Projekt des Monats
01. Nov. 2016

Klimaschutz Kommunal: Stadt Zwickau

Zwickau: Kühle Strategien gegen heiße Aussichten
Kommunen
In Zwickau wird es immer wärmer. Während heute etwa fünf sogenannte „heiße Tage“ im Jahr mit Temperaturen über 30 Grad Celsius die Regel sind, prognostizieren die Klimaforscher bis Ende des 21. Jahrhunderts einen Anstieg auf bis zu 30 „heiße Tage“ pro Jahr. Grund genug für die Stadtverwaltung, sich schon jetzt für diese Entwicklung zu wappnen. Zwickau hat als erste Kommune im Freistaat Sachsen ein Klimaschutzteilkonzept „Anpassung an den Klimawandel“ entwickelt. Das Bundesumweltministerium hat das Vorhaben im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.

Die Folgen des Klimawandels in Zwickau sind vielfältig. Die mit der Anpassungsstrategie beauftragten Berater und Wissenschaftler  erwarten nicht nur dauerhaft erhöhte Temperaturen und extreme Hitzeperioden. Sie gehen ebenfalls von einer deutlichen Zunahme  von Unwetterereignissen, wie zum Beispiel Starkregen, aus. Die im Rahmen des Klimaschutzteilkonzeptes entwickelte Anpassungsstrategie beschreibt die  klimatischen Veränderungen für jeden einzelnen Stadtteil von Zwickau. „Die Stadtverwaltung ist momentan dabei, einen aktuellen Flächennutzungsplan zu erarbeiten. Dafür wurden dringend belastbare Daten zu den konkreten Auswirkungen des Klimawandels benötigt“, erklärt Lukas Gregori. Er ist Klimaschutzmanager in der Stadtverwaltung von Zwickau und für die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes von 2013 verantwortlich. Auch die Anpassungsstrategie ist eine Maßnahme, die auf das Klimaschutzkonzept zurückgeht.

Gesundheit erheblich gefährdet

Die Ergebnisse der Anpassungsstrategie verdeutlichen zugleich, dass der Klimawandel Auswirkungen auf viele Bereiche des städtischen Lebens hat. So ist zum Beispiel die Gesundheit der Bevölkerung auf unterschiedliche Weise vom Klimawandel betroffen. „Hitzewellen betreffen vornehmlich Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem generell schwachen Immunsystem – oft alte Menschen und Kinder. Für sie können Hitzewellen bei unangepasstem Verhalten sogar lebensbedrohlich sein“, so Gregori. Gefährdet sind dann längst nicht nur ältere und pflegebedürftige Menschen sowie chronisch Kranke. „Auch gesunde Erwachsene könnten unter einer deutlich geminderten Leistungsfähigkeit leiden“, sagt der Klimaschutzmanager.

Auch Verkehrssicherheit beeinträchtigt

Nicht nur die Gesundheit ist betroffen. Ein weiteres Beispiel: Hohe Temperaturen wirken sich auch auf die Verkehrsinfrastruktur und damit die Verkehrssicherheit aus. Asphaltstraßen können sich verformen und aufplatzen, gefährliche Spurrillen können entstehen. Ebenso könnte der öffentliche Personennahverkehr betroffen sein: etwa wenn Straßenbahnschienen sich verformen oder Teer in Gleisbetten schmilzt und sich löst. „Hinzu kommt, dass bei großer Hitze die Konzentrationsfähigkeit von Auto-, Straßenbahn- und Busfahrern leidet und damit das Risiko von Verkehrsunfällen steigt“, verdeutlicht Gregori die komplexen Auswirkungen.

Ein umfangreiches Maßnahmenpaket zeigt, wie Zwickau diesen Risiken entgegenwirken kann. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Reduktion von Hitzebelastungen in der Innenstadt und dem Stadtteil Pölbitz. Hier ist eine extreme Zunahme sommerlicher Hitzeperioden nahezu sicher und die Anfälligkeit gegenüber Hitzestress besonders groß. „Der Ausbau der Stadtbegrünung mit angepassten Arten und eine Neuentwicklung des Städtebaus sind in diesen Stadtteilen von herausragender Bedeutung“, so Gregori. Dabei steht die Stadtverwaltung zugleich vor der Herausforderung, Klimaschutz und Klimaanpassung aufeinander abzustimmen.

Klimaschutz und Klimaanpassung im Konflikt

„Gerade im innerstädtischen Bereich kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel“, erläutert Gregori. Im Sinne des Klimaschutzes ist eine hohe städtebauliche Verdichtung zu befürworten, denn das ermöglicht unter anderem eine Bündelung von Strukturen und somit eine Einsparung von Energie. Zugleich neigen stark verdichtete Städte zu Wärmeinseln. Denn im bebauten Bereich wird mehr Energie abgegeben, innerstädtische Grünflächen fallen weg und der Luftaustausch wird erschwert. „Wichtigstes Ziel ist, diese Art von Konflikten zu minimieren und auch in verdichteten Städten noch für ausreichend Durchgru?nung und Frischluftschneisen zu sorgen“, weiß der Klimaschutzmanager. Die Anpassungsstrategie empfiehlt unter anderem eine Begrünung von Dächern, Fassaden und Innenräumen sowie die Planung vernetzter Grünzüge.

Eine weitere Herausforderung liegt für Gregori in der Aktivierung der Stadtverwaltung sowie der politischen Entscheidungsträger zur Auseinandersetzung mit der Thematik selbst. „Einige Arbeitsbereiche haben die Relevanz des Themas für ihre Arbeit noch nicht erkannt. Dies gilt natürlich nicht für alle Ämter und Fachbereiche“, sagt Gregori. „Ich sehe es als Schwerpunkt meiner Tätigkeit, diese Vertrautheit mit dem Thema in alle Bereiche einzubringen“, so der Verwaltungsmitarbeiter.

Positiv bewertet Gregori das Interesse der Bürgerinnen und Bürger sowie der Medien an der Strategie zur Anpassung an den Klimawandel. „Die öffentliche Vorstellung der Anpassungsstrategie Anfang September im Rathaus war sehr gut besucht“, so Gregori. Ebenso hat mich das mediale Interesse – besonders auch überregionaler Medien, etwa des MDR und der Tageszeitung Freien Presse, gefreut“, ergänzt er. Öffentlichkeitsarbeit wird künftig einen herausragenden Stellenwert in der Arbeit des Klimaschutzmanagers einnehmen – ebenso wie die Vernetzung relevanter Akteure. „Ich möchte eine zum Thema Klimawandel kompetente Basis außerhalb der Stadtverwaltung etablieren, deren Wirkkraft im Klimaschutz und der Klimaanpassung jene der Stadtverwaltung um ein Vielfaches multiplizieren kann“, verdeutlicht Gregori.

Ein globales Problem wird lokal

Der Weg hin zu einer dem Klimawandel angepassten Stadt Zwickau ist noch lang. Ein Erfolg ist das Projekt für Gregori aber jetzt schon. „Die Anpassungsstrategie verortet konkrete, lokale Auswirkungen eines abstrakten, globalen Phänomens und schlägt Maßnahmen für jeden einzelnen Stadtteil vor, um den entstehenden Problemen entgegenzuwirken“, erklärt er. „Bei zukünftigen Entscheidungen kann dieses Wissen einfließen. Die Klimaanpassungsstrategie stärkt die Argumente im Bereich der Klimaanpassung ungemein, da sie nicht mehr auf einer globalen oder bundesweiten Dimension angesiedelt sind, sondern sich explizit für die Stadt Zwickau verorten lassen“, so das Fazit des Klimaschutzmanagers.

Antragsteller

Stadt Zwickau
(102,6 km2/ 91.138 Einwohner (Stand 30.06.2016))

Bundesland

Freistaat Sachsen

Geförderte Projekte im Rahmen der NKI

 

Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept

Projektzeitraum: 09/2012 – 08/2013

Klimaschutzmanagement

Projektzeitraum: 03/2015 – 05/2018

Klimaschutzteilkonzept „Anpassung an den Klimawandel“

Projektzeitraum: 11/2014 – 10/2016

Ansprechperson

Stadtverwaltung Zwickau
Lukas Gregori
Klimaschutzmanager
Umweltbüro
Werdauer Straße 62
08056 Zwickau

Tel: 0375 83 - 36 12
Fax: 0375 83 - 36 36
Mail: Umwelt@Zwickau.de

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