Nahaufnahme Klimaschutz
Dezember 2015

Laura Gouverneur, Hohenstein, Aarbergen und Heidenrod

„Ich kann hier sehr eigenverantwortlich handeln und profitiere von einem politischen Umfeld sehr kurzer Wege“, so das Resümee von Laura Gouverneur nach fast einem Jahr als Klimaschutzmanagerin in den drei Gemeinden Hohenstein, Aarbergen und Heidenrod.
Zitat
„Die Herausforderungen in Bezug auf den Klimawandel werden in Zukunft nicht kleiner werden, von daher ist es unabdingbar zu verstehen, dass unser Handeln jeden Tag in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel und dessen Folgen steht. Umso positiver ist es, dass man als Einzelner direkten Einfluss nehmen kann.“

SK:KK: Sie sind als Klimaschutzmanagerin in den Gemeinden Aarbergen, Heidenrod und Hohenstein tätig. Wie sieht Ihre Bilanz nach fast einem Jahr Klimaschutzmanagement vor Ort aus?

Laura Gouverneur: Es liegt ein sehr spannendes und herausforderndes Jahr hinter mir! Die Förderung meiner Stelle durch das Bundesumweltministerium erstreckt sich über drei Jahre. Das ist nicht viel Zeit, um ein integriertes Klimaschutzkonzept in drei Gemeinden umzusetzen. Darum bin ich umso begeisterter, wie frei und selbstständig ich hier arbeiten kann und wie unkompliziert auch große Projekte angebahnt werden können. Ich kann hier sehr eigenverantwortlich handeln und profitiere von einem politischen Umfeld sehr kurzer Wege.

Eine positive Überraschung ist auch das große Interesse und die Offenheit der Bürgerinnen und Bürger sowie vieler anderer Akteursgruppen, die von sich aus auf mich zugekommen sind. Das hat mich sehr ermutigt – ebenso wie einige Projekte, die hier bereits seit vielen Jahren erfolgreich in den Kommunen laufen, aber bisher nicht dem Klimaschutz zugeordnet wurden. Etwa der Bürgerbus, der vor allem ältere Menschen zu Einkäufen und Arztterminen bringt. Dieser kann in vielen Fällen ein Auto ersetzen.

SK:KK: Wie kam es zu der Kooperation der drei Gemeinden im Klimaschutz?

Laura Gouverneur: Es gab hier im Rheingau-Taunuskreis schon länger eine große Bereitschaft, bei unterschiedlichen Themen gemeinsam vorzugehen. Im Jahr 2010 hat dann ein sehr engagierter ehemaliger Bürgermeister von den Fördermöglichkeiten im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative erfahren und die Nachbarkommunen gezielt abgefragt, ob sie bei einem Klimaschutzkonzept für die Region mitmachen wollen. Aarbergen, Heidenrod und Hohenstein starteten daraufhin das erste interkommunale Klimaschutzprojekt in Hessen.

SK:KK: Bedeuten drei Gemeinden auch, dass der Aufwand für Sie dreifach ist? Oder gibt es gemeinsame Projekte und Maßnahmen?

Laura Gouverneur: Ja, es ist tatsächlich so, dass bei vielen konkreten Projekten drei völlig eigenständige Kommunen auch drei Mal so viel Aufwand bedeuten. Es gibt aber auch viele übergreifende Themen, etwa die Öffentlichkeitsarbeit oder das Akteursmanagement, die gemeinsam umgesetzt werden können. Wir haben beispielsweise für alle drei Kommunen eine gemeinsame Klimaschutz-Website konzipiert, es gibt gemeinsame Plakate und eine Artikelserie, die regelmäßig zeitgleich in drei regionalen Zeitungen erscheint. Synergien für meine Arbeit ergeben sich auch aus der Möglichkeit, Projekte modellartig in jeweils einer der drei Kommunen auszuprobieren, um sie dann im Anschluss sukzessive in den anderen beiden Gemeinden umzusetzen.

Darüber hinaus gibt es gemeinsame Bürgerbeteiligungsprojekte sowie einen regelmäßigen interkommunalen „Runden Tisch Klimaschutz“, der reihum in den drei Kommunen stattfindet. Dieses Forum ist das beste Beispiel dafür, dass die interkommunale Kooperation im Klimaschutz inzwischen auch bei den Bürgerinnen und Bürgern angekommen ist. Bei den ersten Terminen waren immer nur einige Bürgerinnen und Bürger aus der jeweiligen Kommune anwesend, in der das Treffen gerade stattfand. Das hat sich geändert. Jetzt ist es sogar soweit, dass aus mehr als 40 kreativen und klugen Projektvorschlägen der Bürgerinnen und Bürger zwei konkrete Projekte in die Umsetzung gehen: das sogenannte Repair Café sowie eine kommunale Mitfahrbörse.

SK:KK: Welche Faktoren erleichtern Ihnen die Arbeit vor Ort?

Laura Gouverneur: Vor allem erlebe ich es als großen Vorteil, dass die Stabsstelle Klimaschutz direkt den Bürgermeistern untergeordnet ist. Das macht die Umsetzung vieler Ideen leichter. In Quartalsgesprächen setzen wir gemeinsam Schwerpunkte, die ich dann mit großer Rückendeckung umsetzen kann. Alle Bürgermeister bringen mir ein großes Vertrauen entgegen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern zeigen die drei Bürgermeister mit ihrer Anwesenheit bei jedem „Runden Tisch Klimaschutz“, welchen Stellenwert das Thema Klimaschutz hat. Im Anschluss an die Treffen laden die jeweiligen Bürgermeister zu einem kleinen regionalen Abendessen mit lokalen Produkten ein und ermöglichen dadurch einen direkten Austausch.

SK:KK: Ist das Thema Klimaschutz auch bei den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltungen angekommen?

Laura Gouverneur: Ich bin in allen drei Verwaltungen auf eine große Bereitschaft gestoßen, sich dem Thema zu stellen. Mit dem für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtenden Workshop „Klimaschutz in der Verwaltung“ haben die drei Verwaltungen zudem aus oberster Instanz verdeutlicht, wie wichtig das Thema ist. Dieser Workshop war zugleich Startschuss für das

50/50 Sharingprojekt, bei dem 50 Prozent der Energieeinsparungen in den Rathäusern im Jahr 2016 an die Kommunen gehen und 50 Prozent an den Personalrat.

SK:KK: Zu den Vorzeigeprojekten der Region zählt die Eröffnung des Windparks in Heidenrod mit seinen 12 Windkraftanlagen, die insgesamt 90 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen.

Laura Gouverneur: Wenn ein Ort mit 8.000 Einwohnern Strom für mehr als 120.000 Menschen erzeugt, dann ist das sicherlich außergewöhnlich. Allerdings ist dieser große Erfolg in keiner Weise mir zuzuschreiben, sondern mutigen Entscheidern und ausdauernden Überzeugungstätern zu verdanken. Im kommenden Jahr soll hier echte Bürgerbeteiligung möglich gemacht werden, so dass 10 Prozent der Energiegesellschaft in kleinteiliger Aufteilung per Genossenschaftsmodell an die Bürgerinnen und Bürger veräußert werden.

SK:KK: Welche weiteren Maßnahmen stehen in den kommenden Monaten auf der Agenda?

Laura Gouverneur: Neben der kontinuierlichen Weiterführung laufender Projekte, wird die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED Thema sein-, aber auch Maßnahmen zu Energieeinsparungen in großen Hallen und Bürgerhäusern sind geplant. Darüber hinaus wollen wir ein Beratungspaket für Neubürger schaffen und diese mit Informationen versorgen, die beim Grundstücks- bzw. Hauskauf oder Einzug in eine Mietwohnung relevant sind. Mindestens eine der drei Kommunen wird zudem voraussichtlich in 2016 als Fairtrade-Town ausgezeichnet werden.

SK:KK: Wo sehen Sie vor Ort die größten Herausforderungen in Ihrer Arbeit als Klimaschutzmanagerin?

Laura Gouverneur: Die finanziellen Möglichkeiten in den Kommunen stellen vielerorts eine große Hürde dar. Nötige energetische Sanierungsmaßnahmen, deren Investitionen sich relativ schnell amortisieren und die mittelfristig zu erheblichen CO2- und finanziellen Einsparungen führen würden, scheitern oftmals an der Finanzierung. Die Förderung von alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, wie die Übernahme der Erstfinanzierung eines Intracting-Topfes auf Bundesebene, wäre für die Kommunen wünschenswert.

Die Umsetzung von klimafreundlichen Mobilitätsmaßnahmen ist in eher ländlich geprägten Regionen wie dieser sicherlich auch eine Herausforderung.

Zu den noch größeren Herausforderungen zählt jedoch die Bewusstseinsbildung – sowohl bei den Bürgerinnen und Bürgern als auch innerhalb der Verwaltung. Es geht darum ein Verständnis für die Relevanz des Themas Klimaschutz zu schaffen und zu zeigen, dass Klimaschutz und ebenso die Folgen des Klimawandels alle Bereiche des wirtschaftlichen, öffentlichen und privaten Lebens betreffen. Klimaschutz muss als Querschnittsaufgabe verstanden und gelebt werden, was nicht heißen soll, dass dieses Verständnis eine Klimaschutzmanagerin und ihre „Kümmerer-Funktion“ ersetzen kann. Klimaschutz darf nicht als ein vorübergehender Trend oder auch Marketinginstrument angesehen werden. Die Herausforderungen in Bezug auf das Klima werden in Zukunft nicht kleiner werden. Von daher ist es unabdingbar zu verstehen, dass unser Handeln jeden Tag in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel und dessen Folgen steht. Umso positiver ist es doch, dass man eine Wahl hat und als Einzelner direkten Einfluss nehmen kann. Darum gilt es auch, die Hoffnungen nicht allein in Effizienz- und Konsistenzmaßnahmen auf Basis technischer und finanzieller Maßnahmen zu stecken.

Porträt
Name Laura Gouverneur
Ausbildung M.Sc. Gobal Change Management
B.A. Umwelt- und Betriebswirtschaft
Kontaktdaten Rathaus Hohenstein
Schwalbacher Str. 1
65329 Hohenstein
Tel.: 06120-2954
Mail: laura.gouverneur@hohenstein-hessen.de
Bundesland Hessen
Kommunen Gemeinden Hohenstein, Aarbergen und Heidenrod
Einwohnerzahl und Größe der Kommune 21.000 bei 200 km2
Meine Verortung in der Kommune Stabsstelle des Bürgermeisters
Ich bin Klimaschutzmanager für... ..die Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes. Dabei initiiere ich Projektideen und erarbeite Konzepte, bringe die relevanten Akteure zusammen, trage das Thema Klimaschutz nach außen und bin zentrale Anlaufstelle für Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen.
Projektlaufzeit Januar 2015 – Dezember 2017
Highlights der vergangenen Monate

Öffentlichkeitsarbeit – eigene Website, Artikelserie, Plakataktion

Akteursvernetzung – Interkommunale Veranstaltungsreihe „Runder Tisch Klimaschutz“ zur Initiierung von Bürgerbeteiligungsprojekten

Verpflichtender Workshop „Klimaschutz in der Verwaltung“ für alle Mitarbeiter in den drei Kommunen mit Startschuss für 50/50 Sharingprojekt in Verwaltungen

Unterzeichnung der Charta „100 Kommunen für den Klimaschutz“

Eröffnung des Windparks in Heidenrod mit 12 Windkraftanlagen (90 Millionen KwH Strom/Jahr)

Schwalbacher Str.1
Hohenstein
65329
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