Nahaufnahme Klimaschutz
Januar 2015

Martin Stiller, Greifswald

Zitat
„Die nachhaltige Realisierung von Klimaschutzprojekten bedarf im Regelfall einer intensiven Hingabe und ist im Alleingang meist nicht zu meistern. Anwendbare, projektspezifische Arbeitsstrukturen sind die Grundvoraussetzung dafür, dass die gesteckten Klimaschutzziele auch erreicht werden können“.

SK:KK: Sie sind – für einen Klimaschutzmanager eher ungewöhnlich – im Immobilienverwaltungsamt angesiedelt und setzen bei Ihrer Tätigkeit sehr intensiv auf Energieeinsparung und –effizienz im Gebäudebereich. Warum wurde in Greifswald genau dieser Schwerpunkt gewählt?

Herr Stiller: Meine Ansiedlung im Immobilienverwaltungsamt hängt sowohl mit den vorhandenen Verwaltungsstrukturen und den bestehenden Anforderungen aus dem Greifswalder Klimaschutzkonzept als auch mit politischen Entscheidungen zusammen. In der Abteilung Hochbau des Immobilienverwaltungsamtes koordiniere ich die Prozesse des nachhaltigen Bauens, initiiere und begleite die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen und entwickle Strategien zur Optimierung des Gebäudemanagements. Hier stehen mir kompetente Fachingenieure aus den Bereichen Gebäude- und Anlagentechnik beratend zur Seite.

Das Klimaschutzkonzept der Hansestadt Greifswald weist der Senkung des Raumwärmebedarfs und der Steigerung der Energieeffizienz in den städtischen Gebäuden das größte CO2-Minderungspotential zu. Politische Beschlüsse der Greifswalder Bürgerschaft[1] verlangen zudem ausdrücklich eine um 30 Prozent verbesserte Energieeffizienz bei öffentlichen Bauvorhaben gegenüber der aktuellen Energieeinsparverordnung. Darüber hinaus wurde der Beschluss zum nachhaltigen Bauen gefasst, wonach insbesondere für kommunale Neubauvorhaben die ökologischen, ökonomischen und sozialen Einflüsse bzw. Auswirkungen eines Gebäudes und seines Betriebs bereits während der Planungsphase über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden müssen. Diese Leitziele stellen die Grundlage für meine Tätigkeiten dar.

SK:KK: Wie setzen Sie diese Vorhaben praktisch um? Worin liegen die besonderen Herausforderungen?

Herr Stiller: Die praktische Umsetzung des nachhaltigen Bauens findet in Greifswald erstmalig im Rahmen des Neubaus der Käthe-Kollwitz-Grundschule statt. Bei diesem und anderen Vorhaben fungiere ich als Bindeglied zwischen Fachplanern, Ingenieurbüros und ausführenden Firmen, regele die Umsetzung der Vorgaben entsprechend der Leitlinien zum nachhaltigen Bauen in der Hansestadt und schaffe so eine Grundlage für die spätere Zertifizierung des Gebäudes nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB).

Mit den Umrüstungen der Innenraumbeleuchtung in der Stadtbibliothek und der Hallenbeleuchtung in der Greifswalder Mehrzweckhalle auf LED-Technik gelangen zuletzt vorzeigbare Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, die zusammen eine CO2-Einsparung von rund 29 Tonnen jährlich bewirken.

Die besondere Herausforderung für viele Projekte liegt zumeist in der Schaffung der notwendigen Voraussetzungen, insbesondere der Finanzierung. Die Realisierung solcher Vorhaben gelingt fast ausschließlich durch Inanspruchnahme von Fördermitteln. Auch die Schaffung der Akzeptanz für Klimaschutzprojekte nimmt teilweise viel Zeit und Geduld in Anspruch. Selbst wenn der Vorschlag zur Einführung energieeffizienter Technologien häufig mit Wohlwollen aufgenommen wird, so schwindet die Akzeptanz oft mit Vergegenwärtigung der Investitionssummen. Obwohl solche Technologien - intelligent eingesetzt - langfristig zur Kosteneinsparung beitragen können und zudem dem Klima gut tun, bedarf ihre Einführung einer eifrigen Überzeugungsarbeit. Letzteres ist ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzmanagements, der nicht unterschätzt werden darf und gut vorbereitet sein will. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass kommunale Klimaschutzprojekte einer intensiven Hingabe bedürfen und im Alleingang nur schwierig zu meistern sind.

SK:KK: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen lokalen Klimaschutz-Akteuren, insbesondere mit den Mitgliedern des Klimaschutzbündnis Greifswald 2020 und dem Klimaschutzbeauftragten der Hansestadt Greifswald?

Herr Stiller: Das Greifswalder Klimaschutzbündnis 2020 - als Zusammenschluss der größten städtischen Energieerzeuger und Energieverbraucher - bildet seit 2008 den institutionellen Rahmen für die umzusetzenden Klimaschutzaufgaben. Die mir hier zur Verfügung stehenden Arbeitsstrukturen ermöglichen einen einfacheren Einstieg in unterschiedliche Projekte. Aufgebaut aus einer Reihe von thematischen Arbeitsgruppen bietet das Klimaschutzbündnis besonders im Bereich Öffentlichkeitsarbeit eine gut funktionierende Struktur. In diesem Rahmen organisieren wir beispielsweise jedes Jahr den Greifswalder Klimaaktionstag, zu dem lokale und regionale Institutionen Beiträge zu den Kernthemen Klima- und Umweltschutz bzw. Energiesparen einbringen. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt sind dazu eingeladen am Gebotenen aktiv teilzunehmen, Erfahrungen auszutauschen und Wissenswertes mitzunehmen. Einige Aktivitäten des Klimaschutzbündnisses, die insbesondere Berührungspunkte mit meinen Hauptaufgaben aufweisen, bedürfen einer Intensivierung und Verstetigung. Für spürbare Erfolge braucht es hier viel Engagement.

Der Klimaschutzbeauftragte der Stadt befasst sich vorrangig mit Klimaschutzmaßnahmen in den Bereichen Mobilität (z.B. Car-Sharing, Fuhrpark), Beschaffung und EDV. Er widmet sich also verstärkt Themen, die nicht direkt zu meinem Tagesgeschäft gehören. Die strategisch sinnvolle Aufteilung der Klimaschutzaufgaben auf meinen Kollegen und mich ermöglicht einen umfangreichen Überblick, welcher wichtig für das Erkennen von Defiziten aber auch Chancen ist und begünstigt die zielorientierte Einflussnahme in vielen Bereichen. Es existieren auch Aufgaben, die der Klimaschutzbeauftragte und ich gemeinsam angehen, insbesondere wenn sie nach hohem Arbeitseinsatz verlangen.

SK:KK: Für Sie ist jetzt fast „Halbzeit“ in der Förderperiode als Klimaschutzmanager: Welche Projekte stehen für die „zweite Halbzeit“ an und wie fällt Ihre persönliche Bilanz bisher aus?

Herr Stiller: Wichtige Projekte, die künftig angegangen werden, widmen sich beispielsweise der Steigerung der Energieeffizienz im Greifswalder Wohnungsbau. Hier besteht ein großer Nachholbedarf bei der energetischen Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern. Dazu planen wir eine langfristig angelegte Kampagne zur Information und Motivation der Greifswalder Hausbesitzer. In diesem Rahmen werde ich auch versuchen die Greifswalder Wohnungsgesellschaften in die Aktivitäten einzubeziehen und bei ihren Bemühungen, die eigenen Klimaschutzziele zu erreichen, unterstützen.

Eine Halbzeitpause wird es also nicht geben. Angesichts des noch sehr vollen Aufgabenplans müsste ich fast noch einen Zahn zulegen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Das soll aber nicht bedeuten, dass die erste Phase meines geförderten Projekts nicht ausreichend genutzt wurde. Viele Maßnahmen konnten umgesetzt und einige Erfolge gefeiert werden. Diese dürften sich auch nicht zuletzt in der demnächst anstehenden  CO2-Bilanz niederschlagen.

Wie viele Klimaschutzmanagerinnen und -manager wurde ich als solcher nicht direkt für alle mir zugetragenen Aufgaben ausgebildet. Dieser vielseitige Beruf erfordert eine lange Zeit der Einarbeitung und Identifizierung mit zum Teil recht gewöhnungsbedürftigen Strukturen und Prozessen. Obwohl der Job Einem viel abverlangt, gewinnt man in gleichem Maße viele zusätzliche Kenntnisse und Erfahrungen. Speziell die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch mit Klimaschutzakteuren anderer Kommunen sollten in jedem Fall praktiziert werden, eröffnen sie doch jedem Beteiligten neue Perspektiven und erleichtern hin und wieder die Entscheidungsfindung.

Meine Bilanz für die ersten anderthalb Jahre fällt positiv aus. Die Erfahrungen und die überwiegend positiven Eindrücke geben mir das Rüstzeug und die Motivation gestärkt in die zweite Halbzeit zu gehen.

[1] Die Bürgerschaft ist die Vertretung der Greifswalder Bürger/innen und das oberste Willensbildungs- und Beschlussorgan Greifswalds – einen Rat der Stadt bzw. Stadtrat gibt es nicht, an dessen Stelle tritt in Greifswald die Bürgerschaft, sie trifft die Beschlüsse (Anm. d. Red.)

Porträt
Name Martin Stiller
Ausbildung

Dipl.-Ing. (FH) Umwelttechnik/ Regenerative Energien

Kontaktdaten

Immobilienverwaltungsamt
Abteilung Hochbau
Markt 15
17489 Greifswald

Tel.: (03834) 8536-4273,
E-Mail: m.stiller@greifswald.de

Bundesland Mecklenburg Vorpommern
Kommune Greifswald
Einwohnerzahl und Größe der Kommune 56.445 Einwohner (31. Dez. 2013), Fläche 50,5 km2
Meine Verortung in der Kommune Verwaltung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, Immobilienverwaltungsamt, Abteilung Hochbau, Fachbereich Klimaschutz
Ich bin Klimaschutzmanager für... ...die Stadt Greifswald
Projektlaufzeit 36 Monate
Highlights der nächsten 12 Monate

Nach Prioritäten geordnet:

Einführung eines Energiemanagementsystems für kommunale Gebäude

Realisierung div. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Greifswalder Wohnungsbau

Weiterbearbeitung und Fertigstellung der Nachweise zum nachhaltigen Bauen im Falle der Käthe-Kollwitz-Grundschule

Initiierung und Durchführung einer Kampagne zum sparsamen Umgang mit Energie

Markt 15
Greifswald
17489
13.3815800
54.0954500
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