Projekt des Monats
01. Jun. 2016

Klimaschutz Kommunal: Stadt Flensburg

Rückenwind für den Klimaschutz in Flensburg
Kommunen
Zuletzt hatten wir im Herbst 2014 über das engagierte Vorgehen der Masterplankommune Flensburg berichtet (Projekt des Monats, 10/2014). Seitdem hat sich viel getan und die Stadt an der Förde ist ihrem Ziel „100 % Klimaschutz“ ein gutes Stück näher gekommen.

Treibende Kraft für das Klimaschutzengagement der norddeutschen Stadt ist der in 2008 gegründete Klimapakt Flensburg e.V. Das Akteurs-Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen, Organisationen und Privatpersonen, die es sich gemeinsam zum Ziel gesetzt haben, die CO2-Neutralität von Flensburg bis 2050 umzusetzen. Mit einem Integrierten Klimaschutzkonzept und der Teilnahme am bundesweiten Programm „Masterplan 100 % Klimaschutz“ konnte dieses Ziel in den Folgejahren auch stadtpolitisch verankert werden.

Seit dem letzten Bericht in 2014 hat sich die Anzahl der Mitglieder des Klimapaktes Flensburg e.V. mehr als verdoppelt. „Das zeigt deutlich, dass der Klimaschutz in Flensburg immer mehr Akzeptanz und Unterstützung erfährt“, freut sich Martin Beer. Er ist seit 2012 als Masterplanmanager in Flensburg tätig. „Zugleich konnte sich der Klimapakt e.V. inzwischen wesentlich professioneller aufstellen – was in hohem Maße durch das Engagement der Mitgliedsorganisationen getragen wird“, weiß Beer. So haben die Stadtwerke Flensburg zum Beispiel Räumlichkeiten für die Geschäftsstelle des Klimapaktes e.V. zur Verfügung gestellt und einen Mitarbeiter der Leitungsebene im Rahmen seiner Arbeitszeit dafür freigestellt, die Geschäftsstelle zu leiten. „Indem die Mitgliedsorganisationen ihrem Personal Freiräume für die Arbeit im Klimapakt geben, entstehen dem Verein selbst keine zusätzlichen Personalkosten“, erklärt Martin Beer die Vorteile dieses Modells. „Zugleich tragen die professionelleren Strukturen mit gut vernetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dazu bei,  dass immer mehr Projekte erfolgreich auf den Weg gebracht werden können“, sagt der Masterplanmanager.

Wichtige Voraussetzung für die Ausweitung des Vereins und die Mitgliederakquise ist die professionelle Öffentlichkeitsarbeit des Klimapakts, um die sich das PR-Büro des Klimapakts kümmert. Über erfolgreiche und sichtbare Kampagnen, eine kontinuierliche Präsenz in den lokalen Medien mit durchschnittlich einem Artikel  pro Woche und eine attraktive Internetpräsenz (25.000 Seitenaufrufe im Jahr 2015) wird für den lokalen Klimaschutz kontinuierlich eine hohe Sichtbarkeit gewährleistet.

Patenschaften machen Car-Sharing zum Erfolgsmodell

Bestes Beispiel dafür ist die erfolgreiche Einführung von Car-Sharing im März 2015. „Flensburg hat nur 90.000 Einwohner, da hatten viele Car-Sharing-Anbieter Bedenken, dass sich das nicht rechnet“, so die Erfahrung von Martin Beer, als vor drei Jahren ein Anbieter gesucht wurde. Indem sich jedoch fünf Unternehmen und Organisationen aus dem Kreis der Klimapakt-Mitglieder bereit erklärten, Patenschaften für je eine Verleihstation zu übernehmen und hierfür einen Mindestumsatz zu garantieren, konnte dem Anbieter Cambio von Anfang an die benötigte finanzielle Planungssicherheit gegeben werden. „Ganz zu Anfang war das vereinzelt nötig, inzwischen haben sich jedoch alle Stationen etabliert“, freut sich Martin Beer. Auch für die Stationspaten lohnt sich das Modell, denn sie können mit Car-Sharing Teile ihrer Dienstmobilität abdecken und damit Kosten sparen. Gerade die Stadtverwaltung Flensburg selbst macht zunehmend von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Die Bilanz nur ein Jahr nach Einführung von Car-Sharing kann sich sehen lassen: Mehr als 550 Flensburgerinnen und Flensburger nutzen inzwischen das Angebot, fast täglich kommen neue hinzu. Im Frühjahr 2016 konnte eine sechste Verleihstation eröffnet werden, weitere sollen in Kürze folgen. Den größten Nutzen zieht einmal mehr das Klima aus diesem Modell. Denn Martin Beer ist sich sicher, dass Cars-Sharing das Mobilitätsverhalten nicht nur in Bezug auf die PKW-Nutzung positiv beeinflusst. „Wer auf den einen eigenen PKW verzichtet, nutzt in der Regel auch häufiger öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad und vermeidet so viele Autofahrten“, so Beer.

Beratungsleistungen für Vereinsmitglieder

„Zugleich hat der Klimapakt e.V. in den letzten zwei Jahren viel dafür getan, den Mehrwert des Vereins auch für seine Mitglieder zu steigern“, berichtet der Klimaschutzmanager. In der Vergangenheit sind die Mitglieder mit ihrem Vereinsbeitritt lediglich eine Selbstverpflichtung zum Schutz des Klimas eingegangen. Seit 2015 unterstützt sie der Verein darüber hinaus noch mit ganz konkreten Beratungsleistungen zum Energiesparen. Ganz in diesem Sinne fiel im November 2015 der Startschuss für die erste „Energie-Challenge“ in Flensburg, einem Energiesparwettbewerb für die Unternehmen des Klimapaktes, die dazu aufgerufen wurden, ihre Maßnahmen und Ideen zur CO2-Reduzierung zu präsentieren. Die ersten Gewinner wurden im April 2016 bereits gekürt. So konnte etwa das Malteser St. Franziskus Hospital mit einer breit angelegten internen Informationskampagne zum Klimaschutz den ersten Platz in der Kategorie „Mitarbeitermotivation“ erreichen.

Mehr Freiraum für Querschnittsprojekte

Auch die Stadtverwaltung selbst hat den Stellenwert von Klimaschutz einmal mehr bekräftigt. „In der aktuellen Finanzplanung wurde ein Investitionsbudget von 100.000 Euro für stadtinterne Querschnittsprojekte freigegeben“, sagt der Masterplanmanager. Mit diesem Budget soll es möglich werden, Klimaschutzprojekte stärker in die Stadtplanung einzubeziehen und einzelnen Abteilungen und Fachbereichen mehr Eigenverantwortung im Klimaschutz zu geben.

Zugleich setzt die Stadtverwaltung auf die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger, die noch stärker in konkrete Klimaschutzprojekte eingebunden werden sollen. Aktuell führen Vertreter des Klimapakts Gespräche mit interessierten Flensburger Stadtteilforen über konkrete Klimaschutzmaßnahmen in den Quartieren. Von Viertel zu Viertel sollen dabei in Kooperation der Bürgerinnen und Bürger mit dem Klimapakt ganz unterschiedliche Maßnahmenideen angepackt werden. Diese reichen vom Laufbus für Schulkinder über Verleihangebote für Lastenräder bis hin zur Etablierung weiterer Car-Sharing-Stationen.

„Flensburg hat den richtigen Kurs zur CO2-Neutralität eingeschlagen. Wir haben eine wachsende und tatkräftige Crew und den nötigen Rückenwind, um das Ziel bis 2050 zu erreichen“, ist Martin Beer überzeugt.

Antragsteller

Stadt Flensburg

Bundesland

Schleswig-Holstein

Geförderte Projekte im Rahmen der NKI

 

Masterplan 100 % Klimaschutz

Projektzeitraum:
07/2012 – 06/2016

Anschlussvorhaben Masterplanmanagement:
07/2016 – 06/2018

Ansprechperson

Stadt Flensburg
Martin Beer, Klimaschutzmanager
Am Pferdewasser 14
24937 Flensburg

Tel:  0461-852 105
Mail: beer.martin@flensburg.de