Nahaufnahme Klimaschutz
August 2014

Thomas Berens, Landkreis Cochem-Zell

Zitat
"Klimaschutz ist nicht nur etwas für Experten – jeder muss dazu beitragen. Als Klimaschutzmanager kann ich ganz konkret daran mitarbeiten, den Landkreis Cochem-Zell zum Null-Emissions-Landkreis zu entwickeln."

SK:KK: Ihre persönliche Motivation - Warum haben Sie sich dafür entschieden, als Klimaschutzmanager zu arbeiten?

Herr Berens: Ich bin in einer sehr ländlich geprägten Region (Landkreis Grafschaft Bentheim / Niedersachsen) aufgewachsen. Für mein Studium habe ich deshalb bewusst die ländlich gelegene Fachhochschule Trier am Standort Umwelt-Campus Birkenfeld gewählt. Hier sowie während meiner Tätigkeit als Mitarbeiter am Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) konnte ich mir wesentliche Voraussetzungen für die Arbeit als Klimaschutzmanager wie technisches Know-How aneignen. Die Vielseitigkeit des Berufs und meine Vorkenntnisse haben mich zu einer Bewerbung als Klimaschutzmanager motiviert. Den Kontakt zu meinem vorherigen Arbeitgeber kann ich auch weiterhin nutzen: Das IfaS begleitete den Landkreis Cochem-Zell z.B. beim Bundeswettbewerb "Bioenergie-Regionen", der Erstellung des Klimaschutzkonzepts sowie der Teilnahme am European Energy Award® als erste Kommune in Rheinland-Pfalz.

SK:KK: Worin sehen Sie die Besonderheiten Ihrer Tätigkeit eines "Landkreis-Klimaschutzmanager"?

Herr Berens: Der Landkreis Cochem-Zell ist ein stark ländlich geprägter Flächenlandkreis mit 89 kreisangehörigen Gemeinden. Das Thema Klimaschutz ist im Fachbereich Kreisentwicklung, Klimaschutz und Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung angesiedelt. Als Klimaschutzmanager bin ich der zentrale Ansprechpartner im Landkreis in Sachen Klimaschutz und Energiewende. Dies erfordert einen enormen Koordinationsbedarf mit Verwaltung, Politik, Bürgerschaft und kommunalen Unternehmen. Trotz regionaler Unterschiede und unterschiedlicher Kulturlandschaften (Eifel – Mosel – Hunsrück) versuche ich den unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden. Je nach Themenschwerpunkt führe ich mit den Klimaschutzakteuren vor Ort bspw. Informationsveranstaltungen durch und biete Fördermittelberatungen an. Der Landkreis hat sich ein großes Netzwerk für seine Klimaschutzziele aufgebaut. Auch die Energieagentur unser-klima-cochem-zell e.V. ist Teil dieser Partnerschaft. Sie ist für jeden offen und erlaubt es, die Kompetenzen in der Region zu bündeln.

Durch die vielfältigen Aufgaben, die beim Landkreis angesiedelt sind, ergeben sich gute Kooperationsmöglichkeiten (z.B. in den Bereichen ÖPNV und Abfallbeseitigung) für meine Arbeit als Klimaschutzmanager. Zudem ist der Landkreis Träger der Kreisvolkshochschule. Mein Fachbereich bietet gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule jährlich zahlreiche Seminare in den Bereichen Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien für Privathaushalte an.

SK:KK: Sie sind bald im Anschlussvorhaben tätig - Was bedeutet das genau? Hat sich Ihr Aufgabenspektrum dadurch verändert?

Herr Berens: Insgesamt werden im Klimaschutzkonzept mehr als 50 Maßnahmen genannt, wovon im Erst- sowie im Anschlussvorhaben jeweils 13 unterschiedliche Maßnahmen bewilligt wurden. 

Somit wurden für die kommende Förderperiode neben weiterzuführenden Aufgaben – wie der Öffentlichkeitsarbeit, der Durchführung von Informationsveranstaltungen und Schulungsmaßnahmen sowie der Fortschreibung der Energie- und CO2-Bilanz – neue Schwerpunktthemen festgelegt. Im Anschlussvorhaben möchte ich bspw.:

  • die Kommunen dabei unterstützen, die Innenbeleuchtung kommunaler Gebäude auf sparsame LED-Beleuchtungstechnologien umzustellen.
  • ein Expertennetzwerk zum Thema „Energetische Sanierung im Denkmalschutz“ aufbauen. Der Landkreis verfügt über eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude. Zusammen mit dem Expertennetzwerk möchte ich Handlungsoptionen an denkmalgeschützten Gebäuden aufzeigen und Bauherren beraten.
  • ein Energiemanagement- und Controllingsystem zur Verbesserung der energetischen Gebäudebewirtschaftung für zunächst kreiseigene Liegenschaften einführen. Das System soll zukünftig auch von den Kommunen genutzt werden, daher wird es von vornherein einen Austausch mit den Kommunalverwaltungen geben.
  • ein Carsharing-System für die Dienstwagenflotten der Verwaltungen und Unternehmen im Landkreis aufbauen. Außerhalb der Geschäftszeiten sollen die Fahrzeuge auch von weiteren Interessenten wie privaten Haushalten und Feriengästen genutzt werden.

 SK:KK: Ausgewählte Klimaschutzmaßnahme - Wie nutzen Sie diese Möglichkeit?

Herr Berens: Der Landkreis Cochem-Zell bietet ein ortsnahes Hol- und Bringsystem von Grünschnitt an. Der Energiegehalt der gesammelten Biomasse bleibt bisher jedoch ungenutzt. Der Landkreis möchte das ungenutzte Potenzial zur thermischen Energiegewinnung nutzen. Ein erstes Projekt ist dabei die Umstellung der Beheizungsanlage des Schulzentrums Zell auf eine Feuerungsanlage für Häckselgut aus Grüngutsammlungen. Das Vorhaben wird als ausgewählte Klimaschutzmaßnahme vom Bundesumweltministerium gefördert. Die Baumaßnahmen, die am 24.07.2014 begannen, sollen insbesondere in den Sommerferien, vor  der nächsten Heizperiode erfolgen. Wir rechnen mit einer jährlichen Einsparung an CO2-Emissionen in Höhe von ca. 237 Tonnen sowie 90.000 Liter Heizöl. Dies entspricht einer Minderung von 92,84 Prozent gegenüber der konventionellen Ölfeuerung. Für die Umsetzung der ausgewählten Klimaschutzmaßnahme sind verschiedene Akteure notwendig: Fachabteilungen der Kreisverwaltung, Landwirte, Maschinenring, ein begleitendes Ingenieurbüro und ausführende Handwerksbetriebe. 

SK:KK: Sehen Sie langfristig die Chancen, dass Ihre Stelle verstetigt wird?

Herr Berens: Für eine erfolgreiche Umsetzung des Ziels Null-Emissions-Landkreis zu werden bedarf es auch zukünftig eines Klimaschutzmanagements. Mit der Gründung der Energieagentur unser-klima-cochem-zell e.V. wurde zudem eine Institution geschaffen, die es langfristig ermöglichen soll, solch eine Stelle zu verstetigen – die Weichen sind somit gestellt. Die Energieagentur dient dazu, die freiwilligen Ausgaben für den Klimaschutz im Kreishaushalt möglichst gering zu halten und auf mehrere Schultern zu verteilen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Klimaschutzstrategie auch in Zukunft weiterverfolgt wird. 

Porträt
Name Thomas Berens
Ausbildung Studium der Bio-, Umwelt- und Prozessverfahrenstechnik (B. Eng.) an der Fachhochschule Trier am Standort Umwelt-Campus Birkenfeld, Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater (HWK) bei der Handwerkskammer Koblenz
Kontaktdaten

Endertplatz 2
56821 Cochem

E-Mail: thomas.berens@cochem-zell.de
Telefon: 02671-61800

Meine Verortung in der Kommune Kreisverwaltung Cochem-Zell, Fachbereich Kreisentwicklung, Klimaschutz
Bundesland Rheinland-Pfalz
Kommune und Einwohnerzahl

Rund 62.000 Einwohner auf einer Fläche von knapp 700 km2

Ich bin Klimaschutzmanager für... ...den Landkreis Cochem-Zell, Fachbereich Kreisentwicklung, Klimaschutz
Projektlaufzeit 01.09.2011 - 31.08.2014 (Erstvorhaben)
01.09.2014 - 31.08.2016 (Anschlussvorhaben)
Highlights der nächsten 12 Monate

Umsetzung einer ausgewählten Klimaschutzmaßnahme: Eine bestehende Heizungsanlage einer Schule soll auf Biomasse aus kommunalen Grünschnittsammlungen umgerüstet werden

Verstetigung und Ausbau des Angebotes der im August 2012 gegründeten Energieagentur "unser-klima-cochem-zell e.V." des Landkreis

Endertplatz 2
Cochem
56821
7.1667040
50.1482290
Förderprogramm
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