Nahaufnahme Klimaschutz
Dezember 2014

Falko Müller, München

Klimaschutz beginnt in München in der Verwaltung. In jedem klimarelevanten Referat ist mindestens ein Klimaschutzmanager oder eine Klimaschutzmanagerin angestellt. Für den erfolgreichen kommunalen Klimschutz gilt es außerdem die Menschen vom Klimaschutz zu überzeugen und wichtige Akteure zu vernetzen. Falko Müller gibt uns einen Einblick in seine Arbeit als Klimaschutzmanager, bei der er sich u.a. auf Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung sowie der Vernetzung wichtiger Klimaschutzakteure in München konzentriert.
Zitat
"Klimaschutz muss vor allem auf kommunaler Ebene funktionieren – und dazu müssen die Menschen vor Ort mitgenommen und begeistert werden."

SK:KK: Seit April 2013 ist in München ein Team von elf Klimaschutzmanagerinnen und -manager (KSM) tätig. Wie ist ein so großes Team innerhalb der Verwaltung organisiert und wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den KSM?

Herr Müller: Wir haben in München eine besonders günstige Ausgangslage: In unserer Verwaltung arbeiten etwa 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und der Klimaschutz wird dabei an vielen Stellen mitbedacht, zum Beispiel im Planungsreferat, im Baureferat, im Referat für Arbeit und Wirtschaft und natürlich im Referat für Gesundheit und Umwelt. Das ist natürlich zunächst einmal sehr positiv, jedoch blieben viele Synergieeffekte lange ungenutzt. Inzwischen ist in jedem klimaschutzrelevanten Referat mindestens ein Klimaschutzmanager oder eine Klimaschutzmanagerin (manchmal sogar zwei) angestellt. Das verbessert die Kommunikation zwischen den Referaten und so können diese Potentiale besser genutzt werden, weil wir als referatsübergreifendes Team agieren können. Dabei arbeiten wir intensiv zusammen, treffen uns regelmäßig und planen gemeinsame Klimaschutz-Aktivitäten.

Ein Vorteil in einem so großen Team liegt natürlich in der interdisziplinären Ausrichtung. Wir alle bringen verschiedene Ausbildungen und einen anderen Berufshintergrund mit, vom Architekten über die Wirtschaftsingenieurin und den Geographen bis zum Journalisten. In der Praxis macht das die Zusammenarbeit nicht komplizierter sondern spannender. Und das gemeinsame Ziel Klimaschutz für München eint uns.

SK:KK: Sie sind insbesondere für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Wie sieht dieser Aufgabenschwerpunkt aus? Was sind Ihre wesentlichen Tätigkeitsbereiche und Projekte?

Herr Müller: Eine meiner zentralen Aufgaben ist es zu Netzwerken, Akteure zusammenzubringen und sie zu beraten. In der Verwaltung und in der gesamten Stadt München engagieren sich sehr viele Personen und Organisationen bereits seit Jahren sehr für den Klimaschutz – darunter NGOs, Verbände und Unternehmen. Diese Menschen zusammenzuführen ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen kommunalen Klimaschutz.

Zu den weiteren Aufgaben gehört neben der Kommunikation der städtischen Klimaschutzaktivitäten über das Internet (Aufbau eines Klimaschutzportals) auch die Leitung einer referatsübergreifenden Arbeitsgruppe zum Thema "Bewusstseinsbildung/Verhaltensänderung". Hierbei geht es um die Beratung von Kolleginnen und Kollegen in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit, das Erarbeiten neuer Klimaschutzmaßnahmen sowie zuletzt die inhaltliche Konzeption und Planung der bundesweiten Fachveranstaltung "Netzwerk21Kongress". Hier konnten wir Ende Oktober knapp 300 kommunale Nachhaltigkeitsakteurinnen und -akteure aus ganz Deutschland in München zusammenbringen.

SK:KK: Was sind die nächsten großen Herausforderungen, die auf Ihrer Agenda stehen?

Herr Müller: Derzeit planen wir Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager in München eine verhaltensändernde Maßnahme im Bereich Mobilität. Dabei geht es darum, möglichst viele Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter davon zu überzeugen das Auto stehen zu lassen und stattdessen "aufs Rad" zu steigen. Ebenfalls in die Verwaltung hinein wirkt das Programm "Pro Klima - Contra CO2", bei dem die Kolleginnen und Kollegen der teilnehmenden Dienststellen innerhalb der Münchner Verwaltung Energie einsparen und im Gegenzug einen Teil der eingesparten Energiekosten zur freien Verfügung bekommen, um beispielsweise die eigene Weihnachtsfeier zu finanzieren. Das Programm gibt es schon 15 Jahre, aber bisher hat es noch wenig Bekanntheit und Durchschlagskraft. Das wollen wir ändern.

Und dann möchte ich endlich die Umsetzung unseres Klimaschutzportals angehen. Im ersten Schritt wollen wir die Aktivitäten der Landeshauptstadt München im Bereich Klimaschutz zentral sammeln und veranschaulichen.

Interessanter wäre allerdings ein zweiter Schritt, auf den ich sehr hoffe nämlich, dass es hier in München eine umfassende, akteursübergreifende Klimaschutzkampagne gibt, die das Thema in die Stadt hinausträgt. Ich denke, der Zeitpunkt ist gut, weil wir als Verwaltung bereits viele Projekte in unserem direkten Einflussbereich angegangen sind und nun die nächste Stufe auf dem Weg zu einem nachhaltigeren München angegangen werden kann. Aber da müssen natürlich viele Akteure mitziehen, und nicht zuletzt benötigen wir auch die entsprechenden finanziellen Ressourcen und den politischen Willen.

SK:KK: Viele Ihrer Aktivitäten richten sich nach "innen", also direkt an die Verwaltung. Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, Klimaschutzthemen auch in die kommunale Verwaltung hinein zu kommunizieren?

Herr Müller: Ich halte das für äußerst wichtig, vor allem, wenn man die Stadtbevölkerung ebenfalls ansprechen und motivieren will. Die Klimaschutzaktivitäten der Kommune müssen nach außen hin ein äußerst hohes Maß an Glaubwürdigkeit haben, sonst hat man ein Authentizitätsproblem im Dialog mit der Stadtbevölkerung. Das wurde hier in München recht früh erkannt. Daher ist hier in diesem Zusammenhang schon einiges passiert. So wurden städtische Liegenschaften energieeffizient saniert, Neubauten werden ebenfalls so geplant und gebaut, dass sie mit einem geringen Energieeinsatz betrieben werden können.

Ein weiteres praktisches Beispiel ist der Austausch von herkömmlichen Leuchtmitteln bei der Straßenbeleuchtung, die großflächig mit modernen, energieeffizienten Leuchtmitteln ersetzt wurden. Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen – es muss trotzdem gelingen, in noch stärkerem Maße auch den einzelnen städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Wichtigkeit von Klimaschutz zu vermitteln.

SK:KK: Welchen Tipp können Sie anderen Klimaschutzmanagern bei der Umsetzung von Öffentlichkeitsarbeit mit auf den Weg geben?

Herr Müller: Ich glaube, dass wir Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager gerne vergessen, dass wir zu den wenigen Menschen gehören, für die der Klimaschutz eine hohe Priorität hat – für die meisten anderen Menschen ist er eher ein typisches "ich-schau-dann-mal-lieber-beiseite"-Thema. Deshalb sollten wir im Kontakt und in der Kommunikation mit anderen Menschen immer darauf achten, unser Ziele nicht mit dem "Bedürfnis" der anderen zu verwechseln. Oder kurz gesagt: Nicht moralisch argumentieren, sondern den Leuten gute Gründe liefern, im Klimaschutz aktiv zu werden.

Ein weiterer Erfahrungswert zeigt, dass es sehr wichtig ist, sich die Zielgruppen – mit ihren spezifischen Kommunikationsverhalten, Bedürfnissen und Einstellungen – im Vorfeld einer Kampagne genau anzuschauen. Jugendliche erreicht man beispielsweise nicht mit Broschüren, ältere Menschen hingegen nach wie vor sehr gut. Besonders wichtig für die zielgruppengerechte Kommunikation sind die oft zitierten Multiplikatoren, mit denen man den jeweiligen Personenkreis erreichen kann: Man muss nicht jede Zielgruppe selbst direkt ansprechen, und oft kann man das auch gar nicht. Mit den richtigen Partnern, von der Kirche über den Fußballverein bis zum örtlichen Jugendtreff, ist es viel leichter, weil diese die Zielgruppe viel besser kennen und einen direkten Zugang zu ihr haben.

Porträt
Name Falko Müller
Ausbildung Diplom-Sozialwissenschaftler, M.St. in Sustainability Leadership, Journalist (Volontariat)
Kontaktdaten Landeshauptstadt München
Referat für Gesundheit und Umwelt
Bayerstraße 28a
80335 München
Bundesland Bayern
Kommune München
Einwohnerzahl und Größe der Kommune Einwohner: 1.400.000
Fläche: 311 km2
Meine Verortung in der Kommune Klimaschutzmanager im Stab der Referatsleitung des Referats für Gesundheit und Umwelt
Ich bin Klimaschutzmanager für... ...Öffentlichkeitsarbeit und Campaigning
Projektlaufzeit 1.8.2013 - 31.7.2016
Highlight der nächsten 12 Monate
  • Umsetzung Klimaschutzportal München
  • Umsetzung der gemeinsamen KlimaschutzmanagerInnen-Maßnahme zu umweltfreundlicher Mobilität in der Verwaltung
  • Ankurbeln von Pro Klima Contra CO2 - unserem verwaltungsinternen fifty/fifty-Äquivalent
Bayerstraße 28A
München
80335
11.5527190
48.1392050
Förderprogramm
Weiterführende Informationen