Nahaufnahme Klimaschutz
Januar 2016

Marcel Matheis, Region Beeskow

Interkommunale Kooperation eröffnet insbesondere den kleinen Kommunen viele Chancen im Klimaschutz, so die Erfahrung von Marcel Matheis, der seit März 2013 als Klimaschutzmanager für sechs Kommunen in der Region Beeskow tätig ist. „Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Bei uns findet ein Austausch statt, der viele Projekte maßgeblich beschleunigt“, erklärt er im Interview.
Zitat
„Es ist immer wieder spannend, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dabei ist es schön zu sehen, wie sich der Klimaschutzgedanke langsam in den Köpfen verbreitet.“

SK:KK: Sie sind seit fast drei Jahren als Klimaschutzmanager in der Region Beeskow für sechs Kommunen tätig. Wie sieht Ihr persönliches Fazit aus?

Marcel Matheis: In den letzten drei Jahren waren die sechs Kommunen im Bereich Klimaschutz sehr aktiv. Sie alle haben – im Rahmen ihrer personellen und finanziellen Möglichkeiten – die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen vorangetrieben. Dabei ging es längst nicht nur um Maßnahmen aus dem gemeinsamen Klimaschutzkonzept, sondern auch um neue Projekte, wie etwa die Nutzung von Abwärme aus einer Biogasanlage in der Stadt Friedland.

Klimaschutzarbeit ist ein sehr dynamischer Prozess. Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen sind sowohl die Motivation und Mitwirkung der Akteure vor Ort als auch die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel. Die Region Beeskow hat sich sehr gut mit nationalen und europäischen Akteuren im Bereich Klimaschutz vernetzt, unter anderem durch den Beitritt zum Klima-Bündnis. Wir konnten Projekte mit großer Vorbildwirkung initiieren, wie beispielsweise die Sanierung der Turnhalle Lindenberg mit einer daraus resultierenden CO2-Einsparung von über 80 Prozent. Auch die Ergebnisse der ersten Heizperiode nach Einführung des Fifty-Fifty-Projektes in Schulen und Kitas sind sehr positiv. Ein weiterer großer Erfolg ist die Teilnahme der Stadt Beeskow am European Energy Award  – als erste Brandenburger Kommune überhaupt.

Natürlich gibt es auch Maßnahmen, die wir aus unterschiedlichen Gründen noch nicht umsetzen konnten, etwa im Bereich Sonnenenergie, wo sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen geändert haben. Bei anderen Projekten fehlte die Motivation der Gremien für eine positive Entscheidung. Insgesamt kann ich jedoch sagen, dass in der Region schon sehr viel Positives für den Klimaschutz getan wurde und diese Aktivitäten zukünftig fortgesetzt werden. 

SK:KK: Was führte zum Zusammenschluss der sechs Kommunen im Klimaschutz?

Marcel Matheis: Die sechs Kommunen arbeiten bereits seit vielen Jahren bei unterschiedlichen Projekten intensiv zusammen. Der Klimaschutzgedanke kam 2008 neu hinzu. Zum Zeitpunkt der Antragstellung hatten Kommunen mit wenigen Einwohnern keine guten Aussichten, Förderung für ein Klimaschutzkonzept zu erhalten. Somit vereinbarten die sechs Kommunen, sowohl das Konzept, als auch später die Stelle des Klimaschutzmanagers gemeinsam zu beantragen und zu finanzieren.

SK:KK: Wie ist die interkommunale Kooperation im Klimaschutz bei Ihnen vor Ort generell organisiert?

Marcel Matheis: Grundlage für die Zusammenarbeit der sechs Kommunen ist ein Kooperationsvertrag, in dem sowohl finanzielle als auch organisatorische Aspekte festgelegt sind. Federführende Gemeinde ist die Stadt Beeskow als regionales Mittelzentrum.

Für die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes wurde 2011 ein Klimabeirat gegründet, bestehend aus den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Kommunen, der Amtsdirektorin, aus Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Wirtschaft, Naturschutz und Umwelt sowie dem Deutschen Wetterdienst und interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Der Klimabeirat tagt, in abgewandelter Form, bis heute regelmäßig. Hier besprechen wir die gemeinschaftlichen Projekte und setzen Prioritäten.

Als gemeinsames Projekt gibt es zum Beispiel das Fifty-Fifty-Projekt in Schulen und Kitas, bei dem mit der Heizperiode 2014/2015 elf Einrichtungen aus vier Kommunen gemeinschaftlich an den Start gingen. Vor kurzem hat der Klimabeirat beschlossen, dieses Projekt für weitere Einrichtungen aufzustocken, so dass mit der Heizperiode 2015/2016 weitere acht Schulen und Kitas mit von der Partie sein werden. Auch beim Thema Radwegenetz findet eine intensive Zusammenarbeit statt. Aktuell gilt es zu prüfen, welche Lückenschlüsse zwischen den Kommunen sinnvoll sind und wie diese finanziert werden können.

Maßnahmen, welche Kommunen einzeln umsetzen möchten, bespreche und plane ich jeweils individuell.

SK:KK: Worin sehen Sie die größten Vorteile interkommunaler Kooperation im Klimaschutz?

Marcel Matheis: Einen wesentlichen Vorteil sehe ich in der Möglichkeit, größere Projekte umzusetzen, die für einzelne Kommunen alleine nicht realisierbar wären. Ein Beispiel ist das oben erwähnte Fifty-Fifty-Projekt, bei dem für die Förderung eine Mindestsumme erreicht werden musste. Natürlich hilft es auch, wenn Kommunen an den Erfahrungen der Nachbarkommunen teilhaben. Darum liegt ein wichtiger Teil meiner Aufgabe darin, zu kommunizieren, welche Projekte in welcher Kommune gut, schlecht oder gar nicht umgesetzt werden konnten, welche Hilfestellungen und Hemmnisse es gab. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Bei uns findet ein Austausch statt, der viele Projekte maßgeblich beschleunigt.

SK:KK: Gibt es auch Nachteile?

Marcel Matheis: Als Nachteil der interkommunalen Kooperation sehe ich die verhältnismäßig langen Kommunikations- und Entscheidungswege an. Bei einzelnen Maßnahmen sind Beschlüsse der jeweiligen Gremien notwendig, welche oftmals zeitversetzt tagen. Das kostet viel Zeit, der Aufwand wird größer und die Vorbereitungszeit der Projekte verlängert sich.

SK:KK: Klimaschutz heißt auch, dass der Einzelne sein Verhalten ändern muss. Wie gelingt es aus Ihrer Sicht am besten, die Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz mit ins Boot zu holen?

Marcel Matheis: In der Region Beeskow gibt es schon länger ein Interesse für Klimaschutzthemen. Vor sechs Jahren kündigte Vattenfall Planungen an, in der Region Kohlendioxid unterirdisch einzulagern. Das führte zu einer intensiven Auseinandersetzung der Bürger mit dem Thema Klimaschutz.

Trotzdem ist es notwendig auch noch die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, welche sich noch nicht mit dem Klimaschutz beschäftigen. Hier leiste ich viel Aufklärungsarbeit auf lokalen Festen oder halte Vorträge bei Veranstaltungen. Regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit ist aus meiner Sicht ebenfalls notwendig und sinnvoll, um das Thema in den Köpfen zu verankern. Zu diesem Zweck habe ich beispielsweise gemeinsam mit der Wohnungsbaugenossenschaft Beeskow Aushänge mit Energiespartipps konzipiert, die nun in allen Hauseingangsbereichen angebracht wurden. Außerdem konnten wir eine  Energieberatungskooperation mit der Verbraucherzentrale aufbauen. Diese berät die Bürgerinnen und Bürger unabhängig und nahezu kostenneutral. Weiterhin nehmen Schülerinnen und Schüler, welche an den Fifty-Fifty-Projekten teilnehmen, das veränderte Nutzerverhalten mit nach Hause. Ich denke, dass Bildung und Aufklärung die besten Wege sind, langfristige Verhaltensänderungen herbeizuführen. Hier gibt es allerdings auch noch viel zu tun.

SK:KK: Ende Februar endet Ihre dreijährige Förderung durch das Bundesumweltministerium. Wie geht es dann weiter?

Marcel Matheis: Das Bundesministerium hat die Stelle des Klimaschutzmanagers als Anschlussvorhaben um weitere zwei Jahre verlängert. Somit wird der Klimaschutz bis Ende Februar 2018 weiter aktiv vorangetrieben.

Porträt
Name Marcel Matheis
Ausbildung

Master of Engineering – Maschinenbau für Konstruktion und erneuerbare Energien

Bachelor of Engineering – Maschinenbau für erneuerbare Energien

Steuerfachangestellter

Anlagenmechaniker

Kontaktdaten

Rathaus Stadt Beeskow
Berliner Straße 30
15848 Beeskow
Tel.: 03366-42237
E-Mail: marcel.matheis@beeskow.de

Bundesland Brandenburg
Kommunen Beeskow, Friedland, Storkow (Mark), Rietz-Neuendorf, Tauche  und Amt Schlaubetal
Einwohnerzahl und Größe der Kommunen 38.500 bei 1.028 km²
Meine Verortung in der Kommune Stabsstelle Bürgermeister Beeskow
Ich bin Klimaschutzmanager für... ...sechs Kommunen, welche ein integriertes Klimaschutzkonzept umsetzen.
Projektlaufzeit 03/2013 bis 02/2016 (Anschlussvorhaben für weitere zwei Jahre bestätigt)
Highlights der vergangenen Monate

Ausgewählte Maßnahme – Sanierung der Turnhalle Lindenberg (Gemeinde Tauche) mit CO2-Einsparung über 80%

Teilnahme der Stadt Beeskow am European Energy Award

Fifty-Fifty-Projekt in Schulen und Kitas

Nutzung von Biogasabwärme für die Stadt Friedland

Beitritt aller sechs Kommunen zum Klima-Bündnis

Studie zur Nutzung von Geothermie der Stadt Beeskow

Stromsparcheck PLUS

Berliner Straße 30
Beeskow
15848
14.2465110
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