreundlicher Mobilität anzustoßen, bedarf es der Information und Motivation der Bürgerinnen und Bürger – eine ideale Aufgabe für den Klimapakt mit all seiner Erfahrung in Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Auch das folgende Beispiel zeigt: Beim Klimapakt weiß man, wie eine Kampagne funktioniert!

Der Herbst kommt auch in Flensburg. Aber: "Wir radeln – immer noch – zur Arbeit!" Bliebe zu ergänzen: und um die Welt!

Vom 1. bis 28. September 2014 veranstaltet der Klimapakt Flensburg e.V. zum dritten Mal den Wettbewerb "Wir radeln – immer noch – zur Arbeit!". Er greift damit eine dänische Kampagne sowie die vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und der AOK initiierte Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" auf und entwickelt sie weiter. Der Klimapakt wendet sich direkt an Flensburger Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Organisationen. Mit dieser "Nachsaison"-Kampagne sollen möglichst viele Flensburgerinnen und Flensburger motiviert werden, auch bei kälteren Temperaturen und an Regentagen mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und das Auto stehen zu lassen. Radfahren ist nicht nur klimafreundlich: Arbeitnehmer, die regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fahren, sind meist seltener krank. Dadurch profitieren auch die Arbeitgeber.

Im September 2013 traten 165 Teams mit jeweils zwei bis vier Personen aus 77 Flensburger Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Organisationen für den Klimaschutz in die Pedale. Ende September hatten sie rund 85.000 Fahrradkilometer zurückgelegt – zweimal die Strecke um den Globus. 20 Tonnen CO2 wurden durch den Verzicht aufs Auto eingespart.

Im Jahr 2014 spendet das Klimapakt-Mitglied Selbsthilfe-Bauverein Flensburg (SBV) den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein motivierendes "Starterpaket": Leinentasche, Klingel und Regenbezug für Helm, Sattel und Rucksack. Unter den Teams werden attraktive Preise rund ums Fahrrad verlost. Darüber hinaus werden Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien vergeben, etwa: "Meiste Rad-Kilometer", "Schönstes Foto", "Originellster Team-Name". Die Kosten der Kampagne, rund 8.000 Euro pro Saison, werden von den Mitgliedern des Klimapaktes getragen.

Von Flensburg lernen – Checklisten machen’s leicht(er)

Etwa jede und jeder Vierte bei "Wir radeln – immer noch – zur Arbeit" wurde erst durch den Wettbewerb angeregt, für den Arbeitsweg das Rad zu nutzen. Zudem fahren viele seitdem  regelmäßiger als vor der Aktion mit dem Rad und nutzen dieses auch häufiger für Dienstwege sowie vor und nach der Arbeit für private Wege. Die erzielten THG-Einsparungen mögen zunächst nur als bescheidener Beitrag erscheinen, denkt man an die Gesamtemissionen durch den Verkehr in einer Stadt. Nicht unterschätzt werden sollte aber die langfristige Wirkung: Die positivere Wahrnehmung des Radfahrens, die Sensibilisierung für das eigene Mobilitätsverhalten und das damit verbundene Umdenken bilden die Voraussetzung für dauerhafte und wirkungsvolle  Verhaltensänderungen – und damit für eine substanzielle Reduzierung klimaschädlicher Emissionen im Verkehrsbereich.
"Wir radeln – immer noch – zur Arbeit" kann unaufwendig auch in anderen Städten und Gemeinden durchgeführt werden. Der Klimapakt Flensburg e. V. stellt dafür zwölf detaillierte Checklisten mit  Zeitplan auf Anfrage kostenlos zur Verfügung. Sie enthalten Anleitungen und Tipps, wie die einzelnen Projektphasen am besten geplant und umgesetzt werden können. Flensburg lädt andere Städte und Gemeinden dazu ein, sich von seiner Kampagne zum Mitmachen anregen zu lassen.

Kommune Kreisfreie Stadt Flensburg
Bundesland & Größe Schleswig-Holstein, Fläche 56,38 km²
Einwohner 90.589 (Stand Juli 2014)

Gefördertes Projekt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative

 
1. Integriertes Klimaschutzkonzept für Flensburg

Förderbaustein Kommunalrichtlinie: Erstellung von Klimaschutzkonzepten
Projektvolumen & Förderquote: 209.151 Euro, 65 Prozent (135.948 Euro)
Projektzeitraum: 10/2010 bis 12/2011
Angestrebte Effekte: Partizipative Entwicklung eines Handlungsplans zur Erreichung der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050

2. Flensburg auf Klimakurs: Masterplan 100% Klimaschutz“

Förderbaustein Kommunalrichtlinie: Programm "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz"
Projektvolumen & Förderquote: 639.216 Euro, 80 Prozent (511.373 Euro)
Projektzeitraum: 01/2012 bis 04/2016
Angestrebte Effekte: Erreichung der CO2-Neutralität, Reduzierung des Endenergieverbrauchs um 50 Prozent bis zum Jahr 2050 gegenüber 1990, Begleitung der Umsetzung der Klimaschutzstrategie, Festigung der Zusammenarbeit relevanter Akteure, Stärkung der Partizipation in Flensburg

Ansprechpartner Klimaschutz

Klimaschutzmanagement der Stadt Flensburg 
Martin Beer 
Stadtentwicklung und Umweltplanung Projekt Masterplan 100 % Klimaschutz 
24931 Flensburg 
Telefon: 0461 85 2105
Email: beer.martin@stadt.flensburg.de

Ansprechpartner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

PR-Büro des Klimapaktes Flensburg e.V. 
Büro Oeding 
Andreas Oeding 
Husumer Str. 68 
24941 Flensburg 
Telefon: 0461 318 51 75 
E-Mail: kontakt@buerooeding.de

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