Nahaufnahme Klimaschutz
Mai 2015

Julia Behrendt, Dessau-Roßlau

Als Einzelkämpfer kann man im Klimaschutz nicht gewinnen, sagt Julia Behrendt, die sich als Klimaschutzmanagerin in Dessau-Roßlau ein großes Netzwerk wichtiger Akteure aufgebaut hat. Ihre Erfolge können sich sehen lassen und gehen über die Grenzen der Stadt längst hinaus.
Zitat
Klimaschutz gehört mit zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben einer Stadt. Dieses Querschnittsthema muss daher langfristig in der Verwaltung verankert werden.

SK:KK: Frau Behrendt, wie verlief Ihr Einstieg in Dessau im September 2013? Als Nachfolgerin eines bereits bewährten Klimaschutzmanagers verblieben Ihnen nur noch 24 Monate geförderter Arbeitszeitraum – also durchaus eine große Herausforderung?

Frau Behrendt: Ja, die Herausforderung ist sehr groß. Mein Vorgänger hat sehr gute Arbeit geleistet. Er hat es geschafft, dass sowohl vielen Bürgern als auch den Mitarbeitern der Verwaltung das Thema Klimaschutz inzwischen bekannt ist.  Durch seine Arbeit konnte ich an viele begonnene Maßnahmen ansetzen. Zugleich habe ich als Klimaschutzmanagerin natürlich auch eigene Schwerpunkte, auf die ich mich fokussieren möchte. Bei uns hat sich das sehr gut ergänzt. Allerdings sind zwei bzw. vier Jahre für die Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes sehr ambitioniert. Nur durch die Unterstützung vieler städtischer Partner, wie den Stadtwerken und dem Städtischen Klinikum, war es hier in Dessau-Roßlau überhaupt möglich, innerhalb einer so kurzen Zeit schon einige bedeutende Maßnahmen umzusetzen, zum Beispiel im Bereich der Sanierung.

SK:KK: Was sind Ihrer Meinung nach die ausschlaggebenden Faktoren für ein erfolgreiches Arbeiten als Klimaschutzmanagerin?

Frau Behrendt: Man braucht eine große Portion Ausdauer. Klimaschutz als Querschnittsaufgabe in der Verwaltung zu verankern ist kein nine-to-five Job. Als Klimaschutzmanagerin muss man mit Rückschlägen umgehen können. Und man muss einen individuellen Weg finden, Klimaschutzmaßnahmen in bestehende Strukturen zu integrieren. Mir hat es sehr geholfen externe Partnern zu suchen, die mich bei meinen Vorhaben unterstützen. In unseren Stadtwerken haben wir einen solchen starken Partner. Wichtig ist auch, Bürger oder Vereine, die sich mit dem Thema beschäftigen ernst zu nehmen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. In Dessau-Roßlau ist es zum Beispiel dem Energietisch e.V. zu verdanken, dass man sich mit dem Thema Klimaschutz überhaupt schon seit so vielen Jahren auseinandersetzt. Entscheidend ist aus meiner Sicht auch ein gutes Netzwerk zu anderen Städten und Landkreisen in der Region. Als Einzelkämpfer kann man im Klimaschutz nicht gewinnen.

SK:KK: Zugespitzt gefragt: Was bringt eine Klimaschutzmanagerin bzw. ein Klimaschutzmanager für eine Kommune? Lohnt sich die Einstellung?

Frau Behrendt: Ja, auf jeden Fall! Das Thema Klimaschutz ist so vielfältig, das lässt sich nicht  „nebenbei“ erledigen. Man benötigt mindestens eine Person die alle relevanten Maßnahmen koordiniert und steuert, Beratungsleistungen erbringt, neue Impulse setzt und als Ansprechpartner auftritt. Mit der Förderung von Personalkosten wird den Kommunen ein Anschub finanziert, den man unbedingt nutzen sollte. Seitdem in Dessau-Roßlau die Stelle des Klimaschutzmanagements besetzt ist, konnten wir viele Projekte umsetzten, die auch den Haushalt stark entlastet haben.

SK:KK: Welche besonderen Erfolge hat Dessau im Klimaschutz vorzuweisen?

Frau Behrendt: Die Stadt-Dessau-Roßlau hat das Thema Klimschutz seit mehr als 15 Jahren auf der Agenda. Das aktuelle und 2010 beschlossene Klimaschutzkonzept wurde bereits 2007 in Angriff genommen. In den Jahren 2012/13 wurde das Städtische Klinikum saniert – und das mit großem Erfolg. Durch die Effizienzsteigerung der Lüftungsanlagen, die Wärmerückgewinnung bei der Dampferzeugung sowie eine Spitzenlastreduktion konnten jährliche Einsparungen von rund 1 Millionen Kilowattstunden erzielt werden. Der CO2-Ausstoß konnte dabei um 1.470 Tonnen reduziert werden. Auch im Bereich der Photovoltaik konnten wir durch eine Potentialanalyse zu Freiflächen-Photovoltaikanlagen im vergangenen Jahr sehr gute Voraussetzungen für eine zukünftige Nutzung schaffen.

SK:KK: Gibt es weitere Projekte auf die Sie besonders stolz sind?

Frau Behrendt: Ganz aktuell haben wir in diesem Jahr die Energieavantgarde Anhalt e.V. gegründet. Dieser Verein soll dazu beitragen, die Region Dessau-Wittenberg-Bitterfeld zu einer Region der energetischen Avantgarde auszubauen und die Energiewende für jeden sichtbar zu gestalten. Vor allem freue ich mich, dass wir mit der Stiftung Bauhaus Dessau, den Stadtwerken, dem Umweltbundesamt, der Stadt Dessau-Roßlau sowie den Landkreisen Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld so viele engagierte Mitstreiter für dieses Projekt gewinnen konnten.

SK:KK: Welches sind die nächsten Schritte und Ziele, die sich Dessau-Roßlau gesetzt hat?

Frau Behrendt: Als Teilnehmer des European Energy Award haben wir uns über das Klimaschutzkonzept hinaus zu 48 weiteren Maßnahmen verpflichtet. Die müssen und wollen wir innerhalb der nächsten drei Jahre umsetzen. Dabei wollen wir uns unter anderem intensiver mit der Klimaanpassung beschäftigen, die gerade für unsere Region so wichtig ist. Auch steht die Entwicklung weiterer Sanierungsfahrpläne für die kommunalen Liegenschaften auf der Agenda, das Thema Elektromobilität soll auf kommunaler Ebene intensiver bearbeitet werden. Unser nächstes großes Ziel muss eine Verstätigung der Stelle der Klimaschutzmanagerin sein. Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, dass ein professionelles Klimaschutzmanagement die Verwaltung und die Stadt enorm voranbringen. Das darf auf keinen Fall abreißen!

Porträt
Name Julia Behrendt
Ausbildung

Dipl.-Volkswirtin

Kontaktdaten

Stadt Dessau-Roßlau
Amt für Umwelt- und Naturschutz
Finanzrat-Albert-Straße 2
06844 Dessau-Roßlau

Tel.: 0340-2041683
Fax: 0340-2042983
E-Mail: julia-berhendt@dessau-rosslau.de

Bundesland Sachsen-Anhalt
Kommune Stadt Dessau-Roßlau
Einwohnerzahl und Größe der Kommune

Einwohner: ca. 83.359
Fläche: ca. 245 km2

Meine Verortung in der Kommune Amt für Umwelt- und Naturschutz
Ich bin Klimaschutzmanager für... .. die Umsetzung aller Maßnahmen des Klimaschutzkonzeptes für die Stadt Dessau-Roßlau.
Projektlaufzeit 01.09.2013 – 31.08.2015
Highlights der vergangenen 12 Monate

Durchführung des European Energy Awards bis zum externen Audit innerhalb eines Jahres

Veröffentlichung der ersten eigenen und umfassenden Klimaschutzbroschüre

Intensive Zusammenarbeit mit der Energieavantgarde Anhalt

Modellregion "Anhalt" der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt

Highlights der nächsten 12 Monate

Erfolgreiche Zertifizierung und Auszeichnung European Energy Award

Mobilitätstag 2015

Anstreben einer Verstetigung der KSM-Stelle

Finanzrat-Albert-Str. 2
Dessau-Roßlau
06844
12.2684800
51.8984100
Förderprogramm
Weiterführende Informationen