Nahaufnahme Klimaschutz
Juli 2016

Philipp Oswald, Klimaschutzmanager des Landkreises Emmendingen

Klimaschutz ist eine langfristige Aufgabe und benötigt tagtäglich einen „Kümmerer“, so die Erfahrung von Philipp Oswald. Als Klimaschutzmanager ist er seit Anfang 2016 dieser „Kümmerer“ im Landkreis Emmendingen in Baden-Württemberg und unter anderem dafür zuständig, das Thema Klimaschutz in der Verwaltung zu verankern, die Kolleginnen und Kollegen an Bord zu holen sowie die unterschiedlichen Akteure in der Kommune anzusprechen und zu aktivieren. Zu den thematischen Schwerpunkten seiner Arbeit zählen die Energieeffizienz von Unternehmen sowie die energetische Gebäudesanierung.
Zitat
„Klimaschutzmanagement ist Netzwerkarbeit: die richtigen Kontakte herstellen, die relevanten Informationen fließen lassen, motivieren und mobilisieren – das ist meine Aufgabe!“

SK:KK: Sie sind seit Anfang des Jahres als Klimaschutzmanager im Landkreis Emmendingen tätig und haben diese Aufgabe von ihrem Vorgänger Michael Schmid übernommen. Ihnen selbst bleiben nun noch 1,5 Jahre im Rahmen des Förderzeitraums. Wie ist es Ihnen gelungen, die Projekte reibungslos fortzuführen?

Philipp Oswald: Durch den Wechsel gab es im Klimaschutzmanagement ein halbes Jahr lang eine Lücke bis ich die Stelle antreten konnte. Während das Klimaschutzmanagement unbesetzt war, konnten einige Maßnahmen natürlich nicht wie geplant umgesetzt werden. Umso mehr war es für mich notwendig, nach meinem Antritt schnell Fahrt aufzunehmen, die auf den Weg gebrachten Maßnahmen wieder in die Umsetzungsphase zu bringen und neue Ideen zügig zu entwickeln.

Dabei haben mir drei Dinge sehr geholfen: Zum einen der direkte Draht zu den Kolleginnen und Kollegen in der Wirtschaftsförderung des Landkreises Emmendingen, die bereits für das Integrierte Klimaschutzkonzept verantwortlich zeichneten. Zum anderen die Erfahrung aus meinen früheren Tätigkeiten, bei denen ich im Kern bereits die Mobilisierung und zielgerichtete Zusammenarbeit von Verwaltung, regionaler Wirtschaft, Wissenschaft und Bürgern zur Aufgabe hatte. Und zu guter Letzt, dass ich das Netzwerk an regionalen Klimaschutz-Akteuren, über das ich bereits verfügte, zügig weiter knüpfen konnte.

SK:KK: Der Landkreis Emmendingen hat im Jahr 2012 ein Integriertes Klimaschutzkonzept verabschiedet. Zu den wesentlichen Ergebnissen dieses Klimaschutzkonzeptes zählt, dass bereits bis zum Jahr 2030 der Strombedarf des Landkreises vollständig lokal mit Erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Ist dieses Ziel nach wie vor realistisch?

Philipp Oswald: Wenn man hier auf die lokal vorhandenen Potenziale für die Nutzung Erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung blickt, gibt es keinen Grund daran zu zweifeln. Im Landkreis können wir bis heute deutliche Fortschritte verzeichnen. Zwei Gemeinden erzeugen bereits mehr regenerativen Strom als sie selbst verbrauchen.

Allerdings sind wir insgesamt noch lange nicht am Ende der Fahnenstange. Sehr erfreulich ist das große Engagement der Bevölkerung, die zum Beispiel allein in lokalen Bürgerenergiegenossenschaften bereits rund vier Millionen Euro Eigenkapital in Erneuerbare Energien investiert hat.

Gerade in diesem Zusammenhang muss ich allerdings feststellen, dass sich die Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene zunehmend als kontraproduktiv erweisen. Das Ziel der vollständigen Deckung des Energiebedarfs im Landkreis basiert ja auf einer dezentralen Energiewende in Bürgerhand – wie dies zum Beispiel bei Windkraft- oder größeren Photovoltaik-Projekten angesichts der neuen Ausschreibungsverfahren und Steuerbelastungen noch wirtschaftlich darstellbar sein wird, bleibt abzuwarten.

SK:KK: Zu den Schwerpunkten Ihrer Arbeit zählt die Energieeffizienz von Unternehmen. Welche Maßnahmen plant der Landkreis Emmendingen in diesem Zusammenhang?

Philipp Oswald: Angefangen haben wir mit einer Fördermittelberatung und zwei Schulungsangeboten zur betrieblichen Energie- und Materialeffizienz, die beide großen Anklang fanden. Des Weiteren planen wir eine größere Veranstaltung mit Effizienz-Best Practice Beispielen von Unternehmen aus dem Landkreis. Wichtig ist aus meiner Sicht, die knappen (Zeit-)Ressourcen der Unternehmen nicht mit redundanten Angeboten über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Deshalb werden wir in unserer Region beispielsweise bei Impulsberatungen für Unternehmen mit der gerade im Aufbau befindlichen „Kompetenzstelle Energieeffizienz“ des Landes Baden-Württemberg zusammenarbeiten.

SK:KK: Was hindert aus Ihrer Sicht Unternehmen daran, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen?

Philipp Oswald: Ehrlich gesagt sehe ich es gar nicht so, dass bei uns im Landkreis die Unternehmen nicht aktiv wären. Wir haben vor Ort eine Reihe von Unternehmen, welche die Bedeutung des Themas bereits stark verinnerlicht haben. Andere sind allerdings noch nicht gründlich genug in ihren Analysen, welche – auch wirtschaftlich – interessanten Maßnahmen sie zur Senkung ihrer CO2-Emissionen umsetzen könnten. Wenn man berücksichtigt, welche Einsparpotenziale in Unternehmensprozessen in Bezug auf Energie und Rohstoffe noch vorhanden sind, gilt es hier, noch viele Meilen zu gehen.

Interessant sind die weniger offensichtlichen Einsparpotenziale. Hierin liegt allerdings auch die Krux: um diese überhaupt zu entdecken, geschweige denn nutzen zu können, bedarf es einer guten, fachlich fundierten Analyse und einer an strategischen Zielen ausgerichteten Umsetzung. Nicht alle Unternehmen sind dazu bereit und viele scheuen Investitionen, die sich erst nach fünf oder zehn Jahren amortisieren. Dagegen sind es oft Familienunternehmen, die langfristig denken und Einsparmaßnahmen umsetzen, weil sie von der Sinnhaftigkeit überzeugt sind. Glücklicherweise haben wir ein paar davon in unserem Landkreis.

SK:KK: Ein weiterer Schwerpunkt des Klimaschutzmanagements ist die energetische Gebäudesanierung. Mit welchen Maßnahmen sprechen Sie speziell Eigenheimbesitzer an?

Philipp Oswald: In unserem eher ländlich geprägten Kreis befinden sich viele Ein- und Zweifamilienhäuser älteren Baujahrs. Wir verfolgen das Ziel, dass mehr dieser Wohngebäude energetisch saniert werden und dass diese Sanierungen in guter Qualität geplant und ausgeführt werden. Daher haben wir ein landkreisweites Netzwerk akkreditierter Energieberater aufgebaut, durch das erfahrene Beraterinnen und Berater für jeden Eigenheimbesitzer greifbar sind. Mit unserer Energiekampagne ziehen wir von Kommune zu Kommune, um die Eigentümerinnen und Eigentümer direkt an ihrem Ort anzusprechen. Hierbei ist uns ebenfalls die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern sehr wichtig, etwa der jeweiligen Gemeinde und Fachleuten, zum Beispiel von der Energieagentur Regio Freiburg. Es gilt, die Angebote zu bündeln und den Eigenheimbesitzerinnen und -besitzern schnell im Dschungel der technischen Lösungen und diversen Fördermöglichkeiten Orientierung zu geben. Da setzt auch meine Beratung an.

SK:KK: Und welche Maßnahmen sind in Bezug auf öffentliche Gebäude geplant?

Philipp Oswald: Bei den landkreiseigenen Liegenschaften verfolgen wir seit einigen Jahren bereits die Strategie, CO2-arme Technologien einzusetzen. Auch hier bedarf es des konstanten Austauschs mit den betroffenen Fachabteilungen im Landratsamt, um ein möglichst klimafreundliches Ergebnis zu erreichen.

Bei öffentlichen Gebäuden der Städte und Gemeinden im Landkreis haben wir weniger Einflussmöglichkeiten, sehen uns allerdings klar als Berater und unterstützender Ansprechpartner, zum Beispiel bei den Förderprogrammen von Land und Bund oder bei fachlichen Fragen. So planen wir zum Beispiel den Aufbau eines Netzwerkes energieeffizienter Kommunen im Landkreis, mit dessen Hilfe die Städte und Gemeinden ein passendes Energiemanagement entwickeln und einzelne Liegenschaften optimieren können.

SK:KK: Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, denen Sie als Klimaschutzmanager gegenüberstehen?

Philipp Oswald: Klimaschutz ist extrem vielseitig, da so viele verschiedene Bereiche betroffen sind: Mobilität, öffentliche Verwaltung, Bürger, Industriebetriebe und Handwerk, Politik, technische Innovation etc. Es ist herausfordernd, mit diversen Akteuren in unterschiedlichsten Themengebieten zu arbeiten, Fachexperten gezielt einzubinden und dennoch auch über den jeweiligen Tellerrand zu blicken. Viele Dinge laufen dabei ja auch parallel, man muss häufig mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft halten.

Damit zusammen hängt die – aus meiner Sicht – größte Herausforderung: die Erfolge der eigenen Arbeit sichtbar zu machen. Die konkrete Umsetzung erfolgt ja meistens nicht durch den Klimaschutzmanager selbst, einerlei ob es sich um die energetische Sanierung eines Zweifamilienhauses, den Einsatz der energieeffizienteren Prozesstechnik im Unternehmen oder die Modernisierung der Heizung im Verwaltungsgebäude handelt. Klimaschutz ist eine langfristige Aufgabe, die insbesondere auf lange Sicht Erfolge zeigt, aber tagtäglich einen Kümmerer braucht, damit optimale Entscheidungen getroffen werden können.

Porträt
Name

Philipp Oswald

Ausbildung

Diplom Geograph (Hauptfach), Betriebswirtschaftslehre, Städtebau, Geo-Informations-Systeme (jeweils Nebenfach)

Kontaktdaten

Klimaschutzmanagement
Landratsamt Emmendingen
Schwarzwaldstraße 4
79312 Emmendingen
Tel.: 07641/451-1133
E-Mail: p.oswald@landkreis-emmendingen.de

Bundesland

Baden-Württemberg

Landkreis

Emmendingen

Meine Verortung im Landkreis

Wirtschaftsförderung des Landkreises Emmendingen GmbH, direkt dem Landrat zugeordnet

Einwohnerzahl und Größe des Landkreises

161.324 Einwohner (Stand 30.09.2015);
680 km² Gesamtfläche;
24 kreisangehörige Städte und Gemeinden

Ich bin Klimaschutzmanager für...

...die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes für den Landkreis Emmendingen.

Projektlaufzeit

01.06.2014-31.12.2017 (mit 6 Monaten Pause)

Highlights der vergangenen Monate

Aufbau eines landkreisweiten Netzwerkes akkreditierter Energieberater

Energiekampagne in 3 Kommunen

Weiterqualifizierung von Unternehmensvertreterinnen und -vertretern zur Energieeffizienz im Betrieb

Vorstellung von Leuchtturmprojekten in der Öffentlichkeit

Schwarzwaldstraße 4
Emmendingen
79312
7.8507890
48.1165560
Förderprogramm
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