Nahaufnahme Klimaschutz
November 2016

Isa Reher, Klimaschutzmanagerin für den Kreis Stormarn, Schleswig-Holstein

Im Kreis Stormarn spielt der Klimaschutz seit mehr als 20 Jahren eine Hauptrolle. Zu den wichtigsten Akteuren zählt dabei Isa Reher. Sie hat 1996 nicht nur das erste Klimaschutzprogramm für den Kreis entwickelt, sondern ist seit mehr als fünf Jahren auch als Klimaschutzmanagerin für die praktische Umsetzung von 96 Klimaschutzmaßnahmen vor Ort verantwortlich.
Zitat
„Wir alle gestalten die Welt – bewusst oder unbewusst. Darum lasst es uns doch lieber mit Freude und zum Guten tun! Klimaschutz ist spannend und nur gemeinsam zu schaffen.“

SK:KK: Sie haben bereits 1996 ein Klimaschutzprogramm für den Kreis Stormarn entwickelt. Seitdem hat sich viel getan. Über welche Erfolge im Klimaschutz freuen Sie sich ganz besonders?

Isa Reher: Ganz besonders freue ich mich über die vielen Menschen, die sich ganz privat oder in Klimaschutzinitiativen für eine bessere Welt engagieren. Ich freue mich über die vielen Kreiskommunen, die diesen Weg schon gehen und unsere Politik, die in Stormarn das Klimaschutzprogramm und die Umsetzung einstimmig beschlossen hat. Außerdem möchte ich die Klimaschutzstelle hervorheben, die ich mir mit meinem Kollegen Paul Gärtner teile und die es auch nach Ende der Förderung durch das Bundesumweltministerium weiterhin geben wird. Damit setzt der Kreis seit mehr als 20 Jahren auf den Klimaschutz.

SK:KK: In welchen Bereichen sind aus Ihrer Sicht generell noch größere Anstrengungen nötig?

Isa Reher: Die Energiewende in Bezug auf Gebäude ist ein Punkt, der meist nicht auf einen Schlag gelingt. Da helfen Fördermittel und umfassende Informationen aus der Praxis. Ich hoffe, dass die Kommunen künftig noch mehr Unterstützung erhalten, auch da sie eine wichtige Vorbildwirkung für die Bürgerinnen und Bürger haben. Besonders die Schulen und Kitas sehe ich als dringlich an, denn dort haben wir die Chance, der Generation von morgen die Technik von morgen alltagstauglich zu zeigen und diese zur Normalität werden zu lassen.

SK:KK: Seit 2011 sind Sie auch als Klimaschutzmanagerin für den Kreis Stormarn tätig und damit für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen verantwortlich. Haben Ihre praktischen Erfahrungen die konzeptionellen Ideen im Nachhinein verändert?

Isa Reher: Nein, seit 2011 eigentlich nicht mehr. Ich war vor der Erstellung des ersten Klimaschutzprogramms im Jahr 1996 Unternehmensberaterin. Aus dieser Erfahrung heraus hatte ich für das erste Programm von vornherein eine Fortschreibung und ein Nachsteuern nach fünf Jahren eingeplant. Diese fünf Jahre waren ein entscheidender Praxistest, der zeigte, wo die Einflussfaktoren liegen und wo man auch mit guten Angeboten auf freiwilliger Basis weiterkommt. Ich sehe Klimaschutzmanagement vor allem als eine Serviceeinrichtung. Klimaschutz muss im Alltag funktionieren und diesen müssen wir als Klimaschutzmanagerinnen und -manager mit interessanten Alternativen bereichern.

SK:KK: Zu Ihren Schwerpunkten zählen fifty/fifty-Energiesparmodelle in Kitas und Schulen. Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Bereich gemacht?

Isa Reher: Wir haben zum einen als Kreis selbst drei fifty/fifty-Beteiligungsmodelle umgesetzt. Und zum anderen habe ich für andere Kommunen solche Programme für eine Förderung durch die Kommunalrichtlinie konzeptioniert. Schafft man es, eine Struktur mit „Klimawächtern“ oder „Klimadetektiven“ bis in jede Klasse hinein herzustellen und auch den Hausmeister zu begeistern, hat man eigentlich schon gewonnen – und zwar Schulträger und Schule. Entscheidend sind Kontinuität und gute praktische Projekte in den Schulen und Kitas. Unser Klimaschutz-Wettbewerb mit besonderem Schwerpunkt auf Experimenten und Multiplikatorwirkung hat wunderbare Praxisbeispiele hervorgebracht. Außerdem lassen sich fifty/fifty-Modelle mit Ausleihangeboten, wie zum Beispiel Klimakisten für alle Klassenstufen, oder altersangepassten Führungen durch unsere Naturschutzgebiete sehr bereichern. Aus meiner Erfahrung heraus rechnen sich fifty/fifty-Angebote für alle Schultypen. Meine Empfehlungen zum Gelingen sind ein langer Zeithorizont und eigens dafür abgestelltes Personal. So lassen sich auch langfristig Einsparungen erzielen, die über den Förderzeitraum hinausgehen. Häufig lohnt es sich, Kooperationen einzugehen. Dann können zum Beispiel auch kleine Schulen auf dem Land von fifty/fifty-Modellen profitieren.

SK:KK: Sie haben im Jahr 2011 den bundesweiten Pilotantrag für die Einführung von Energiesparmodellen für einen Zusammenschluss von sehr kleinen Gemeinden konzipiert. Was sind die Vorteile der interkommunalen Kooperation in diesem Bereich? Was hat sich daraus seitdem entwickelt – auch auf Bundesebene?

Isa Reher: Kleine Schulträger mit ihren Grundschulen auf dem Land sind in der Regel allein nicht in der Lage, eine Förderung in Anspruch zu nehmen oder sie finden keine externen Dienstleister für diese Art von Projekten. Aber gerade bei diesen Schulen ist die Multiplikatorwirkung bis in die Haushalte und Kommunen hinein sehr groß und viel stärker als in der Stadt. Schon deshalb lohnt es sich dort ganz besonders, fifty/fifty-Modelle einzuführen. Und das geht nur in Kooperation. Dafür werbe ich, benötige für den Erfolg aber auch die Begeisterung von Entscheidern. Inzwischen werden fifty/fifty-Modelle in vielen EU-Förderprogrammen für den ländlichen Raum aufgeführt. Das freut mich sehr.

SK:KK: Sie sind eine der Gründerinnen des Klimaschutznetzwerkes Schleswig-Holstein. Wie kam es dazu?

Isa Reher: Ich biete in Stormarn seit vielen Jahren Informationsveranstaltungen zu aktuellen Fördermöglichkeiten an, zu denen Gäste aus ganz Schleswig-Holstein kommen. Aus diesem inspirierenden Austausch entstand gemeinsam mit der Klimaschutzmanagerin Ulrike Lenz aus Bargteheide und dem Klimaschutzmanager Gunnar Thöle aus Nordfriesland  2012 die Idee, ein landesweites kommunales Netzwerk von Kommunen zu gründen. Unser Anliegen ist, uns öfter, direkt und schnell auszutauschen und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Dank eines gemeinsamen Mailverteilers und drei Treffen im Jahr funktioniert das sehr gut. Wir erleichtern uns die Arbeit und helfen uns gegenseitig. Unser Ansatz ist sehr pragmatisch. Das zeigt sich auch darin, dass wir anstelle von Vertreterinnen und Vertretern nur Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner auf Zeit gewählt haben. Zurzeit bin ich das zusammen mit einem Kollegen.

SK:KK Ob Mentorin oder Moderatorin – im Laufe Ihres Berufslebens haben Sie viele Qualifikationen erworben. Inwiefern profitieren Sie bei Ihrer Tätigkeit als Klimaschutzmanagerin davon?

Isa Reher: Spaß daran, Neues zu lernen und auszuprobieren gehört für mich zu erfolgreichem Klimaschutzmanagement unbedingt dazu. Als Moderatorin kann ich Weichen für erfolgreiche Beteiligungsprozesse stellen und sie zugleich neutral moderieren. Diese Serviceleistung bieten wir unseren Kommunen an. Gute Erfahrungen haben wir damit beim „Runden Tisch zukunftsfähiges Stormarn“ gemacht. Als Mentorin kann ich meine Kolleginnen und Kollegen im Klimaschutzmanagement beraten – und davon profitieren längst nicht nur die geförderten Kommunen.

Ein Beispiel für gelungenes Mentoring ist auch die Maßnahme „Enrichment in der Ausbildung der Kreisverwaltung“, die vom Klimaschutzmanagement eingeführt wurde. Nachwuchskräfte haben dabei die Möglichkeit, neben ihren regulären Ausbildungsinhalten, eigenständig Teile von Klimaschutzprojekten umzusetzen. Dafür erhalten sie dann eine Zeugnisbeilage für besondere praktische Fähigkeiten, etwa im Veranstaltungsmanagement. Auf diese Weise hat zum Beispiel die Organisation des STADTRADELN-Teams der Kreisverwaltung 2015 und 2016 zu besonders guten Ergebnissen geführt: Der Auszeichnung für die höchste Kilometerleistung eines Unternehmens im Wettbewerb STADTRADELN.

SK:KK: Die fünfjährige Förderung Ihrer Stelle als Klimaschutzmanagerin durch das Bundesumweltministerium läuft Ende November 2016 aus. Wie geht es dann weiter?

Isa Reher: Die Kreispolitik hat die Entfristung und Übernahme der geförderten Personalstelle im Klimaschutzmanagement beschlossen. Ich werde mit meinem Kollegen Paul Gärtner daher weiter an der Umsetzung des Klimaschutzprogramms arbeiten und dieses zum Beispiel um Elektromobilität erweitern. Ich kann nur sagen, es bleibt viel zu tun – wir packen es an!

Porträt

Name

Isa Reher

Ausbildung

Dipl.-Ing. Wirtschaftsingenieurin und Moderatorin für Beteiligungsprozesse und Changemanagement

Kontaktdaten

Kreis Stormarn
Mommsenstraße 13
23840 Bad Oldesloe
Tel.: 04531 160-1637
Mail: i.reher@kreis-stormarn.de

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis

Kreis Stormarn

Einwohnerzahl und Größe des Kreises

239.614 auf 766 km²

Meine Verortung im Kreis

Fachbereich Bau, Umwelt und Verkehr

Wir sind Klimaschutzmanager für...

...die Umsetzung und Fortschreibung des Klimaschutzprogramms mit 96 Maßnahmen (2. Fortschreibung des Klimaschutzprogramms von 1996)

Projektlaufzeit

1.5.2011 – 30.11.2016

Highlights der vergangenen Monate

- 20 Jahre Klimaschutzprogramm Stormarn mit Ausstellung und  Informationsveranstaltung
- STADTRADELN Stormarn – mit der höchsten Kilometerleistung in Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg
- Green Day – Berufsorientierungstag Green Tech
- „Enrichment in der Ausbildung der Kreisverwaltung“ – Nachwuchskräfte setzen Klimaschutz- projekte um
- Tag der Erneuerbaren Energien und Schulenergietag
- Regionalkonferenz Klimaschutz & AktivRegionen-Netzwerk mit sechs AktivRegionen und drei Kreisen zum Auftakt der EU-Förderung auf dem Land
- Kreis Stormarn mit besonders vielen Klimaschutzkonzepten, Stellen für das Klimaschutzmanagement und fifty/fifty -Projekten
- Gründung des Klimaschutz-Netzwerks der Kommunen in Schleswig-Holstein
- Ausgewählte Maßnahme: Versorgung der Kreisfeuerwehrzentrale auf Basis Erneuerbarer Energien

(Einspar-)Effekte

CO2-Einsparung der Kreisverwaltung gegenüber 1987: rund 40 Prozent

Wärmeversorgung der kreiseigenen Gebäude zu 57 Prozent auf Basis Erneuerbarer Energien

Green-IT Maßnahmen: In 2012 rund 75.000 Euro Einsparung bei 500 Arbeitsplätzen

Mommsenstraße 13
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23843
10.3797890
53.8066970
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