Projekt des Monats

Klimaschutz Kommunal: Pionierleistungen für den Klimaschutz in der Region

Interkommunales Klimaschutzkonzept setzt auf die Stärken Mittelthüringens
Kommunen
Der Landkreis Gotha hat mit Förderung durch das Bundesumweltministerium das erste integrierte Klimaschutzkonzept Thüringens für einen Landkreis erarbeitet. Er setzt damit den Gemeinden, der Bevölkerung und der Wirtschaft im Kreis einen Handlungsrahmen und gibt Impulse für eigene Klimaschutzanstrengungen, die an die Besonderheiten der Region anknüpfen.

Mit rund 136.000 Einwohnern, fünf Städten und 43 weiteren Gemeinden ist Gotha Thüringens bevölkerungsreichster Landkreis. Im Süden wird er begrenzt durch den Thüringer Wald – bekannt für seine Erholungsgebiete und Wanderwege. Erneuerbare Energien sind kein Neuland für die Region: Hier befinden sich der größte Windpark des Freistaats, der größte Solarpark Mittelthüringens sowie eine der größten Biogasanlagen des Bundeslandes. In Planung ist zudem ein Pumpspeicherwerk im Thüringer Wald mit einem Investitionsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro.

Ferner hat das Landratsamt mit Blick auf Energieeffizienz bereits zahlreiche eigene Gebäude energetisch sanieren lassen: 16 Schulen und ein Verwaltungsgebäude erhielten im Zuge des Konjunkturprogramms einen Vollwärmeschutz. Ergänzend erfasst und kontrolliert ein Energiemanagement den jährlichen Verbrauch an Strom und Heizenergie der kreiseigenen Liegenschaften, die seit 2012 ausschließlich durch so genannten grünen Strom versorgt werden.

Von September 2012 bis Oktober 2013 wurde das "integrierte Klimaschutzkonzept für den Landkreis Gotha und seine Kommunen" erstellt – damit ist der Landkreis Klimaschutz-Vorreiter in Thüringen. 65 Prozent der Erstellungskosten übernahm das Bundesumweltministerium im Rahmen der Kommunalrichtlinie. Das interkommunale Konzept liefert eine Bestandsaufnahme und zugleich eine Entscheidungsgrundlage in Sachen energetischer Entwicklung für die kreisangehörigen Kommunen. Handlungsempfehlungen zeigen auf, welche Umsetzungsschritte nötig sind, um die Klimaschutzziele des Landkreises zu erreichen: bis 2020 rund 45 Prozent der benötigten Energie aus erneuerbaren Energien zu erzeugen (derzeit sind es anteilig 33 Prozent am Stromverbrauch) sowie gegenüber 2010 den Energieverbrauch um 20 Prozent und die CO2-Emissionen um 35 Prozent zu senken.

Mehr Orte, mehr Beteiligte, mehr Aufwand

Für den Landkreis als Auftraggeber bedeutete es viel Aufwand, ein Klimaschutzkonzept zu erstellen, das kreisweit Gültigkeit beansprucht. So mussten etwa die Bürgermeister und Räte der Städte und Gemeinden in das Vorhaben eingebunden werden. Die Bewohner in fünf Modellkommunen wurden mittels Fragebogen nach ihrem Energieverbrauch befragt. Bürgerinnen und Bürger, Gewerbebetriebe und ehrenamtliche Organisationen konnten sich in Informationsveranstaltungen und Bürgerworkshops im gesamten Kreisgebiet informieren und Vorschläge einbringen. Expertenworkshops lieferten Fachexpertise hinzu. Projektgruppen griffen die  Ergebnisse der Veranstaltungen auf und entwickelten Handlungsvorschläge. Die lokalen Medien wurden für ihre Berichterstattung laufend unterrichtet. Eine Lenkungsgruppe beim Landratsamt steuerte den gesamten Prozess.

Das Klimaschutzkonzept enthält allgemeine Handlungsempfehlungen, etwa zu Energieerzeugung, Gebäudetechnik, Verkehr und Öffentlichkeitsarbeit. Zusätzlich gibt es den Kreiskommunen individuelle Empfehlungen. Diese basieren z.B. in Sachen Verbesserung der Energieeffizienz von gemeindeeigenen Liegenschaften auf gebäudegenauen Analysen. Untersucht wurde auch, wie viel Energie, CO2-Emissionen und Kosten sich einsparen lassen, wenn die Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen umgerüstet wird. Bisher entfallen durchschnittlich 56 Prozent des kommunalen Stromverbrauchs im Landkreis auf die Straßenbeleuchtung (Bezugsjahr 2011).

Die Besonderheiten der Region nutzen – auch beim Klimaschutz

Beim Klimaschutz nutzt der Landkreis Gotha auch die Charakteristika der Region. Dabei sollen nicht nur die Dächer zahlreicher genossenschaftlicher Wohnbauten zur Solarenergieerzeugung genutzt werden, der Landkreis setzt auch auf Energietourismus.

Der Rad- und Wandertourismus in der Region des Thüringer Waldes ist auf dem Vormarsch. Um diesen Trend für den Klimaschutz zu nutzen, sollen beispielsweise Radwege als Regenerative-Energien-Wege ausgewiesen werden und an Windkraft-, Freiflächen-Photovoltaikanlagen und Biomasseheizkraftwerken vorbeiführen. Möglich wäre auch eine Strecke mit den Schwerpunkten "Holz und Wasser" durch den Thüringer Wald und entlang der Talsperren. Außerdem ließe sich ein Netz von Verleih- und Ladestationen für Elektrofahrräder aufbauen. Diese Rad- und Wanderrouten machen die Erneuerbare-Energien-Anlagen im Landkreis erlebbar. Zugleich fördern sie nachhaltigen Tourismus und unterstützen das Image des Landkreises als zukunftsorientierte Region.

Im Landkreis Gotha existieren es viele genossenschaftliche Wohnbauten mit Flach- oder Satteldächern, welche sich  gut für die Solarstromerzeugung eignen. Hierzu gilt es, jeweils die Gebäudestatik zu prüfen, die beste Dimensionierung der PV-Anlage zu ermitteln sowie die rechtlich und wirtschaftlich günstigste Betreiberstruktur für die Anlage, z.B. als Bürgerenergiegenossenschaft, zu finden.

Insgesamt könnten im Landkreis Gotha 144 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs bis 2030 aus Windkraft, Solarenergie sowie Holz- und Ackerbiomasse gedeckt werden. Der Landkreis würde sich so nicht nur selbst mit Energie versorgen, sondern könnte sogar Energie exportieren.

Anstoßfunktion und Dienstleistung für die Kommunen des Landkreises

Das Klimaschutzkonzept enthält detaillierte Hinweise zu Fördermöglichkeiten durch Bund und Land sowie weitere Fördermittelgeber. Das unterstreicht die Dienstleistungsfunktion, die der Landkreis Gotha mit dem Erstellen des Konzepts für seine Kommunen erfüllt. Landrat Konrad Gießmann bringt es auf den Punkt: "Ein eigenes Klimaschutzkonzept aufzulegen, soll sich für die gesamte Region lohnen. Das Konzept ist bei zahlreichen Förderprogrammen Voraussetzung dafür, dass künftig innovative Projekte im Kreisgebiet mit Anschlussförderungen unterstützt werden können."

Kommune Landkreis Gotha
Bundesland & Größe Freistaat Thüringen, Fläche 936 km²
Einwohner 135.118 (Stand 30.06.2013)
Projektname Förderbaustein: Klimaschutzkonzepte und Teilkonzepte
Projektvolumen rund 112.000 Euro
Förderquote

65% rund
71.000 Euro Bundesförderung nach der Kommunalrichtlinie

Projektzeitraum 09/2012-10/2013
Geplante Effekte Reduzierung der CO2-Emissionen um 35 Prozent und des Energieverbrauchs um 20 Prozent (gegenüber 2010) sowie Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Energieverbrauch von derzeit 33 Prozent auf 45 Prozent
Ansprechpartner Klimaschutz

Raic Pache, Landratsamt Gotha,
Amt für Bauverwaltung und Kreisentwicklung,
03621 214 206
bau.kreisentwicklung@kreis-gth.de

Ansprechpartner Öffentlichkeitsarbeit

Adrian Weber, Landratsamt Gotha,
Pressestelle/Pressesprecher
03621 214 225
Pressestelle@kreis-gth.de

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