Nahaufnahme Klimaschutz
Oktober 2016

Kai Thiemann, Klimaschutzmanager der Stadt Maintal

Ob STADTRADELN, der Austausch von Heizungspumpen oder die Einführung von betrieblichem Umweltmanagement – bei Kai Thiemann laufen die Fäden für eine Vielzahl von Klimaschutzmaßnahmen zusammen. Der Geograf und Raumplaner ist Klimaschutzmanager in der hessischen Stadt Maintal.
Zitat
„Jeder kann täglich etwas für den Klimaschutz tun. Es sind die kleinen alltäglichen Entscheidungen von uns allen, die den Unterschied machen.“

SK:KK: Die Stadt Maintal hat Ende 2012 ein Klimaschutzkonzept verabschiedet. Ziel ist, die CO2-Emissionen bis 2030 um 52 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. In welchen Bereichen sind die größten Anstrengungen notwendig?

Kai Thiemann: Die größten Einsparpotenziale liegen ganz klar in der Strom- und Wärmeversorgung sowie im Verkehrssektor. Dabei sind vor allem die privaten Haushalte gefordert. Um die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu senken, bedarf es – wie in den meisten anderen Kommunen – besonders großer Anstrengungen. Wir bei der Stadt Maintal versuchen mit gutem Beispiel voran zu gehen. In unserem Fahrzeugpool haben wir Elektrofahrzeuge und auch zwei Dienstfahrräder – davon ein Pedelec. Zudem können die Kollegen, die mit dem Rad zur Arbeit kommen, dieses in einem separaten Raum abstellen oder zumindest auf einer überdachten Fläche an Fahrradabstellbügel anschließen. Zudem bekommen Beschäftigte, die öffentliche Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit nutzen, die Kosten hierfür komplett erstattet. Maintal ist zudem Partnerin der Initiative „2proAuto“, über deren Plattform Mitfahrgelegenheiten vermittelt werden.

Aus meiner Sicht existiert aber noch ein weiterer Bereich, der in der Regel wenig beachtet wird, in dem wir aber viel bewirken können. Und zwar der individuelle Konsum. Insbesondere mit der Art und Weise, wie wir uns ernähren und welche Lebensmittel wir kaufen, können wir viel Einfluss nehmen. Wer regional und in biologischer Qualität einkauft und hin und wieder auf Fleisch verzichtet, leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

SK:KK: Stichwort klimaschonende Energie- und Wärmeversorgung von Wohngebäuden – welche Maßnahmen sind hier geplant?

Kai Thiemann: Als Kommune müssen wir zunächst einmal mit gutem Beispiel vorangehen. Nur so können wir auch die Bürgerinnen und Bürger motivieren, selbst aktiv zu werden. Momentan bereiten wir die Einführung eines Energiemanagements für die kommunalen Liegenschaften der Stadt Maintal vor. Zugleich möchten wir noch in diesem Jahr ein Teilkonzept eigene Liegenschaften beauftragen, entsprechende Fördermittel wurden bereits bewilligt. Auch die Einführung von Energiesparmodellen in allen städtischen Kitas steht auf unserer Agenda – schließlich ist Klimaschutz keine Frage des Alters. Auch Kinder können mit geeigneten Medien erfolgreich an das Thema herangeführt werden. Beispielsweise sollten sie wissen, dass sie elektrisches Licht nur einschalten, wenn sie es tatsächlich benötigen oder das Wasser beim Hände waschen nicht endlos laufen lassen.

Darüber hinaus haben wir die Bürgerinnen und Bürger bereits mit einer Thermografie-Aktion angesprochen und wollen die vorhandene Energieberatung weiter ausbauen. Außerdem planen wir ein stadteigenes Förderprogramm zur Bezuschussung von Energiesparmaßnahmen für das nächste Jahr. Damit können Bürgerinnen und Bürger dann etwa für bestimmte private Maßnahmen Fördermittel bei der Stadt beantragen.

SK:KK: Auch kleine und mittlere Unternehmen stehen im Fokus des Klimaschutzengagements von Maintal. Diese sollen mit ÖKOPROFIT motiviert werden, betriebliches Umweltmanagement zu realisieren. Was steckt dahinter?

Kai Thiemann: Die beteiligten Unternehmen profitieren von einem unkomplizierten Einstieg in das betriebliche Umweltmanagement sowie einem kostengünstigen Zugang zum Thema Energiemanagement- und Umweltzertifikate. Sie haben die Möglichkeit, Maßnahmen in den Bereichen Energie- und Wassermanagement, Abfallwirtschaft, nachhaltige Beschaffung und Mitarbeitermotivation zu identifizieren und umzusetzen. Auch der Austausch und das „Netzwerken“ spielen eine wichtige Rolle. Unsere Nachbarstadt Frankfurt am Main ist schon länger in diesem Bereich aktiv. Dadurch hat sich für uns die Chance ergeben, uns an deren bestehendes „Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelt-Technik“ (ÖKOPROFIT) anzuschließen, deren Projektträger das Energiereferat Frankfurt am Main ist. Diese Maßnahme wird vielerorts in ganz Europa umgesetzt. In Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet haben bisher 63 Betriebe unterschiedlicher Größe und verschiedener Branchen teilgenommen.

SK:KK: Und wie verläuft die Maßnahme ganz konkret?

Kai Thiemann: Interessierte Unternehmen nehmen etwa zwölf Monate lang in einer festen Gruppe an einem moderierten Programm teil, das aus gemeinsamen Workshops und individuellen Vor-Ort-Analysen besteht. Nach der erfolgreichen Teilnahme erhalten die Unternehmen eine Ökoprofit-Auszeichnung. Das Schöne ist, dass es sich nicht um eine zeitlich begrenzte Aktion handelt. Nach der ersten Projektphase können die Unternehmen einem Ökoprofit-Club beitreten, in dem sie weiter betreut werden und ihr Umweltengagement ausbauen können.

SK:KK: Klimaschutz benötigt viele Unterstützer vor Ort. In Maintal besteht bereits seit 2011 die Stadtleitbildgruppe „Maintal, aktiv für den Klimaschutz“. Inwiefern können Sie das Engagement dieser Gruppe für Ihre Aufgaben nutzen?

Kai Thiemann: Die Gruppe hat sich im Zuge der Entwicklung des Maintaler Stadtleitbildes gegründet und ist eine von mehreren aktiven Gruppen, die alle das Ziel haben, unsere Stadt schöner, attraktiver und lebenswerter zu machen. Sie beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Klimaschutz und trifft sich einmal im Monat. „Maintal aktiv für den Klimaschutz“ setzt sich aus freiwillig engagierten Bürgerinnen und Bürgern zusammen – vertreten sind Alt und Jung mit unterschiedlichen Hintergründen. Sie alle vereint das gemeinsame Interesse, über das individuelle Engagement hinaus etwas für den Klimaschutz zu tun.

Für mich ist diese Gruppe ein großer Glücksfall. Wir arbeiten eng zusammen und unterstützen und ergänzen uns bei vielfältigen Aktionen gegenseitig; so etwa beim STADTRADELN oder auch den diesjährigen, von der Gruppe geplanten Klimaschutzwochen. Der Gruppe ist es auch zu verdanken, dass in einer unserer Büchereien ein riesiger Bestand an Medien zum Klimaschutz zum Ausleihen bereit steht. Mit diesen Aktionen wollen wir die Öffentlichkeit für die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sensibilisieren. Ich bin sehr froh über das fast schon traditionell große Bürgerengagement in Maintal.

SK:KK: In einem Jahr endet die Förderung Ihrer Stelle durch das Bundesumweltministerium. Wie geht es dann in der Stadt Maintal weiter?

Es gab auch schon vor meiner Zeit in der Stadtverwaltung von Maintal Beschäftigte, die sich mit dem Thema Klimaschutz befasst haben. Klimaschutz ist keine zeitlich begrenzte Aktion, sondern muss stetig fortgesetzt werden. Deshalb wird das Thema in Maintal sicherlich auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Um die von der Stadt beschlossenen Klimaschutzziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen, wird es allerdings unabdingbar sein, eine zentrale, unterstützende und koordinierende Stelle zu etablieren.

Porträt
Name

Kai Thiemann

Ausbildung

Studium der Geographie und Raumplanung

Kontaktdaten

Stadt Maintal
Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt
Klosterhofstr. 4-6
63477 Maintal
Tel. : 06181 400-417
Mail: Klimaschutz@maintal.de

Bundesland

Hessen

Landkreis

Main-Kinzig-Kreis

Einwohnerzahl und Größe der Gemeinde

40.621 (Stand: 30.06.2016, Quelle: Einwohnermeldedaten)

32,4 km²

Meine Verortung in der Gemeinde

Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt

Ich bin Klimaschutzmanager für...

...die Umsetzung der Maßnahmen des Integrierten Klimaschutzkonzeptes der Stadt Maintal.

Projektlaufzeit

15.09.2015 - 14.09.2017

Highlights der vergangenen Monate

Thermografie-Aktion

Initiative "2proAuto"

Aufbau und Pflege der Homepage

Projekt zur gesünderen und nachhaltigen Schulverpflegung

Übergabe von 40 Klimaschutz- und Ernährungsmedien an der Stadtbibliothek

Klosterhofstr. 4-6
Maintal
63477
8.8307100
50.1517600
Förderprogramm
Weiterführende Informationen