Nahaufnahme Klimaschutz
September 2014

Stephan Latzko, Landkreis Vorpommern-Rügen

Zitat
"Meine Aufgabe ist für mich zugleich Chance und Herausforderung. Durch sie kann ich zu einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung bzw. Wirtschaftsförderung durch Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Stoffstrommanagement beitragen."

SK:KK: Was war Ihre Motivation, sich auf die Stelle des Klimaschutzmanagers des Landkreises Vorpommern-Rügen zu bewerben?

Herr Latzko: Bereits im Rahmen meiner vorherigen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Hochschule Trier war ich hauptverantwortlich für die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes der Insel Rügen, und bin damit bestens vertraut mit den Inhalten des Konzeptes. Insbesondere  das Spannungsfeld, das sich aus Tourismus, Naturschutz und Klimaschutz ergibt, stellt an den Landkreis Vorpommern-Rügen besondere Anforderungen bei  der Umsetzung eines solchen Konzeptes. Dieser Herausforderung, inklusive der Nutzung der ermittelten Klimaschutz-Potenziale, wollte ich mich als Klimaschutzmanager stellen. Da ich das Konzept mit erstellt hatte, musste ich mich nicht lange einarbeiten und konnte mich direkt mit der Umsetzung von Maßnahmen befassen.

SK:KK: Tourismus ist der Hauptwirtschaftszweig in einer strukturschwachen Region wie dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Wo findet der Klimaschutz seinen Platz?

Herr Latzko: Mit dem Hauptwirtschaftszweig Tourismus ergeben sich vor allem in der Hauptsaison von Mai bis September große Probleme im Verkehrsbereich, z.B. Staus, Lärm und Abgase. Hier liegt ein großes Einsparpotenzial! Dies gilt nicht nur für die Insel Rügen, sondern auch für die Urlaubsregion Fischland Darß-Zingst im Nordwesten des Landkreises und für die Hansestadt Stralsund. Um die Situation sowohl für Einwohner als auch für Urlauber zu verbessern, arbeiten wir vom Landkreis zusammen mit Kommunen, Tourismusverbänden und Unternehmen derzeit an einem Konzept zur Bereitstellung von alternativen Mobilitätsangeboten (Elektroautos und E-Bikes). Ich übernehme in dem Prozess eine Vermittlerrolle mit allen Beteiligten wie den Bürgermeistern, den Kurverwaltungen und den Hotels. Die Ideen sind noch im Anfangsstadium, aber es zeigt sich schon jetzt, dass Klimaschutz und Wirtschaftsförderung sich nicht gegenseitig im Weg stehen müssen. Klimaschutz soll vielmehr als Vermarktungsstrategie für den Tourismus etabliert werden. Die „Klima-Insel“ Juist dient uns dabei als ein Projektbeispiel.

SK:KK: Sie sind für die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes für die Insel Rügen zuständig: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Gemeinden?

Herr Latzko: Im Landkreis Vorpommern-Rügen gibt es bereits einige Gemeinden, die eigenständig Maßnahmen im Bereich Klimaschutz entwickeln: Beispielsweise den Aufbau von Nahwärmenetzen oder die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED. Als Klimaschutzmanager für den Landkreis Vorpommern-Rügen muss ich versuchen mich in 98 amtsangehörige und 8 amtsfreie Gemeinden und Städte einzubringen – eine komplexe Aufgabe! Ein Bereich, der alle Gemeinden gleichermaßen betrifft, ist die Erhaltung der kommunalen Liegenschaften. Nach 20 Jahren müssen beispielsweise in vielen Verwaltungs- und Schulgebäuden die Heizungsanlagen erneuert werden. Dabei wollen wir effiziente und zukunftsweisende Versorgungsstrukturen etablieren und langfristig Kosten einsparen. Indem ich mich zunächst auf die landkreiseigenen Gebäude konzentriere, schaffe ich „Vorzeigeprojekte“. Damit möchte ich den Ämtern, Gemeinden und Städten Ansatzpunkte für ihr eigenes Handeln geben. Einer der ersten Schritte ist beispielsweise, gemeinsam mit dem Fachbereich Gebäudemanagement des Landkreises, die einheitliche Erfassung der Energieverbräuche und -kosten aller kommunalen Gebäude.

SK:KK: Wie wichtig sind für Sie Erfahrungsaustausch und Vernetzung?

Herr Latzko: Bei einem so großen Landkreis ist es vor allem wichtig, die Aktivitäten im Bereich Klimaschutz zu bündeln und vorhandene Synergien zu nutzen. Viele gemeinsame Ansätze habe ich zum Beispiel mit der Klimaschutzmanagerin der Stadt Stralsund, Saskia Schütt, sowie mit Kolleginnen und Kollegen von der Bioenergieregion Rügen und dem Regionalmanagement (LEADER-Projekt1). Wir versuchen unsere Arbeit zu koordinieren und voneinander zu lernen und zu profitieren, etwa durch gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und das Durchführen gemeinsamer Projekte. So können wir unsere Aktivitäten und das Thema Klimaschutz breiter streuen und mehr Akzeptanz erzeugen. Ich bin z.B. Mitglied im Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Stralsund. Im April dieses Jahres haben wir gemeinsam einen Tag der Erneuerbaren Energien (Thema Mobilität) in Stralsund durchgeführt. Aus dem gemeinsamen Energiestammtisch „Energetische Gebäudesanierung“ ist zudem ganz aktuell die Idee entstanden, ein Sanierungsnetzwerk mit Partnern aus den Bereichen Architektur, Handwerk und Energieberatung für die Stadt Stralsund sowie den Landkreis zu etablieren.

SK:KK: Wie schaffen Sie es, die Verwaltung mitzunehmen?

Herr Latzko: Das Thema Klimaschutz ist für viele Kolleginnen und Kollegen in ihrer alltäglichen Arbeit noch nicht greifbar. Deshalb versuche ist zunächst, Akzeptanz für den Bereich und den Begriff Klimaschutz in der Verwaltung selbst zu schaffen. Vor allem bei einer so umfangreichen Struktur, wie ihn der Landkreis Vorpommern-Rügen hat, ist das mit großem Aufwand verbunden. Indem ich beispielsweise direkt auf die Kolleginnen und Kollegen der Fachbereiche Gebäudemanagement oder Umwelt zugehe, versuche ich Berührungspunkte zu finden und den Mehrwert des Themas Klimaschutz für alle sichtbar zu machen. Um eine gute Basis für die Arbeit eines Klimaschutzmanagers zu schaffen, sollten daher möglichst frühzeitig die Hauptziele der Position mit den beteiligten Fachbereichen festgelegt werden.

1 Leader ist ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung und wird aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) finanziert.

Porträt
Name Stephan Latzko
Ausbildung Dipl.-Betriebswirt (FH), Hochschule Trier, Standort Umwelt-Campus Birkenfeld
Kontaktdaten

Landkreis Vorpommern-Rügen
Carl-Heydemann-Ring 67
18437 Stralsund

E-Mail: stephan.latzko@lk-vr.de
Tel.: 03831-3571279

Bundesland Mecklenburg-Vorpommern
Kommune Landkreis Vorpommern-Rügen
Einwohnerzahl 223.718 (Fläche: 3.188 km2)
Meine Verortung in der Kommune Stabsstelle Regionalentwicklung beim Landrat Ralf Drescher
Ich bin Klimaschutzmanager für... ...den Landkreis Vorpommern-Rügen (mit 98 amtsangehörigen Gemeinden zuzüglich 8 amtsfreien Gemeinden und Städten) und setze das integrierte Klimaschutzkonzept mit den Teilkonzepten Erneuerbare Energien, integrierte Wärmenutzung in Kommunen und klimafreundliche Mobilität für die Insel Rügen um.
Projektlaufzeit Mai 2013 bis April 2016 (Erstvorhaben)
Highlights der nächsten 12 Monate Einführung von Energiesparmodellen in Schulen (Förderantrag im Rahmen der Kommunalrichtlinie)
Mobilitätskonzepte für die Bereiche Tourismus und Verwaltung
Projektentwicklung für die Insel Hiddensee (Energieautarkie und Tourismus)
Grünschnittnutzung im Landkreis Vorpommern-Rügen
Entwicklung eines Sanierungsnetzwerkes
Tag der Erneuerbaren Energien in Stralsund/Stadtradeln
Carl-Heydemann-Ring 67
Stralsund
18437
13.0681570
54.3098300
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