Projekt des Monats

Klimaschutz Kommunal: Kempten im Allgäu: Auch beim Klimaschutz weit oben

Mit einem Masterplan wird die Stadt zur Musterkommune in Sachen Energiewende und Emissionsminderung
Kommunen
Kempten im Allgäu ist eine der höchstgelegenen Städte Deutschlands. Die Mittelstadt im bayerischen Schwaben will auch beim Klimaschutz hoch hinaus. Sie hat ihr Engagement mit einem hohen Stellenwert versehen, sehr langfristig angelegt und besonders ambitionierte Klimaschutzziele beschlossen.

Die Stadt Kempten, gerne auch als "Hauptstadt des Allgäus" betitelt, ist sich ihrer Verantwortung für das Klima schon seit Langem bewusst. Schon im Jahr 1998 gründete sie gemeinsam mit anderen regionalen Organisationen das Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza!), eine gemeinnützige GmbH zur Förderung erneuerbarer Energien und effizienter Energienutzung. Für die kommunalen Liegenschaften wurde im Jahr 1999 ein Energiemanager eingestellt, der sich vor allem mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigte. Im Jahr 2009 legte der Stadtrat die Aufgabe "Klima schützen" als strategisches Zukunftsziel bis zum Jahr 2020 fest – gleichwertig neben den Zielen "Wirtschaft stärken", "Jugend ausbilden", "demografischen Wandel gestalten" und "Schuldenfreiheit im städtischen Haushalt". Die Grundlage für konkrete Maßnahmen bildet seit März 2011 das mit Förderung durch das Bundesumweltministerium erarbeitete "Integrierte Klimaschutzkonzept Energiezukunft 2020". Danach soll Kempten bis 2020 seinen Endenergieverbrauch und seine Treibhausgasemissionen um rund 20 Prozent (verglichen mit 1990) verringern. Doch Kemptens Anspruch geht weiter: Im Klimaschutz möchte die Stadt im Vergleich mit Kommunen ähnlicher Größe eine Vorreiterrolle einnehmen. 

Generationenübergreifende Perspektive

Um dem Klimaschutz vor Ort eine längerfristige Perspektive zu geben, bewarb sich die Stadt für das bundesweite Pilotprojekt "Masterplan 100% Klimaschutz" des Bundesumweltministeriums. Im Frühjahr 2012 erhielt Kempten als eine von 19 Kommunen den Zuschlag für die Teilnahme. Bei dem Vorhaben – es soll bis Februar 2016 laufen – geht es darum, nachhaltige Strategien zu entwickeln, um bis zum Jahr 2050 den Energieverbrauch der Stadt um 50 Prozent und die klimaschädigenden Emissionen um bis zu 95 Prozent, beides verglichen mit 1990, zu senken.

Neben dem Erstellen eines strategischen Masterplans werden im Rahmen des Kemptener "Masterplans 100% Klimaschutz bis 2050" weitere Aktivitäten für mehr Klimaschutz gefördert. Vorgesehen sind zehn "Schlüsselprojekte" mit zahlreichen Einzelmaßnahmen. Sie betreffen vor allem die kommunalen Handlungsfelder nachhaltige Planung, Mobilität, interne Organisation sowie Kommunikation und Kooperation. Die in den Masterplankommunen entwickelten Lösungsansätze sollen als Beispiele für andere Städte in der Bundesrepublik dienen. Ein regelmäßiger Austausch der Masterplankommunen untereinander ist ein wichtiger Teil dieses Prozesses, im Dezember ist Kempten Gastgeber für das Vernetzungstreffen der Masterplankommunen.

Klimaschutz zum gemeinschaftlichen Anliegen machen

Klimaschutz vor Ort kann nur erfolgreich sein, wenn er zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Unternehmen und Wirtschaftsbetrieben, den umliegenden Kommunen und Landkreisen sowie verschiedenen Organisationen und Verbänden gestaltet wird. Demgemäß hat die Stadt Anfang 2013 z.B. das "Nachhaltigkeitsnetzwerk Kempten" ins Leben gerufen. In ihm haben sich ortsansässige Unternehmen zusammengefunden. Das Netzwerk soll dazu beitragen, Energiekosten und CO2-Emissionen zu senken, Know-how zu bündeln und gemeinsam Lösungen für unterschiedliche klimarelevante Bereiche zu entwickeln. Koordiniert wird dieses Netzwerk vom Klimaschutzmanager der Stadt – dessen Stabsstelle wird für die Aufgabe, den Masterplan umzusetzen, ebenfalls durch die Kommunalrichtlinie gefördert.

Neben dem Erarbeiten und Umsetzen eines umweltfreundlichen Verkehrskonzepts bilden Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung den Kern des Kemptener Masterplans. Lebensstile und Verhalten der Menschen, die in Kempten leben und arbeiten, gilt es zunehmend nachhaltig zu gestalten. Um das Bewusstsein für Klimaschutz, Energieeinsparung und Energieeffizienz in der Kemptener Bevölkerung zu schärfen und um deren Mitsprache zu stärken, organisiert die Stadt z.B. Bürgerforen.

An Schülerinnen und Schüler wendet sich der "Energieführerschein". Bei diesem Angebot entdecken Kinder ab der 3. Klassenstufe die einzelnen Facetten der Themen Energie und Klimaschutz. Schulen, die am Energiesparprogramm "fifty-fifty“ teilnehmen, erhalten – neben Prämienzahlungen für ihre Energieeinsparungen – zusätzlich Prämien für besondere Klimaschutzaktivitäten. Die "Energiewerkstatt Kindergarten" ist ein Projekt, bei dem Kinder spielerisch für den sparsamen Umgang mit Energie sensibilisiert werden.

Auf dem Weg zur "Vorzeigestadt im Klimaschutz"

Um die zahlreichen Aktivitäten im Rahmen des Masterplans umzusetzen, wird die Stadt Kempten mit insgesamt 400.000 Euro nach der Kommunalrichtlinie gefördert. Der aktualisierte Kemptener Masterplan wird im Dezember 2013 im Stadtrat vorgestellt. Dort werden dann auch die einzelnen Projekte beschlossen, die Kempten im Jahr 2014 umsetzt. Näheres dazu wird auf der Homepage zum Klimaschutz in Kempten veröffentlicht. Kemptens Klimaschutzmanager Thomas Weiß unterstreicht die Ambitionen der Stadt: "Wir haben mit unserem Masterplan Neuland betreten und stehen nun in der energiepolitischen Diskussion bundesweit im Rampenlicht. Mit seinen Aktivitäten wird sich Kempten sicher zu einer Vorzeigestadt im Klimaschutz entwickeln."

Kommune Kreisfreie Stadt Kempten
Bundesland & Größe Freistaat Bayern, Regierungsbezirk Augsburg, Fläche: ca. 63 km2
Einwohner 64.625 (Stand: 31.12.2012)
Projektname Masterplan 100% Klimaschutz bis zum Jahr 2050
Förderbaustein Masterplan 100% Klimaschutz (eine Weiterführung des Förderschwerpunkts "Masterplan 100% Klimaschutz" ist derzeit in der Diskussion)
Projektvolumen insgesamt rund 500.000 Euro
Förderquote 80%
Projektzeitraum 03/2012-02/2016
Geplante Effekte Bis 2050 Senkung des Energieverbrauchs der Stadt um 50% und Reduzierung der klimaschädigenden Emissionen um bis zu 95%, beides verglichen mit 1990
Ansprechpartnerin Klimaschutz und Öffentlichkeitsarbeit

Thomas Weiß, Klimaschutzmanager
Thomas.Weiss@kempten.de

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