Nahaufnahme Klimaschutz
Februar 2015

Armin Herglotz, Lengede/Vechelde

Interkommunaler Klimaschutz ist ein wichtiges und spannendes Thema. Armin Herglotz ist Klimaschutzmanager in Lengede und Vechelde und berichtet in unserer Reihe "Klimaschutzmanager des Monats" von den Chancen und Herausforderungen der kommunalen Zusammenarbeit im Klimaschutz.
Zitat
„Der Klimaschutz ist ein langfristiges und fortwährendes Thema. Die Akzeptanz hierfür eigene Handlungsmuster anzupassen und letztlich auch mehr Finanzmittel bereit zu stellen, ist notwendig um gesteckte Ziele auch zu erreichen.“ (Photo BZV Medienhaus GmbH / Peiner Nachrichten / Pahl)

SK:KK: Sie sind im Peiner Land als Klimaschutzmanager für die Gemeinden Lengede und Vechelde tätig, Ihr Kollege Herr Hiete für die Gemeinden Edemissen, Ilsede und Hohenhameln. Wie kam es zu dieser „Doppelbesetzung“? Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit?

Herr Herglotz: Das Unternehmen KoRiS - Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung aus Hannover ist als Beratungsdienstleister zum Thema kommunaler Klimaschutz in Peiner Land (nicht deckungsgleich mit dem Landkreis Peine, Anm. d. Red.) aktiv und hat die Gemeinden Lengede und Vechelde sowie Edemissen, Ilsede und Hohenhameln auf die Möglichkeit eines – über die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) geförderten - Klimaschutzmanagements aufmerksam gemacht und schließlich auch bei der Beantragung unterstützt.

Grundlage für die Schaffung der beiden Stellen war das bereits vorhandene (geförderte) Klimaschutzteilkonzept der betreffenden Gemeinden, welches seit Mai 2010 vorliegt. In meinem Fall haben sich die Kommunen Legende und Vechelde zusammengetan, um eine gemeinsame Klimaschutzstelle zu schaffen und so die Maßnahmen des Konzeptes umzusetzen. Die Gemeinden Edemissen, Ilsede und Hohenhameln schlossen eine ähnliche Kooperation. Im April 2013 haben mein Kollege Friedhelm Hiete und ich schließlich zeitgleich unsere Tätigkeit als Klimaschutzmanager begonnen.

Herr Hiete ist Architekt und vorrangig Experte auf dem Gebiet der Energieeffizienz, ich selbst bin Diplom-Ingenieur für Versorgungstechnik und v.a. durch meine vorherige Tätigkeit fachlich eher im Bereich Erneuerbare Energien beheimatet. Durch unseren unterschiedlichen Ausbildungshintergrund und die verschiedenen thematischen Schwerpunkte können wir beide von der jeweiligen Expertise des anderen profitieren.

Die Zusammenarbeit zwischen uns findet Ausdruck beim gemeinsamen Erarbeiten von Klimaschutzmaßnahmen, z.B. der Einführung einer neuen Gebäudeleittechnik sowie im engen Austausch während der Durchführung der Maßnahmen. Auch bei Fachveranstaltungen, wie dem letztjährigen Fachseminar „Interkommunale Kooperationen im Klimaschutz“ des Service- und Kompetenzzentrums: Kommunaler Klimaschutz, halten wir gemeinsame Vorträge. Daneben finden regelmäßige Treffen im Rahmen von Veranstaltungen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) Peiner Land, sowie bei Informationenveranstaltungen auf Kreis- und Landesebene statt.

Im Tagesgeschäft gibt es jedoch keine Aufteilung der Aufgaben zwischen Herrn Hiete und mir. Letztlich ist jeder Klimaschutzmanager in „seinen“ Gemeinden auch für die Umsetzung seiner Tätigkeitsschwerpunkte eigenverantwortlich zuständig.

SK:KK: Wie kam es zur interkommunalen Zusammenarbeit im Klimaschutzmanagement zwischen Lengede und Vechelde? Worin sehen sie die Vorteile einer solchen Kooperation und welche Herausforderung gilt es zu meistern?

Herr Herglotz: Interkommunale Kooperationen gibt es im Peiner Land bereits im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK). Hier werden die wichtigen Themen der Region übergreifend und verbindend betrachtet, mit dem Ziel der Stärkung des ländlichen Raums. Ein Schwerpunkt dieser gemeinsamen Arbeitstreffen sind u.a. die Themen Klimaschutz und Energiewende gewesen. Diese bereits vorhandenen vernetzten Strukturen wurden genutzt und waren schließlich auch der Ausgangspunkt für die interkommunale Zusammenarbeit im Klimaschutz.

Ein Vorteil der Kooperation lag für die beiden Kommunen Lengede und Vechelde dabei zunächst einmal im finanziellen Bereich. Der Fördersatz des Bundesumweltministeriums im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative liegt für diese Stelle bei 65 Prozent. Durch die Aufteilung des Eigenanteils auf zwei Gemeinden haben sich die zu finanzierenden Restkosten pro Gemeinde halbiert – was sicherlich wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Schaffung einer Klimaschutzstelle in Vechelde und Lengede möglich wurde. Eine interkommunale Kooperation ist also eine hilfreiche und sinnvolle Methode, wenn eine Kommune alleine die finanziellen Mittel für ein Klimaschutzmanagement nicht stemmen kann.

Zudem können die Klimaschutzmaßnahmen und deren Umsetzung durch ein und denselben Mitarbeiter erfolgen, dies schafft Synergieeffekte. Hierin sehe ich einen weiteren Vorteil der interkommunalen Zusammenarbeit, denn positive Erfahrungen, die ich als Klimaschutzmanager in der einen Gemeinde mache, können auch auf die „Partner-Kommune“ übertragen werden.

Damit solche Synergien entstehen können ist es zwingend notwendig, dass die Klimaschutzthemen und Verwaltungsstrukturen der kooperierenden Gemeinden ähnlich sind. Dies ist in meinem Fall nicht durchweg gegeben, da die Kommunen unterschiedliche Schwerpunkte im Klimaschutz gesetzt haben und ich daher weitgehend autark für die jeweilige Gemeinde arbeite.

Eine weitere spezielle Herausforderung, die es zu meistern gilt, wenn man als Klimaschutzmanager für zwei Kommunen zuständig ist, liegt im Zeitmanagement. Ich bin im wöchentlichen Wechsel jeweils in Vechelde und Lengede tätig, dadurch sind zeitlich bezogene Probleme immer mal wieder ein Thema, da Termine auch im Wochenwechsel in der jeweilig anderen Kommune anfallen. Auch ist man durch die ständigen Wechsel leider nicht immer so präsent vor Ort, wie es manchmal sein müsste. Das ist nicht immer optimal, hier gibt es sicherlich noch Verbesserungsmöglichkeiten.

SK:KK: Ihre Schwerpunkte liegen in der Unterstützung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien und in der Senkung des kommunalen Energieverbrauchs. Welche Maßnahmen und Projekte wurden im Zusammenhang mit diesen Themen angegangen?

Herr Herglotz: Ja, in den genannten Bereichen haben sich viele Projekte angesammelt. Dabei ist zu beachten, dass ich zum einen Maßnahmen betreut habe, die im Klimaschutzteilkonzept fest geschrieben waren, zum anderen auch Projekte, die über die Kommunalrichtlinie des BMUB eine zusätzliche Förderung erhalten haben.

Diese zusätzliche Förderung brachte uns bei der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Liedingen einen großen Schritt voran. Ursprünglich sollten nur die Innenräume des Hauses energetisch saniert werden. Für weitere Maßnahmen fehlte das Geld. Mit mir als Klimaschutzmanager ist jedoch eine Person vor Ort, die entsprechende Maßnahmen fachlich betreuen und einen zielgerichteten Einsatz der Förderung gewährleisten kann. In dieser Konstellation erhielten wir die Fördergelder für eine energetische Komplettsanierung mit Fensteraustausch, innovativer Heiztechnik – Solarwärme und eine Erdgas-Wärmepumpe werden in Zukunft die Gäste warm halten – sowie einer Wärmedämmung. Der Abschluss des Projektes erfolgt noch dieses Jahr.

Ich habe eingangs erwähnt, dass meine Expertise vor allem im technischen Bereich liegt. Aus diesen Grund ist meine Stelle im Amt für Bau/Liegenschaften und dort in der Abteilung Bauinstandhaltung der jeweiligen Gemeinden angesiedelt. So konnte ich in der Vergangenheit einen positiven fachlichen Austausch mit den Kollegen pflegen und insbesondere im Bereich der energetischen Sanierung Projekte aus dem Integrierten Klimaschutzkonzept umsetzen: Beispielsweise betreute ich zahlreiche Maßnahmen beim Austausch veralteter Heizungstechnik in öffentlichen Einrichtungen. Dies umfasste ebenso die Optimierung von Heizkesseln und Blockheizkraftwerken. Gemeinsam mit Herrn Hiete besuchte ich zu Beginn unserer Tätigkeit als Klimaschutzmanager die Stadt Hameln. Diese nutzt bereits seit den 80er Jahren entsprechende Optimierungsmöglichkeiten und konnte uns im Rahmen einer Informationsveranstaltung wertvolle Hinweise vermitteln.

Das größte Highlight bildete wohl die Ausarbeitung technischer Vorgaben für das Passivhausgebiet in Broistedt (Gemeinde Lengede). Die Schnittstelle als Klimaschutzmanager erwies sich hier als besonders wichtig. Rund um die Planungen wurden Veranstaltungen ausgerichtet um Bautätige zu finden und ihnen alle nötigen Informationen mit auf den Weg zu geben.

Die Umsetzung von Maßnahmen und Projekten aus dem Klimaschutzteilkonzept zeigt aber auch, dass Praxis und Theorie gerne einmal auseinander gehen können. So betreute ich den Austausch der alten Beleuchtung durch LED-Beleuchtung in Kindergärten, Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen. Geplant war zusätzlich noch der Einsatz von einer Lüftungstechnik in der Schule. Aus Kostengründen konnten wir dies nicht umsetzen. Umso wichtiger sind die Energiemengen- und Energiekostenerfassung, CO2-Bilanzierung und die monatlichen Energiecontrollings in den Grundschulen. Alte Ideen können auf Grundlage aktualisierter Daten und Fakten verworfen werden um neuen Potenzialen Platz zu machen und sie voran zu bringen.

SK:KK: Ihre Projektlaufzeit als Klimaschutzmanager endet im März 2015. Wie fällt Ihre persönlich Bilanz aus? Was war positiv, wo sehen Sie noch Handlungsspielräume?

Herr Herglotz: Die vom Bundesumweltministerium geförderte Stelle als Klimaschutzmanager war auf zwei Jahre Projektlaufzeit angelegt. Leider war die Fortführung der Klimaschutzstelle von den beiden Kommunen Lengede und Vechelde nicht erwünscht, daher kann ich hier eine Abschlussbilanz ziehen.

Zunächst einmal denke ich, dass ich – ganz unabhängig von konkret umgesetzten Maßnahmen -  mit meiner Arbeit dazu beitragen konnte, dass Thema Klimaschutz in Vechelde und Lengede präsenter zu machen. Das Bewusstsein hat sich verändert und der Klimaschutzgedanke ist in den kommunalen Verwaltungen der beiden Gemeinden sicher mehr implementiert als vor der Schaffung des Klimaschutzmanagements. Auch den Bürgerinnen und Bürgern konnte das Thema – z.B. über Presseartikel zu meiner Arbeit  - näher gebracht werden. Die Akzeptanz und die Änderung im Nutzerverhalten sind meiner Ansicht nach wesentliche Voraussetzungen für die Erreichung der gesteckten Klimaschutzziele.

Auch kann sich die Bilanz der umgesetzten Klimaschutz-Projekte während der letzten beiden Jahre durchaus sehen lassen. Beispielweise wäre die – oben beschriebene - Ausarbeitung technischer Vorgaben für das Passivhausbaugebiet in Broistedt (Gemeinde Lengede) mit ausschließender Bauvorgabe ohne Klimaschutzmanagement sicherlich nicht erfolgt. Weitere Maßnahmen des Klimaschutzteilkonzeptes konnten im Rahmen des Klimaschutzmanagements ebenfalls erfolgreich umgesetzt werden (siehe Frage 3). Für die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes ist es imminent wichtig, dass die Kommunen konkrete Ziele mit dem Klimaschutzmanager vereinbaren. Die Außendarstellung der erfolgten Maßnahmen ist ebenfalls einen zentrale Aufgabe, da sich nur so der Klimaschutzgedanke nachhaltig in den Köpfen festsetzt.

Die Bestandsaufnahme der Liegenschaften sowie die Einarbeitung in die Verwaltungsstrukturen und Zuständigkeiten waren in meinem Fall sehr zeitintensiv, dass gilt auch für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Daher bin ich der Ansicht, dass die geförderte Klimaschutzstelle generell über einen etwas längeren Zeitraum (eventuell 3 bis 4 Jahre) angelegt sein sollte. Zudem hat der Klimaschutz in der Verwaltung oftmals keine besonders hohe Priorität, dies gilt es zu verbessern.

Porträt
Name Armin Herglotz
Ausbildung

Dipl.-Ing. (FH) für Versorgungstechnik

Kontaktdaten

Gemeinde Lengede:
Fachbereich Bauen/Liegenschaften/Sport
Vallstedter Weg 1
38268 Lengede
E-Mail: armin.herglotz@lengede.de
Tel.: 05344-8912

Gemeinde Vechelde:
Fachbereich Bauen/Liegenschaften
Hildesheimer Straße 85
38159 Vechelde
E-Mail: armin.herglotz@lengede.de
Tel.: 05302-802276

Bundesland Niedersachsen
Kommunen Lengende und Vechelde
Einwohnerzahl und Größe der Kommunen Gemeinde Lengede: ca. 12.000 bei 34 km2
Gemeinde Vechelde: ca. 16.600 bei 76 km2
Meine Verortung in der Kommune Verwaltung der Gemeinden Lengede und Vechelde, Fachbereich Bauen/Liegenschaften/(Sport), Abteilung Bauinstandhaltung im Hochbau
Ich bin Klimaschutzmanager für... ...die Gemeinden Lengede und Vechelde
Projektlaufzeit 24 Monate
Highlights der vergangenen Monate

Umsetzung der geplanten Energiesparmaßnmahmen für kommunale Gebäude

Optimierung der vorhandenen Regelungstechnik

Realisierung der ausgewählten Maßnahme

Baubegleitung für das Passivhausgebiet in Broistedt (Gemeinde Lengede)

Vallstedter Weg 1
Lengede
38268
10.3101200
52.2064000
Förderprogramm
Weiterführende Informationen