Nahaufnahme Klimaschutz
April 2015

Benjamin Domke, Bochum

Große Schritte sind immer gut, aber im Klimaschutz sind es vor allem die vielen kleinen Schritte, die am Ende zum Ziel führen. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen!
Zitat
Große Schritte sind immer gut, aber im Klimaschutz sind es vor allem die vielen kleinen Schritte, die am Ende zum Ziel führen. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen!

SK:KK: Herr Domke, Sie sind erst seit relativ kurzer Zeit als Klimaschutzmanager tätig. Was hat Sie an dieser Tätigkeit gereizt? Wie ist Ihr "erster Eindruck"?

Herr Domke: Mein Interesse für den Umwelt- und Klimaschutz wurde während des Studiums geweckt, und ich habe mich dann immer weiter in diese Richtung spezialisiert, u.a. durch verschiedene Praktika. Für mich war klar, dass ich nach dem Studium das Gelernte möglichst in der Praxis umsetzten möchte. Der Beruf des Klimaschutzmanagers erschien mir dabei als eine großartige Gelegenheit. Um mich weiter auf diese Tätigkeit vorzubereiten, habe ich nach dem Studium eine Fortbildung zum "Klimaschutzmanager für Kommunen" am Bildungszentrum für die Ver- und Entsorgungswirtschaft in Essen gemacht.

Nach einem halben Jahr im Beruf kann ich sagen, dass meine Vorstellungen, mit denen ich in die Arbeit gestartet bin, erfüllt wurden. Besonders reizvoll finde ich die Vielfältigkeit der Aufgaben. Das hängt vor allem mit den drei Themenbereichen zusammen, für die ich zuständig bin: klimafreundliche Mobilität, Wärmenutzung und Klimaanpassung. Außerdem finde ich es spannend, mit all den unterschiedlichen Menschen in der Stadt zusammenzuarbeiten.

SK:KK: In Bochum gibt es noch einen weiteren Klimaschutzmanager, Herrn Schuster. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Herr Domke: Die Zusammenarbeit zwischen uns beiden sowie den anderen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Klimaschutz klappt sehr gut, wie ich finde. Herr Schuster ist bereits seit zwei Jahren als Klimaschutzmanager hier in Bochum tätig und im Vergleich zu mir schon fast ein "alter Hase". Für meinen Einstieg war es hilfreich, einen erfahrenen Kollegen an der Seite zu haben, der einen mit Rat und Tat unterstützt, insbesondere was die Abläufe in der Verwaltung angeht. Unsere Büros haben eine Verbindungstür, die die meiste Zeit offen steht. Wir sind also ständig in Kontakt.

Die Arbeitsteilung zwischen uns wird natürlich durch die Klimaschutzkonzepte vorgegeben, die wir beide umsetzen. In seinem Fall ist dies das Energie- und Klimaschutzkonzept 2020, für mich sind es die Klimaschutzteilkonzepte "Klimafreundlicher Verkehr", "Integrierte Wärmenutzung Bochum-Ost" und das "Klimaanpassungskonzept".

Ganz selbstverständlich ergeben sich bei unserer Arbeit Anknüpfungspunkte und Synergien, auch über die Projekte hinaus, in denen wir ohnehin zusammenarbeiten. Wichtig ist es daher, immer im Dialog zu stehen und sich regelmäßig über Neuigkeiten und den derzeitigen Stand der eigenen Projekte auszutauschen.

SK:KK: Klimaanpassung ist ein wichtiges Thema in Bochum, seit 2012 liegt ein - vom Bundesumweltministerium gefördertes - Klimaanpassungskonzept vor. Welche Maßnahmen wurden in diesem Zusammenhang ergriffen?

Herr Domke: Die Stadt Bochum beschäftigt sich schon seit Anfang der 1990er-Jahre mit stadtklimatischen Fragen. Damals standen allerdings noch nicht der Klimawandel und seine vielfältigen Folgen im Mittelpunkt, sondern stadtklimatische Auswirkungen. Aus dieser Zeit stammt auch die erste Klimaanalyse, die dann im Jahr 2008 komplett überarbeitet wurde und eine Grundlage für die Erarbeitung des Klimaanpassungskonzepts bildete.

Ein besonderer Bestandteil des Klimaanpassungskonzepts ist die Handlungskarte Klimaanpassung. Sie ist eine entscheidende Arbeitsgrundlage, um bei geplanten Bauvorhaben im Stadtgebiet frühzeitig Konflikt- und Gefährdungspotenziale zu erkennen. Auf der Karte sind Gebiete dargestellt, in denen es bei Starkregenereignissen zu Überflutungen kommen kann, es durch die Bevölkerungsdichte und Altersstruktur zukünftig zu einer starken Hitzebelastung der Bürgerinnen und Bürger kommen wird, sowie Flächen, die besonders wichtig für die Stadtbelüftung sind und freigehalten werden sollten. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse werden in Bochum gezielt Maßnahmen ergriffen, um die negativen Folgen des Klimawandels auf die Stadt abzumildern.

Um das Problem von Überflutungen infolge von Starkregenereignissen in den Griff zu bekommen und diesen vorzubeugen, verfolgt die Stadt Bochum seit einiger Zeit den Ansatz, befestigte Flächen von der Kanalisation abzukoppeln. In der sogenannten „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ hat sich Bochum zusammen mit allen anderen Städten des Emschergebiets das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 15 Prozent weniger Regenwasser in die Kanalisation einzuleiten. Möglich werden soll das vor allem durch eine natürliche Ableitung über Bachläufe, die Versickerung des Wassers in Mulden sowie die Entsiegelung von Flächen und durch Dachbegrünung.

Diese Maßnahmen haben darüber hinaus noch einen positiven Nebeneffekt, denn im Sommer haben Wasserflächen und die Vegetation mit ihrer Eigenschaft, Wasser zu speichern, eine kühlende Wirkung auf das Stadtklima.

SK:KK: Klimaanpassung und Klimaschutz sind nicht immer vereinbar. Wie sind Ihre Erfahrungen dazu, welche Herausforderungen gibt es in diesem Zusammenhang? Worin liegen möglicherweise Synergien?

Herr Domke: So wie alle Kommunen steht auch Bochum vor der Herausforderung, die Stadtstrukturen sowohl für den Klimaschutz als auch für die zu erwartenden Klimaveränderungen „fit“ zu machen. Die größte Herausforderung sehe ich hier bei Wohnungsbauprojekten, da zwei unterschiedliche Blickrichtungen in Einklang gebracht werden müssen. Einerseits sollte die Stadt im Hinblick auf das Ziel Klimaschutz möglichst verdichtet werden, da sich auf diese Weise die Energieeffizienz steigern lässt und die Erreichbarkeit zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem ÖPNV verbessert wird. Andererseits ergibt sich aber aus Klimaanpassungssicht das Problem, dass hoch verdichtete Stadtgebiete unter Umständen schlecht belüftet werden und sich im Sommer stark aufheizen können.

Bei einem der größten Wohnungsbauprojekte, die in Bochum in den letzten Jahren geplant wurden, verfolgt die Stadt einen integrativen Ansatz, um Klimaanpassung und Klimaschutz miteinander zu vereinbaren. Im Projekt Plan4Change kooperiert die Stadt mit der Ruhruniversität Bochum und dem Deutschen Institut für Urbanistik mit dem Ziel, bei der Umsetzung des Wohnungsbauprojekts stadtklimatologische Aspekte besonders zu berücksichtigen und verschiedene Akteure einzubeziehen. Die Experten der Ruhruniversität führen beispielsweise Modellrechnungen durch, um herauszufinden, wie sich die geplante Gebäudestruktur auf das lokale Klima auswirkt, sodass die Gebäude gegebenenfalls anders positioniert werden können.

Auch die Entwässerung des Wohngebietes wird so gestaltet, dass eine natürliche Ableitung des Regenwassers ermöglicht wird. Dazu wird ein naturnaher Wasserlauf angelegt, der das Gebiet durchquert und in einen nahegelegenen Bach mündet. Gleichzeitig dient die Grünfläche, in die der Wasserlauf eingebettet ist, als Naherholungsgebiet für die Anwohner und als Frischluftschneise, durch die das Gebiet belüftet wird.

Die Erfahrungen aus dem Planungsprozess und der Umsetzung des Wohnungsbauprojekts werden am Ende in einem Handlungsleitfaden zusammengefasst, damit auch andere Kommunen davon profitieren können. Als Klimaschutzmanager bin ich an dem Projekt beteiligt und sorge dafür, dass es einen direkten Austausch mit der verwaltungsinternen AG Anpassung gibt. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema kontinuierlich und noch stärker als bisher in die Verwaltungsabläufe zu integrieren.

SK:KK: Was sind die nächsten großen Schritte und Vorhaben in Ihrer Projektlaufzeit?

Herr Domke: In nächster Zeit werde ich mich – zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen – verstärkt mit der Organisation der Aktion „STADTRADELN“ und des Umwelttages zum Thema klimafreundliche Mobilität widmen. Beide Aktionen zielen darauf ab, die Bürgerinnen und Bürgern in Bochum für die Nutzung klimafreundlicher Verkehrsmittel zu gewinnen und insbesondere für das Fahrradfahren zu motivieren.

Als wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit und zur Information der Bürgerinnen und Bürger werden Herr Schuster und ich den Bereich „Energie & Klima“ auf der Internetseite der Stadt Bochum neu gestalten und überarbeiten. Dabei werden die Themen klimafreundliche Mobilität und Klimaanpassung hervorgehoben und einen eigenen Bereich bekommen.

Für die Schulen in Bochum werde ich – unter Mitarbeit aller relevanten Akteure der Stadt – ein Angebot für schulisches Mobilitätsmanagement schaffen. Dabei können die beteiligten Akteure ihre Angebote und Fähigkeiten einbringen, zum Beispiel Verkehrssicherheitstraining sowie die Ausarbeitung von Radschulwegplänen durch die Bochumer Verkehrswacht und die Polizei, Nahverkehrstraining durch die BOGESTRA oder Mobilitätsbildung für die 5. und 6. Klasse durch den Verkehrsclub Deutschland (VCD) und den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Porträt
Name Benjamin Domke
Ausbildung

M.Sc. Umwelt- und Ressourcenmanagement
B.A. Geographie und Politische Wissenschaft

Kontaktdaten

Stadt Bochum
Umwelt- und Grünflächenamt
Technisches Rathaus
Hans-Böckler-Straße 19
44787 Bochum
Tel.: 0234-9101626

Bundesland Nordrhein-Westfalen
Kommune Stadt Bochum
Einwohnerzahl und Größe der Kommune Einwohner: ca. 365.000
Fläche: ca. 145 km2
Meine Verortung in der Kommune Umwelt- und Grünflächenamt
Ich bin Klimaschutzmanager für... …die Umsetzung von Maßnahmen aus den Klimaschutzteilkonzepten "Klimafreundlicher Verkehr", "Integrierte Wärmenutzung Bochum-Ost" und dem "Klimaanpassungskonzept" in Bochum.
Projektlaufzeit 01.09.2014 – 31.08.2016
Highlights der vergangenen Monate

Organisation der Aktion "Stadtradeln" und des Umwelttags zum Thema klimafreundliche Mobilität in Bochum

Einrichtung und Gestaltung von Internetseiten zu den Themen klimafreundliche Mobilität und Klimaanpassung

Gründung eines Netzwerks "Wärmeversorgung und Sanierung Bochum-Ost"

Erstellung eines "Beratungspakets" Mobilitätsmanagement für Schulen zusammen mit verschiedenen Akteuren aus der Stadt

Hans-Böckler-Straße 19
Bochum
44787
7.2146060
51.4837490
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