Nahaufnahme Klimaschutz
Januar 2017

Jan-Hendrik Mohr, Klimaschutzmanager für den Kreis Dithmarschen

Zwischen Nordsee, Elbe und Eider liegt der schleswig-holsteinische Kreis Dithmarschen – und damit der Einsatzort von Jan-Hendrik Mohr. Als Klimaschutzmanager setzt er sich dafür ein, dass nicht nur die Elektromobilität eine immer wichtigere Rolle im Kreis spielt, sondern auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), Energiesparmodelle in Schulen und Kitas und viele weitere Themen.
Zitat
„Ich will die Menschen für den Klimaschutz begeistern, damit dessen Mehrwert im Alltag für alle sichtbar wird.“

SK:KK: Klimaschutzmanager – war und ist das Ihr Traumberuf?

Jan-Hendrik Mohr: Klimaschutzmanager zu sein, ist eine spannende und vielfältige Querschnittstätigkeit. Es gibt Tage, an denen ich mich zuerst mit Elektromobilität, dann mit energetischer Quartierssanierung und im Anschluss mit der Erstellung eines Corporate Designs beschäftige. Diese Interdisziplinarität habe ich in meinem Stadtplanungsstudium kennen und schätzen gelernt. Zugleich habe ich mich im Rahmen von studienbegleitenden Nebenjobs auch intensiv mit Themen im Bereich der Erneuerbaren Energien und des Klimaschutzes auseinandergesetzt. Daher habe ich mich sehr über die Möglichkeit gefreut, im Kreis Dithmarschen als Klimaschutzmanager tätig zu werden. Ich lerne viele Menschen, Projekte und Orte kennen, durch die ich dann wiederum neue Anregungen und Ideen für den Arbeitsalltag und die umzusetzenden Maßnahmen bekomme. Und auch wenn ich meine jetzige Tätigkeit noch nicht mit anderen Berufsfeldern vergleichen konnte: Klimaschutzmanagement ist in jedem Fall einer meiner möglichen Traumberufe. Definitiv ist es eine gute Qualifizierung für zukünftige berufliche Herausforderungen.

SK:KK: Begünstigt durch seine geografische Lage an der schleswig-holsteinischen Westküste wird im Kreis Dithmarschen schon heute mehr Strom aus Windenergie produziert, als vor Ort verbraucht wird. Heißt das, der Kreis hat seine Klimaschutzziele bereits erreicht?

Jan-Hendrik Mohr: Im Stromsektor befindet sich der Kreis Dithmarschen in der glücklichen Ausgangslage, einen mehrfachen Überschuss zu produzieren. Allerdings müssen wir in diesem Sektor weiterhin Herausforderungen im Bereich der Verteilung und der Speicherung (Lastmanagement) lösen. Auch die Frage nach der Nutzung normalerweise abgeregelten Überschusswindstromes – beispielsweise für Power-to-X-Anlagen – ist rechtlich noch nicht ausreichend geklärt. Darüber hinaus liegen die Schwerpunkte des Integrierten Klimaschutzkonzeptes des Kreises auf den Sektoren Wärme und Mobilität, in denen noch große Potenziale zur Treibhausgaseinsparung zu erschließen sind. Das gilt auch für die Sektorenkopplung, die für das Gelingen der Energiewende unerlässlich ist.

SK:KK: Gerade im ländlichen Raum spielt Mobilität eine wichtige Rolle – und verursacht hohe CO2-Emissionen. Welche Projekte für eine nachhaltige Mobilität sind im Kreis Dithmarschen geplant oder konnten bereits realisiert werden?

Jan-Hendrik Mohr: Im Mobilitätssektor sollen im Rahmen des Klimaschutzmanagements vier Maßnahmen aus dem integrierten Klimaschutzkonzept umgesetzt werden. Um mehr Menschen dazu zu bewegen, mit dem Rad zur Bus- oder Bahnstation zu fahren, unterstützen wir die Städte und Gemeinden dabei, die kommunalen Fahrradabstellmöglichkeiten an Haltestellen des Öffentlichen Personennahverkehrs zu verbessern beziehungsweise neu zu errichten.

Außerdem steht der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektromobilität auf der Agenda. In diesem Themenfeld wurde im Rahmen der Regionalen Kooperation Westküste zusammen mit den Kreisen Nordfriesland, Steinburg und Pinneberg bereits eine Schnellladenetzstudie erstellt. Diese zeigt die Standorte für Schnellladestationen zwischen Hamburg und Süddänemark auf und wird zurzeit umgesetzt. Die erste realisierte Schnellladesäule aus dieser Studie wurde 2016 in Heide errichtet. Darüber hinaus kommen alle relevanten Akteure im Kreis Dithmarschen regelmäßig im Arbeitskreis Elektromobilität zusammen. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur zu schaffen. Auch ein ehrenamtlicher „Elektromobilitätsbeauftragter“ unterstützt den Kreis in seinen Bestrebungen.

SK:KK: Und wie sieht es im öffentlichen Personennahverkehr aus?

Jan-Hendrik Mohr: Auch hier wollen wir unser Angebot verbessern und ausbauen. Durch die ländliche Prägung des Kreises mit einer entsprechend niedrigen Bevölkerungsdichte ist die Ausgangslage für dieses Unterfangen nicht ideal. Zudem existiert der ÖPNV in einigen Teilen des Kreises nur aufgrund der vorhandenen Schülerverkehre. Ziel ist, den Kreis auf den wichtigsten Strecken durch starke Buslinien (werktags im Einstundentakt) zu erschließen. Diese müssen mit dem Schienenverkehr (Hamburg-Sylt) vertaktet werden, so dass ein komfortabler Umstieg möglich wird und die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs steigt. Auch der Einsatz von Elektrobussen ist geplant, konnte jedoch aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen noch nicht umgesetzt werden. Neben diesen Maßnahmen existieren im Kreis bereits flexible Bedienformen, wie der Rufbus Dithmarschen (RUDI), ein Anruf-Linien-Taxi (ALT) sowie Anruf-Sammel-Taxis (AST). Auch der Einsatz von ehrenamtlich betriebenen Bürgerbussen wird vom Kreis durch den Erwerb der entsprechenden Fahrzeuge unterstützt. ?

SK:KK: Ein weiterer Schwerpunkt im Klimaschutzkonzept des Kreises sind Energiesparmodelle in Bildungseinrichtungen. Was ist in diesem Bereich vorgesehen?

Jan-Hendrik Mohr: Wir planen die Einführung von Energiesparmodellen an einer großen Anzahl von Schulen und Kindertagesstätten. Ziel dieser Maßnahme ist – neben der Einsparung von Treibhausgasen und Energiekosten – von einem Multiplikatoreneffekt zu profitieren. Die Kinder, Schülerinnen und Schüler sollen ebenso wie die Lehrkräfte ihr im Zuge der Energiesparmodelle erworbenes Wissen an ihre Familien und Bekannten weitergeben. Auf diese Weise hoffen wir, eine große Breitenwirkung zu erzielen.

Die entsprechenden Fördermittel für eine professionelle Einführung der Energiesparmodelle haben wir bereits beim Bundesumweltministerium beantragt, so dass wir hoffen, in 2017 loslegen zu können.

SK:KK: Der Kreis Dithmarschen setzt sich aus 116 Städten und Gemeinden zusammen, die verwaltungsmäßig in zwei Städten und sechs Ämtern zusammengefasst sind. Wie gelingt es Ihnen trotz dieser großen Anzahl, zu den einzelnen Städten und Gemeinden Kontakt zu halten?

Jan-Hendrik Mohr: Das ist tatsächlich eine große Herausforderung und nicht immer einfach. Klimaschutz stellt zwar ein wichtiges und gleichzeitig vielschichtiges Thema dar – ist jedoch nur eines von vielen Themen auf kommunaler Ebene. Neben regelmäßigen Veranstaltungen setze ich verstärkt auf elektronische Medien, um etwa per E-Mail über neue Förderungen zu informieren.

Besonders wichtig ist der Arbeitskreis „Energie und Klimaschutz“, der halbjährlich tagt und bereits die Erstellung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes begleitet hat. In ihm sind viele wichtige Multiplikatoren aus dem Kreisgebiet versammelt und diese tragen aktuelle Themen und Inhalte in ihre Städte und Gemeinden. Zugleich merke ich selbst auch sehr deutlich: Je bekannter ich werde, desto mehr Kommunen kommen in Fragen des Klimaschutzes direkt auf mich zu. Das bringt uns auf einen sehr guten Weg! 

Porträt

Name

Jan-Hendrik Mohr

Ausbildung

Studium der Stadtplanung (B.Sc. und M.Sc.)

Kontaktdaten

Kreis Dithmarschen
Fachdienst Bau, Naturschutz und Regionalentwicklung
Stettiner Straße 30
25746 Heide

Tel.: 0481 97-1493
E-Mail: jan-hendrik.mohr@dithmarschen.de

Bundesland

Schleswig-Holstein

Landkreis

Kreis Dithmarschen

Einwohnerzahl und Größe des Kreises

133.000 Einwohner auf 1.428 km²

Meine Verortung im Kreis

Fachdienst Bau, Naturschutz und Regionalentwicklung – Sachgebiet Regionalentwicklung

Ich bin Klimaschutzmanager für...

...die Umsetzung von 27 Maßnahmen des Integrierten Klimaschutzkonzeptes des Kreises Dithmarschen (Konkret: ein gemeinsamer Antrag des Landkreises zusammen mit den Kommunen von fünf der sechs Dithmarscher Ämter und der zwei kreisangehörigen Städte)

Projektlaufzeit

01.02.2015 – 31.01.2018

Highlights der vergangenen Monate

- Thermografie-Rundgänge (mit Verbraucherzentrale und Volkshochschulen im Kreis)
- Kommunalkonferenz „Energie und Klimaschutz“ (Informationen über Förderprogramme, konkrete Beispielprojekte und Antragsbeispiele)
- Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität
- Antragsbewilligung für ein kreisweites Wärmekataster (Klimaschutzteilkonzept „Integrierte Wärmenutzung in Kommunen“)
- Antragstellung für die Einführung von Energiesparmodellen an Bildungseinrichtungen

Stettiner Straße 30
Heide
25746
9.1103600
54.1931700
Förderprogramm
Weiterführende Informationen