Allgemeine Information

Stadt Solingen

25.000 Euro Preisgeld für die wassersensible Umgestaltung von Stadtquartieren
Kommunen

Die Auszeichnung wurde für die umfassenden Aktivitäten zur Starkregenvorsorge vergeben – unter anderem hat  die Stadt mehrere Siedlungsbereiche von der Kanalisation abgekoppelt und die Renaturierung von Gewässern geplant und umgesetzt.

 

  • Starkregen in Solingen
    © hearts&minds/Difu

Wasser und Grün in die Stadt

Um durch den Klimawandel bedingte Risiken für die Stadt zu begrenzen, will Solingen der jahrzehntelangen Verdrängung von Wasser und Grün in der Innenstadt entgegenwirken. Das Stadtgebiet umfasst etwa 200 kleine Gewässer, die im Zuge der Industrialisierung intensiv für das Schneidwarengewerbe genutzt wurden. Um Bauland zu schaffen und Regen- und Abwasser schnell abzuleiten, wurden die Bäche begradigt und verrohrt. In der Folge entwickelte sich eine bis heute hochversiegelte Innenstadt, in der offene Gewässer weitgehend verschwunden sind, eine sowohl städtebauliche als auch ökologisch bedauerliche Entwicklung. Zudem gibt es im Bergischen Land hohe durchschnittliche Niederschlagsmengen, so dass in Solingen vermehrt mit Starkregen gerechnet werden muss und an Hängen und in Senken Schäden durch Überflutung möglich sind. Hinzu kommt die Entlastung des Mischwasserkanals in die Bäche bei heftigem Regen, was zur stofflichen und hydraulischen Belastung der Gewässer führt.

Video zum ausgezeichneten Projekt

 

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter zur Verwendung des Preisgeldes:

"Ein Großteil des Preisgeldes wird nachhaltig in unsere kleinen Bürgerinnen und Bürger investiert: Geplant ist ein Themenspielplatz „Klima, Wasser, Landschaft“, um spielerisch die Zusammenhänge von Klimawandel und Wasserkreislauf erfahrbar zu machen. Natürlich sind wir uns auch der weltweiten Verantwortung in einem der reichsten Länder bewusst und möchten daher auch Klimaanpassungsprojekte unserer Partnerstadt Jinotega in Nicaragua unterstützen. Nicaragua zählt zu den zehn stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt.“

Bereits vor zehn Jahren haben die Verantwortlichen für Landschaft, Gewässer, Stadtplanung und Entwässerung der Stadt damit begonnen, gemeinsam Ideen zu erarbeiten, um die Kombination von Grün und Gewässern im urbanen Raum zu stärken. Das Ergebnis ist ein „Wasser-Landschafts-Konzept“: Grundidee ist es, das bisher unterirdisch abgeleitete Regenwasser aus den Siedlungsgebieten wieder dem Wasserkreislauf an der Oberfläche zur Verfügung zu stellen. Bei konkreten Projekten und Flächen setzen sich die Verantwortlichen der Stadt, externe Fachplanungsbüros und Genehmigungsbehörden zusammen, besprechen Ziele und Konkurrenzen und wägen diese gemeinsam ab.

Konkrete Projekte umsetzen

Solingen setzt seit Jahren erfolgreich Projekte zum Überflutungsschutz um. Mit dem Spar- und Bauverein Solingen eG konnte beispielsweise ein Eigentümer als Partner gewonnen werden, der größere zusammenhängende Siedlungen im Stadtgebiet besitzt. So wurden – mit Landesmitteln gefördert – zwischen 2008 und 2015 fünf Siedlungen vom Mischwasserkanal abgekoppelt. Regenwasser wird nun über grüne Entwässerungsmulden oberflächig versickert und abgeleitet. Das lokal verbleibende Wasser kommt der Begrünung, die entlang der Mulden geschaffen wurde, zugute. Insgesamt werden durch diese Maßnahmen stadtweit jährlich bis zu 100.000 Kubikmeter natürliches Regenwasser der Natur wieder zur Verfügung gestellt und nicht mehr zur Kläranlage geschickt. Starkregen kann in den Mulden gesammelt und dann gedrosselt den teils wiederbelebten Bachläufen zugeführt werden. Um eine Überlastung der Gewässer zu vermeiden, wurden Flächen zur Rückhaltung des Wassers vorgeschaltet.

Die Offenlegung des Weinsberger Baches, ein weiteres Projekt, begann 2010 mit der Renaturierung des Oberlaufs, heute fließt das Wasser auf 700 Metern an der Oberfläche – und hat bei Starkregen ausreichenden Retentionsraum. Die Auenlandschaft ist wiederbelebt, und Wassertiere und Pflanzen haben ihren natürlichen Lebensraum zurückerhalten.

Die überflutungsgerechte Planung von Straßen, Plätzen und Grünflächen geht die Stadt ebenfalls aktiv an. Die interdisziplinäre und fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit lohnt sich – neben dem Schutz vor Starkregen und Hitze durch mehr Grün fördern die vielfältigen Maßnahmen auch die Artenvielfalt und verbessern die Aufenthaltsqualität in der Stadt

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Ansprechpartner:
Tycho Kopperschmidt
Technische Betriebe Solingen
Integrale Entwässerungsplanung
Tel.: 0212/2904761
E-Mail: t.kopperschmidt@solingen.de

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