Nahaufnahme Klimaschutz
November 2016

Hans Gröbmayr, Klimaschutzmanager für den Landkreis Ebersberg

Als Klimaschutzmanager muss man für die Energiewende „brennen“, so die Überzeugung von Hans Gröbmayr. Er ist Klimaschutzmanager im bayrischen Landkreis Ebersberg. Dank seines Engagements ist der Landkreis auf einem guten Weg, bis 2030 frei von fossilen und anderen endlichen Energiequellen zu sein.
Zitat
„Ich sehe in der Dekarbonisierung die einmalige Chance, den Klimawandel zu begrenzen, die Wertschöpfung in unserer Region zu steigern und damit der Verantwortung für unsere Kinder gerecht zu werden.“

SK:KK: Sie sind seit 2011 als Klimaschutzmanager im Landkreis Ebersberg tätig. Welches sind Ihre drei wichtigsten Projekte in dieser Zeit?

Hans Gröbmayr: Zu meinen wichtigsten Projekten zählt in jedem Fall die Gründung der Energieagentur Ebersberg. Mit ihr konnten wir eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen der Energiewende im Landkreis etablieren. Von ebenso großer Bedeutung ist der Energienutzungsplan. Dieser zeigt detailliert für alle 21 Gemeinden des Landkreises, wie es bis 2030 gelingen kann, frei von fossilen und anderen endlichen Energieträgern zu sein. Außerdem freue ich mich persönlich sehr, dass wir bereits einige erfolgreiche Bürgerbeteiligungsprojekte realisieren konnten.

SK:KK: Und woran haben Sie sich zuletzt die Zähne ausgebissen?

Hans Gröbmayr: An der Konzentrationsflächenplanung Wind, welche in Bayern durch die „10H-Regelung“ torpediert wurde. Diese Regelung besagt, dass eine Windkraftanlage in Bayern künftig mindestens zehn Mal so weit von den nächsten Wohnhäusern entfernt sein muss, wie das Windrad hoch ist. Konkret heißt das, dass ein 200 Meter hohes Windrad – und das ist heute Standard – also 2.000 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt sein muss. Ausnahmen wären zwar möglich, sie bedürfen aber eines erheblichen Rückgrats der Kommunalpolitik. Derzeit gibt es im Landkreis Ebersberg somit fast keine Möglichkeiten mehr, Windräder aufzustellen.

SK:KK: Als Klimaschutzmanager muss man also auch damit umgehen können, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Welche Eigenschaften sollte eine Klimaschutzmanagerin oder ein Klimaschutzmanager aus Ihrer Sicht noch mitbringen?

Hans Gröbmayr: Man muss im wahrsten Sinne des Wortes für die Energiewende „brennen“. Man muss ein Idealist sein und viel Durchhaltevermögen haben. Darüber hinaus sind ein positives Auftreten wichtig und die Fähigkeit, andere Menschen begeistern zu können. Neben dem obligatorischen Sachverstand ist sicherlich auch ein gewisses Maß an Politikerfahrung hilfreich.

SK:KK: Der Landkreis Ebersberg hat sich ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. In welchen Bereichen steht der Landkreis schon jetzt besonders gut da?

Hans Gröbmayr: Der Landkreis Ebersberg steht im Wärmebereich vergleichsweise gut da. Hier liegt der Anteil Erneuerbarer Energien bei 15 Prozent, was deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 10,4 Prozent im Datenbasisjahr 2012 liegt. Darüber hinaus sind wir auch in Bezug auf die interkommunale Zusammenarbeit der Landkreisgemeinden sehr gut aufgestellt. Dadurch können wir sowohl in thematischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht viele Synergieeffekte nutzen.

SK:KK: Und in welchen Bereichen sind noch größere Anstrengungen nötig?

Hans Gröbmayr:  Wenn wir die im „Übereinkommen von Paris“ angestrebten Ziele erreichen wollen, müssen wir unsere Anstrengungen vervielfachen. Auf Ebene der Kommunen heißt das zum einen die konsequente Fokussierung auf Erneuerbare Energie. Und zum anderen bedeutet das, dass wir die Unterstützung von Unternehmen, Kommunen und den Bürgerinnen und Bürgern beim Ausschöpfen der Einspar- und Effizienzpotentiale benötigen. Im Wärmebereich gilt es, regenerative Konzepte über den Ausbau von Fernwärme unter Nutzung von Solarthermie-Freiflächenanlagen umzusetzen. Im Verkehrsbereich müssen wir mit einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur die notwendige Voraussetzung für E-Mobilität schaffen. Im Strombereich gilt es, die Erzeugung, Speicherung und intelligente Vernetzung gemeinsam zu denken.

SK:KK: Private Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer sind vielerorts nur schwer für Klimaschutzmaßnahmen zu gewinnen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Angebote werden gut angenommen und welche Maßnahmen waren weniger erfolgreich?

Hans Gröbmayr: Aus unserer Erfahrung werden zum Beispiel thermografische Spaziergänge hier im Landkreis sehr gut angenommen und erhöhen das Interesse an energetischen Sanierungsmaßnahmen. Auch unsere sogenannten Fachgespräche Energiewende mit aktuellen Themen sind seit mehr als vier Jahren regelmäßig gut besucht. Ebenso hat die Ausschreibung des sogenannten Energiepreises die Aufmerksamkeit für Energiewendeprojekte erhöht. Der Wettbewerb prämiert erfolgreich umgesetzte neue Ideen zur Energieeinsparung und zur Nutzung Erneuerbarer Energien. Neben Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen können auch Privatpersonen ihre Projekte einreichen. Dieser Wettbewerb wird sehr gut angenommen.

Die Nachfrage nach Energie-Impuls-Beratungen ist dagegen nicht ganz so groß, wie wir im Vorfeld gehofft hatten. Dennoch sind wir mit der Anzahl der Anfragen zufrieden.

SK:KK: Sie sind einer der Gründer der eingangs erwähnten Energieagentur Ebersberg. Können Sie uns die Arbeit der Energieagentur näher beschreiben?

Hans Gröbmayr: Die Energieagentur Ebersberg ist die zentrale Anlaufstelle in allen Fragen rund um die Themen Energiesparen, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien in unserem Landkreis. Das Anstoßen und Begleiten energieeffizienter und ressourcenschonender Energieprojekte ist unser Ziel. Wir bieten sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und Kommunen unterschiedliche Beratungsangebote an. Ein wichtiger Fokus unserer Tätigkeit liegt auf dem Organisieren von Veranstaltungen und Vorträgen und der Öffentlichkeitsarbeit. Auch die Bildungsarbeit in Schulen, Kindergärten und Vereinen sowie im Erwachsenenbereich spielt eine wichtige Rolle.

SK:KK: Die Energieagentur wird auch durch einen eigenen Förderverein unterstützt. Was steckt dahinter?

Hans Gröbmayr: Um das Klimaschutzziel des Landkreises erfolgreich umsetzen zu können, benötigen wir eine breit gefächerte Unterstützung. Mit dem Förderverein haben Unternehmen und Organisationen aber auch Einzelpersonen im Landkreis die Möglichkeit, die Arbeit der Energieagentur beratend und finanziell zu unterstützen. Dadurch wächst zugleich die Identifikation mit den Zielen und Aufgaben der Energieagentur und somit für die Energiewende. Im Gegenzug werden die unterstützenden Unternehmen auf der Homepage sowie in der Mitgliederbroschüre der Energieagentur präsentiert. Der Förderverein bietet uns die Chance, gemeinsame Aktionen und Kooperationen sowie den Informationsaustausch zu fördern. Außerdem ist er eine wichtige Plattform zur Darstellung von Best-Practice-Beispielen.

Porträt
Name

Hans Gröbmayr

Ausbildung

Zimmermeister und Bautechniker, Fachlehrer

Kontaktdaten

Landratsamt Ebersberg
Eichthalstraße 5
85560 Ebersberg
Tel.: 08092 823 108
hans.groebmayr[at]lra-ebe.de

Bundesland

Bayern

Landkreis

Ebersberg

Einwohnerzahl und Größe des Landkreises

137.421 Einwohner (Stand: 31.12.2015)

Fläche 549,36 km²

Meine Verortung im Landkreis

Büro des Landrats

Ich bin Klimaschutzmanager für...

den Landkreis Ebersberg (Konkret: für die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts für die kreiseigenen Zuständigkeiten sowie die von den kreisangehörigen Städten und Gemeinden übertragenen Zuständigkeiten)

Projektlaufzeit

01.09.2011 – 31.08.2014 sowie  01.08.2016 – 31.07.2018

Highlights der vergangenen Monate

- Erstellung eines Onlinetools für Solarpotenzialkataster
- Strategische Vorbereitungen zur Gründung eines Energieversorgungsunternehmens (EVU)
- Erstellung eines Meilensteinplans für den Landkreis Ebersberg
- Interkommunale Arbeitskreise für Kläranlagen, Straßenbeleuchtung, Flutlicht und Wasserpumpen
- Antragstellung für Fördermittel zur Umstellung des Fuhrparks des Landratsamtes auf Elektroantrieb als ausgewählte Maßnahme
- Konzeption eines Nahwärmeprojektes mit Freiflächen-Solarthermieanlage
- Start des Projekts „Ebersberger Klimaschulen“

Eichthalstraße 5
Ebersberg
85560
11.9696870
48.0756980
Förderprogramm
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