Projekt des Monats

Klimaschutz Kommunal: Wegbereiterin im kommunalen Klimaschutz: Die Stadt Lahr

Kommunen
Die südbadische Stadt Lahr ist sich ihrer Verantwortung für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung schon lange bewusst und hat sich über Baden-Württemberg hinaus einen Namen als engagierte Klimaschutzkommune gemacht.

Damals wie heute: Pionierkommune beim Klimaschutz - mit internationaler Perspektive

Die Stadt Lahr ist seit 1993 Mitglied im Klima-Bündnis, einem europäischen Netzwerk von Kommunen, die sich dazu verpflichtet haben, zum Weltklimaschutz beizutragen. Mit ihrem Beitritt zum Klima-Bündnis hat sich Lahr sehr früh das Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent zu senken und die Pro-Kopf-Emissionen bis spätestens 2030 gegenüber 1990 zu halbieren. Um dies zu erreichen, hat Lahr bereits 1999 ein erstes kommunales Klimaschutzkonzept erstellt.

Die 44.000-Einwohner-Kommune im Ortenaukreis hat seitdem zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um Energie einzusparen, die Energieeffizienz zu erhöhen und vermehrt erneuerbare Energien zu nutzen. Für vorbildliche Leistungen in der kommunalen Energiepolitik wurde Lahr erstmals 2010 im Rahmen des European Energy Award (eea) als "Europäische Energie- und Klimaschutzkommune" ausgezeichnet. Der eea ist ein internationales Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren. Es unterstützt Kommunen in Deutschland und Europa auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz. 2011 und 2014 folgten weitere eea-Auszeichnungen und Zertifizierungen für Lahrs umsetzungsorientierte Energie- und Klimaschutzpolitik.

Lahr nimmt seit 2012 an dem internationalen Projekt "50 kommunale Klimapartnerschaften bis 2015" teil. Dessen Grundgedanke ist es, die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte - derzeit sind es 33 - mit Kommunen im "globalen Süden" in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu stärken. Im Rahmen dieser Initiative ging Lahr eine Klimapartnerschaft mit seiner Partnerstadt Alajuela in Costa Rica ein. Schwerpunkte des fachlichen Austausches bilden derzeit die Themen Abfall- und Abwassermanagement, Lebensqualität im städtischen Raum, Information und Kommunikation sowie Klimakompensationsmaßnahmen.

Schritt für Schritt: Mit System zur Klimaschutzkommune

Die Stadt Lahr ruht sich nicht auf Erfolgen aus, sondern baut ihr Engagement für den Klimaschutz systematisch aus. Denn Lahr will die Verpflichtung aus dem Beitritt zum Klima-Bündnis, die CO2-Emissionen bis spätestens 2030 zu halbieren, bereits bis zum Jahr 2022 erfüllen.

Beispielsweise werden seit dem Schuljahr 2012/2013 an sieben Lahrer Schulen erfolgreich Energie und Wasser gespart. Das "Fifty-Fifty-Projekt für Lahr - 100 Prozent für den Klimaschutz" wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) durch das Bundesumweltministerium gefördert. Jede teilnehmende Schule in Lahr richtete als "treibende Kraft" ein Energieteam aus Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und dem Hausmeister ein. Das Team kontrolliert z.B. Beleuchtung und Raumtemperatur, spürt Stromverbraucher auf und wirbt für verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Neben Energie und Wasser werden so auch Kosten eingespart. Von Letzteren erhalten die Schulen 50 Prozent zur freien Verfügung, zehn Prozent die Hausmeister und 40 Prozent die Stadt Lahr zur Umsetzung weiterer energetischer Maßnahmen. Die Bilanz nach dem ersten Projektjahr: Verbrauchsrückgänge von 5,8 Prozent bei Wärme, von 4 Prozent bei Strom und von 2 Prozent bei Wasser; im weiteren Projektverlauf erwartet die Stadt noch positivere Ergebnisse.

Ebenfalls mit Fördermitteln im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative hat die Stadt Lahr 2012 unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie weiterer wichtiger Akteure ein neues, zeitgemäßes Klimaschutzkonzept erstellt. Aus dem "Integrierten Klimaschutzkonzept Lahr 2012" hat der Gemeinderat 34 Maßnahmen ausgewählt, die in einem "10-Jahre-Aktionsplan" zusammengefasst und prioritär umgesetzt werden. Besonderen Wert legt die Stadt auf einen gut organisierten Finanz- und Zeitrahmen: Für jede Maßnahme wurden kommunale Finanzmittel, eine Zeitschiene und ein Controlling verbindlich festgelegt.

Der 10-Jahre-Aktionsplan umfasst nicht nur eigene Projekte, mit denen die Stadt wie bisher ihre Vorbildfunktion im Klimaschutz wahrnimmt, etwa die energetische Sanierung städtischer Schulgebäude. Er nimmt auch die privaten Haushalte sowie die großen und kleinen Betriebe in Lahr - etwa Maschinen- und Anlagenbauer, Autozulieferer und Sanitärausstatter - stärker in den Blick. Ihnen und weiteren Akteuren bietet die Stadt Lahr Information, Beratung und auch Fördermittel an, um gemeinsam die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen.

Ein Engagement, das Früchte trägt

Durch die Klimaschutzaktivitäten der Stadt sind die CO2-Emissionen in Lahr bis 2010 um 22 Prozent im Vergleich mit 1990 gesunken. Pro Einwohner sanken sie sogar um 28 Prozent auf derzeit 8,1 Tonnen. Bis 2022 will Lahr das selbst gesteckte Ziel von nur noch 5,7 Tonnen CO2 pro Einwohner erreichen. Die Stadt Lahr befindet sich bei der Erfüllung der Klimaschutzziele der Bundesregierung bereits im Zielkorridor. Die Vielfältigkeit ihrer Initiativen und Maßnahmen macht sie auch für andere Kommunen zum Vorbild.

Für die Zukunft sind in Lahr noch viele Klimaschutzprojekte zu erwarten. Lahr nutzt dabei Fördermöglichkeiten, die das Bundesumweltministerium mit der Kommunalrichtlinie bietet: Fördermittel für ein Klimaschutz-Teilkonzept "Integrierte Wärme- und Kältenutzung in Lahr" hat die Stadt bereits beantragt, ebenso Mittel, um ein Klimaschutzmanagement zur Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts einzurichten. Der Klimaschutzmanager oder die Klimaschutzmanagerin soll, neben vielem anderen, die Lahrer Bevölkerung noch mehr für das Anliegen Klimaschutz sensibilisieren. Denn, so Manfred Kaiser, Umweltbeauftragter der Stadt Lahr, "Vorbild zu sein, genügt uns als Stadt Lahr nicht: Durch Informationsangebote und Beteiligungsmöglichkeiten wollen wir weiteren Akteuren Wissen vermitteln und sie motivieren, selbst im Sinne des Klimaschutzes tätig zu werden."

Kommune Stadt Lahr
Bundesland & Größe Baden-Württemberg, Regierungsbezirk Freiburg, Landkreis Ortenaukreis; Fläche: rund 69,79 km2
Einwohner 43.720 (Stand 3. Quartal 2013)
Projektnamen (1) Integriertes Klimaschutzkonzept Lahr 2012 (2) Fifty-Fifty-Projekt für Lahr - 100 Prozent für den Klimaschutz
Förderbaustein (1) Erstellung von Klimaschutzkonzepten und Teilkonzepten (2) Umsetzung von Klimaschutzkonzepten bzw. Teilkonzepten durch ein Klimaschutzmanagement für die Einführung bzw. Weiterführung von Energiesparmodellen an Schulen und Kindertagesstätten
Projektvolumen (1) 63.427,00 Euro (2) 65.152,00 Euro
Förderquote (1) 65 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben (2) 65 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben
Projektzeitraum (1) 2011-2012 (2) 2012-2015
Geplante Effekte bis 2022 Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 50 Prozent im Vergleich zu 1990 (entspricht 228.000 t CO2/Jahr) (Lahrer Ziel)
Ansprechpartner Klimaschutz

Manfred Kaiser, Stabsstelle Umwelt
07821-910 0621
manfred.kaiser@lahr.de

Ansprechpartner Öffentlichkeitsarbeit

Pressestelle
07821-910 0103
pressestelle@lahr.de

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