Projekt des Monats
01. Aug. 2016

Klimaschutz Kommunal: Stadt Speyer

Speyer radelt für den Klimaschutz
Kommunen
Speyer bietet als eine der ältesten Städte Deutschlands beste Möglichkeiten, sich auf die Spuren der Vergangenheit zu begeben. Immer häufiger sorgt die Stadt in Rheinland-Pfalz aber auch mit einem ganz aktuellen Thema für Aufmerksamkeit: dem Klimaschutz. Dort, wo vor rund 2000 Jahren die Römer lagerten und aus dem Ort einen blühenden Handelsplatz machten, wurde 2010 ein Integriertes Klimaschutzkonzept verabschiedet. Das Konzept wurde vom Bundesumweltministerium (BMUB) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert, genauso wie das in 2015 erstellte Klimaanpassungskonzept. Als weiterer Meilenstein im Klimaschutz wird derzeit ein Radverkehrskonzept – ebenfalls mit einer Förderung durch das BMUB – erarbeitet, mit dem das selbst gesteckte Ziel „Klima- und Fahrradstadt Speyer“ mit noch mehr Leben gefüllt werden soll.

Großes Einsparpotenzial im Mobilitätsbereich

Seit 2012 ist Fabienne Mittmann für die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes  als Klimaschutzmanagerin in der Domstadt im Einsatz.

„In Speyer gibt es gerade für die kurzen Distanzen von bis zu drei Kilometern kein schnelleres Verkehrsmittel“, erklärt Fabienne Mittmann. Das BMUB förderte ihre Stelle im Klimaschutzmanagement seit 2012 zunächst im Rahmen eines Erstvorhabens und seit 2015 als Anschlussvorhaben. „Durch seine günstige Lage in der Rheinebene, die flache Topographie und das milde Klima sind die Bedingungen zum Radeln ideal“, ergänzt Mittmann. Zugleich bietet der Mobilitätsbereich ein großes Potenzial, klimaschädigende CO2-Emissionen zu reduzieren. Laut dem Klimaschutzkonzept von 2010 entfallen 139.000 Tonnen und damit rund 25 Prozent der Treibhausgasemissionen in Speyer auf den Bereich Verkehr und lassen sich hauptsächlich auf den motorisierten Individualverkehr zurückführen. „Eine Verlagerung von knapp 10 Prozent würde schon eine jährliche Einsparung von 8.800 Tonnen CO2 zur Folge haben“, sagt Fabienne Mittmann.

Die Vorteile liegen auf der Hand – bisher fehlt in Speyer jedoch ein schlüssiges Konzept für den Ausbau und die Gestaltung des Radverkehrs. Mit der Förderung durch das BMUB nutzt Speyer nun die Möglichkeit, mit professioneller Unterstützung durch ein erfahrenes Planungsbüro ein Gesamtkonzept zu erstellen, welches alle Potenziale und Möglichkeiten im Radverkehr aufzeigt. Teil der Konzepterstellung ist eine detaillierte Analyse der aktuellen Situation, bei der die wichtigsten Ziele im Stadtgebiet sowie die Hauptverkehrsströme des Fahrradverkehrs, etwa durch den Schülerverkehr, identifiziert werden sollen. „Ziel ist, einen innovativen Ansatz zu entwickeln, der die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt“, so Mittmann. Denn mit dem Ausbau des Radverkehrs gehen auch innerstädtische Konflikte einher. „Die Innenstadt von Speyer weist eine enge historische Bebauung auf. Dementsprechend gibt es viele Zielkonflikte mit anderen Bereichen, wie zum Beispiel dem Denkmalschutz aber auch mit Cafés, etwa wenn die Außenbestuhlung geplanten Radstrecken im Wege steht“, beschreibt Fabienne Mittmann die Herausforderungen in Speyer.

Wichtiges Gremium zum Austausch der unterschiedlichen Interessen ist die Arbeitsgruppe Radverkehr, in der nicht nur alle politischen Fraktionen des Speyerer Stadtrats, sondern unter anderem auch die Polizei, der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club ADFC, die Presse und interessierte Ehrenamtliche vertreten sind. Diese Arbeitsgruppe arbeitet eng mit dem Planungsbüro zusammen. „Besonders freuen wir uns über das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger von Speyer, die sich tatkräftig in den Prozess einbringen“, sagt die Klimaschutzmanagerin. Sogar eine kostenfreie Radverkehrs-App für Speyer ist durch das ehrenamtliche Engagement schon entstanden.

Das Radverkehrskonzept widmet sich mehreren Schwerpunkten: Der Ausbau eines flächendeckenden und sicheren Radverkehrsnetzes inklusive der notwendigen Radverkehrsführung und Beschilderung steht ebenso im Fokus wie der Ausbau eines Netzes von leicht zugänglichen, diebstahlsicheren und witterungsgeschützten Fahrrad- und Pedelecabstellanlagen. Außerdem sind die Verknüpfung des Radverkehrs mit dem Öffentlichen Personennahverkehr sowie die Erweiterung des Mobilitätsangebots, zum Beispiel in Form von weiteren Fahrradverleihstationen geplant. Acht Stationen eines überregionalen Fahrradverleihsystems befinden sich bereits im Stadtgebiet.

Überzeugungsarbeit auf zwei Rädern

Einen hohen Stellenwert nimmt das Thema Öffentlichkeitsarbeit ein. „Die Sensibilisierung und Begeisterung der Bevölkerung für eine verstärkte Nutzung des Fahrrads zählt sicherlich zu den größten Herausforderungen“, sagt Fabienne Mittmann. Deswegen zeigt auch der Oberbürgermeister Einsatz auf zwei Rädern. Im Mai 2016 lud Hansjörg Eder zum Beispiel zum gemeinsamen Feierabendradeln entlang der Rheinauen ein. Bereits zum 5. Mal hat sich Speyer 2016 auch an der deutschlandweiten Kampagne STADTRADELN beteiligt. Während des dreiwöchigen Aktionszeitraums legten 481 Radlerinnen und Radler, davon 20 Mitglieder des Kommunalparlaments, die stolze Summe von 82.344 Kilometern mit dem Fahrrad zurück und vermieden auf diese Weise fast 12 Tonnen CO2. Erstmals nahmen begleitend zum STADTRADELN auch fünf Speyerer Kitas mit über 350 Kindern an einer Kindermeilen-Aktion teil und wurden auf diese Weise an die klimafreundliche Mobilität herangeführt. Die gesammelten Kindermeilen sollen im November 2016 auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Marrakesch übergeben werden.

„Bereits heute sind die Speyerer sehr fahrradaktiv. Ich bin überzeugt, dass wir mit der passenden Infrastruktur und ein bisschen Überzeugungsarbeit noch viele weitere Bürgerinnen und Bürger für die Nutzung von klimafreundlichen Fortbewegungsmöglichkeiten begeistern können“, ist Fabienne Mittmann überzeugt.

Antragsteller

Stadt Speyer

(42,58 km2 / 50.186 Einwohner (2015))

Bundesland

Rheinland-Pfalz

Geförderte Projekte im Rahmen der NKI

 

Projekte

Integriertes Klimaschutzkonzept
Projektzeitraum: 01/2010 – 12/2010

Klimaschutzmanagement (Erstvorhaben und Anschlussvorhaben)
Projektzeitraum: 01/2012 – 02/2015 und 03/2015 – 02/2017

Klimaschutzteilkonzept "Anpassung an den Klimawandel"
Projektzeitraum: 08/2012 – 07/2015

Klimaschutzteilkonzept "Klimafreundliche Mobilität" (Radverkehr)
Projektzeitraum: 09/2015 – 11/2016

Ansprechperson

Stadt Speyer
Fabienne Mittmann
Klimaschutzmanagerin
Maximilianstraße 100
67346 Speyer

Tel: 06232 – 14 25 96
Mail: fabienne.mittmann@stadt-speyer.de