Nahaufnahme Klimaschutz
Mai 2016

Dennis Fels, Klimaschutzmanager der Stadt Dormagen

Die Mehrzahl der Dormagener Bürgerinnen und Bürger lebt in Einfamilienhäusern. Sie können sich ganz einfach per Mausklick im Internet darüber informieren, ob ihr Hausdach für eine Fotovoltaik- oder Solarthermieanlage bzw. für die Dachbegrünung geeignet ist. Diese und weitere Erfolgsgeschichten im Klimaschutz beschreibt Dennis Fels im Interview. Er ist als Klimaschutzmanager in Dormagen tätig.
Zitat
„Die Tätigkeit als Klimaschutzmanager ist sehr interessant und herausfordernd. Die Themenschwerpunkte sind höchst unterschiedlich sowie abwechslungsreich und man arbeitet sowohl intern als auch extern mit vielen verschiedenen Personen zusammen.“

SK:KK: Die Stadtverwaltung Dormagen hat im Jahr 2010 ein Integriertes Klimaschutzkonzept verabschiedet. Welches sind die größten Herausforderungen, denen Dormagen gegenübersteht?

Dennis Fels: Dormagen liegt als große Mittelstadt zwischen der Landeshauptstadt Düsseldorf und Deutschlands viertgrößter Stadt Köln. Der durch die zentrale Lage bedingte Verkehr macht fast 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Dormagen aus. Daneben ist die Stadt mit dem „CHEMPARK Dormagen“ ein wichtiger Industriestandort. Hinzu kommen circa 80.000 m² Einzelhandelsfläche.

Dementsprechend hoch sind die Belastungen für Klima und Umwelt. Der Anteil der kommunalen Einrichtungen am Gesamtenergieverbrauch liegt nur bei etwa einem Prozent –daher haben wir als Stadtverwaltung nur wenige Möglichkeiten der direkten Einflussnahme, wenn es darum geht die gesamtstädtischen C02-Emissionen zu mindern. Aus diesem Grund stehen bei unserem Engagement für den Klimaschutz vor allem die Optimierung stadtinterner Handlungsfelder sowie die Vorbildfunktion für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen im Vordergrund.

SK:KK: Die Dormagener Bürgerschaft, die überwiegend in Einfamilienhäusern lebt, kann sich seit 2014 mittels eines digitalen Solarpotentialkatasters über ihre persönlichen Möglichkeiten für den Einsatz von Fotovoltaik und Solarthermie informieren. Was steckt hinter diesem automatisierten Verfahren?

Dennis Fels: Grundlage für die Solarpotentialanalyse sind Laserscandaten, die aus einer Überfliegung des Stadtgebietes stammen. Zu sehen sind hochauflösende Luftbilder mit –  je nach Sonneneinstrahlung und damit Eignung –  farblich unterschiedlich gekennzeichneten Hausdächern. Mit einem einfachen Klick auf die Dachfläche des Hauses erhält man konkrete Angaben zum Beispiel über den Wirkungsgrad, den Ertrag und die Kosten einer potentiellen Fotovoltaik- oder Solarthermieanlage. Das kostenlose Serviceangebot wurde jetzt um ein Gründachpotentialkataster erweitert, mit dem sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über den Nutzen und die Möglichkeiten eines begrünten Hausdachs informieren können.

SK:KK: Mit welchen weiteren Angeboten erreichen Sie die interessierte Öffentlichkeit?

Dennis Fels: Wesentliches Element der Öffentlichkeitsarbeit ist die Internetseite zum Klimaschutz der Stadt Dormagen. Dort werden alle Informationen gebündelt, zentral aufbereitet und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf der Klimaschutz-Homepage erhalten Interessierte Informationen zu den Inhalten des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Dormagen, zu Projekten der Stadtverwaltung und auch zu Projekten von Partnern oder anderen Akteuren. Natürlich weisen wir im Internet auch auf alle aktuellen Aktionen und Termine hin, bieten umfangreiche Energiespartipps und Informationen zu Fördermöglichkeiten. Außerdem haben wir in verschiedenen öffentlichen Gebäuden Informationsständer mit Broschüren zum Thema Energiesparen und vielen weiteren Informationen aufgestellt.

Darüber hinaus laden wir regelmäßig zu einem Solarstammtisch ein und haben weitere Veranstaltungen wie den Tag der Umwelt oder die Kampagne Altbausanierung initiiert. Über alle Aktionen und Neuigkeiten im Klimaschutz berichten wir mit unserer Pressearbeit.

SK:KK: Welche weiteren Projekte sind aus Ihrer Sicht besonders hervorzuheben?

Dennis Fels: Die Stadt Dormagen ist die erste und bis dato einzige Kommune im Rhein-Kreis Neuss, die das Projekt ÖKOPROFIT erfolgreich durchgeführt hat. Darauf sind wir sehr stolz, denn normalerweise gelingt das nur Landkreisen oder Großstädten. Im Rahmen von ÖKOPROFIT erhalten lokal ansässige Unternehmen umfangreiche Beratungsleistungen, die dazu anleiten, Ressourcenschonung mit Betriebskostensenkung zu verbinden. Aufgrund des Erfolgs wird nun eine zweite Runde angestrebt.

Des Weiteren nimmt die Stadt Dormagen seit vier Jahren erfolgreich am „STADTRADELN“ teil. 2013 haben wir im landesweiten Vergleich der Städte in Nordrhein-Westfalen in Bezug auf die gefahrenen Kilometer pro Einwohner den sechsten Platz belegt. Auch mit dem Ausbau der E-Ladeinfrastruktur ist die Stadt Dormagen auf einem guten Weg zur nachhaltigen Mobilität. Momentan arbeiten wir an einem stadtinternen Mobilitätskonzept, bei dem ein nachhaltiger Fuhrpark und die angepasste Nutzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung zentraler Inhalt sind. Ein weiteres erfolgreiches Projekt ist die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik, welche mittels Contracting  finanziert wird.

SK:KK: Inwiefern ist Klimaschutz neben ihrer Tätigkeit als Klimaschutzmanager in der Stadtverwaltung verankert?

Dennis Fels: Als Klimaschutzmanager berate ich die Tochtergesellschaften der Stadt – etwa die für das Gebäudemanagement zuständigen Eigenbetriebe – zu Fördermitteln im Bereich des Klimaschutzes. Dazu zählen auch die Fördermöglichkeiten im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums. Der monetäre Ansatz ist wichtig, um den Gedanken des Klimaschutzes zu verankern und in Planungen einzubeziehen, die unabhängig von meiner Tätigkeit sind, zum Beispiel wenn es um Sanierungen geht.

Des Weiteren wird durch die bereits erwähnte Umrüstung auf effiziente Straßenbeleuchtung, die in der Verantwortung der Technischen Betriebe der Stadt Dormagen liegt, auch Klimaschutz betrieben. Hinzu kommen Tätigkeiten des lokalen Energiedienstleisters, der mehrheitlich der Stadt gehört. Hier ist beispielsweise die Heizungsmodernisierung durch Contracting zu nennen. Ein großer Erfolg ist aber definitiv die Gründung des Klima- und Energiebeirats, der sich mit der stetigen Fortführung des Klima- und Umweltschutzes befasst. In diesem Gremium haben wir unter anderem das „Energieleitbild Dormagen“ zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen erstellt.

SK:KK: Wie sieht Ihr persönlicher Werdegang aus, der Sie auf Ihre Tätigkeit als Klimaschutzmanager vorbereitet hat?

Dennis Fels: Da ich von jeher an Naturwissenschaften interessiert war, habe ich mich bei meinem Bachelorstudium für Biologie entschieden. Im Masterstudium habe ich mich auf Umweltwissenschaften spezialisiert. Dabei ging es auch um angewandten Klimaschutz mit einem Schwerpunkt im Bereich Erneuerbare Energien. Nach meinem Abschluss habe ich ein mehrmonatiges Praktikum beim Landschaftsverband Rheinland absolviert. Das war gut, denn dabei habe ich einen ersten Einblick in kommunale Verwaltungsstrukturen bekommen. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit habe ich an einem mehrtägigen Fortbildungslehrgang zum „Klimaschutzmanager für Kommunen“ teilgenommen. Da es noch keine spezifische Ausbildung zum Klimaschutzmanager in einer Verwaltung gibt, war und ist ein Großteil der Arbeit „Learning by Doing“.

Porträt
Name

Dennis Fels

Ausbildung

B.Sc. Biologie
M.Sc. Umweltwissenschaften
Klimaschutzmanager für Kommunen (BEW)

Kontaktdaten

Stadt Dormagen
Mathias-Giesen-Str. 11
41540 Dormagen

Tel.: 02133/257696
Mail: dennis.fels@stadt-dormagen.de

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Kommune

Stadt Dormagen

Einwohnerzahl und Größe der Kommune

64.838 (Stand 31.12.2015); 85,49 km2

Meine Verortung in der Kommune

Fachbereich Städtebau

Ich bin Klimaschutzmanager für...

...die Umsetzung der Maßnahmen des Integrierten Klimaschutzkonzeptes der Stadt Dormagen.

Projektlaufzeit

Erstvorhaben: 01.05.2012-30.06.2015

Anschlussvorhaben: 01.07.2015-30.06.2017

Highlights der vergangenen Monate

Projekt „Erneuerbar Mobil – der Stadtkonzern Dormagen steigt um“

Energetisches Quartierskonzept Horrem

Erfolge
  • - Durchführung von ÖKOPROFIT als erste und einzige Kommune im Rhein-Kreis Neuss
  • - Platz 6 beim „STADTRADELN 2013“ im Vergleich der Kilometer pro Einwohner (NRW)
  • - Ausbau der E-Ladeinfrastruktur (4 Ladestationen für E-Bikes, 2 Ladesäulen für E-Autos)
  • - European Energy Award Silber (2011, 2014)
  • - Umrüstung der Straßenbeleuchtung ( mit LED-Technik) durch Contracting (mehr als 4.000 Lampen)
Mathias-Giesen-Str. 11
Dormagen
41540
6.8208800
51.0926200
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