Nahaufnahme Klimaschutz
März 2016

Dieter Prosik, Klimaschutzmanager von Ettlingen

In mehr als 580 Ettlinger Haushalten kommen inzwischen Energiesparboxen zum Einsatz und tragen dazu bei, den CO2-Ausstoß in der Großen Kreisstadt zu reduzieren. Sie sind eine von mehr als 70 Maßnahmen, die Dieter Prosik in den vergangenen drei Jahren als Klimaschutzmanager in Ettlingen anschieben und realisieren konnte.
Zitat
„Die große Herausforderung für erfolgreichen Klimaschutz wird es sein, angesichts der medialen Präsenz aktueller Themen, wie zum Beispiel der Flüchtlingskrise, dennoch den Rang eines prioritären und existentiellen Politikbereiches zu behaupten.“

SK:KK: Energieeinsparungen in Privathaushalten sind ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zu geringeren CO2-Emissionen. Wie motivieren Sie die Bürgerinnen und Bürger von Ettlingen, sich aktiv für den Schutz des Klimas einzusetzen?

Dieter Prosik: Im Rahmen des Maßnahmenkatalogs unseres Klimaschutzkonzeptes haben wir uns in den letzten Jahren intensiv mit dem Klimaschutzmarketing befasst. So haben wir die Veranstaltungsreihe „Klimaschutz in Ettlingen“ ins Leben gerufen, zu der wir mit Professor Mojib Latif u.a. einen der renommiertesten Klimaforscher in Deutschland begrüßen durften. Und auch der Publizist und Grimme-Preisträger Dr. Franz Alt war als Redner vor Ort. Neben der klassischen Öffentlichkeitsarbeit mit Presseartikeln, Flyern und Broschüren gab es thematische Veranstaltungen, Ausstellungen und einen Wettbewerb. Unter www.klimaschutz-ettlingen.de haben wir eine Webpräsenz geschaffen, die ein vielfältiges Angebot für die Bürgerinnen und Bürger bereithält, sich im Klimaschutz zu engagieren. Die Bandbreite reicht dabei von unseren Energiesparboxen bis hin zum finanziellen Engagement in der BürgerEnergiegenossenschaft.

SK:KK: Welchen Stellenwert hat Klimaschutz im Industrie-, Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungssektor in Ettlingen? Welche Maßnahmen konnten Sie hier initiieren?

Dieter Prosik: Der Bereich Gewerbe, Dienstleistungen, Handel und Industrie stellt eine wichtige Säule des Maßnahmenbündels unseres Klimaschutzkonzeptes dar. Entsprechend haben wir viel Arbeit in den Aufbau des sogenannten Lernenden EnergieEffizienz-Netzwerks (LEEN) für Ettlinger Unternehmen gesteckt. Im Herbst letzten Jahres ist das Netzwerk mit 11 Unternehmen gestartet. Darauf sind wir besonders stolz, da solche Netzwerke in der Regel eher in Großstädten, Landkreisen oder Regionen zustande kommen.

SK:KK: Wie sehen Ihre Erfahrungen aus – sind vor allem finanzielle Einsparungen die entscheidende Motivation für aktiven Klimaschutz?

Dieter Prosik: Da müssen wir uns keinen Illusionen hingeben. Hauptmotivator für Klimaschutzhandeln sind in erster Linie finanzielle Anreize bzw. Sanktionsmechanismen sowie die Einhaltung von Vorschriften. Der Gedanke des globalen Klimaschutzes ist bisher eher willkommener Mitnahmeeffekt, allerdings mit steigender Popularität. 

SK:KK: Im April endet die Förderung Ihrer Stelle als Klimaschutzmanager in Ettlingen. Gibt es ein Projekt, auf das Sie persönlich besonders stolz sind?

Dieter Prosik: Neben dem bereits erwähnten Lernenden EnergieEffizienz-Netzwerk, welches auch durch das Bundesumweltministerium ausgezeichnet wurde, freue ich mich besonders über den Erfolg unserer Energiesparboxen. Die Reihe von Strom-, Heiz- und Wassersparboxen ist in ihrer Umsetzung einzigartig. Mittlerweile sind die thematischen Energiesparhelfer der Boxen in über 580 Haushalten im Einsatz. Das ist für eine Stadt unserer Größe eine beachtliche Anzahl.

SK:KK: Können Sie uns die Energiesparboxen näher erläutern?

Dieter Prosik: Mit den Energiesparboxen zeigen wir den Ettlinger Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten auf, wie sie ihre Nebenkosten reduzieren und dabei einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Zugleich verdeutlichen die Boxen, dass Energiesparen auch ohne Komfortverlust möglich ist. Die Stromsparbox enthält zum Beispiel eine Steckerleiste mit Fußschalter um bei Nichtgebrauch etwa von Fernseher, DVD-Spieler und Musikanlage den Stand-by-Stromverbrauch zu unterbrechen. Und mit einer LED-Sparlampe widerlegen wir die landläufige Meinung, dass Energiesparlampen nur kaltes Licht erzeugen können. Die Heizsparbox ist u.a. mit drei programmierbaren Heizkörperthermostaten ausgestattet. Diese ermöglichen es, individuelle Heizzeiten für jeden Wochentag im Voraus einzustellen. Die Wassersparbox enthält zum Beispiel eine Wasserspar-Handbrause und einen Duschzeitmesser. Natürlich sind in allen Boxen auch Broschüren mit den wichtigsten Hintergrundinformationen zum Energiesparen und Klimaschutz enthalten. Die Ettlinger Bürgerinnen und Bürger haben die Boxen sehr gut angenommen. In Kürze wird die Reihe noch um eine Mobilitätsbox ergänzt.

SK:KK: Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für erfolgreichen Klimaschutz?

Dieter Prosik: Die Energiewende ist in der Praxis realisierbar, ökologisch alternativlos und ökonomisch und geopolitisch sinnvoll. Allerdings fehlt es auf allen Ebenen – von den politischen Entscheidern bis hin zu den privaten Haushalten – an der notwendigen Priorisierung und, als Konsequenz daraus, am Umsetzungswillen. Die große Herausforderung für erfolgreichen Klimaschutz wird es sein, angesichts der medialen Präsenz aktueller Themen, wie zum Beispiel der Flüchtlingskrise, dennoch den Rang eines prioritären und existentiellen Politikbereiches zu behaupten.

SK:KK: Wie geht es in Ettlingen und für Sie im Klimaschutz weiter?

Dieter Prosik: Der Gemeinderat der Stadt Ettlingen hat Ende 2015 die Verlängerung der Stelle um zwei weitere Jahre beschlossen. Nun warten wir auf den Förderbescheid des Projektträgers Jülich.

Porträt
Name Dieter Prosik
Ausbildung

Bac.oec. Ökonomie
M.A. Politikwissenschaft
Energieeffizienzmanager (TÜV)

Kontaktdaten

Stadt Ettlingen
Amt für Wirtschaftsförderung und Gebäudewirtschaft
Ottostraße 5
76275 Ettlingen
Tel.: 07243-101-165
E-Mail: klimaschutz@ettlingen.de

Bundesland Baden-Württemberg
Kommune Stadt Ettlingen
Einwohnerzahl und Größe der Kommune Große Kreisstadt, Mittelzentrum, 38.861 Einwohner (31. Dez. 2014)
Meine Verortung in der Kommune Amt für Wirtschaftsförderung und Gebäudewirtschaft
Ich bin Klimaschutzmanager für... ...die Umsetzung der Maßnahmen des 2010 beschlossenen integrierten Klimaschutzkonzeptes der Stadt Ettlingen.
Projektlaufzeit

Mai 2013 bis April 2016 (Erstvorhaben)
Geplant: Mai 2016 bis April 2018 (Anscchlussvorhaben)

Highlights der vergangenen Monate

Energiesparboxenreihe: Ausgabe von Strom-, Heiz- und Wassersparboxen zur Sensibilisierung und Mobilisierung zu aktivem Klimaschutz

Aufbau eines Lernenden EnergieEffizienz-Netzwerks (LEEN) für Ettlinger Unternehmen und eines entsprechenden städtischen Förderprogramms. Diese Maßnahme wurde 2015 im Rahmen der Jahreskonferenz der Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke seitens des BMUB ausgezeichnet.

Elektromobilität: Einrichtung einer kombinierten E-Auto/Pedelec-Ladestation sowie einer weiteren Ladestation für E-Autos

Quartierskonzept Musikerviertel: Nahwärmeuntersuchung auf Basis von Erneuerbaren Energien und Kraftwärmekopplung, Energiediagnosen für die Schulen sowie Bürgerberatung und Öffentlichkeitsarbeit für die Akteure im Quartier

Erfolge

70 realisierte bzw. initiierte Klimaschutzprojekte

580 Energiesparboxen in Ettlinger Haushalten

über 1.000 BesucherInnen/TeilnehmerInnen der Veranstaltungsreihe Klimaschutz

über 10.000 Tonnen prognostizierte jährliche CO2-Einsparung

Berichterstattung in fast 100 Presseartikeln

Ottostraße 5
Ettlingen
76275
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Förderprogramm