Nahaufnahme Klimaschutz
August 2016

Stefan Sprenger, Klimaschutzmanager der Gemeinde Wallenhorst

Ob Aktionen wie „Ältester Heizkessel gesucht“ oder LED-Tauschtage – in der niedersächsischen Gemeinde Wallenhorst nutzt Stefan Sprenger immer wieder neue und innovative Möglichkeiten, um die Bürgerinnen und Bürger für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren. Er ist seit April 2015 als Klimaschutzmanager vor Ort tätig und profitiert dabei von einer engen Zusammenarbeit mit dem Klimaschutzmanagement des Landkreises Osnabrück.
Zitat
Auch in einer relativ kleinen Kommune wie Wallenhorst ist das Aufgabenspektrum eines Klimaschutzmanagers sehr vielfältig. Den Stellenwert des Klimaschutzes in unserer Gemeinde zu stärken und ihn hier dauerhaft zu etablieren, ist Ansporn meiner täglichen Arbeit.

SK:KK: Welches sind aus Ihrer Erfahrung die wichtigsten Kompetenzen eines Klimaschutzmanagers?

Stefan Sprenger: Entscheidend ist ein hohes Maß an Kommunikations- und Vermittlungsfähigkeit. In meiner täglichen Arbeit habe ich es mit zahlreichen Akteuren aus den verschiedensten Bereichen zu tun. Um sie alle einzubinden und idealerweise auch alle unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, bedarf es zugleich einer gewissen Flexibilität. Oft liest man, dass Klimaschützer sogenannte Allrounder sein sollten. Dem kann ich voll und ganz zustimmen. Natürlich zählen auch Geduld und Ausdauer zu den entscheidenden Eigenschaften eines Klimaschutzmanagers. Denn: Nicht alle Projekte lassen sich „mal so eben“ umsetzen. Auch in Wallenhorst gibt es immer mal wieder kritische Stimmen. Da ist es wichtig, die nötige Geduld aufzubringen und ein gutes Fundament zu legen, auf dem man dann aufbauen kann. Und nicht zuletzt ist – insbesondere für mich als Verwaltungsneuling – ein gesundes Verständnis von Verwaltungsabläufen wichtig.

SK:KK: Im Juli 2014 hat die Gemeinde ein Integriertes Klimaschutzkonzept beschlossen. Die Klimaschutzziele von Wallenhorst sind eingebettet in die Ziele des Landkreises Osnabrück – danach sollen bis 2050 Strom und Wärme jeweils zu 100 Prozent regenerativ erzeugt werden. Wie eng arbeiten Sie mit dem Klimaschutzmanagement des Landkreises zusammen?

Stefan Sprenger: Die gute Zusammenarbeit mit der Klimainitiative des Landkreises Osnabrück ist ein wichtiger Baustein meiner Arbeit hier in Wallenhorst. Schließlich haben wir gemeinsame Ziele, die wir im Rahmen gemeinsamer Projekte schneller und effizienter erreichen können.

Ein Beispiel ist der "Klimamarkt 2050", eine Erlebnisausstellung zum nachhaltigen Konsum. Die Klimainitiative des Landkreises Osnabrück kam 2015 auf mich zu und fragte nach einer Möglichkeit, die Ausstellung in der Gemeinde Wallenhorst zu zeigen. Daraufhin habe ich ein Ladenlokal angemietet, studentische Hilfskräfte eingestellt und die Gruppenführungen durch die Ausstellung gestaltet – ich habe also insbesondere die organisatorischen Tätigkeiten vor Ort übernommen. Die Finanzierung wiederum erfolgte zum größten Teil durch die Klimainitiative des Landkreises. Ein weiteres Beispiel ist der LED-Tauschtag im September 2015. Im Rahmen dieser Aktion konnten die Wallenhorster Bürgerinnen und Bürger kostenlos alte Glühlampen gegen neue LED-Lampen eintauschen.

Auch in den kommenden Monaten wird es weitere gemeinsame Projekte geben. So ist im September 2016 eine Gewerbeschau mit dem Schwerpunkt "Klimaschutz und Energie" in Wallenhorst geplant. Dort wird sich die Gemeinde Wallenhorst zusammen mit der Klimainitiative des Landkreises an einem gemeinsamen Stand präsentieren.

SK:KK: Die Aktivierung der Bürgerinnen und Bürger bildet einen Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit – etwa mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie "Ältester Heizkessel gesucht". Können Sie uns diese Maßnahme genauer beschreiben?

Stefan Sprenger: Die Aktion "Ältester Heizkessel gesucht" ist eine Maßnahme aus unserem Klimaschutzkonzept und soll die Wallenhorster Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen, sich mit ihrer Heizungsanlage auseinanderzusetzen. Alte Heizungsanlagen arbeiten ineffizient, klimaschädlich und sind zudem auch noch eine Belastung für das Portemonnaie – also gleich drei gute Gründe, diese auszutauschen. Bei unserem Wettbewerb erhält der Teilnehmer mit dem ältesten noch betriebenen Heizkessel ein modernes Brennwertgerät, das von einem Heizungshersteller gesponsert wird. Den Einbau, der ebenfalls Bestandteil des Gewinns ist, übernimmt ein Wallenhorster Heizungsinstallateur. Aber nicht nur der Eigentümer des ältesten Kessels wird in Zukunft Energie einsparen. Der Besitzer des zweitältesten Kessels erhält einen hydraulischen Abgleich, dem Drittplatzierten winkt eine neue Hocheffizienzpumpe. Beides wird ebenfalls von einer Wallenhorster Firma zur Verfügung gestellt.

Da fast alle alten Heizungsanlagen ein großes Optimierungspotenzial zur Reduzierung der klimaschädlichen CO2-Emissionen besitzen, es aber nicht immer gleich ein Komplettaustausch sein muss, erhalten die Besitzerinnen und Besitzer der zehn ältesten Kessel zudem einen Energie-Gebäude-Check ihres Hauses. An dieser Aktion können alle Eigentümerinnen und Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern teilnehmen, die ihre Immobilie dauerhaft selbst bewohnen.

SK:KK: Mit welchen weiteren Maßnahmen setzen Sie sich dafür ein, die Wallenhorster Bürgerschaft für den Klimaschutz zu sensibilisieren?

Stefan Sprenger: Als weiteres Beispiel ist die Flugthermografie-Aktion zu nennen, die wir in Kooperation mit einem Energieversorger in Wallenhorst umgesetzt haben. Alle Hauseigentümerinnen und -eigentümer in unserer Gemeinde hatten dabei die Möglichkeit, ein kostenloses Wärmebild ihres Hausdaches anzufordern. Die Entscheidung, diese Maßnahme umzusetzen, fiel noch vor meiner Einstellung als Klimaschutzmanager. Die Ausgabe der Wärmebilder und die daran anknüpfende Ansprache der Bürgerinnen und Bürger habe ich dann gestalten können. Im Foyer des Rathauses haben wir begleitend eine Ausstellung gezeigt, die die Möglichkeiten einer energetischen Sanierung sowie des Einsatzes von Erneuerbaren Energien thematisiert hat. Zudem haben wir drei Vortragsabende veranstaltet: zu den Schwerpunkten „Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten“, „Tipps bei der energetischen Sanierung“ sowie „Energiesparen im Haushalt“ haben die Teilnehmer Ideen und Erfahrungen ausgetauscht.

Außerdem bieten wir den Bürgerinnen und Bürgern von Seiten der Gemeinde ein eigenes Förderprogramm an. Die Gemeinde Wallenhorst fördert den hydraulischen Abgleich mit 200 Euro und den Austausch alter Heizungspumpen gegen Hocheffizienzpumpen mit 70 Euro. Diese Förderung wurde letztes Jahr so stark nachgefragt, dass wir den Fördertopf für das Jahr 2016 auf 10.000 Euro verdoppelt haben.

SK:KK: Nicht nur ökologische Gründe machen Klimaschutzmaßnahmen für Städte und Gemeinden attraktiv. Inwiefern rechnen sich Klimaschutzmaßnahmen in Wallenhorst auch in ökonomischer Hinsicht?

Stefan Sprenger: Die Gemeinde Wallenhorst führt derzeit eine LED-Sanierung in mehreren Schulräumen durch. Dabei werden alte Ein- beziehungsweise Unterbauleuchten gegen neue energiesparende LED-Leuchten ausgetauscht. Zusätzlich erhalten die Räume eine bewegungs- und tageslichtabhängige Regelungstechnik, sodass jährlich mehr als 70 Prozent Strom eingespart werden können. Bereits 2011 wurde die Straßenbeleuchtung auf energiesparende Leuchten umgerüstet.

Im September starten wir in allen Kindergärten und in fast allen Schulen in Wallenhorst die Einführung eines Energiesparmodells, welches ebenfalls im Rahmen der Kommunalrichtlinie gefördert wird. Ziel ist, alle beteiligten Akteure für einen bewussten Umgang mit Strom und Wärme zu sensibilisieren.

Porträt
Name Stefan Sprenger
Ausbildung

M.A. Wirtschafts- und Sozialgeographie
B.A. Betriebswirtschaftslehre

Kontaktdaten

Stefan Sprenger
Rathausallee 1
49134 Wallenhorst

Tel: 05407 - 888-740
Email: sprenger@wallenhorst.de

Bundesland

Niedersachsen

Landkreis

Osnabrück

Einwohnerzahl und Größe des Landkreises

23.000 Einwohner
47,18 km²

Meine Verortung im Landkreis

Fachbereich Planen, Bauen, Umwelt

Ich bin Klimaschutzmanager für...

...die Umsetzung der Maßnahmen des Integrierten Klimaschutzkonzeptes der Gemeinde Wallenhorst.

Projektlaufzeit

01.04.2015 – 31.03.2018

Highlights der vergangenen Monate

Aufklärungskampagne zur energetischen Sanierung mit einer Vortragsreihe sowie der Ausstellung „Unser Haus spart Energie – gewusst wie“

Flugthermografie-Aktion zur Erstellung von Wärmebildern aller Hausdächer in der Gemeinde Wallenhorst

„Klimamarkt 2050“ – Erlebnisausstellung zum nachhaltigen Konsum

Rathausallee 1
Wallenhorst
49134
8.0137900
52.3494810
Förderprogramm
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