Nahaufnahme Klimaschutz
September 2015

Hannes Völsch, Ludwigslust-Parchim

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim setzt sich Klimaschutzmanager Hannes Völsch dafür ein, dass sich Schülerinnen und Schüler intensiv mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen. In dreijähriger Projektlaufzeit begleitet er die Einführung von Energiesparmodellen an 16 Schulen. Das lohnt sich für die teilnehmenden Schulen auch finanziell. Denn sie profitieren nach dem fifty/fifty-Modell von den eingesparten Energiekosten.
Zitat
„Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Klimaschutz im Schulalltag versprechen wir uns eine hohe Multiplikatorenwirkung. Viele Maßnahmen, die in den Schulen durchgeführt werden, können zu Hause auf ähnliche Weise umgesetzt werden.“

SK:KK: Herr Völsch, Sie sind seit Dezember 2014 als Klimaschutzmanager für die Einführung von Energiesparmodellen in den Schulen, die sich in Trägerschaft des Landkreises Ludwigslust-Parchim befinden, zuständig. Welche Schritte sieht das Klimaschutzprojekt während der dreijährigen Projektlaufzeit vor?

Hannes Völsch: Im ersten halben Jahr des Klimaschutzprojekts haben wir uns vor allem damit auseinandergesetzt, wie wir die Schulen zur Teilnahme bewegen können. Dafür haben wir ein eigenes Konzept erstellt. Schließlich handelt es sich um ein für die Schulen freiwilliges Projekt.

Über ein zuvor integriertes Energiemonitoring hatten wir bereits Daten zu den Verbräuchen sämtlicher Schulen erfasst und erste Handlungsfelder aufgedeckt. Auf diese Weise haben wir nun die Möglichkeit, das Nutzerverhalten der Schülerinnen und Schuler gezielter zu verändern und die Erfolge sichtbar zu machen. Neben den finanziellen Anreizen durch das fifty/fifty-Beteiligungsmodell sehen wir darin eine zusätzliche Motivation für die teilnehmenden Schulen.

SK:KK: Gab es bereits besondere Meilensteine?

Hannes Völsch: Ja, als einen ersten Meilenstein haben wir am 30. Juni 2015 eine öffentliche Auftaktveranstaltung ausgerichtet und können uns nun über die Teilnahme von 16 der 19 Schulen freuen, die sich in öffentlicher Trägerschaft befinden. Wichtiger Part der Auftaktveranstaltung war die Auswertung unseres Logowettbewerbs, bei dem wir mithilfe der Schülerinnen und Schüler ein Projektlogo gesucht hatten.

Im weiteren Projektverlauf wollen wir nun gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Projekttage zum Klimaschutz organisieren und Maßnahmen entwickeln, die zur Senkung der Verbräuche in den Bereichen Wasser, Strom, Heizen und Müll führen. Unser Ziel ist es, diese Maßnahmen als wiederkehrende Ereignisse in den Schulalltag zu integrieren, auch über die Projektlaufzeit hinaus.

SK:KK: Können Sie uns beschreiben, wie das Thema „Energiesparen“ ganz konkret in die Praxis des Schulalltags integriert wird?

Hannes Völsch: Seitens des Landkreises wurden keine Vorschriften gemacht, daher sind die praktischen Ansätze an den Schulen sehr unterschiedlich. Zudem unterscheiden sich auch die Schulformen – von Förderschulen über Gymnasien bis hin zu Berufsschulen sind ganz unterschiedliche Schulen vertreten.

Der Grundgedanke, Energieteams an jeder Schule zu etablieren, ist jedoch an allen Standorten gleich. Umgesetzt wird das im Klassenverband, im Rahmen von Wahlpflichtkursen oder durch einen verantwortlichen Schüler in jeder Klasse. Das Team wird zusätzlich durch mindestens eine verantwortliche Lehrkraft, den Hausmeister und den Klimaschutzmanager unterstützt.

Die Energieteams decken Einsparpotenziale auf und informieren die Schülerschaft über die Tätigkeiten im Bereich des Klimaschutzes. Zusätzlich besitzt jedes Energieteam Zugang zum Energiemonitoring seines Objekts. Auch bei Störfällen, etwa wenn Toilettenspülungen klemmen und unnötig viel Wasser verbrauchen, sind die Energieteams gefragt, dies schnellstmöglich zusammen mit den Hausmeistern zu beheben.  

Weitreichendere Auswertungen des Monitorings nehme ich als verantwortlicher Klimaschutzmanager vor. Dazu zählen beispielsweise auch die Anpassung von Heizkurven mit zusätzlicher Nacht- und Ferienabsenkung, Auswertungen der Grundlast im Bereich Elektroenergieverbrauch und die Festlegungen eines Grenzwertmanagement, welches die Verbrauchswerte in einem festgelegten Rahmen überwacht.

SK:KK: Werden die Schulen auch an den finanziellen Einsparungen, die mit geringeren Verbräuchen von Gas, Strom und Wasser sowie geringerem Müllaufkommen einhergehen, beteiligt?

Hannes Völsch: Mit den teilnehmenden Schulen wurde eine Vereinbarung nach dem fifty/fifty- Modell geschlossen. Dazu wurden die Verbrauchswerte für Wasser, Strom, Heizenergie und Müll der letzten drei Jahre einer jeden Schule aufgenommen und ein Vergleichswert für jedes Medium berechnet. Der Heizenergieverbrauch wurde zudem witterungsbereinigt.

Nach jedem Projektjahr werden wir den aktuellen Verbrauch ermitteln und dem Vergleichswert gegenüberstellen. Die Medienersparnis wird nach aktuellem Preisniveau in Geldwert umgerechnet und zu 50 Prozent der Schule zu deren freien Verfügung ausgezahlt.

SK:KK: Welchen Effekt versprechen Sie sich über die Schülerschaft der beteiligten Schulen hinaus von dem Klimaschutzprojekt?

Hannes Völsch: Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema im Schulalltag, gehen wir davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler ihr gelerntes Wissen auch nach Hause tragen und dort als Multiplikatoren wirken. Viele Maßnahmen, die in der Schule durchgeführt werden und dem einen oder anderen die Augen öffnen, können zu Hause auf ähnliche Weise umgesetzt werden.

Durch die vielen Pressemitteilungen und den Projektauftritt im Internet konnten wir zudem das Interesse vieler anderer Einrichtungen in der Region wecken, darunter beispielsweise Schulen, die nicht in Trägerschaft des Landkreises liegen.

SK:KK: Gibt es Planungen, das Klimaschutzprojekt auch auf Kindergärten oder andere Einrichtungen auszuweiten?

Hannes Völsch: Da der Landkreis Ludwigslust-Parchim kein Träger von Kindergärten ist, wird das Projekt auf diesen Bereich leider nicht übertragen werden können.

Andere Einrichtungen sind in unserem Fall die Verwaltungsgebäude des Landkreises, in denen das Energiemonitoring ebenfalls installiert wurde. Hier besteht somit auch die Möglichkeit, die Verbräuche zu optimieren und Störfälle schneller zu beseitigen.

SK:KK: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Umsetzung des schulischen Klimaschutzprojektes?

Hannes Völsch: Die größte Herausforderung sehe ich darin, den „Gedanken des Klimaschutzprojekts“ an alle Schülerinnen und Schüler eines Standortes zu tragen. Hierbei spielt natürlich die Unterstützung der Lehrerschaft eine entscheidende Rolle. Sie sind diejenigen, die das Projekt durch ihr eigenes Handeln innerhalb der Schule beeinflussen und durch pädagogische Elemente im Unterricht und während der Projekttage mit Leben füllen müssen. Dabei lassen sich die vollen Unterrichtspläne und andere bereits etablierte Projekte oft schwer mit den zusätzlichen Aufgaben koordinieren. Der Landkreis und ich als Klimaschutzmanager unterstützen dabei natürlich wo wir können.

SK:KK: Was reizt Sie persönlich an der Tätigkeit als Klimaschutzmanager? Wie sah Ihr beruflicher Werdegang aus?

Hannes Völsch: Als Energiebeauftragter für ein Unternehmen im Bereich des produzierenden Gewerbes war ich zuvor für die Etablierung eines Energiemanagements nach DIN ISO 50001 verantwortlich. Die Abläufe eines solchen Managements ähneln meiner jetzigen Tätigkeit sehr, also Maßnahmen zur Medieneinsparung zu finden, diese anschließend umzusetzen und die Ergebnisse auszuwerten.

Der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern sowie die Möglichkeit, diese von dem Projekt und dem dahinterstehenden Gedanken zu überzeugen, sorgen für den zusätzlichen Reiz meiner jetzigen Tätigkeit als Klimaschutzmanager. Da ich zudem aus der Region komme, freut es mich natürlich auch an der Schule zu arbeiten, an der ich selbst mein Abitur abgelegt habe.

Porträt
Name Hannes Völsch
Ausbildung

Master of Engineering (Energie- und ressourceneffiziente Technologien und Verfahren)

Kontaktdaten

Landkreis Ludwigslust-Parchim
Landratsamt
Putlitzer Straße 25
19370 Parchim
Tel.: 03871-7221007
E-Mail: hannes.voelsch@kreis-lup.de

Bundesland Mecklenburg-Vorpommern
Kommune Landkreis Ludwigslust-Parchim
Einwohnerzahl und Größe des Landkreises 212.000 Einwohner bei 4.752 km2
Meine Verortung in der Kommune Fachdienst Gebäudemanagement und Zentraler Service
Ich bin Klimaschutzmanager für... ... das Klimaschutzmanagement im Rahmen der Ein- bzw. Weiterführung von Energiesparmodellen in Schulen
Projektlaufzeit 11/2014-10/2017
Highlights der vergangenen Monate

Aufdecken von Einsparpotenzialen im Bereich der Gebäudetechnik (im geringinvestiven Bereich) mittels Energiemonitoring

Intensive Untersützung der gebildeten Energieteams an den 16 teilnehmenden Schulen

Organisation von Projekttagen zum Thema Klimaschutz

Integrieren von themenspezifischen Unterrichtseinheiten und Experimenten in den Schulalltag

Auswertung des vergangenen Projektjahres und Ausschüttung der Ersparnisse nach dem fifty/fifty-Modell

Putlitzer Straße 25
Parchim
19370
11.8427200
53.4194300
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