Nahaufnahme Klimaschutz
November 2015

Rolf Schwanzara-Bennoit, Große Kreisstadt Hoyerswerda

„Der Stein ist ins Rollen gekommen und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich mit dabei sein durfte“, resümiert Rolf Schwanzara-Bennoit. Bis Ende Oktober war er für drei Jahre als Klimaschutzmanager in Hoyerswerda tätig. Die sächsische Kreisstadt erlebt seit 1990 einen zweiten gewaltigen Strukturwandel. Nachdem die Einwohnerzahl aufgrund des umfangreichen Braunkohlevorkommens und der damit verbundenen Energiewirtschaft ab 1955 von rund 7.000 Einwohner bis 1989 auf mehr als 70.000 wuchs, leben heute nur noch ca. 34.000 Einwohner in der Stadt.
Zitat
„Klimaschutz ist längst nicht mehr nur eine Umstellung auf Erneuerbare Energien und energieeffiziente Technologien – es geht darum, auch unsere bisherigen Gewohnheiten umzustellen.“

SK:KK: Welche Bedeutung sehen Sie im Klimaschutz in Bezug auf die künftige Stadtentwicklung von Hoyerswerda?

Rolf Schwanzara-Bennoit: „Hoyerswerda – Alte Energiestadt mit Neuer Energie“ ist der Titel und Slogan unseres Energie- und Klimaschutzkonzeptes. Er beschreibt unsere Vergangenheit und unsere Zukunft. Die Braunkohle hat die Lausitz und die Stadt Hoyerswerda maßgeblich geprägt. Sie brachte den Menschen Wärme, Strom und Arbeit. Allerdings hat die Gewinnung und Verarbeitung der Braunkohle auch tiefgreifende Eingriffe in das ökologische System verursacht und die globale Klimaerwärmung mit zu verantworten. „Alte Energiestadt” soll heißen, dass das Zeitalter der fossilen Energien zu Ende geht und stattdessen die „Neuen Energien” und mit ihnen eine saubere Umwelt sowie ein neues lebenswertes Hoyerswerda auf der Tagesordnung stehen. Bis es allerdings soweit ist und wir über die erforderlichen Netze und Speichertechnologien verfügen, wird uns die Braunkohle noch eine Zeitlang begleiten.

SK:KK: Wie sieht es in Bezug auf neue Arbeitsplätze nach Wegfall der Braunkohleindustrie aus?

Rolf Schwanzara-Bennoit: Wir sehen im Klimaschutz und der Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien eine große Chance, in Hoyerswerda eine nachhaltige Wirtschaft zu fördern und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Und wie man jetzt schon sehen kann: Das Unternehmen YADOS aus Hoyerswerda produziert heute innovative Energieerzeugungsanlagen, die für eine hohe Energieeffizienz und eine saubere Umwelt stehen und die weltweit gefragt sind. Unsere Stadt ist schöner und attraktiver geworden und wo früher noch Tagebaue und rauchende Schlote das Bild der Lausitz prägten, ist heute mit dem Lausitzer Seenland eine attraktive Urlaubsregion im Entstehen.

SK:KK: Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach drei Jahren Klimaschutzmanagement in Hoyerswerda aus? Welches sind die größten Herausforderungen, denen Sie begegnet sind?

Rolf Schwanzara-Bennoit: Als Mitautor des Energie- und Klimaschutzkonzeptes bin ich sehr froh darüber, dass wir alle geplanten Klimaschutz- und Energieeffizienzmaßnahmen im vorgegebenen Zeitfenster abschließen und unsere Zielstellungen zur Energieeinsparung und Emissionsminderung erreicht haben. Eine große Herausforderung waren 2012 die Entscheidungen der Bundesregierung zur Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen. Von zwei bereits vorbereiteten Freiflächen mussten wir uns schweren Herzens trennen und die Projektrechte an eine Investorengruppe verkaufen. Die Einnahmen aus der Stromerzeugung hätten wir gern selbst für uns verbucht. Was letztendlich aber zählt, ist, dass die Photovoltaik-Anlagen gebaut wurden und seither zu einer positiven CO2-Bilanz beitragen.

SK:KK: Gab es auch positive „Überraschungen“?

Rolf Schwanzara-Bennoit: Die gab es genug. Positiv überrascht war ich über die große Nachfrage von Bürgern, Planern und Architekten nach unseren Bauherrenmappen, die wir damals gemeinsam mit der Sächsischen Energieagentur als Leitfaden zum energieeffizienten Bauen und Sanieren erstellt haben. Aber auch die Modernisierung von mehr als 4.000 Straßenlaternen im Stadtgebiet mit neuer Dimm- und LED-Technik oder die Nutzung des Grundwassers zur Beheizung des Lessinggymnasiums waren große Leistungen. Und natürlich habe ich mich sehr gefreut, als wir im September erneut die erforderliche Punktzahl für die Auszeichnung im Rahmen des European Energy Award erreichen und gegenüber 2012 sogar noch überbieten konnten. Dafür möchte ich mich bei allen Mitgliedern unseres Energieteams ganz herzlich bedanken.

SK:KK: Wie konnten Sie die Menschen vor Ort erreichen? Welche Verbündete und Netzwerke gibt es in Hoyerswerda im Klimaschutz?

Rolf Schwanzara-Bennoit: Ich denke mal, dass die regeImäßigen Informationen in den lokalen Medien, im Internet und bei Informationsveranstaltungen wesentlich zu einem besseren Verständnis unserer Bürger für die Belange des Klima- und Umweltschutzes beigetragen haben. Natürlich gehörten auch die persönlichen Gespräche mit Bürgern, Unternehmern und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern mit dazu.

Wenn man etwas erreichen will, braucht man Verbündete. Und das waren für mich die Mitglieder unseres Energieteams, die Mitglieder der Arbeitsgruppe Stadtentwicklung und unsere Stadträte, aber auch Unternehmen, wie die Versorgungsbetriebe, die Energie Erzeugungsgesellschaft, die Verkehrsgesellschaft und unsere beiden Wohnungsunternehmen, um nur einige zu nennen. Nicht zuletzt waren aber auch der Erfahrungsaustausch und die Netzwerktreffen der Energieagentur des Landkreises Bautzen und der Sächsischen Energieagentur SAENA GmbH mit Vertretern anderer Kommunen, mit dem Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, mit dem Verein „Biotechnologie Lausitz e.V.“, wo ich selber aktiv mitwirke, oder dem Verein „Informations- und Beratungsinstitut für Energieeinsparung und Umweltschutz IBEU Dresden e.V.“ ein unverzichtbarer Bestandteil meiner Arbeit.

SK:KK: Welches sind die wichtigsten Projekte, die Sie in den vergangenen drei Jahren erfolgreich anschieben konnten?

Rolf Schwanzara-Bennoit: Die Liste der Projekte ist lang, so dass ich hier nur einige nennen kann. Dazu gehören zum Beispiel die Etablierung eines Liegenschaftsinformations- und Managementsystems für das Energiecontrolling in der Stadtverwaltung, die energetische Sanierung einer Grundschule und eines Gymnasiums, die Inbetriebnahme von fünf großen Solarparks und einer größeren Photovoltaik-Dachanlage mit einer installierten Spitzenleistung von insgesamt 12,185 Megawatt, die Inbetriebnahme von drei Kleinwindanlagen auf dem Dach der Städtischen Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda und die Anschaffung von zwei Elektroautos durch die Versorgungsbetriebe. Außerdem haben wir mit der sogenannten „Energiewelt“ ein Kundenzentrum mit Pedelec-Verleih und Stromtankstelle eröffnet.

Viele Projekte, die wir angeschoben haben, wurden in das neue Energiepolitische Arbeitsprogramm 2016 – 2019 übernommen. Mit der Fertigstellung des Quartierskonzeptes für das „Klimaquartier Altstadt Hoyerswerda“ wird es auch wieder einen Maßnahmenkatalog geben, den es in den nächsten Jahren umzusetzen gilt.

SK:KK: Im Oktober ist Ihre dreijährige Tätigkeit als Klimaschutzmanager in Hoyerswerda geendet. Wie geht es für Sie persönlich weiter? Und wie wird Ihr Engagement in der Stadtverwaltung fortgeführt?

Rolf Schwanzara-Bennoit: Zur Ruhe werde ich mich noch nicht setzen, ich werde mich an anderer Stelle beruflich einbringen. Am 3. November fahre ich mit unserem Energieteam nach Leipzig, wo wir als Stadt zum zweiten Mal als Europäische Energie- und Klimaschutzkommune ausgezeichnet werden. Eine Fortführung des Klimaschutzmanagements in der Stadtverwaltung wird es vorerst nicht geben. Der Stadtrat hat aber im August ein Energiepolitisches Arbeitsprogramm zur Weiterführung des European Energy Award für den Zeitraum 2016 bis 2019 beschlossen. Zum Ende des Jahres wird dann das Quartierskonzept für das „Klimaquartier Altstadt“ Hoyerswerda vorliegen und ein Citymanager sowie ein Wirtschaftsförderer werden ihre Arbeit aufnehmen. Der Stein ist also ins Rollen gekommen und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich mit dabei sein durfte. Dafür bedanke ich mich.

Porträt
Name Rolf Schwanzara-Bennoit
Ausbildung Dipl.-Ing. (FH) für Instandhaltung
Kontaktdaten

Rolf Schwanzara-Bennoit
Große Kreisstadt Hoyerswerda
Markt 1
02977 Hoyerswerda

Telefon: +49 3571 45 6502
Telefax: +49 3571 45 78 6502
E-Mail: Rolf.Schwanzara-Bennoit@hoyerswerda-stadt.de

Bundesland Sachsen
Kommune Große Kreisstadt Hoyerswerda
Einwohnerzahl und Größe der Kommune

34.121 (per 31.12.2014) bei 95,56 km²

Meine Verortung in der Kommune Stadtverwaltung Hoyerswerda, Fachbereich Bau
Ich bin Klimaschutzmanager für... ... die Stadt Hoyerswerda
Projektlaufzeit 11/2012 – 10/2015
Highlights der vergangenen Monate

Hydrothermale Nutzung des Grundwassers im Lessing-Gymnasium

Einführung eines elektrischen Lastmanagements im Lausitzbad

Modernisierung der Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet durch Einsatz von Dimm- und LED-Technik

Einführung eines ämterübergreifenden Liegenschaftsinformations- und Managementsystems für das Energiemanagement und -controlling

Errichtung von Photovoltaik-Anlagen im Stadtgebiet

Einsatz von drehzahlgeregelten Hocheffizienzpumpen im Lausitzbad

Erstellung von Bauherrenmappen zum energieeffizienten Bauen und Sanieren in Hoyerswerda

Erarbeitung eines Quartierskonzeptes für das Klimaquartier Altstadt

Wanderausstellung des Schaufensters „Bayern-Sachsen, ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET“

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