Nahaufnahme Klimaschutz
September 2016

Anja Warnecke und Christian Seiberth, Klimaschutzmanager im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg Ost

Wenn es um die Bewahrung der Schöpfung geht, dann ist im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost auch schon der Nachwuchs gefragt. Seit 2015 sind Anja Warnecke und Christian Seiberth für das Thema Klimaschutz in den 131 Kindertagesstätten des Kirchenkreises zuständig und unterstützen sowohl die Erzieherinnen und Erzieher als auch die Kinder dabei, die Energieverbräuche in den Einrichtungen zu senken. Anja Warnecke und Christian Seiberth teilen sich eine vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Stelle im Klimaschutzmanagement.
Zitat
„Klimaschutz in Kitas bedeutet für uns, große und kleine Leute zu motivieren, sich jeden Tag aufs Neue für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.“

SK:KK: Sie sind gemeinsam für das Thema Klimaschutz in den Kindertagesstätten des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Hamburg-Ost verantwortlich und teilen sich dabei eine Stelle im Klimaschutzmanagement. Wie kam es dazu?

Anja Warnecke: Klimaschutzprojekte in den Kitas des Ev.-Luth. Kirchenkreises haben bereits eine längere Tradition. Unsere Antragstellerin Dipl. Ing. Sylvia Hansen, die von 1992 bis 2004 in der Bauabteilung des Ev.-Luth. Kirchenkreises tätig war, hat verschiedene Projekte zur Senkung des Energieverbrauchs in unseren Kitas initiiert. Dabei wurde ersichtlich, dass technische Änderungen oder Erneuerungen allein nicht ausreichen. Zwar sanken zunächst die Verbräuche, doch nach einiger Zeit stiegen sie wieder an. Die Praxis zeigte, dass das pädagogische Personal in den Kitas die technischen Veränderungen häufig nicht mitbekam, sein Verhalten kaum änderte und sich mit dem Thema Energiesparen nicht weiter beschäftigte. Eine weitere Erkenntnis war, dass die Verbräuche und die Energiekosten in fast allen Einrichtungen nicht bekannt waren.

Aus diesen Erfahrungen folgte der Wunsch nach einem ganzheitlichen Ansatz, bei dem die Information über den Klimawandel und die Motivation zum Handeln stärker im Mittelpunkt stehen. Zugleich sollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein besseres Gefühl für die Energieverbräuche sowie die dadurch entstehenden Kosten in den jeweiligen Einrichtungen erhalten, um auf diese Weise ihr eigenes Verhalten besser zu reflektieren, gegebenenfalls zu ändern sowie technisch notwendige Schritte einleiten zu können. Darüber hinaus sollten auch die Kinder altersgerecht für das Thema Klimaschutz sensibilisiert werden.

Aufgrund des komplexen Aufgabenspektrums erschien es notwendig, zwei unterschiedlich qualifizierte Fachleute zu beauftragen: Einen Mitarbeiter mit Erfahrung im Bereich der Umweltwissenschaft/Umweltkommunikation sowie eine Expertin für den technischen Bereich.

SK:KK: Wer von Ihnen beiden macht was, um den Klimaschutz in den Kitas zu verankern?

Anja Warnecke: Die Umsetzung des Projektes erfolgt in zwei Schritten: Meine Aufgabe ist es, alle Kitas des Kirchenkreises in das Energiecontrolling aufzunehmen und die von den Kita-Leitungen regelmäßig übermittelten Zählerstände für Wärme, Strom und Wasser auszuwerten. Im Rahmen von Ortsterminen untersuche ich den energetischen Zustand der Kitas und erstelle ein Protokoll mit Empfehlungen zur Energieeinsparung. Mithilfe des Energiecontrolling-Programms kann ich den Kitas regelmäßig Rückmeldungen über den Erfolg der umgesetzten Energiesparmaßnahmen geb

Christian Seiberth: Ich vereinbare im Anschluss einen Termin im Rahmen einer Teamsitzung und erläutere die Klimaschutzziele des Kirchenkreises sowie Energiesparmöglichkeiten durch eine Änderung des Nutzerverhaltens in den Bereichen Heizen, Lüften und Wasserverbrauch. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch, wie Kinder zum Energie- und Ressourcensparen motiviert werden können und welche pädagogischen Lehrmaterialien zu empfehlen sind. Außerdem zeige ich weitere Handlungsfelder im Klimaschutz auf, wie zum Beispiel Ernährung und Mobilität.

SK:KK: Bereits bis 2017 ist eine Reduzierung der Energieverbräuche sowie der CO2-Emissionen in den Kitas um 25 Prozent vorgesehen. Wie realistisch ist dieses Ziel?

Anja Warnecke: Die Reduktion der Energieverbräuche um 25 Prozent innerhalb der Projektlaufzeit ist ein sehr ambitioniertes Ziel, zumal manche Kitas bereits seit Jahren am vom Hamburger Kirchenkreis initiierten Projekt „Kita ökoplus“ teilnehmen und ihre Energieverbräuche zum Teil schon vor 2015  deutlich senken konnten. Dennoch erwarten wir einen weiteren Rückgang der Energieverbräuche um zehn Prozent allein durch eine Änderung im Bereich des Nutzerverhaltens.

Da wir zudem Sammelverträge für Ökostrom und klimaneutral gestelltes Erdgas abschließen konnten, sind wir zuversichtlich, dass wir unser Klimaschutzziel in Bezug auf die CO2-Emissionen erreichen können. Eine Nutzung regenerativer Energien für die Wärmeversorgung bietet im Einzelfall weiteres Einsparpotential, sofern eine Kindertagesstätte über die erforderlichen Möglichkeiten verfügt. Aber auch durch kleinere Maßnahmen, etwa die optimale Einstellung der Heizungsregelung, lässt sich ohne hohe Investitionskosten viel erreichen.

SK:KK: Welches sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Schritte, um das angestrebte Klimaschutzziel zu erreichen?

Christian Seiberth: Höchste Priorität hat für uns, die Kita-Leitungen und Pädagoginnen und Pädagogen für das Thema zu sensibilisieren und zu motivieren. Am Anfang steht dabei immer die Information über die Auswirkungen des Kita-Alltags auf das Klima und die Energieeinsparpotentiale im Einzelnen. Jede Kita ist anders, daher ist es uns wichtig, jede Einrichtung zu besuchen, um möglichst individuelle Empfehlungen sowohl in technischer als auch in pädagogischer Hinsicht geben zu können. Der nächste Schritt ist die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen, und das fängt beim Energiecontrolling – also dem regelmäßigen Ablesen der Zähler für Wärme, Strom und Wasser – an. Mit einer guten Datenbasis und Vergleichswerten ähnlicher Kitas können wir konkrete (gering)investive Maßnahmen empfehlen und Erfolgsmodelle kommunizieren.

SK:KK: Und welche langfristigen Ziele gibt es?

Anja Warnecke: Klimapolitisches Ziel der Nordkirche ist die Klimaneutralität bis zum Jahr 2050. Das heißt für uns, dass wir eine strukturelle Verankerung des Themas Klimaschutz in den Kitas im Kirchenkreis Hamburg-Ost erreichen müssen, welche über die dreijährige Projektlaufzeit hinausgeht.

SK:KK: Wie sieht es mit den Eltern aus? Können Sie diese auch für den Klimaschutz an Bord holen?

Christian Seiberth: Die Einrichtungen machen deutlich, dass sie sich für Umwelt- und Klimaschutz engagieren – beispielweise durch Elternanschreiben zum Thema Müllvermeidung durch Mehrweggeschirr oder im Bereich Ernährung. Zudem wird für die Teilnahme an einer Projektwoche für nachhaltige Mobilität geworben, um damit die Eltern zu ermutigen, ihre Kinder ohne Auto in die Kita zu bringen.

SK:KK: Welches sind aus Ihrer Erfahrung die größten Herausforderungen, die Sie als Klimaschutzmanager zu meistern haben?

Anja Warnecke: Die größte Herausforderung ist die Motivation der Beteiligten vor dem Hintergrund der wachsenden Anforderungen an die Kita-Teams. Zentrale Aufgabe der Kita-Leitungen, Erzieherinnen und Erzieher ist ihr pädagogischer Auftrag und angesichts dessen tritt der Klimaschutz im Kita-Alltag leicht in den Hintergrund. Umso wichtiger ist es, deutlich zu machen, dass beim zentralen Thema „Bewahrung der Schöpfung“ Klimaschutz und Pädagogik Hand in Hand gehen.

Porträt
Name Anja Warnecke / Christian Seiberth
Ausbildung

Anja Warnecke: Dipl.-Ing. Architektin und Gebäude-Energieberaterin HWK
Christian Seiberth: Umweltwissenschaftler

Kontaktdaten

Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Hamburg-Ost
Kirchliches Verwaltungszentrum
Steindamm 55
20099 Hamburg

Tel.: 040 / 519000-626 Anja Warnecke; -745 Christian Seiberth

Mail: a.warnecke@kirche-hamburg-ost.de
c.seiberth@kirche-hamburg-ost.de

Bundesland Hamburg und Schleswig-Holstein
Landkreis Der Kirchenkreis Hamburg-Ost erstreckt sich über Teile von Hamburg, Sotrmarn sowie Herzogtum Lauenburg und eine Kirchengemeinde liegt in Niedersachsen
Größe des Kirchenkreises Der Kirchenkreis Hamburg-Ost ist mit 270 Pastorinnen und Pastoren, über 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 16.000 Ehrenamtlichen, 160 Kirchen, 116 Kirchengemeinden, 131 Kindertagesstätten sowie weiteren Einrichtungen und Tagungshäusern einer der größten Kirchenkreise in Deutschland.
Wir sind Klimaschutzmanager für... ...die 131 Kindertagesstätten unseres Kirchenkreises mit ca. 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie rund 9.000 Kindern. (Förderschwerpunkt "Energiesparmodelle in Schulen und Kitas" der Kommunalrichtlinie)
Projektlaufzeit 1.1.2015 bis zum 31.12.2017
Highlights der vergangenen Monate
  • - Projektvorstellung vor allen Kita-Leitungen mit handlungsorientierten Energiespartipps für den Kita-Alltag
  • - Vor-Ort-Beratungstermine in den Kitas und Erstlleung von Kurzberichten mit Energiespar-Empfehlungen
  • - Projektvorstellung in den Kita-Teams mit Vorschlägen zur pädagogischen Umsetzung Energie sparenden Verhaltens
  • - Aufnahme der Kitas in das professionelle Energiecontrolling
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Hamburg
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