Nahaufnahme Klimaschutz
Februar 2016

Tatiana Herda Muñoz, Verbandsgemeinde Nieder-Olm

Tatiana Herda Munoz setzt sich dafür ein, dass der Klimaschutz in Nieder-Olm eine breite Öffentlichkeit erreicht. Dafür kommuniziert die Klimaschutzmanagerin nicht nur über Facebook, Twitter und Instagram mit den Bürgerinnen und Bürgern der Verbandsgemeinde, sondern begleitet auch Seniorenfahrten & Co.
Zitat
Zitat: „Die meisten Menschen interessieren sich nicht an erster Stelle für Klimaschutz, sondern für viele andere Themen. Das Gute daran ist, fast jedes Thema lässt sich mit Klimaschutz verbinden. Wichtiges Instrument bei diesem Überzeugungsprozess: Social Media.“

SK:KK: Was hat Sie persönlich gereizt, nach fünf Jahren in der  Energiewirtschaft künftig als Klimaschutzmanagerin in Nieder-Olm tätig zu werden?

Tatiana Herda Munoz: Kommunale Verwaltungen können eine Schlüsselrolle in der gesellschaftlichen Entwicklung einnehmen und diese mitgestalten. Diese strategische Position finde ich sehr interessant. Verwaltungen haben großen Einfluss auf die Bevölkerung. Durch ihre Aufgaben erreichen sie Bevölkerungsschichten und -gruppen, von denen man nur träumen kann, wenn man, wie ich zuvor, in der Branche für Erneuerbare Energien arbeitet. In dieser Branche bewegen sich die Akteure eher wie in einer großen Clique, erreichen die übrige Bevölkerung aber nicht. Durch den Wechsel in die Kommune möchte ich diese Grenze überwinden und Kontakt zu Menschen aufbauen, die sich bisher nicht mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigt haben. Ich bin überzeugt davon, dass ich als Klimaschutzmanagerin mehr für den Klimaschutz bewirken kann als zuvor in der freien Wirtschaft.

SK:KK: Durch welche ganz konkreten Maßnahmen erreichen Sie die Bevölkerung vor Ort in Ihrer Verbandsgemeinde?

Tatiana Herda Munoz: Ich nutze vor allem zwei Kanäle: den persönlichen Kontakt und unterschiedliche Informationsplattformen. Dabei spielt das Thema Klimaschutz nicht immer von Anfang an die Hauptrolle. Wichtig ist zunächst einmal all das, was die Menschen vor Ort interessiert. Ich versuche ihre Bedürfnisse zu verstehen. Dann verbinde ich diese Bedürfnisse mit Themen rund um den Klimaschutz. Bis jetzt bin ich mit dieser Herangehensweise sehr gut gefahren.

Um möglichst unterschiedliche Bevölkerungsschichten zu erreichen, arbeite ich eng mit anderen Kollegen zusammen, etwa dem Seniorenbüro. Ich nehme an Seniorenfahrten teil und plane mit der Seniorenbeauftragten gemeinsame Aktivitäten. Durch den persönlichen Kontakt wächst innerhalb der Bevölkerung nach und nach das Wissen um meine Stelle, meine Arbeit und somit auch die Akzeptanz bei der Umsetzung von Maßnahmen. Gerade zu Anfang meiner Tätigkeit hier vor Ort habe ich eine Reihe „fachfremder“ Veranstaltungen genutzt, um den Nieder-Olmern mich und meine Arbeit vorzustellen. Im Gespräch platziere ich dann Themen wie energetische Haussanierung, Elektromobilität oder Konsum. In diesem Jahr gehen wir einen Schritt weiter und haben konkrete Veranstaltungen zum Thema Klimaschutz geplant.

Damit das Thema Klimaschutz präsent bleibt und vor Ort verstetigt werden kann, muss natürlich auch immer wieder darüber berichtet werden. Das geschieht in der Zeitung, im lokalen Fernsehen – und vor allem ganz viel über unsere Homepage und die Social-Media-Kanäle.

SK:KK: Viele Kommunen haben Vorbehalte in Bezug auf die Nutzung sozialer Medien. Welche Erfahrungen haben Sie mit Facebook, Twitter & Co. gemacht?

Tatiana Herda Munoz: Soziale Netzwerke und eine gute Homepage sind nicht mehr die „Kommunikationskanäle der Zukunft“. Sie sind jetzt schon essentiell, wenn man seine Bürger erreichen möchte. In Rheinland-Pfalz nutzen 73% der Bevölkerung Social Media. Eine gute und attraktive Online-Strategie führt zu mehr Zufriedenheit mit und Interesse für die Verwaltung. Wenn die Online-Strategie gut gemacht ist, dann ist der Kosten-Nutzen-Faktor sehr hoch. Aber dafür ist auch ein Umdenken in der Verwaltungsspitze nötig.

Wir sind seit Oktober online und haben durchweg positive Erfahrungen gemacht. Wichtig ist, dass man unterschiedliche Social-Media-Kanäle nicht über einen Kamm schert. Jeder Kanal spricht eine andere Zielgruppe an. Über Twitter ist man mit der Politik und Klimaschutzbranche verbunden, es ist ein Medium auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene. Facebook nutze ich, um mit den Nieder-Olmern in Kontakt zu bleiben, sie zu informieren und selbst Input von den Bürgern zu bekommen, es ist mein lokaler Kanal zu einem Großteil der Bevölkerung. Instagram ist wichtig, um mit Jugendlichen in einen Dialog über Klimaschutzthemen zu treten, da sich diese immer mehr aus Facebook zurückziehen.

SK:KK: Welche Themen eignen sich Ihrer Erfahrung nach besonders gut in sozialen Netzwerken?

Tatiana Herda Munoz: Meine Hauptdevise beim Content ist: Menschen interessieren sich für andere Menschen. Viele unserer Beiträge haben einen persönlichen Charakter, seien es Blogposts von Praktikanten oder Interviews mit Nieder-Olmern. Die Themen drehen sich um alles, was Klimaschutz und Nachhaltigkeit tangiert, dabei muss Klimaschutz nicht die Hauptrolle spielen. Manchmal haben die Themen auch nichts damit zu tun, aber sehr viel mit dem Leben in der Verbandsgemeinde. Das stärkt die Position der Kampagne innerhalb des gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinde. Weiterhin achte ich darauf, dass die Themen in unserer Verbandsgemeinde kein oder nur ein geringes Konfliktpotential haben. Am besten eignen sich Themen, mit denen man möglichst viele Menschen, Presse und Institutionen verlinken kann, um die Reichweite zu erhöhen. So hat meine letzte Praktikantin zum Beispiel einen Blogspot zu ihrer veganen Ernährung veröffentlicht. Ihre Freunde haben das geteilt und wir hatten schnell eine Reichweite von über 2.000 Personen und auch ein paar Follower mehr. Ich möchte die Neugier der Menschen wecken, um dann tiefer in Klimaschutz-Themen einzusteigen.

SK:KK: Welche Unterstützung wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang von der Politik?

Tatiana Herda Munoz: Das Bundesumweltministerium ist mit der #ziek-Kampagne bereits Vorreiter im Bereich Online-Kommunikation. Nun sollte dieser Weg konsequent bis zur kommunalen Ebene gefördert und gefordert werden. Notwendig dafür ist, dass das Bundesumweltministerium das Nutzen von Online-Kanälen wie Social Media und einer eigenen Internetseite bzw. Projekthomepage als festen Bestandteil eines Klimaschutzkonzeptes fordert. Weiterhin wäre ein Online-Starterpaket, welches nicht nur Guidelines, sondern auch ein Smartphone mit entsprechendem Datenvolumen sowie eine Schulung enthält, für eine nachhaltige Kommunikationsstrategie notwendig.

Porträt
Name Tatiana Herda Muñoz
Ausblidung B.Sc. Environmental Impact Assessment
Kontaktdaten

Pariser Str. 110
55268 Nieder-Olm
Tel.: 06136 69-262
E-Mail: Tatiana.herdamunoz@vg-nieder-olm.de

Facebook: https://www.facebook.com/natuerlichoben
Twitter: @nat_oben
Instagram: nat_oben

Bundesland Rheinland-Pfalz
Kommune Verbandsgemeinde Nieder-Olm
Einwohnerzahl und Größe der Kommune 32.000 bei 73 km2
Meine Verortung in der Kommune Abteilung Bau, Umwelt und Verkehr
Ich bin Klimaschutzmanagerin für... ...drei Teilkonzepte: eigene Liegenschaften, integrierte Wärmenutzung und Erneuerbare Energien
Projektlaufzeit 07/2015 – 06/2017
Highlights des vergangenen Jahres

Interner Launch unserer Homepage

Interviews mit Bürgern der Verbandsgemeinde

BarCamp des BMUB #ziek-Kampagne

Treffen mit Staatssekretär Jochen Flasbarth

(Einspar-)Effekte (mit Vergleichsjahr)

Investive Maßnahmen werden erst 2016 umgesetzt, auch das Einführen des E-Controllings ist für dieses Jahr geplant

Pariser Str. 110
Nieder-Olm
55268
8.2032530
49.9090600
Förderprogramm
Weiterführende Informationen